Archivbild: Michael Müller steigt in einen Dienstwagen. (Quelle: imago images/E. Contini)
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Dienstwagen-Test der DUH - Müller fährt doppelt so schmutzig wie Bremer Amtskollege

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), fährt weiterhin den schmutzigsten Dienstwagen aller deutschen Länderchefs. Das ergibt eine am Montag veröffentlichte Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die DUH analysierte die Politiker-Dienstwagen in allen Bundesländern auf ihre CO2-Emissionen.

Bei Müllers Fahrzeug handelt es sich um eine Mercedes-Benz S-Guard 600 Limousine mit Benzinmotor, Baujahr 2016 - und damit um den ältesten Dienstwagen innerhalb des Rankings. Sein realer CO2-Ausstoß liegt laut Messungen der DUH bei 408 g/km. Zudem frisst der 530 PS starke Benziner mit einem Normverbrauch von 11,6 Litern je 100 Kilometern den meisten Sprit.

Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Überprüfung des CO2-Ausstoßes den Wagen des Regierenden Bürgermeisters als den schmutzigsten identifiziert. Allerdings ist das Fahrzeug mit seiner besonderen Panzerung auch kein Auto wie jedes andere: Durch eine verstärkte Karosserie und die Verarbeitung von Panzerglas ist der Dienstwagen deutlich schwerer. Das Gewicht erhöht den Benzinverbrauch und die CO2-Emissionen.

Bremen fährt mit Hybrid am umweltfreundlichsten

Der Regierungschef mit dem saubersten Dienstwagen ist im Ländervergleich der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), der einen Mercedes-Benz E 300e, Baujahr 2019, fährt. Der Benzin-Elektro-Hybrid stößt 200 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) landet mit seinem Mercedes-Benz S 350d 4MATIC auf Platz 11 von 16 - mit 239 g/km realem CO2-Ausstoß. Der Wagen wurde 2018 gebaut, ist allerdings ein Diesel, was die DUH ebenfalls scharf kritisiert.

Betrachtet man die gesamte Dienstwagen-Flotte der Landesregierungen, fällt die Bewertung für Berlin besser aus: Mit im Schnitt 202 Gramm CO2 pro Kilometer liegt die Hauptstadt auf Platz zwei der umweltfreundlichsten Dienstwagen - genauso wie Hamburg. Die Brandenburger Landesregierung landet auf Platz fünf (218 g/km). Am besten steht Bremen da (199 g/km), Schlusslicht ist Hessen (255 g/km).

Dienstwagen kann man teilen

In Berlin fährt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) das sauberste Fahrzeug. Bei dem Auto handelt es sich um einen Lexus GS 300h, einen Benziner mit einem realen CO2-Ausstoß von 160 g/km. In Brandenburg fährt Britta Ernst, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport den Wagen mit dem geringsten CO2-Ausstoß. Der Wert ihres Audi A6 40 TDI quattro liegt bei 169 g/km. Bei dem Fahrzeug handelt es sich allerdings um einen Diesel.

Am vorbildlichsten sind laut DUH die Bremer Senatoren und Grünen-Politiker Anja Stahmann, Dietmar Strehl und Maike Schaefer. Sie teilen sich einen Dienstwagen. Dabei handelt es sich um einen Mercedes-Benz E 350e, ein Benzin-Elektro-Hybrid mit einem realen CO2-Ausstoß von 171 g/km.

Grüne fahren klimafreundlicher

Beim Parteienvergleich der Landesregierungen schneiden Grünen-Politiker am besten ab: Sie   fahren mit durchschnittlich 205 g/km realem CO2-Ausstoß die klimaverträglichsten Autos. CDU-Politiker fahren die dreckigsten Wagen (243 g/km realer CO2-Ausstoß).

Beim Vergleich der Umweltminister der Länder belegt die Berliner Ministerin Regine Günther (Grüne) den ersten Platz. Sie fährt einen VW Passat GTE 1,4 TSI, einen Benzin-Elektro-Hybrid. Sein CO2-Ausstoß liegt bei 164 g/km.

Alle Autos liegen über dem Grenzwert

Unter Berücksichtigung der realen Verbrauchswerte hält laut Umwelthilfe jedoch kein einziger Dienstwagen der 237 befragten Politiker den CO2-Grenzwert der EU von 130 g CO2/km ein. Der Anteil an Diesel-Limousinen ist im Vergleich zum Vorjahr von 61 Prozent auf 60 Prozent nur leicht zurückgegangen.

Die "reale" Definition der DUH ist nicht identisch mit den Angaben zum offiziellen CO2-Normausstoß der Autohersteller, die deutlich tiefer liegen. Bei ihrer eigenen Erhebung berechnet die Umwelthilfe die durchschnittliche Abweichung der Herstellerdaten von Messwerten im tatsächlichen Fahrbetrieb. Sie stützt sich dabei auf Methoden des Umweltforschungsverbunds ICCT, der den VW-Abgasskandal mit aufdeckte.

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5 Kommentare

  1. 5.

    530 PS, gepanzerte Limousine, Stadtverkehr und dann 11,6 L/100Km??? Wer soll das denn glauben? Der Wähler???

    Zum Vergleich: Ein '67er Mustang mit 90PS, dickes Blech, verbraucht 21L/100Km. Kommt mir jetzt nicht mit verbesserter Technologie!

  2. 4.

    Grüne und DUH sollten mit Vorbild vorangehen und generell auf Auto, Flugzeug und Schiff verzichten und zwar sofort.
    Da das nicht freiwillig gemacht wird, brauchen wir hier Verbote!

  3. 3.

    Warum eigentlich? Ist er etwas besseres als andere Bürgermeister?
    Super Vorbild!!

  4. 2.


    Ist der Regierende Bürgermeister so gefährdet, dass er eine gepanzerte Limousine braucht?
    Und warum überhaupt eigene Dienstwagen? Tut es ein fahrzeugpool nicht auch?
    Müller und der Senat loben doch immer den ÖPNV in Berlin. Warum nutzen sie ihn dann nicht?

  5. 1.

    Det is Berlin...

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