Bei einer Aktion der Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit steht eine Säule, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll, vor dem Reichstag (Bild: dpa/Christophe Gateau)
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Video: rbb|24 | 02.12.2019 | Material: rbb|24, Abendschau | Bild: dpa/Christoph Gateau

Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" in Berlin - Gedenkstätte mit "Asche der Opfer des Faschismus" errichtet

Die Aktivisten des Künstlerkollektivs "Zentrum für politische Schönheit" haben eine Gedenkstätte im Berliner Regierungsviertel errichtet - nach eigenen Angaben mit Asche der Opfer des Faschismus. Vor Ort soll es einen "Zapfenstreich gegen die AfD" geben.

Eine Gedenkstätte mit der "Asche der Ermordeten Hitlerdeutschlands" haben die Aktionskünstler des "Zentrums für politische Schönheit" (ZPS) nach eigenen Angaben am Montag in Berlin gegenüber dem Reichstag errichtet.

Dazu habe man, so die Aktivisten in einer Pressemitteilung am Montag, "Knochenkohle, sedimentierte Asche und menschliche Fragmente" unter anderem aus der Nähe von Auschwitz zusammengetragen und in einer Säule sichtbar gemacht. Es handele sich um Überreste der Opfer, die von den Nationalsozialisten überall hinterlassen worden seien. An 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine seien von den Aktivisten Proben entnommen worden. Laboruntersuchungen hätten "in über 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste" ergeben.

Die Gedenkstätte im Berliner Regierungsviertel sei, so die Aktivisten, ab sofort zugänglich, "offiziell" aber nur bis Samstag genehmigt, hieß. An diesem Tag soll es dort einen "zivilgesellschaftlichen Zapfenstreich gegen die AfD" geben.

Einladungen an CDU/CSU-Abgeordnete

Die Gedenkstätte zeige die historische Schuld des deutschen Konservatismus, sich mit den Faschisten eingelassen zu haben. Das dürfe nie wieder geschehen. Weil der "einzig erdenkliche Weg an die Macht" für die AfD über die Union – wo Kreise bereits öffentlich darüber nachdächten, ob die AfD als Regierungspartner in Frage komme – führe, seien Einladungen mit konkreten individuellen Besuchsterminen an alle Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion verschickt worden, heißt es in der Pressemitteilung. Die Politiker sollten dann vor Ort "feierlich geloben, jeden Versuch der Diktatur im Keim zu ersticken und niemals – niemals!- eine Regierung mit Hilfe oder mit Duldung der AfD zu bilden, solange diese von Verfassungsfeinden, Holocaust-Leugnern und Faschisten dominiert wird".

Die Einladungen seien, so der Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer (CDU), der selbst solche eine Einladung erhalten hat, mit gefälschtem Briefkopf und der ebenfalls gefälschten Unterschrift des Parlamentspräsidenten Wolfgang Schäuble versehen. Dem Abgeordneten wird mitgeteilt, sein "Präsenztermin" sei verpflichtend und unentschuldigtes Fernbleiben schade dem Ansehen der gesamten CDU/CSU-Fraktion.

Video: rbb24 | 02.12.2019 | 16 Uhr

Kritik und Lob

Lea Rosh, Vorsitzende des Fördervereins "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", nannte die Aktion großartig. "Es ist ja eine politische Botschaft, die damit einhergeht. Es ist die Botschaft: Guckt hin, hier ist die Macht an die Nazis übertragen worden."

Kritik an der Aktion äußerte hingegen der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner: "Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit diesem Mahnmal ihre Empfindungen und die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werden."

Zahlreiche Aktionen in den letzten Jahren

Das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hatte in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Aktionen für Aufsehen gesorgt. Im November 2017 hatten die Aktivisten einen Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals am Nachbargrundstück des AfD-Politikers Björn Höcke in Thüringen errichtet. Vor dem Berliner Gorki-Theater stellten sie 2016 einen Käfig mit Tigern auf. Darin sollten sich Migranten fressen lassen, sollte die Bundesregierung Flüchtlinge nicht einfliegen lassen. 2015 legte das ZPS symbolische Gräber für Flüchtlinge vor dem Reichstag an. Ebenfalls 2015 zeigten sie Pläne für eine gewaltige Brücke von Europa nach Nordafrika. Wenig später ließen sie Rettungsinseln im Mittelmeer errichten.

