Verkauf von Feuerwerkskörpern in Nauheim (Bild: imago images/Eibner)
Video: Abendschau | 13.01.2020 | Boris Hermel | Bild: imago images/Eibner

Nach Aussschreitungen in Berlin - Berliner Innensenator will Böllerverkauf stärker einschränken

Zu Silvester wurden Polizisten und Rettungskräfte in Berlin erneut mit Pyrotechnik beschossen und verletzt oder mit Schreckschusspistolen bedroht. Böller-Verbotszonen seien schon mal was, meint Innensenator Geisel. Er will aber noch weiter gehen.

Angesichts der Ausschreitungen in Silvesternächten hat Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) Einschränkungen beim Verkauf von Böllern und Schreckschusswaffen gefordert. Das Polizeirecht und einzelne Verbotszonen für Feuerwerk reichten für eine friedliche Silvesternacht nicht aus, sagte Geisel am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. "Wir werden nicht über Verbotszonen reden können, wenn es weiterhin erlaubt ist, in jedem Lidl jedes Feuerwerk zu kaufen."

Diskussion um Schreckschusspistolen

Zudem müsse man über Möglichkeiten nachdenken, etwas gegen den freien Verkauf von Schreckschusspistolen ohne Vorlage des Kleinen Waffenscheins zu tun. "Über die Frage, ob das nicht frei verkauft werden darf, muss man diskutieren." Geisel betonte: "Wir wollen fröhliche Silvesterfeiern. Wenn jemand verantwortlich damit umgeht, wollen wir das nicht beschränken. Aber dass es immer gefährlicher wird, auf die Straße zu gehen, das wollen wir nicht hinnehmen."

Unterstützung bekommt Geisel in diesem Punkt von der Gewerkschaft der Polizei. "Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, den Verkauf von Schreckschusspistolen an das Vorzeigen des Kleinen Waffenscheins zu koppeln und darüber hinaus den Internethandel zu reglementieren. Diese Waffen sind kein Kinderspielzeug und können großen Schaden anrichten", hieß es in einer Erklärung der GdP Berlin vom Montag.

Verbotszonen-Konzept "voll aufgegangen"

In Berlin gab es an Silvester drei Verbotszonen für Feuerwerk. Diese Zonen bezeichneten Geisel und die Polizei als großen Erfolg. Gerade auf dem Alexanderplatz und in Schöneberg, wo es zum Jahreswechsel 2018/19 Randale gab, sei es sehr ruhig geblieben, sagte Geisel. "Die Anwohner haben durchweg positiv reagiert. Das Konzept ist voll aufgegangen."

Geisel deutete an, dass diese Verbotszonen auch in der nächsten Silvesternacht wieder wahrscheinlich seien. Es gebe in dieser Hinsicht selbstverständlich wieder "Handlungsbedarf". Eine Diskussion über weitere Verbotszonen etwa auf den Hermannplatz in Neukölln sei aber "verfrüht".

An diesen Orten herrschte Böllerverbot

Die Opposition verlangte am Montag mehr Rechte für die Polizei und härteres Durchgreifen. Die Innenpolitiker von CDU und AfD sagten, die Menschen in der Stadt hätten ein Recht auf ungefährliche Silvester. Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe nannte noch mehr Verbote überflüssig, da Straftäter sich ohnehin nicht an Verbote hielten und diese also nur die "braven Bürger" treffen würden.

Feuerwehr "massiv" mit Feuerwerkskörpern beschossen

In der Silvesternacht wurden 24 Polizisten und 3 Feuerwehrleute durch Angriffe und Böller verletzt. Sie erlitten Blutergüsse, Schürfwunden und Knalltraumata. Die Zahlen waren allerdings deutlich niedriger als im Vorjahr (45 verletzte Polizisten). Ein Feuerwehrauto wurde laut Geisel "massiv" mit Raketen beschossen. Randalierer hätten versucht, die Fahrerkabine zu öffnen und mit Schreckschusspistolen hineinzuschießen.

Auf der Fuggerstraße in Schöneberg explodierte vermutlich eine sogenannte Kugelbombe, ein massiver Profi-Feuerwerkskörper. Laut Polizei wurden zwei Menschen verletzt und die Fenster von 14 Wohnungen zerstört.

"Schreckschusswaffen erreichen neue Dimension"

900 Polizisten waren laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik regulär im Dienst. Dazu kamen 2.100 zusätzliche Polizisten nur für die Silvesternacht. Bei der Polizei gingen 3.065 Notrufe ein, was zu 2.039 Streifenwageneinsätzen führte.

Die Feuerwehr war mit 1.500 Leuten unterwegs, 600 davon waren ehrenamtlich im Dienst. Feuerwehrchef Karsten Homrighausen sprach von 617 Bränden am Abend und in der Nacht. Allein zwischen 0.00 Uhr und 1.00 Uhr habe es 1.800 Notrufe und 300 Brandeinsätze gegeben. Homrighausen nannte die Zahl von 24 gemeldeten Übergriffen auf seine Leute (Vorjahr: 49). "Aber es gibt eine neue Qualität: die Schreckschusswaffen, die gezielt auf uns gerichtet werden. Das ist eine neue Dimension, die wir vorher so nicht kannten."

