Ein Wohnhaus in der Karl-Marx-Allee (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: Abendschau | 10.01.2020 | S. Wassermann | Bild: dpa/Christoph Soeder

Verstaatlichung von Immobilien - Kollatz: Wohnungsankauf in der Karl-Marx-Allee war falsch

Der Kauf von 900 Wohnungen durch das Land Berlin in der Karl-Marx-Allee sei ein Fehler gewesen, gibt Finanzsenator Kollatz zu. Trotzdem will der SPD-Politiker von der Praxis nicht abrücken. Künftig soll aber nicht mehr der Steuerzahler belastet werden.

Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hat den Ankauf von 900 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee in Berlin durch das Land rückblickend als falsch bezeichnet. In einem Interview kritisierte Kollatz, es sei bei dem Geschäft zu viel Steuergeld zugeschossen worden.

Im rbb korrigierte er am Freitag zwar die Zahl, die er in dem Gespräch mit der "Berliner Morgenpost" genannt hatte - es seien nur 60.000 Euro statt 125.000 Euro pro Wohnung an Steuergeld geflossen. Allerdings sei auch dies noch zuviel Geld, so Kollatz. Er verwies darauf, dass zuletzt mehrere tausend Wohnungen gänzlich ohne staatlichen Zuschuss von landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften gekauft worden seien.

Der Finanzsenator hatte schon früher betont, dass er den Ankauf der prominent gelegenen Wohnungen Mitte vergangenen Jahres aus wirtschaftlicher Sicht ablehnt.

Kollatz hält Aufkäufe weiterhin für möglich

Wo es sinnvoll sei, werde Berlin über seine kommunalen Gesellschaften aber weiter Wohnungen zukaufen. "Die Zielvorgabe ist, dass dafür über den Lebenszyklus keine Steuermittel eingesetzt werden. Wir wollen etwa 5.000 Wohnungen pro Jahr erwerben, ohne Zuschüsse", so Kollatz.

Die Kommunalisierung ist neben dem Neubau und regulierenden Maßnahmen wie dem geplanten Mietendeckel die dritte Säule der Senatsstrategie gegen steigende Mieten. Seit Anfang 2017 kauften städtische Unternehmen mehr als 10.000 Wohnungen auf, die größtenteils in den 1990er Jahren oder später vom Land Berlin zur Schuldentilgung regelrecht verschleudert worden waren. Darunter waren im Vorjahr auch die Wohnungen in der Karl-Marx-Allee, deren Bewohner sich gegen eine Übernahme durch den Konzern Deutsche Wohnen wehrten.

Opposition und Steuerzahlerbund kritisieren die teure Ankaufpraxis seit längerem. Aus ihrer Sicht wäre das Geld für den Wohnungsneubau besser investiert. Aktuell besitzen die kommunalen Gesellschaften über 310.000 Einheiten - gut 20 Prozent aller Berliner Mietwohnungen.

Kommentar

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25 Kommentare

  1. 25.

    Genau, man sollte einfach wie in New York machen, da hat jeder Investor Bauland und Baugenehmigungen bekommen, und Mensch, da freuen sich die Leute endlich über die bezahlbaren Mietpreise!

  2. 24.

    Und ich kannte mal jemanden, der einen kannte...

    Im Ernst. Wir reden hier nicht von der überhitzten Immobilenblase, wir reden hier von bezahlbaren Wohnungen.

    Und es gibt sehr wohl Anbieter, die davon profitieren dass Wohnraum leer steht.

  3. 23.

    Ich habe mal Jemanden kennengelernt, der hatte in den 90er Jahren für 500000 DM ein Haus in Berlin gekauft, da er in die Nähe seiner pflegebedürftigen Mutter ziehen wollte. Als diese gestorben war wollte er es 2006 wieder verkaufen und bot es für 139000 € an, da inzwischen die Nachfrage gesunken war und der Markt nicht mehr hergab. Und das kann ebenso mit Wohnungen passieren. Die normalen Vermieter haben ein großes Interesse daran, dass ihre Wohnung nicht leer steht. Wenn es also ein Übergebot an Wohnungen gibt, wird er versuchen günstiger als die anderen zu sein.

  4. 22.