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51 Kommentare

  1. 51.

    Sie können es ja gerne bei symbolischen Handlungen wie Trauern und bereuen! belassen. Wobei, wenn ich ehrlich bin einigen nicht einmal das zutraue.

    Dort wo wieder Faschisten, Antisemiten und Rechtsextreme geduldet werden da reicht trauern und bereuen nicht mehr aus. Dort muß man kämpfen.

    Demokratie ist nichts was einem so einfach in den Schoß fällt, Demokratie muß man leben und notfalls verteidigen. Jeden Tag!

    Das sind wir den Opfern des Naziterrors und nicht zuletzt auch uns schuldig!

  2. 50.

    Ja, das ist immer eine sinnvolle Haltung: Alle, die anderer Meinung sind als ich, haben keine Ahnung oder sind einfach doof. (Ich glaube, das nennt man "Streitkultur" und "zivilgesellschaftlicher DIskurs".)

  3. 49.

    Dem Mord an sechs Millionen jüdischen Menschen gedenken heisst nicht 'Kämpfen' sondern: Trauern und bereuen!
    Trauer und Reue sind Deutschland seit jeher fremd. Die Bekundungen mit Asche sind erbärmlich, kulturlos und menschenverachtend.

  4. 48.

    @ 36. BenjaminD|Hamburg|Dienstag, 03.12.2019 | 05:51 Uhr

    Und damit ist dieser Ascheraub verboten wie Sie sehen. Nachzulesen hier:

    https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__168.html

    Siehe aus dem Absatz 1:

    "oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt "

    Und genau dass ist hier geschehen. Von daher muss die Polizei hier tätig werden und die Staatsanwaltschaft muss ermitteln. Außerdem hat niemand das Recht, Unterschriften und Briefköpfe zu fälschen (StGB § 267). Siehe dazu im Artikeltext. Von daher...

  5. 47.

    @ 36. BenjaminDHamburgDienstag, 03.12.2019 | 05:51 Uhr
    Antwort auf [Andrea] vom 02.12.2019 um 21:05

    "Ich bin zwar auch kein Fan von diesen hochprovokanten Aktion dieser Vereinigung die mir auch von ihrer Haltung her ein wenig zu selbstgefällig rüberkommt.... strafbar ist es aber offensichtlich nicht, da ihr zitierter Gesetzestext das Entfernen aus "dem Gewahrsam des Berechtigten" voraussetzt. Asche die sonst wo verteilt ist gehört demnach Niemandem."

    Diese Asche gehört eigentlich den Angehörigen. Und Sie haben wohl den Gesetzestext nicht vollständig gelesen:

    § 168 Störung der Totenruhe
    "(1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

    Und hier wurde Asche geraubt.

  6. 46.

    @ 37. PetraDienstag, 03.12.2019 | 07:06 Uhr

    "Da sich Teile der CDU, nicht nur in Thüringen, auf machen Steigbügelhalter der Rechtsradikalen und in Teilen Faschistischen afd werden zu wollen, eine Aktion die wach rütteln sollte. Krieg, Faschismus und Leichen sind das Fundament der Bundesrepublik und ihrer Bürgergesellschaft."

    Lächerlich Petra. Das mag vielleicht bei der alten BRD und bei der ex-DDR so gewesen sein die beide in der Nacht des Mauerfalls untergegangen sind und aufgehört haben zu existieren. Fuer das heutige Deutschland ist das nicht mehr zutreffend. Und die Union sollte endlich einsehen dass Union und AfD unvereinbar miteinander sind. Gleiches gilt fuer SPD, Gruen und Linke, die ebenfalls mit AfD unvereinbar sind und bleiben werden. Diese Parteien sollten sich hueten, mit der AfD gemeinsame Sache zu machen und sich von der AfD und von diesem Rechtspopulismus von Union und AfD distanzieren.

  7. 45.

