Symbolbild: Auf einer Tafel steht am 19.03.2014 in in einer Grundschule der Schriftzug "1./2. Stunde fällt aus!!!" (Bild: dpa/Caroline Seidel)
Video: Brandenburg Aktuell | 03.12.2019 | Ludger Smolka | Bild: dpa/Caroline Seidel

Kranke Lehrer - Unterrichtsausfälle in Brandenburg auf Zehn-Jahres-Hoch

Weil Lehrer krank sind, fallen in Brandenburg derzeit so viele Unterrichtsstunden aus, wie seit zehn Jahren nicht. Das belegen neue Zahlen. Gründe sind den Lehrergewerkschaften zufolge die Überalterung der Lehrerschaft und die hohe Belastung der Pädagogen.

An Brandenburgs Schulen haben die Fehlstunden, die durch Krankschreibungen von Lehrern verursacht wurden, im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Das geht aus einer Statistik hervor, die das Bildungsministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion veröffentlichte.

Danach betrugen die Fehlstunden im Schuljahr 2018/2019 im Schnitt sieben Prozent des gesamten Stundensolls, rund 1,5 Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren. Ausgeglichen wurden sie nach Angaben des Ministeriums bis auf einen kleinen Teil durch andere Pädagogen oder Seiteneinsteiger.

Weitere Ausfälle durch Mutterschutz und Fortbildung

Noch nicht enthalten sind in der Zahl jene Ausfälle, die nicht durch Krankheit verursacht wurden. Einschließlich der Ausfälle durch Mutterschutz oder individuelle Beschäftigungsverbote liegt die Zahl nach Informationen von Lehrerverbänden bei über acht Prozent.

Werden die weiteren Fehlstunden, die etwa auf die Weiterbildung von Lehrern entfallen, hinzugerechnet, ergibt sich ein Vertretungsbedarf von mehr als elf Prozent. Das zeigt: Die sogenannte Vertretungsreserve von drei Prozent, die die Schulämter vorhalten müssen, reicht nicht einmal, um die reinen Krankheitsfälle auszugleichen. Bislang haben die Lehrerverbände vergebens eine Erhöhung dieser Personalreserve auf mindestens acht Prozent gefordert.

Seiteneinsteiger müssen Löcher stopfen

Wesentliche Ursachen des hohen Krankenstands sieht der Brandenburgische Pädagogen-Verband (BPV) in der Überalterung der Lehrerschaft sowie ihrer Überforderung. Vorwiegend aus Altersgründen schieden im vergangenen Schuljahr laut Bildungsministerium 991 unbefristet beschäftigte Lehrer und sonstiges pädagogisches Personal aus dem Schuldienst aus. Ein Jahr zuvor waren es 806 Beschäftigte, zwei Jahre zuvor 664.

Da in der Vergangenheit wegen fehlender Studienangebote in Brandenburg zu wenige Nachwuchslehrer ausgebildet wurden, müssen immer mehr sogenannte Seiteneinsteiger ohne Lehramtsstudium die Lücken füllen. Ende September dieses Jahres waren laut Ministerium bereits 14 Prozent aller Lehrkräfte an den Grundschulen Seiteneinsteiger.

Belastung von Pädagogen verringern

Zwar hat die Landesregierung nach eigener Darstellung in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht, um die Lehrer zu entlasten. Wie es in der Antwort des Ministeriums heißt, gehören dazu die Einstellung von Pädagogen als Beamte, eine höhere Besoldung, die Verringerung der wöchentlichen Pflichtstunden um eine Stunde und eine bessere arbeitsmedizinische Betreuung. Dennoch haben die durch Krankheit verursachten Fehlstunden zugenommen.

Die Lehrergewerkschaften fordern wirksamere Schritte, um die Belastung der Pädagogen zu verringern. Der BPV hat bereits im Mai 2018 ein Konzept mit dem Titel "Bildungsqualität durch Fachkräfte stärken" vorgelegt, um die Lehrer zu entlasten. "Getan hat sich seither nicht viel", sagte BPV-Präsident Hartmut Stäker. Gern verweist er auf andere Bundesländer, wo die Zahl der Pflichtstunden bereits für Lehrer ab 55 Jahren verringert wird - in Brandenburg erst mit 60.