    "Und im übrigen werden Wohnungen natürlich günstiger wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage."

    Dieses neoliberale Märchen hat noch nie funktioniert.

    "Es ist noch nicht so lange her, da war das in Berlin so." Aha, sie müssen ein anderes Berlin meinen. Mieten sind noch nie gesunken, außerdem kamen sofort die Aasgeier und haben den Wohnungsmarkt leergefegt um die Wohnungen dem regulieren Markt zu entziehen um daraus Spekulationsobjekte zu machen.

  5. 21.

    Das ist Blödsinn. Wenn es genug Wohnungen geben würde, wären mehr Wohnungen auf dem Markt. Es sind aber so gut wie alle vermietet. Egal ob teuer oder günstig. Und trotzdem gibt es unendlich viele Bewerber auf eine freie Wohnung. Das ist ja wohl ein eindeutiges Zeichen, dass es nicht genügend Wohnungen gibt.

    Und im übrigen werden Wohnungen natürlich günstiger wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage. Es ist noch nicht so lange her, da war das in Berlin so.

  6. 20.

    Das ist so nicht richtig. Waren denn vor 10 Jahren die finanziellen Mittel vorhanden um zu bauen? Sie selbst geben ja zu dass dem Wohnungsmarkt durch Spekulanten und Gier die preiswerten Wohnungen entzogen worden sind.
    Nochmal, es gibt nicht zu wenig Wohnungen, es gibt zu wenige preiswerte Wohnungen!

  7. 19.

    Die Letzten 10 Jahren wurden weniger Wohnungen gebaut, wie Berlin attraktiv geworden ist. Dies erkennt man wenn man auf ein Wohnungsinserat ca. 200 Anfragen innerhalb eine Woche hat.

    Somit ist die Stadt seine Verpflichtung den Neubau zu fördern stets nicht nachgekommen. In der selben Zeit renovieren natürlich die Bestandsvermieter die Wohnungen und modernisieren die Häuser. Da keine günstiger Wohnraum geschaffen wurde, steigt natürlich auch der Mietspiegel. Die Vermieter die alle Jahre mal eine Mieterhöhung nach Mietspiegel erhöhen, können etwas mehr verlangen als noch vor einigen Jahren.

    Das Problem ist, das kein günstiger Wohnraum geschaffen wurde der den Mietspiegel abgefedert hat.

    Somit ist man selbst verantwortlich für die Situation, aber anstatt das Problem zu bekämpfen, führt man lieber alle Vermieter gleichermaßen vor und beschimpft sie.

    Jetzt kauft man günstigen Wohnraum teuer zurück, anstatt neuen zu schaffen. Die Spirale geht weiter runter.

  8. 18.

    Was für ein Blödsinn! Wer sagt ihnen dass kein Geld für die Instandsetzung mehr da ist? Und soviel neue Wohnungen können sie in 10 Jahren gar nicht bauen. Außerdem gibt es nicht zu wenig Wohnungen, es gibt zu wenig preiswerten Wohnraum, weil die Preise in die Höhe getrieben wurden.

  9. 17.

    Ich glaube das ist einer der großen Denkfehler der hier immer wieder auftritt.
    Ein mehr an Wohnungen bringt nicht gleichzeitig eine günstigere Miete im Gegenteil, ähnlich wie im straßenverkehr umso mehr Straßen gebaut werden umso mehr Autos fahren auch darauf.
    Sprich hier umso mehr Wohnungen umso mehr Leute kommen auch nach Berlin.
    Die miet kreislauf nach oben stoppt sowas nicht.

  10. 16.