    @ 38. konservativDienstag, 03.12.2019 | 10:26 Uhr

    Mit dem hier haben Sie sowas von recht

    "Das "Künstlerkollektiv" "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) und diejenigen Politiker, die nahe dem Reichstagsgebäude und Sitz des Bundestages diesen, Verzeihung wenn ich es so sage "Zirkus" dulden respektive unterstützen/finanzieren sollten sich schämen."
    "Und die AfD ist der ungefragte Nutznießer, nach INSA Meinungstrend gewinnt die AfD einen Punkt dazu."

    Nur nutzt dieser eine Punkt der AfD ueberhaupt nichts. Siehe die aktuelle Umfrage von INSA (02.12.2019).

  8. 44.

    hi 40. Knut|Dienstag, 03.12.2019 | 11:41 Uhr

    Mit dem hier:

    "Was ist nur aus diesem Land geworden? Was das sogenannte Zentrum für politische Schönheit hier veranstaltet, ist Störung der Totenruhe. Leichenschändung. Nichts anderes. Die Asche von Opfern des Naziterrors wird ausgebuddelt und ausgestellt – als PR-Stunt."

    haben Sie sowas von recht und dass hier wuesste ich auch gerne mal:

    "Warum wird dieses Schandfleck nicht unmittelbar beseitigt? Die Initiatoren verhaftet?"

    Denn diese Straftäter gehören verhaftet und dieses Teil entfernt!!

    Aber nicht "die Polizei" ist auf dem rechten Auge blind:

    "Und wo war die Polizei, als dieser Dreck aufgebaut wurde?
    Scheint, die Polizei ist nicht nur auf dem rechten Auge blind."

    sondern nur die in Berlin.

  9. 43.

    Sie übersehen, wer gemordet hat. Wer tonnenweise menschliche Überreste in die Landschaft verklappt, zu Dämmen verbaut hat. Wer sich um all diese Seelen keinen Dreck geschert hat, zu allerletzt um deren Totenruhe.
    Man mag zu dieser Aktion stehen wie man will - Ihre fadenscheinigen Argumente und Ihr Getöse sind allenfalls heiße Luft und zeigen Ihre Intention. Eines hat die ZPS auf jeden Fall: Aufmermerksamkeit, die Leute wie Sie und deren Art des Umgangs mit der eigenen unheilvollen Geschichte entlarvt.

  10. 42.

    Sie sollten sich mal erkundigen was "Störung der Totenruhe. Leichenschändung." ausmacht. Falls die Asche überhaupt "echt" ist, so ist diese "von den Nationalsozialisten überall hinterlassen worden" und "An 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine seien von den Aktivisten Proben entnommen worden. Laboruntersuchungen hätten "in über 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste" ergeben."

    Was "aus diesem Land geworden" ist können sie daran ersehen dass eine rechtsextreme AfD und mit ihnen "Verfassungsfeinde[n], Holocaust-Leugner[n] und Faschisten" in deutsche Parlamente eingezogen sind.

    Und daran wie Sympathisanten und Unterstützer der Rechtsextremen hier um Aufmerksamkeit buhlen.



  11. 41.

    Und Sie sind es mit den Augen der Geschichte.....Blind und unwissend?) - haben Sie sich schon mal die Mühe gemacht und den Bericht zu dem Ganzen komplett gelesen?
    Dann würden Sie auch verstehen, was es mit Allem auf sich hat. Lesen.....man muss nur lesen und das Gelesene dann auch verstehen können.
    Die Kommentare, die sich unreflektiert gegen das Gedenken richten, scheinen von Leuten verfasst, die in der Schule im Fach Geschichte anscheinend geschwänzt oder sich mit anderen Dingen befasst haben.
    Oder geht denen das mittlerweile auf den Zeiger der rechten Hand?
    Achtung Sarkasmusgefahr: einige Rechtshänder sind schon Arm (hoch) dran.
    In diesem Sinne

  12. 40.

    Was ist nur aus diesem Land geworden? Was das sogenannte Zentrum für politische Schönheit hier veranstaltet, ist Störung der Totenruhe. Leichenschändung. Nichts anderes. Die Asche von Opfern des Naziterrors wird ausgebuddelt und ausgestellt – als PR-Stunt.
    Warum wird dieses Schandfleck nicht unmittelbar beseitigt? Die Initiatoren verhaftet?
    Und wo war die Polizei, als dieser Dreck aufgebaut wurde?
    Scheint, die Polizei ist nicht nur auf dem rechten Auge blind.

