Schüler stehen vor dem Mittagessen in der Mensa in der Grundschule an der Wuhlheide in der Schlange vor der Essensausgabe. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Audio: Inforadio | 07.01.2020 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Jens Kalaene

Kostenloses Schulessen - Berliner Grundschul-Mensen platzen aus allen Nähten

Für Erst- bis Sechstklässler in Berlin ist das Schulmittagessen seit August kostenlos. Oft aber ist nicht genügend Platz für alle Kinder vorhanden. Ein Caterer sieht noch ein anderes Problem: Es wird mehr Essen weggeworfen. Von Kirsten Buchmann

11:30 Uhr: Vor der Essensausgabe der Moabiter Grundschule steht eine Schlange von 30 Kindern. Sie reicht aus der Mensa heraus, um die Ecke, bis auf den Gang. Den Erst- bis Drittklässlern schmeckt es, auch ihre Schulleiterin Undine Zeibig zeigt sich froh über das kostenlose Schulessen: "Das finden wir richtig gut. Das heißt, jedes Kind hat die Möglichkeit zu essen", sagt sie.

Es hakt allerdings noch im Alltag: Denn in dieser Grundschule nehmen jetzt mehr als 100 Kinder mehr an den Mahlzeiten teil als im vergangenen Schuljahr: Insgesamt sind es rund 380 Schüler. Dabei ist die Mensa mit ihren 75 Plätzen nur so groß wie zwei Klassenräume. Das sei definitiv zu eng, sagt Schulleiterin Zeibig.

Ein Problem, das auch in anderen Berliner Bezirken besteht. Eine Umfrage des rbb hat ergeben: Seitdem die Verpflegung für Grundschüler kostenlos ist, ist die Nachfrage nach warmem Schulessen deutlich gestiegen. Demnach liegt der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr zwischen 20 und 50 Prozent, im Bezirk Reinickendorf sogar bei rund 70 Prozent. Die Kinder müssen in bis zu acht Schichten nacheinander essen, da sie nicht alle auf einmal in die Mensen passen.

Personal für zweite Essensausgabe fehlt

Die Schule in Moabit hat zwar eine zweite Essensausgabentheke dazu bekommen, in einem abgetrennten Bereich der Aula, für den das Land extra neue Tische und Stühle finanziert hat. Der Raum ist allerdings verwaist. Denn um das Essen auszuteilen, fehlt Personal - bereits viele Wochen lang. "Da wir nicht die einzige Schule sind, die jetzt viel mehr Esser hat, suchen natürlich alle Caterer auf dem Markt das Personal. Und da ist im Moment kaum etwas zu finden", so Zeibig.

Ohnehin ist die Aula aus Sicht der Schule keine Dauerlösung, weil die Speisen über einen langen Gang dorthin transportiert werden müssen. Momentan essen die Kinder daher in ihrer zu kleinen Mensa und haben dafür wenig Zeit, 15 Minuten. Trotzdem: Ihre Teller werden leer. Es landen kaum Reste in der Abfalltonne.

Eltern melden für fünf Tage an – das Kind kommt aber nur an zwei Tagen

Anders erlebt das Uwe Moldenhauer, Geschäftsführer der Kubis gGmbH, an Schulen unter anderem in Charlottenburg-Wilmersdorf, an denen sein Träger für die Ganztagsbetreuung verantwortlich ist. Er bedauert, dass mehr weggeworfen werde als früher: "Jetzt ist es so: Alle Kinder können essen, die Eltern melden einfach die Kinder an fürs Essen - und die kommen dann vielleicht einen Tag in der Woche oder zwei. Und an den anderen Tagen wird das Essen dann weggeschmissen."

Die Kinder bräuchten mittags vernünftig Zeit, kritisiert er außerdem. Ene rbb-Abfrage bei den Berliner Bezirken hat ergeben, dass die ersten mit ihrem Essen um 11 Uhr starten. Die letzten erhalten es um 15 Uhr. Schließlich passen in die Mensen nicht mehr Schüler gleichzeitig. Unter anderem um Gebäude für das Schulessen zu erweitern sowie für Um- und auch Neubauten, hat der Senat im Doppelhaushalt für dieses und das kommende Jahr inzwischen 24 Millionen Euro eingeplant.

Die Leiterin der Moabiter Grundschule, Undine Zeibig, hofft wegen des Andrangs bei ihren Mahlzeiten auf einen Mensa-Container auf dem Schulgelände: "So ein mobiler Speiseraum wäre wirklich erst einmal besser, wenn man zwei Ausgabestellen hat, entsprechend mehr Plätze und Stühle. Und dann können die Kinder auch in Ruhe essen." Bisher gibt es auf ihre Anfrage dazu allerdings noch keine Antwort.

Sendung: Inforadio, 07.01.2020, 6:20 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    "beide Eltern voll arbeiten gehen müssen, um überleben zu können". Was ist das denn? Impliziert, dass Sie der Ansicht sind, es müsse einen Alleinernährer in der Familien geben, also klassiche Rollenverteilung. Natürlich muss jeder arbeiten gehen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Und Kinder werden eben von den Eltern finanziert. Hier geht es aber um Essen, das nicht immer abgenommen wird und dann im Müll landet, weil Eltern ihre Kinder erstmal anmelden (kast ja nix). Das finden Sie gut?

  2. 14.