    Bevorzugt sollte vor jeglichen Entscheidungen der gesunde Menschenverstand walten!
    Insbesondere, wenn die zu treffenden Entscheidungen eine klar erkennbare Langzeitwirkung haben und eine Rückabwicklung dennoch durchaus in Frage kommen könnte.
    Muss kommunales Eigentum gleich verkauft werden?
    Zur Erinnerung, nicht nur Wohnungen (betroffen waren auch kommunale Versorger) wurden sehr "preiswert" verkauft und werden nun, so es geht, zurückgekauft. Wie teuer dies dem Steuerzahler zu stehen kommt, sei mal dahingestellt.
    Geschicktes Verhandeln und im Bedarfsfall das Anpassen rechtlicher Regelungen vorausgesetzt, sind auch Verträge denkbar, nach denen zeitlich befristete Nutzungsrechte zu Gunsten Dritter MIT KLAR GEREGELTER RÜCKFALLKLAUSEL des Vertragsgegenstandes (Wohnungen, Teile oder ganze Versorgunseinrichtungen)an die Kommune möglich sind.
    DAS ERFORDERT ALLERDINGS HOHEN KLÄRUNGSAUFWAND VOR VERTRAGSSCHLUSS, SPART UNS ABER AUFWAND UND VERLUSTE BEI RÜCKKAUF und dgl.

  11. 15.

    Nur Wohnungen für teures Geld zurück kaufen, bringt gar nichts, aber da so viel Geld ausgegeben wurde für den Kauf ist logischerweise kein Geld mehr da für Instandhaltung.
    Also endlich den Senat auflösen und mit fähigen Leuten den Neubau vorantreiben. Sobald viele "preiswerte" neue Sozialwohnungen da sind wird der Preis für alle Mieter fallen.

  12. 14.

    "...möchte ich vorsichtig daran erinnern, dass der Zustand der Wohnungen in der DDR und der gravierende Mangel einer der wesentlichen Gründe für das plötzliche Ende der DDR waren."

    Nunja, dann würde ich sagen in Geschichte und Politik nicht aufgepasst. Weder war das Ende der DDR "plötzlich", noch war die Wohnungssituation der alleinige Grund für den Zusammenbruch der DDR.

  13. 13.

    Hi Paul, es geht nicht um ein Loblied auf die DDR. Auch nicht um eine "Systemfrage" (Sozialismus-Kapitalismus). Aber da wir jetzt wesentlich mehr Geld haben, als die DDR, stellt sich mir die Frage: Warum hält man Hals, Nasen und Ohren Abschneider (Spekulanten), nicht aus dem sozialen Wohnungsbau heraus? Warum werden riesige Flächen für ein Appel und ein Ei verhökert, ohne einen nachhaltigen Nutzen für die Allgemeinheit? Bleiben diese Flächen bei der öffentlichen Hand und werden mit öffentlichen Geldern mit Wohnungen zugepflastert, hat man ein starkes Werkzeug in der Hand, die tickende Mieten-Bombe zu entschärfen. Das setzt natürlich ehrliche, unbestechliche, oder heißt das jetzt korrekterweise "lobbyresistente", Politiker voraus! Grüße

  14. 12.

    Dann hätten die Bewohner das doch tun können, oder wer hätte sie davon abgehalten? So aber haben sie ihr Scherflein vom Steuerzahler ins Trockene bringen lassen. Schäbig und ungerecht! Oder wer kauft jetzt die Wohnungen der Berliner, die den Kauf bezahlt haben, damit sie ebenfalls in den Genuss günstiger Mieten kommen?

  15. 11.

    Mit dem Rückkauf der Wohnungen wird wirklich stark am DDR-Standard gearbeitet. Ich selbst bewohne eine Wohnung die von der WBM zurück gekauft wurde. Der vorherige Eigentümer hat schon nix an der Immobilie getan. Aber die WBM macht gar nix.

  16. 10.

    Bei der fetten Summe ist ein Rücktritt das Minimum!

  17. 9.

    60.000 pro Wohnung, wo ist da das Problem? Wenn die Bewohner ihre eigene Wohnung abkaufen wollten, müssten sie mindestens das 10fache zahlen

  18. 7.

    Das ist ja nicht das einzigste was dem dem Senat nicht passt, es gibt eigentlich nichts positives was dieser Senat bringt.

  19. 6.

    ...Staatlicher Wohnungsbau in der DDR eventuell doch besser, als sein Ruf?
    Lieber Mitforist, falls diese Frage wirklich ernst gemeint sein sollte - ich will es nicht ausschließen - möchte ich vorsichtig daran erinnern, dass der Zustand der Wohnungen in der DDR und der gravierende Mangel einer der wesentlichen Gründe für das plötzliche Ende der DDR waren.
    Gruß Paul

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