Der verbliebene der drei Könige der Evangelischen Versöhnungsgemeinde (Quelle: Versöhnungsgemeinde)
Bild: Versöhnungsgemeinde

Versöhnungsgemeinde in Berlin betroffen - Aktivisten entwenden Könige aus Kirchenkrippen

Vor dem Dreikönigstag am 6. Januar sind in mehreren deutschen Kirchen jeweils zwei von drei Figuren der Heiligen Könige aus den dortigen Weihnachtskrippen entfernt worden. Dazu bekannte sich eine Gruppe mit dem Titel "Ausgegrenzt" - nach eigenen Angaben Performance-Künstler. Als Motiv angegeben wurde Protest gegen die EU-Flüchtlingspolitik.

Lukas Pellio, Pfarrer der Evangelischen Versöhnungsgemeinde (Quelle: privat)
Lukas Pellio, Pfarrer der Evangelischen VersöhnungsgemeindeBild: privat

Versöhnungsgemeinde in Berlin betroffen

Kirchen in Berlin, Bielefeld, Darmstadt, Frankfurt, Freiburg, Köln und Münster seien betroffen, teilte das "Künstlerkollektiv Ausgegrenzt" am Samstag mit. Unter anderem fehlen die Figuren der Weihnachtskrippe in der Berliner Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Mauerstreifen, wie die Gemeinde selbst mitteilte. In einem hinterlassenen Schreiben sichern die Aktivisten den Gemeinden zu, die Krippenfiguren sorgsam zu verwahren und in den nächsten Tagen unbeschadet wieder auszuhändigen.

Die Versöhnungsgemeinde äußerte Verständnis für die Aktion und betonte die eigene vom Thema Flucht geprägte Geschichte. Pfarrer Lukas Pellio ist Vorstandsmitglied bei Asyl in der Kirche Berlin-Brandenburg. Pellio sagte rbb|24 auf Nachfrage: "Die Aktion trifft bei uns natürlich auf offene Türen." Die Gemeinde habe das Kollektiv für Sonntag bereits zum Drei-Königs-Gottesdienst eingeladen.

Die Figuren würde man bei allem Verständnis gerne unbeschadet wiederbekommen: "Wenn sie nicht zurück kämen, wäre das schon ein Ding. Wir haben nicht das Gefühl, dass sich die Aktion gegen uns richtet", sagte Pellio, die Figuren hätten keinen hohen materiellen Wert, "aber schon einen emotionalen". "Ausgegrenzt" bestätigte auf rbb|24-Nachfrage, dass die Figuren "an einem sicheren Ort" aufbewahrt werden.

Ob weitere Kirchen in Berlin betroffen sind, ist noch unklar. Viele öffnen erst am Sonntag zum Gottesdienst ihre Tore, während die Versöhnungsgemeinde stets offen steht, wie Pfarrer Thomas Jeutner betonte. Es könne also gut sein, dass viele Kirchen das Fehlen der Könige erst am Sonntag feststellen. Die Aktivisten wollten sich dazu nicht äußern.

Kritik an europäischer Flüchtlingspolitik

Mit der Aktion soll auf die humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern an den europäischen Außengrenzen aufmerksam gemacht werden. Die EU-Abschottungspolitik habe verhindert, dass die beiden Könige das neugeborene Flüchtlingskind Jesus von Nazareth begrüßen können, hieß es in dem Schreiben. Ein König sitze im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos fest. Die Situation dort sei eine humanitäre Katastrophe, die Menschen hungerten und seien kaum vor Kälte und Regen geschützt. Die Aktion solle "aufrütteln und das Thema Lagerunterbringung neu in die gesellschaftliche Diskussion einbringen".

Sendung: Inforadio, 04.01.2020, 20.00 Uhr

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29 Kommentare

  1. 29.

    Welche Ansicht der Empathie innerhalb der überwiegenden "Law and Order"-Kommentare. Respekt! Noch ist unsere Gesellschaft nicht verloren.

  2. 28.

    @Redaktion: Wurden die Figuren inzwischen den rechtmäßigen Eigentümern (der christlichen Glaubensgemeinschaft) zurückgegeben, oder wird noch darauf gewartet wann sich die "Künstler" dazu berufen fühlen ?

  3. 27.

    @ Helmut Krüger. Ihre Empfindungen und Rechtsauffassungen sind zum Glück nicht erheblich. Anderenfalls würde wohl Anarchie herrschen. Diebstahl bleibt Diebstahl. Eine "Ausleihe" kann nur mit vorherigem Einverständnis des Eigentümers stattfinden. Und es ist nicht nur eine Gemeinde betroffen. Von anderen ist bloß nichts bekannt, ausser der Tatsache und der Aussage der Täter, es seien mehrere bundesweit betroffen. Nur weil ein Pfarrer die Tat nachträglich "absegnet" ändert sich nichts für andere bestohlene Gemeinden. Und ein Bediensteter kann für seinen Dienstherrn etwas derartiges nicht verbindlich erklären.

  4. 26.

    Kein klauen, sondern nur ungefragtes entwenden ? Das nennt man klauen! Bei dem rechtlichen Vorgang des leihen muss die Einverständniserklärung BEIDER Parteien vorliegen Sind die Kirchenmitglieder vorher gefragt worden und haben zugestimmt ? Nein = Diebstahl an der Allgemeinheit. Nicht mehr nicht weniger ! Strafe: Selbstverständlich!

  5. 25.

    Das war offenbar das tragende Motiv der Entwender, faktisch ja eher der Ausleihenden.

    Nach meiner Empfindung wohnt hier kein destruktives Motiv, kein Zerstörungsmotiv inne.