    Es ist eine Aufgabe von Schulen, Kinder mit Nahrung zu versorgen, wenn sich Schüler bis nachmittags dort aufhalten. Das ist doch wohl selbstverständlich und in allen anderen Ländern auch so. Da heutzutage beide Eltern voll arbeiten gehen müssen, um überleben zu können und es die Mutti am Herd nicht mehr gibt, die um 13 Uhr die Bratkartoffeln für Vati und die Kinder fertig hat.

  3. 13.

    "Die" sind verwöhnt...aha. Woher nehmen Sie sich eigentlich das Recht, sich so respektlos und pauschal über zehntausende Kinder zu äußern? Schämen Sie sich.

  4. 12.

    Warum wundert es niemand? Alles was von RRG kommt, ob man es mag oder nicht, alles am Grünen Tisch entschieden und fern der Realität. Vielleicht sollten die Presse einfach nur berichten wenn das geplante auch in der Realität funktioniert. Dann hat man die Hoffnung, dass der Senat wach wird, wenn kaum etwas über ihn in den Medien vorkommt.

  5. 11.

    Vermutlich essen die Kinder dann nur an den Tagen wo etwas angeboten wird, das sie mögen und lassen alle anderen weniger beliebten Gerichte ausfallen. Würde mich nicht wundern, so wie verwöhnt die heute sind. Sich nur die Rosinen rauszupicken ist Alltag geworden.

  6. 10.

    War es sicher. Doch gewisse Politiker sehen vorzugsweise nur jene Probleme, mit denen sie sich auch zu befassen wünschen.
    Warum es die Aufgabe von Schulen sein soll, Schüler mit Nahrung zu versorgen, hab ich aber bislang nicht begriffen.

  7. 9.

    Auch diese Situation war nicht vermeidbar bzw. zu prognostizieren?

  8. 8.

    Der Caterer hatg es doch gesagt. Die Eltern melden die Kinder an, aber die kommen dann nicht immer. Was soll also Ihre Frage nach der vorherigen Beteiligung der Eltern? Problem ist hausgemacht. Wenn ich etwas kostenlos anbiete, dann sagt keiner "brauche ich nicht", sondern nimmt es je nach Lust und Laune an. Es entstehen ja keine Kosten, wenn ich ein Essen ausfallen lasse.

  9. 7.

    RRG-Wahlgeschenke und ihre Folgen.

  10. 6.

    Damit nicht "zu viele" Kinder essen, sollten also die Preise erhöht werden, damit die Kinder sich das Essen nicht mehr leisten können. Tolle Idee. Es dürfen nur noch Kinder mit Geld essen. Das wollen einige. Typisch Klassenkampf von oben.

  11. 5.

    Wenn so etwas eingeführt wird muss man das doch mit den Schulen absprechen und erst mal schauen ob die Räumlichkeiten vorhanden sind.
    Dazu kommen noch diese starren Unterrichtszeiten und Pausenzeiten. Isi doch logo wenn alle um 11:30 Uhr Pause haben dass die Räume nicht reichen.
    Den Eltern ist das doch egal , hauptsache kostenlos. Kinder werden heute abgegeben und nicht von den Eltern erzogen.
    Es ist ein guter Vorschlag vom Senat aber wie immer nicht zu ende gedacht. Und das die Nachfrage gestiegen ist, tja,für viele Kinder ist dies wahrscheinlich die einzige warme Mahlzeit.

  12. 4.

    Egal was RRG macht, es wird vor allem aus der rechten Ecke schlecht geredet. Die Schulverwaltungen hatten genug Vorlauf. Man kann das Versagen der Bürokratie nicht RRG anlasten.

  13. 3.

    Mein Vorschlag:

    Jugendliche bekommen ab einem bestimmten Alter zusätzlich zum Taschen- auch Verpflegungsgeld, müssen selbst sehen, wie sie damit auskommen und die Mahlzeiten werden grammgenau abgerechnet.

    Pro:

    Die Jugendlichen lernen selbst ein wenig hauszuhalten und weggeworfen wird garantiert deutlich weniger.

    Contra:

    Erhöhter Aufwand. Und da es nicht um Umweltschutz geht, wird ich speziell RRG dagegen mit Händen & Füßen wehren.
    Und auch antiautoritäre Eltern (Hauptaufgabe: Nichterziehung) werden so gar nichts davon halten, ihre Sprösslinge das Konzept der Eigenverantwortung (nebst entsprechender Konsequenzen) zu lehren.

  14. 2.

    Das scheint wieder mal nicht zu Ende gedacht von diesem Senat.
    Warum sind die Eltern nicht vor Beginn der Aktion befragt worden, ob ihre Kinder an dem Essen teilnehmen wollten? Dann hätte es besser vorbereitet werden können.
    Unabhängig davon ändert das nichts an dem Bildungsmangel, der an den Schulen herrscht.

  15. 1.

    Wie all zu vieles beim RRG-Senat: Gut gemeint - schlecht gemacht

    Wer hat denn bloß geglaubt, dass per "Order de Mufti" von oben herab innerhalb weniger Monate berlinweit attraktive Mensen in allen Schulen entstehen könnten?
    Und das auch noch ohne allzu großen finanziellen Aufwand?

    Statt diese Fehlentwicklung einzusehen, ggf. getroffenene Entschscheidungen zu revidieren und auf einen etappenweisen Umbau der Schulen zu setzen, wird hier nach dem Motto "Vorwärts immer, rückwärts nimmer" weiterhin die Ernährung und Ausbildung unserer Kinder gegen die Wand gefahren.

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