In Niedersachsen gebe es an jeder Schule einen Lehrerassistenten, der den Pädagogen bei der Vorbereitung und Organisation des Unterrichts entlastend zur Seite stehe, meinte Stäker. Verwaltungsassistenten und Schulsekretärinnen könnten den Schulleitungen den Rücken von nichtpädagogischen Arbeiten frei halten.

Sozialarbeiter müsste es an jeder Schule geben, ebenso IT-Administratoren. Auch müsse die schulpsychologische Betreuung verbessert und in die Schulen verlegt werden. Bisher sind die Beratungsstellen bei den vier staatlichen Schulämtern angesiedelt. "Auch mehr nichtpädagogische Arbeitnehmer an den Schulen könnten den Lehrern vieles leichter machen."

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.12.2019, 8 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

11 Kommentare

  1. 11.

    Also ich kann dieses Gejammer aus dem öffentlichen Dienst von Lehrern oder Polizei nicht mehr hören, als ob es in der Wirtschaft draußen nur rosig laufen würde alles dreifach besetzt ist und man fast gar nichts zu tun hat.
    nein auch dort ist es genauso überall herrscht ein Mangel an Arbeitskräften aber da muss man eben das Beste draus machen und nicht krank feiern.
    da sie aber alle sehr sicher in ihrem Sattel sitzen vor allem Lehrer mit dicken Pensionen später können die sich natürlich sowas erlauben.

  2. 9.

    Haltet die Kid's nur schön ungebildet, ihr könnt dann länger regieren und unverdiente Gelder und Pensionen einstreichen ohne Leistung erbringen zu müssen. 6

  3. 8.

    Wo hat sich denn ein Lehrer hervorgetan und behauptet, das er mehr belastet ist, als Nichtbeamte? "Krankschreiben lassen" ist gewagt, wenn auch nicht ausgeschlossen. Viel viel öfter und stärker sind die beruflich bedingten tatsächlichen schweren Fälle von Arbeitsunfähigkeit - und das hat schon etwas mit den nicht wertschätzenden Bedingungen zu tun.

  4. 7.

    Ist schon recht dreist, was das Bildungsministerium oder die Landesregierung unter Entlastung versteht. Dies wird die Wirkung bei den Betroffenen nicht verfehlen.

  5. 6.

    Hauptsache es bekommen alle Abitur um dann zu studieren und wichtige Posten zu übernehmen, die sie dann überfordern.

  6. 5.

    Ich kann nicht sehen, welche Mehrbelastung Lehrer gegenüber anderen Arbeitnehmern ausgesetzt sind. Ich denke eher, dass der Beamtenstatus und fehlende Erfolgsbeteiligungen am „Unternehmen Schule“ dazu verleiten, sich öfter krankschreiben zu lassen, als das Mitarbeiter der freien Wirtschaft in Erwägung ziehen würden.

  7. 4.

    Die Gründe für die anhaltende Erfolglosigkeit rückwärtsgewandter, veralteter links/grüner Bildungspolitik in Brb. werden im Beitrag besonders deutlich. Die Einstellung "im Kopf" stimmt nicht. So werden "Entlastungen" bei Lehrern verkauft, die gar keine sind: jahrelange unbezahlte Mehrarbeit von +1h wurde viel zu spät zurückgenommen und eine höhere Besoldung trifft Anfänger, nicht die Leistungsträger. Die müssen sich Mindestbezahlung "einklagen". Dem Gegenüber steht Mehrarbeit durch "Zuarbeiten" an die Sacharbeiter im BM und die Auffassung das Druck, Gängelei und Kontrollen nur hoch genug sein müssen. Wertschätzung sieht anders aus.

  8. 3.

    Die Lehrer versuchen sich durch Krankheit den allfälligen Verhältnissen in nicht gymnasialen Schulformen zu entziehen.

    Die neueste Pisa Studie weist aus, das ein Fünftel der 15 jährigen auf der "unteren Kompetenzstufe" angekommen sind, wo die Lesefähigkeit nahe bei den Kenntnissen der funktionalen Analphabeten liegt.

  9. 2.

    Haben wir in Berlin auch bald wieder wenn Lehrer verbeamtet werden...

  10. 1.

    Wir pfaffen daff!

Das könnte Sie auch interessieren