  6. 24.

    Was die Letztgenannten angeht, so wird medial und von vielen Zeitgenossen offenbar von "Crash-Kids" gesprochen. Die können sich dann noch gebauchpinselt fühlen, geklaute Autos willentlich und mit voller Absicht zu Schrott zu fahren.

    Das ist hier erkennbar nicht so. Ein erheblicher Unterschied, den auch der Pfarrer und die Bediensteten der Versöhnungskapelle zu würdigen wissen. Die sind ja erstmal die Betroffenen.

  7. 22.

    Weshalb sollte der Einbruch sofort auffallen? Und die Künstler haben ja gesagt, es seien mehrere Kirchen betroffen. Wer entwendet, dem ist auch Einbruch nicht fremd. Straftat bleibt Straftat. Einfach mal nüchtern betrachten. Was kommt als Nächstes? Die Hemmschwelle der sog. Künstler scheint gering zu sein.

  8. 21.

    Wenn alle genausoviel Mitgefühl für die Menschen in den angenommenen Herkunftsregionen der entwendeten Könige hätten, wie für diese Figuren, wäre das doch ein echtes Weihnachtswunder. In dem Sinne: Happy Epiphanias!

  9. 20.

    "Viele öffnen erst am Sonntag zum Gottesdienst ihre Tore, während die Versöhnungsgemeinde stets offen steht,.." Wie sollen die Könige denn entwendet worden sein, wenn die meisten Kirchen verschlossen sind und erst sonntags wieder öffnen. Einbruch wäre garantiert schon eher aufgefallen.
    Hab meine Könige auch schon mal darauf vorbereitet, dass sie heut wieder auf den Dachboden umziehen.

  10. 19.

    Ich verstehe die Aufregung nicht. Es ist doch sehr schön, dass man heute für nahezu alles eine gute Presse und viel Beifall bekommen kann, wenn man es mit den Floskeln "Kunst", "für geflüchtete Mensch_*innen" und "gegen rechts" schmückt.

  11. 18.

    "Es könne also gut sein, dass viele Kirchen das Fehlen der Könige erst am Sonntag feststellen. Das Kollektiv wollte sich dazu nicht äußern." Sie lesen offenbar nur bis zur Hälfte

  12. 17.

    Was für ein Geschrei hier bei manchen Kommentatoren losbricht! Die Betroffenen, also die Kirchgemeinden, haben Verständnis für diese Aktion geäußert. Ich finde die Aktion gelungen, denn immerhin hat sie Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt, über das die meisten hier wahrscheinlich sonst gar nachdenken würden. Die Könige sollen ja auch zurück gegeben werden.
    Königsdiebstahl in stiller Nacht - Ohwie lacht sich bestimmt scheckig.

  13. 16.

    Sehr eigenwillige Auslegung ... Dann hätten Sie nichts dagegen, wenn ich mir mal etwas ungefragt von Ihnen ausleihe? Unglaublich, wie so etwas verharmlost werden kann. So ähnlich leihen sich manche Autos für eine Spritztour aus.

  14. 15.

    Eine Diebesbande ist also ein Künstlerkollektiv?
    Aha, man lernt nie aus.

  15. 14.

    (Klauen) MÜSSEN sicherlich nicht. Können aber gewiss manchmal schon, was allerdings hier noch nicht einmal der Fall ist, wo es sich offenbar um ein unberechtigtes, ungefragtes Ausleihen von etwas handelt, deren Rückgabe die Entwendenden selbst bestimmen wollen.

    Diebstahl, gemeinhin Klauen genannt, ist ja die dauerhafte Entwendung, ohne dass derjenige, in dessen Verfügungsgewalt das nicht mehr ist, wüsste, wer es tat.

    Die Versöhnungskapelle hat m. E. sehr gut darauf reagiert. Genauso täte ich es auch.

  16. 13.

    Geht es ohne Straftaten? Muss man etwas klauen, um zu demonstrieren? Und was ist Kunst daran? Kreativität gleich null. Die Figuren werden einfach entwendet und verwahrt. Toll. Das ist doch nichts. Wenn die Könige wenigstens irgendwo anders aufgestellt werden würden oder verkleidet worden wären oder was weiß ich, welche Ideen echten Künstler dazu kommen, aber so ist es nur primitiver und krimineller Aktivismus.

  17. 12.

    Sorry, meinte natürlich das SOZIALSYSTEM unterwandern.

  18. 11.

    Um es gleich vorweg zu nehmen. Ich habe nichts gegen Kriegsflüchtlinge, überhaupt nicht! Bin auch kein AFD WÄHLER! Ich habe nur was dagegen, wenn immer mehr Wirtschaftsflüchtlinge zu uns kommen, zum Beispiel aus der Türkei, Marokko, Tunesien ect. Dadurch werden unsere Sozialverbände unterwandert, überall fehlt das Geld. Man weiß ja noch nicht einmal, wie man die ganzen Menschen unterbringen soll. Und wenn man diesbezüglich seine Meinung äußert, wird man glatt in die rechte Ecke gestellt. Nein, hier läuft absolut was falsch!!!

  19. 10.

    Gewiss gewöhnungsbedürftig und auch mit Gewissheit nicht legal, doch zweifellos eine Aktion mit Hintergedanken und die zum Denken anregt. So unkompliziert, dass die zwei genannten Könige heute einfach so hin und zurück kämen, ist die Angelegenheit nicht - dann, wenn das "Königtum" symbolisch auf jeden Menschen ausgeweitet wird.

    Ich hoffe und setze auf ein gutes und unspektakuläres Ende.

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