Sendung: Abendschau, 13.01.2020, 19:30 Uhr

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18 Kommentare

  1. 17.

    sehe ich auch so: komplettes kanonenschläge verbot. aber vor allem auch in polen und chechien währe interessant. oder am besten gleich in der ganzen eu
    hab früher auch schon mak für 200€ verballert. aber wenn sich jetzt unteranderem diese zugereisten nicht mehr benehmen können seit 2015, dann alles verbieten und gut ists. bin weder rechts noch links oder gar grün, bin pirat

  2. 16.

    Das einzige was wirklich hilft, ist ein Kompletttverbot in Berlin.
    Die Knallerei geht tagelang: Fängt Anfang Dez an und hört nicht vor dem 5. Jan auf. abgesehen davon, daß ja der Sieg einer Fußballmannschaft oder die Heirat in der Sippe irgendwann im Jahr lautstark untermalt werden muß...
    Es ist nicht mehr die "gute alte" Sitte, die am Silvesterabend ab 6 bis Neujahr um 7 gelebt wird, es ufert in eine Art Bürgerkrieg aus.
    Früher habe ich am Silvesterabend selbst Raketen abgeschickt und geböllert. Jetzt reichts mir!

  3. 14.

    Schön wenn Mann als braver ...
    Schlimm wenn man als Politiker selbst den Stallgeruch der Störer inne hat und damit nicht bemerktet, dass diese "Knallfrösche" ein Problem darstellen.
    Vgl. aktuell diese Justiztante in Sachsen oder gar der ehem. Bundesaussendingels Fischer. etliche Straftaten und die Täter*lnnen werden derwegen nicht ausreichend ermittelt,diese gern, wegen des Stallgeruchs, als Aktivisten bezeichnet,heroisiert und schwups haben wir die aktuelle für die meisten Menschen unbefriedigende Situation.

  4. 13.

    Lese ich hier Discounter-Diskriminierung? - Andere verkaufen auch!

  5. 12.

    Typischer nichtwirkender Aktionismus...die betroffenen Knallnasen decken sich eh woanders ein

  6. 10.

    Ich würde es eine hilflose "Ersatzhandlung" nennen, da man seitens des derzeitigen Senats die Verursacher weder direkt benennen will noch es bei ihnen unterbinden kann.
    Fakt ist jedenfalls. Bei LIDL oder ALDI haben die die Pyroknallpatronen auf keinen Fall erworben.

  7. 9.

    Ich find's blöd, mag es nicht, es ist umweltschädlich und jagt Tieren eine Heidenangst ein.
    Doch es wird sich kaum verbieten lassen und das finde ich gut.
    Denn wenn persönliche Befindlichkeiten zu Verboten führen könnten, wären wir ein großes Stück näher an einem Staat, den ich als aktuell Konservativer längst heraufdämmern sehe und den ich nicht haben will.

  8. 8.

    Warum macht man es nicht wie in Paris ? Dort ist in der ganzen Stadt privates böllern und Feuerwerk verboten. Dafür gibts n großes Feuerwerk auf der elysee. Dort klappts. Aber in Berlin ist alles immer sehr kompliziert.

  9. 6.

    Ja zu einem kompletten Verbot für Privatfeuerwerke.
    Ja zu von den Bezirken organisierten Lasershows.

  10. 5.

    dazu : ---TOTALES Verbot wäre besser
    Feuerwek zur Begrüßung eines neuen Jahres zentral am Brandenburger Tor genügt doch

  11. 4.

    Das wäre super, bloß was nützt das alles.
    Diese Menschen kaufen die Pistolen und Böller dann in Polen oder online.

  12. 3.

    Toller sinnloser Aktionismus!
    Denjenigen, die halbwegs verantwortungsbewusst mit Feuerwerk umgehen, wird es verboten - und weil dabei viele "brave" Bürger sind, werden die sich wahrscheinlich an die Verbote halten und auf den Spaß am Feuerwerk verzichten.
    Aber die eigentlichen Problemfälle, die sich mit illegalem Feuerwerk in der Silvesternacht kriegsartige Gefechte liefern und die andere Menschen - einschließlich der verschiedensten Ordnungskräfte - bedrohen, angreifen und verletzen, werden sich voraussichtlich eben nicht an diese Verbote halten und trotzdem "böllern" und ihren "Spaß" haben.

    Schön, wenn man als "Braver" von Politikern auch noch zum "Dummen" gemacht wird ...

  13. 2.

    Man könnte es auch einfach generell Verbieten, Natur, Umelt und so...ach neue ich vergaß hängen ja mio € Steuergelder dran...

  14. 1.

    Wie wäre es denn mit Abgabe von Feuerwerk nur an "überprüfte, besonders gewissenhafte" Bürger?

    Den Antrag dazu müsste man vorher über die Bürgerämter einreichen, und mit einer positiv erteilten "Feuerwerkserwerbserlaubnis" darf man dann ab 30.12. im Geschäft seiner Wahl die einem zugeteilte Menge an Feuerwerk einkaufen.

    Um die Sicherheit der Bevölkerung weiter zu erhöhen, könnte man solche behördlichen "Befähigungsnachweise" auch vor dem Kauf von Autos, Alkohol, Drogen und Fahrrädern sowie vor dem Versuch der Zeugung eines Kindes zu einer unabdingbaren Voraussetzung machen.

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