  13. 39.

    Wer nicht ansatzweise kapiert worum es geht, der ist nur am meckern, lamentieren und schimpfen - als wenn die betreffenden Kommentarabgebenden sich irgendwie ertappt fühlen.... ist schon bemerkenswert.
    Ein Großteil der (angeblich auch vermeintlich gebildeten) Gesellschaft wird immer realitätsferner - so scheint es.
    Ich war dort und finde es zum Nachdenken wertvoll - da zeitlich begrenzt und die Denkanstöße sinnvoll sind.


  14. 38.

    Das "Künstlerkollektiv" "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) und diejenigen Politiker, die nahe dem Reichstagsgebäude und Sitz des Bundestages diesen, Verzeihung wenn ich es so sage "Zirkus" dulden respektive unterstützen/finanzieren sollten sich schämen.
    Und die AfD ist der ungefragte Nutznießer, nach INSA Meinungstrend gewinnt die AfD einen Punkt dazu.

  15. 37.

    Da sich Teile der CDU, nicht nur in Thüringen, auf machen Steigbügelhalter der Rechtsradikalen und in Teilen Faschistischen afd werden zu wollen, eine Aktion die wach rütteln sollte. Krieg, Faschismus und Leichen sind das Fundament der Bundesrepublik und ihrer Bürgergesellschaft.

  16. 36.

    Ich bin zwar auch kein Fan von diesen hochprovokanten Aktion dieser Vereinigung die mir auch von ihrer Haltung her ein wenig zu selbstgefällig rüberkommt.... strafbar ist es aber offensichtlich nicht, da ihr zitierter Gesetzestext das Entfernen aus "dem Gewahrsam des Berechtigten" voraussetzt. Asche die sonst wo verteilt ist gehört demnach Niemandem.

  17. 35.

    Besser - und das ist alles schon so schrecklich, dass ich es nicht schreiben möchte, aber schreibe - besser könnte man diese Asche nicht verwenden. Die Verbrannten mögen mir das verzeihen.

  18. 34.

    Bitte lesen Sie erst nach und informieren Sie sich! Ich empfehle für den Anfang Art. 5 Abs. 3 GG und die Website des ZPS. M. E. handelt es sich bei der Aktion des ZPS sowohl um Kunst als auch um Wissenschaft, Forschung und Lehre!
    Im Übrigen sind Sie vom Thema abgekommen. Es geht hier um die von unseren Großeltern begangenen unfassbaren Verbrechen. Und um die vielen Politiker (und Wähler), die so tun, als wäre das dritte Reich ein „Fliegenschiss“ gewesen. Wenn Sie den vielen ungenannten Opfern würdig gedenken wollen, können Sie dies gerne an verschiedenen Orten und auf Ihre Weise tun. Es gibt auch Organisationen, die Sie unterstützen könnten, z. B. „Aktion Sühnezeichen“.

  19. 33.

    @ 20 Sebastian|Berlin|Montag, 02.12.2019 | 20:38 Uhr
    Und dass hier:

    "Und machen aus Mördergruben und Dämmen aus Asche und Knochen Klage und Mahnung. Und das ist heute wichtiger denn je."

    geht so auch nicht. Klar ist es wichtig zu erinnern. Aber das kann man mit Dokumentationszentren und gemeinsamen Gedenktagen. Aber: Dämme aus menschlicher Asche geht einfach gar nicht.

  20. 32.

    @ 1. Kurt WilhelmWoltersdorfMontag, 02.12.2019 | 11:54 Uhr

    "Erst einmal die erste Frage! Ist es nicht pietätlosen, aus Überresten von Menschen ein Bauwerk zu errichten? Störung der Totenruhe. Was soll man da den Kindern erzählen, die da fragen werden? Das grenzt ja schon an Horror! "

    exakt und es ist einfach nur geschmacklos, pietätlos und menschenverachtend. Sowas gehört sich einfach nicht.

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