U Bahn der Linie U7 bei der Einfahrt in den Bahnhof Rathaus Spandau in Berlin. Quelle: imago stock&people
Audio: Inforadio, 27.12.2019, Jan Menzel | Bild: imago stock&people

Berlin-Spandau - Senatorin Günther will U7-Verlängerung bis Heerstraße prüfen

Beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs will sich Rot-Rot-Grün in Berlin vor allem auf die Straßenbahn konzentrieren - nun rückt aber auch die U-Bahn immer stärker in den Fokus. Verkehrssenatorin Regine Günther hat bei der U7 eine neue Variante ins Spiel gebracht.

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) will untersuchen lassen, ob eine Verlängerung der U-Bahnlinie 7 von der aktuellen Endstation Rathaus Spandau in Südwestlicher Richtung bis zur Heerstraße mit Stationen in der Seeburger Straße und der Wilhelmstadt eine sinnvolle Investition ist. Dazu werde der Verkehrssenat in Kürze eine sogenannte Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, sagte die Politikerin.

In der Studie gehe es unter anderem um die technische Machbarkeit, erste Einschätzungen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis und damit um die Frage, wie viele Menschen von einer solchen neuen Anbindung profitieren würden. Alternativ könnte demnach auch eine Tramlinie in Frage kommen, wobei in Spandau derzeit gar keine Straßenbahn fährt.

SPD will stärkeren U-Bahn-Ausbau

Im Koalitionsvertrag haben SPD, Linke und Grüne dem Ausbau der Straßenbahn Priorität eingeräumt - nicht zuletzt, weil das billiger ist und schneller geht. Allerdings wurden auch Machbarkeitsstudien für U-Bahn-Verlängerungen in Auftrag gegeben: zur Verlängerung der bereits von vielen favorisierten U7 von der aktuellen Endhaltestelle im Südosten in Rudow zum Flughafen BER mit zwei Zwischenhalten, außerdem zur Verlängerung der U8 von Wittenau ins Märkische Viertel und zur Anbindung der geplanten Urban-Tech-Republic auf dem Gelände des dann geschlossenen Flughafens Tegel an die U6.

Alle drei Studien sollen laut Verkehrsverwaltung 2020 bewertet und vorgestellt werden. Während die BVG zu dem Schluss kam, dass die U8-Verlängerung machbar und sinnvoll sei, sind Ergebnisse der anderen beiden Untersuchungen noch nicht bekannt.

Innerhalb der Koalition würde sich vor allem die SPD beim Ausbau des Nahverkehrs gerne stärker auf das U-Bahn-Netz konzentrieren - allerdings sieht der Koalitionsvertrag bisher nur die Machbarkeitsstudien für U6, U7 und U8 vor. Vorrang hat der Ausbau des Straßenbahnnetzes, den Grüne und Linke favorisieren. Verkehrssenatorin Günther bekräftigte erst im August, dass ihre Partei derzeit nicht über die im Koalitionsvertrag vereinbarten Untersuchungen hinausgehen wolle. Eine mögliche Verlängerung der U7 zur Heerstraße bringt nun neue Bewegung in die Debatte.

Studie soll mögliche Fahrgastzahlen ermitteln

"Aus meiner Sicht gehören auch U-Bahnen zu einer wachsenden Stadt und Metropole dazu", sagte Günther. "Deshalb finde ich es richtig, dass wir uns Gedanken machen, wie diese ausgebaut werden können - und ob das notwendig ist."

U-Bahn-Bauten seien sehr "investitionsintensiv" und dauerten schon wegen des umfangreichen Planungsbedarfs, aber auch im Bau sehr lange, so Günther. Daher müsse genau begründet werden, warum eine U-Bahn gebraucht werde und keine Tram. Die Frage sei, ob so viele Fahrgäste eine U-Bahn nutzten, dass der Ausbau eine angemessene Antwort wäre oder eine Tram oder ein Bus. "Ich bin für eine offene Betrachtung der Verkehrsträger im ÖPNV-Kontext."

Die oppositionelle CDU signalisierte Zustimmung zu dem Vorschlag. "Wir unterstützen die Verlängerung der U-Bahnlinie 7 Richtung bis zur Staakener Heerstraße, bzw. Schönefeld", teilte Oliver Friederici, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Berlin, mit. "Die U-Bahn ist im Vergleich zur Tram das leistungsfähigere und schnellere Verkehrsmittel und beansprucht weit weniger Verkehrsfläche."

Auch Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, findet die Idee einer U7-Verlängerung "sinnvoll". "Dabei sollte nicht nur eine Trasse zur Heerstraße, sondern auch bis ins dicht besiedelte Falkenhagener Feld mit geprüft werden." Gleichzeitig müsse die U7 im Süden bis zum BER verlängert werden.

