Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hält während der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung im Haus der Bundespressekonferenz den Bericht in den Händen. (Quelle: dpa/G. Fischer)
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Berliner Modellprojekt startet 2020 - Drogenbeauftrage will bundesweites "Drug Checking"

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat sich für eine als Drug Checking bekannte Analyse von Partydrogen auch in Deutschland ausgesprochen. "Damit können Konsumenten erreicht werden, die von der klassischen Suchtberatung nicht angesprochen werden", sagte Ludwig der "Rheinischen Post" am Freitag.

Sie habe sich mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) darauf verständigt, Drug Checking in Verbindung mit intensiver Beratung in diesem Jahr näher anzuschauen. "Wir sind uns einig, mit Experten darüber zu sprechen, ob es ein Modell gibt, das in Deutschland funktionieren könnte." Derzeit sei dieses Angebot in Deutschland eher verpönt, weil es mit einem Freifahrtschein für den Konsum problematischer Drogen gleichgesetzt werde.

In Berlin ist ein Modellprojekt für 2020 geplant und vom Senat finanziert.

 

Intensiver Dialog mit den Konsumenten

Die Drogenbeauftragte zeigte sich von einem im österreichischen Innsbruck erprobten Projekt sehr beeindruckt. "Dort steigen sie auf diese Weise in einen intensiven Dialog mit den Konsumenten ein und haben einen sehr genauen Überblick darüber, was aktuell auf dem Markt unterwegs ist, wo die Gefahren durch Beimengungen lauern", sagte die CSU-Politikerin.

In Österreich, Spanien und den Niederlande ist das "Drug Checking" bereits etabliert, Vorreiter war die Schweiz. Dort ist das Beratungsangebot bereits seit 20 Jahren gesetzlich erlaubt. Das Drogeninformationszentrum (DIZ) der Stadt Zürich beispielsweise bietet jeden Dienstag und Freitag Termine an, an denen Drogen zur Analyse abgegeben werden können.

Zudem sind die Mitarbeiter des Projekts saferparty mit einem mobilen Labor und einem Infostand regelmäßig in Züricher Clubs unterwegs, um dort Drogen zu analysieren und über die Folgen des Drogenkonsums aufzuklären.

Berliner Projekt verzögert sich

In Berlin gibt es bereits seit längerer Zeit laufende Vorbereitungen für ein entsprechendes Projekt mit Drug Checking. Drei Standorte sollen die Substanzen auf ihre Inhaltsstoffe und Zusammensetzung prüfen. Angedacht sind zwei Standorte in Neukölln und einer in Kreuzberg. Allerdings verzögerte sich hier der Starttermin für die Tests von Partydrogen, da noch Absprachen mit möglichen Testlaboren noch laufen.

Der offzielle Projektstart war bereits im November 2018, insgesamt hat der Senat für 2018 und 2019 insgesamt 150.000 Euro für die Drogentests bereitgestellt. Auch für den Doppelhaushalt 2020/21 seien Mittel bereitsgestellt.

Forscher der Charité hatten im Frühjahr 2018 rund 900 Berliner Clubgänger zu ihrem Konsum befragt. In der nicht-repräsentativen Studie hatte rund die Hälfte der Befragten angegeben, illegale harte Drogen zu konsumieren. Die Mehrzahl der Clubgänger wünschte sich eine stärkere Aufklärung. Vor allem das "Drug Checking" hielten die Befragten für ein sehr sinnvolles Angebot.

Die Grünen unterstützen den Vorstoß

Die Grünen-Expertin Kirsten Kappert-Gonther begrüßte den Vorstoß der Bundesdrogenbeauftragen als "Fortschritt". Sie forderte, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Projekte zum Drug Checking grundsätzlich genehmigt. "Deutschland kann viel von anderen europäischen Ländern lernen."

Drug Checking gebe nicht nur Aufschluss über die Dosierung der Wirkstoffe und Verunreinigungen einer Substanz, , erklärte Kappert-Gonther. Es biete auch die Möglichkeit, die Nutzer über risikoarmen Konsum zu informieren und an Beratungsangebote zu vermitteln.

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