Archivbild: Herr Heidgen arbeiten als Schul-Sozialarbeiter in der Zille -Grundschule in der Boxhagener Straße in Berlin Friedrichshain. (dpa/Doris Spiekermann-Klaas)
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Audio: Inforadio | 08.01.2020 | Björn Köhler im Interview | Bild: dpa/Doris Spiekermann-Klaas

Zu viele Teilzeitstellen in Berlin - GEW fordert bessere Bedingungen für Schulsozialarbeiter

Mobbing und Gewalt unter Schülern, Drogen, familiäre Probleme: Schulsozialarbeiter haben in Berlin alle Hände voll zu tun. Allerdings würden zu zaghaft neue Mitarbeiter eingestellt, kritisiert die Bildungsgewerkschaft GEW im rbb, und fordert bessere Arbeitsbedingungen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert attraktivere Bedingungen für Schulsozialarbeiter in Berlin. GEW-Vorstandsmitglied Björn Köhler sagte am Mittwoch im Inforadio vom rbb, derzeit gebe es viele Teilzeitstellen. Außerdem seien viele Stellen befristet, weil die Schulsozialarbeit über soziale Träger laufe, die dafür Geld beantragen müssten.

Der Senat will im nächsten Jahr die Zahl der Schulsozialarbeiter um 300 aufstocken. 15,5 Millionen Euro sollen dafür im Landeshaushalt bereit stehen. Bis zum Sommer 2021 soll jede Berliner Schule mit einem eigenen Sozialarbeiter ausgestattet sein. Laut Köhler ist es derzeit noch einfacher, Sozialarbeiter zu finden als zum Beispiel Erzieher. Positiv sei, dass der Tarifvertrag der Länder zum 1. Januar geändert wurde, so dass Sozialarbeiter in Berlin genauso bezahlt werden wie ihre Kollegen in anderen Bundesländern.

Köhler: Erzieher alleine reichen nicht aus

Schulsozialarbeit werde an allen Schulen gebraucht – nicht nur in den Brennpunktbezirken, betonte Köhler. "Alle junge Menschen haben ähnliche Herausforderungen, wenn es darum geht aufzuwachsen", meint der GEW-Sozialarbeitsexperte. Denn auch die Gesellschaft sei komplexer geworden.

Genauso brächten die Digitalisierung und Globalisierung neue Herausforderungen mit sich, die es vorher nicht gegeben habe. Erzieher, die ebenfalls in Schulen eingesetzt würden, könnten dies nicht komplett auffangen, weil sie nicht für alle Problemfelder ausgebildet seien, so Köhler.

GEW prangert zu schlechte Bezahlung an

Schulsozialarbeiter sollen vor allem Schülern in Problemlagen zur Seite stehen. Sie unterstützen sie beispielsweise bei Prüfungsangst oder bei Fällen von Mobbing. Schulsozialarbeiter greifen auch bei Gewalt unter Mitschülern oder gegenüber Lehrern ein und haken nach, wenn jemand oft zu spät kommt. Bei manchen Familien machen sie Hausbesuche, etwa um zu erfahren, warum Schüler häufig unentschuldigt fehlen.

Zum Anforderungsprofil gehört ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium als Sozialarbeiter oder eine vergleichbare Qualifikation. Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gibt es dafür ein Einstiegsgehalt von knapp 3.200 Euro brutto im öffentlichen Dienst. Die meisten sind aber bei freien Trägern beschäftigt, viele haben keine Vollzeitstelle. Ein Großteil verdient der GEW zufolge daher im Durchschnitt 15 bis 20 Prozent weniger.  

Sendung: Inforadio, 8.1.2020, 7:28 Uhr  

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die Mehrzahl der Berliner Schulen wäre froh, überhaupt Schulsozialarbeiter zu haben. Darum sollte man sich als erstes kümmern.

  2. 2.

    Bezahlt die Menschen für ihre sehr anstrengende Arbeit endlich richtig!!!!

  3. 1.

    An den Berlinern Schulen klappt sehr oft vieles nicht.

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