84 Kommentare

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  1. 84.

    1. Sind das fast 3 Kilometer

    2. Sind sie es der sich gegen eine Straßenbahn ausspricht und bisher nicht ein einziges stichhaltiges Arguement vorbringen konnte. Sie sind in der Bringeschuld und nicht ich.

    3. Sie flüchten sich von Anbeginn in eine Ausrede zur nächsten, erst sprechen sie mir z.B. die Ortskunde ab, dann zweifeln sie dass dort eine Trasse war. Nachdem sie das zugeben mußten ist das plötzlich ein "ökologisch wertvolle Grünstreifen mit Bäumen", als auch das widerlegt ist kommen sie mit Senioren und einer angeblich lauten Straßenbahn usw. usf.

    Wenn hier also einer seine Glaubwürdigkeit beweisen muß, dann SIE!

  2. 83.

    Gleiches gilt auch für Sie: Liefern Sie wasserdichte Baugutachten für Ihr gewünschtes Tram-Projekt inklusive Kostenvergleiche von Ist- und Soll-Zuständen, und dann werde ich Ihren Worten wie "drei Bäume und eine Müllkippe", die erforderliche Ernsthaftigkeit entgegen bringen können.

  3. 81.

    Ich pauschalisiere nicht sondern bezweifle die Einrichtung einer Tramlinie nördlich des Falkenseer Platzes in Richtung Hennigsdorf aus mehreren zutreffenden Gründen. Liefern Sie wasserdichte Baugutachten für ein solches Projekt inklusive Kostenvergleiche von Ist- und Soll-Zuständen, und dann werde ich Ihren Worten die erforderliche Ernsthaftigkeit entgegen bringen können.

  4. 80.

    Doch, ist es. Im Bundesgebiet gibt es das seit vielen Jahren. Ich bin in Süddeutschland mit einer Schnell-Straßenbahn rasend quer über das Land gefahren (ich glaube, 80 km/h). Manchmal nutzten diese sogar Gleise der DB. Ob das in Berlin und Umland möglich wäre, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber bitte nicht pauschalisieren. Und wenn in Berlin Straßenbahnen auf eigener Trasse in kurzen Zeitabständen fahren würden (ja, ich weiß: Utopie), würde das bestimmt den Verkehr entlasten und man müsste nicht "Jahrzehnte" Straßen aufreißen und wesentlich mehr ausgeben. Eine U7 nach Schönefeld fände ich hingegen sinnvoll. Ich frage mich, wie es Berlin in den 20er Jahren geschafft hat, in wenigen Jahren den ganzen Nahverkehr auszubauen. Der rbb zeigt da ab und zu interessante Beiträge, die ich gerne sehe.

  5. 79.

    Sie entdecken einige Hundert Meter Grünstreifen (mit vielen Bäumen!) und meinen also, dass dort eine Tram fahren müsse, weil dort bis 1967 eine Straßenbahn fuhr. Selbstverständlich, schweben Ihnen schwingungsfreie Trams vor, die den verlegten G-W-Sch...-Rohren nichts anhaben. Auch der seit 1967 leicht gestiegene Durchgangsverkehr Richtung Hennigsdorf würde Ihrer Ansicht kein Hindernis bilden. Sind Sie ein Fan von künstlichen Problemen und einstürzenden Altbauten?

  6. 78.

    Mit welchem Datenmaterial zur Nutzung öffentlichen Verkehrsraums können Sie aufwarten?

  7. 77.

    Aha. Ein U-Bahnbau, das ist ein Großprojekt. Eine Straßenbahn auf schon vorhandener Trasse eher nicht.

    Ich glaube eher sie handeln aus sehr egoistischen Gründen. Freie Fahrt für freie Bürger. Ohne Rücksicht auf Verluste.

  8. 76.

    Sie kann aber wesentlich besser die Bedürfnisse nach einem leistungsfähigen Zubringen befriedigen als dies die zunehmend den privaten Kraftverkehr behindernden Busse tun können.

  9. 75.

    Die Straßenbahn ist kein individuelles Fortbewegungsmittel für weitere Strecken.

  10. 74.

    Seit dem BER stehe ich Verkehrsgroßbau-Projekten sehr skeptisch gegenüber.

  11. 73.

    Der Zweck - d. h. die Fortbewegung zu einem Ziel hin - bleibt bestehen, die Mittel aber verändern sich. Mir scheint, das gerade dieses Simpelste all zu oft übergangen wird. Mit anderen Worten: Das Mittel gerät oft genug zum Zweck, zum Selbstzweck.

