Saal im Berliner Kammergericht (Bild: imago images/Mike Wolff)
Audio: rbb 88,8 | 29.01.2020 | Christoph Reinhardt | Bild: imago images/Mike Wolff

Cyberangriff auf Berliner Kammergericht - Erst ein Zehntel der gehackten Gerichts-PCs läuft wieder

Vor vier Monaten wurde das IT-System des Berliner Kammergerichts von einem Trojaner attackiert, seitdem läuft dort nichts mehr wie zuvor. Daten wurden gestohlen, Rechner abgeschaltet. Bis die Systeme wieder voll funktionieren, werden noch Wochen vergehen.

Das Berliner Kammergericht ist auch mehr als ein Vierteljahr nach dem Cyberangriff noch weit vom Regelbetrieb entfernt. Es sei "mitnichten" so, dass die Arbeitsfähigkeit des Gerichts wieder hergestellt sei, sagte am Mittwoch Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) im Rechtsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Ein externer Sachverständiger soll demnach dem Gericht bei der Lösung seiner IT-Probleme helfen. Bis zu diesem Freitag werde ein Konzept erarbeitet, der Experte solle dann im Februar seine Arbeit beginnen, kündigte Behrendt an.

Behrendt geht von abgeflossenen Zugangsdaten aus

Das Gericht arbeitet weiter provisorisch. Von 550 still gelegten Computern seien bislang 60 ersetzt worden, sagte der Präsident des Kammergerichts, Bernd Pickel, im Ausschuss. Im Februar sollten 80 bis 90 Prozent der Mitarbeiter wieder am eigenen Platz arbeiten können. "Es ist alles im Fluss, es ist mehr, als es von außen aussieht", gab sich Pickel optimistisch.

Behrendt sagte mit Bezug auf ein Gutachten zu dem Trojaner-Angriff erneut, es müsse davon ausgegangen werden, dass Daten abgeflossen seien, etwa Zugangsdaten. Man wisse aber nicht, wer betroffen gewesen sein könnte. Solche gestohlenen Daten wären aber ohnehin wertlos, weil die Computer alle vom Netz genommen wurden, ergänzte Pickel. Nach seinen Worten gebe es keine Erkenntnisse, dass Dokumente, Urteile oder Beschlüsse des Gerichts bei dem Angriff mit der Schadsoftware Emotet gestohlen wurden.

Befürchtet worden war, dass Informationen etwa zu Prozessen zur Organisierten Kriminalität oder zu Terrorismus in die Hände der Angreifer gelangt sein könnten. Laut Gerichtspräsident gab es bisher keine Erpressungsversuche. Die Staatsanwaltschaft ermittle aber zu dem "schwerwiegenden Sicherheitsvorfall", so der Justizsenator.

Tiefenprüfung der Rechnung vermutlich teuer

Pickel sagte, er habe vom möglichen Abfluss von Daten erst bei Vorlage des Gutachtens am 24. Januar dieses Jahres erfahren. Von dem Papier gebe es zwei Versionen. In der öffentlichen Version seien persönliche Daten und einige technische Details gestrichen worden. Zudem habe der Gutachter aus Versehen ein falsches Datum eingesetzt. Die Oppositionsfraktionen von FDP und CDU hatten vermutet, dass Informationen zurückgehalten werden sollten.

Das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) hatte den Virus im Computersystem Ende September bemerkt. Die Rechner wurden vom Internet getrennt und das Kammergericht vom Netz genommen. Das Gericht hatte ein eigenes System, das nicht wieder aufgebaut werden soll. Die neue IT kommt unter den Schirm des Dienstleistungszentrums.

Der Justizsenator zeigte sich offen, alle stillgelegten Rechner und Server des Gerichts einer Tiefenprüfung auf einen möglichen Datenabfluss zu unterziehen. Das würde etwa zwei Jahre dauern und einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. "Man wird das abwägen müssen", so Behrendt.

Sendung: Inforadio, 29.01.2020, 18 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Man hört immer noch von solchen Attacken. Dabei ist es wirklich bekannt, dass es sehr gute Cybersecurity’s wie die der Bochumer von GDATA’s Totalsecurity, die ganze Großunternehmen und auch einzelne PC’s absichern und Ihnen alles vom Leibe halten für einen geringen Beitrag im Jahr. Gerade solche sensiblen Daten.

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