    Das ist keine philosophische Herangehensweise, auch wenn es oberflächlich betrachtet danach klingt, das ist überaus alltagspraktisch. Der Bewegungsraum der elektrischen Schreibmaschine ist mit dem massiven Aufkommen des Computers jedenfalls drastisch eingeschränkt worden.

    Eine Straßenbahn im 5 Minuten-Takt ersetzt vier Autospuren. Verkehrsmittelunabhängig gedacht ist die Umwidmung von Autospuren zu einer Straßenbahn hin eine Steigerung der Straßenkapazität. Da kann sich jede/r eingeladen fühlen und diejenigen, die das nicht nutzen können, haben einen Vorteil davon, dass andere es tun.

  12. 72.

    Zu 69) Warum sind sie denn nicht ehrlich und geben zu dass sie keine Straßenbahn haben wollen weil sie sich sonst mit ihrem Auto eingeschränkt fühlen.

    Das wird sowieso kommen, die Zeiten sind vorbei wo eine Minderheit die Mehrheit in Berlin, die kein Auto besitzt weiter terrorisieren können. Ein Auto ist das schlechteste Verkehrmittel welches es gibt, nimmt aber über 60 % des verfügbaren Raum ein. Es ist an der Zeit dass den besseren, weil umwelt- und menschenverträglichen Verkehrsmittel mindestens der gleiche Raum zugestanden wird. Und warum finanziere ich z.B. ihren Parkplatz?

    Zu 70)Das habe ich bereits. Ab Schützenstraße ist die Trasse auf dem Mittelstreifen bis zur ehemaligen Endhaltestelle noch deutlich zu erkennen. Neuendorfer/Streitstr. bis Schützenhof.

  13. 71.

    Gute Idee. Die U Bahn ist schnell und unabhängig von der Witterung, für mich das ideale Verkehrsmittel,

  14. 70.

    Wären Sie bitte so freundlich, die Koordinaten der Grünstreifen-Müllkippe anzugeben?

  15. 69.

    Wer den Fortbewegungsraum motorisierter Verkehrsteilnehmer*innen mit einer Tram drastisch einschränken will, muss wahrhaftigen Ersatz bieten. Daher, keine Willkür-Tram!

  16. 68.

    Die Oberleitungen sind nicht das Problem, siehe Zuerich, da halten O-Bus und Tram sogar an der gleichen Haltestelle. Berlin hatte sogar bis 1973 O-Busse, Betriebshof Lichtenberg. Ich verstehe persoenlich auch nicht warum man nicht einen gesunden Mix aus S-Bahn, U-Bahn, Bus, Tram und O-Bus hinbekommt (wie bis Anfang der 30 Jahre). Die Busse in Zuerich benutzten im ueberigen einen Hilfsdiesel, falls es mal zu einem Unterbruch kommt.

  17. 67.

    Und die Müllkippe haben sie sich auch angesehen? Ich sage doch sie WOLLEN keine Straßenbahn und dazu ist ihnen auch kein noch so abwegiges Scheinargument zu dumm.

  18. 66.

    Wie wäre es dann damit:
    https://www.mvg.de/.imaging/mte/mvg/bild/dam/mvg/ueber/infrastruktur/fahrzeuge/IMG_0612.JPG/jcr:content/IMG_0612.JPG
    Da 136 und 236 am Betriebshof Spandau vorbeiführen, könnte man die Kapazität innerhalb von ein paar Minuten anpassen und hätte auch einen gewissen Schutz vor Vandalismus.
    Das dürfte den Autofahrern aber auch nicht gefallen, da die ebenfalls ähnlich viel Platz benötigen wie eine Straßenbahn.

  19. 65.

    Sie haben recht, ich bin dafür, dass die Infrastruktur für Autos ausgebaut wird anstelle im Namen der Verkehrswende viel Geld für die kleinste Gruppe an Verkehrsteilnehmern auszugeben, die meist nur bei schönem Wetter eher kurze Wege zurücklegt und vor allem laut jammern kann. Da greift wieder die alte Sanitäterregel: Wer am kräftigsten stöhnt, ist am wenigsten hilfsbedürftig.

    Die Autos, die ich immer wieder meine und die nicht nur entlang der Heerstraße dringend mehr den von Günther versprochenen Platz benötigen, sind in Berlin meist gelb und um die 2,5m breit. Deren Trasse muss nicht breiter sein als die Radautobahn und kann ggf. auch von Straßenbahnen genutzt werden.

    Naja, ganz tatenlos war Günther bei den bereits im Koalitionsvertrag vereinbarten neuen Busspuren nicht: 300m sind unter ihrer Führung in Moabit neu ausgewiesen worden. Sie hat damit schon ein "großes" Stück der 100 km bis Ende der Legislaturperiode geschafft. Jetzt ist eh Zeit für den Winterschlaf.

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