Das Tempelhofer Feld ist am 29.05.2016 in Berlin aus der Luft zu sehen (Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Video: Abendschau | 05.01.2020 | Studiogespräch mit Nina Stahr (Grüne) | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Neuer Volksentscheid für Randbebauung - Grüne kritisieren FDP für Tempelhofer-Feld-Vorstoß

Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat einen neuen Volksentscheid zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes ins Spiel gebracht. Die Parteivorsitzende der Grünen Stahr findet diesen Weg "falsch" - das Instrument sei dem Volk und nicht einer Partei vorbehalten.

Die Randbebauung des Tempelhofer Felds wird fünf Jahre nach dem Volksentscheid zum erneuten Politikum in Berlin. Nach dezenten Vorstößen von SPD und CDU hat zuletzt die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus einen neuerlichen Volksentscheid ins Spiel gebracht.

Die Frage könnte nun auch die rot-rot-grüne Koalition belasten. Denn im Gegensatz etwa zu Raed Saleh, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden, sprechen sich Linke und Grüne bislang klar dafür aus, das Tempelhofer Feld als Freifläche zu erhalten.

"Wir fühlen uns dem Volksentscheid und dem Willen der Wähler verpflichtet", sagte Nina Stahr, Co-Vorsitzende der Berliner Grünen, am Sonntag dem rbb, "das war eine große Mehrheit der Bevölkerung, die dafür gestimmt hat, das Tempelhofer Feld zu erhalten."

Nina Stahr, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Berlin
Bild: dpa/Carsten Koall

"FDP hat sich die Gegebenheiten vor Ort gar nicht angeschaut"

Dass die FDP nun versuche, "für ihren eigenen Vorteil einen Volksentscheid zu initiieren" sei schade, denn das sei "eigentlich ein Instrument, dass für die Bevölkerung vorbehalten sein sollte", sagte Stahr in der rbb-Sendung "Abendschau". Sie habe das Gefühl, "die FDP hat sich die Gegebenheiten vor Ort gar nicht angeschaut und will nur populistisch sagen, wir müssen bauen, obwohl das überhaupt nicht nötig ist". So gebe es auf einer Randseite des Feldes eine ehemalige KZ-Fläche (das Columbia-Haus war von 1934 bis 1936 das einzige KZ auf Berliner Boden), auf der Neuköllner Seite werde man "kaum die Infrastruktur schaffen können, da die Kopfsteinpflasterstraßen schon jetzt überlastet sind".

Es gebe aktuell 14 Quartiere und 45.000 Wohnungen in der Planung, noch ein Feld mehr beschleunige den Bau neuer Wohnungen in Berlin nicht. Es fehle an Bauunternehmen.

Zudem sei das Tempelhofer Feld ihrer Meinung nach weiter mit seiner ökologischen Bedeutung zu schützen, als Kalt- und Frischluftschneise sowie für seltene dort lebende Tierarten. Der Central Park in New York sei 50 Hektar größer als das Tempelhofer Feld, dort würde niemand auf die Idee kommen, zu bauen. "Wir brauchen solche Freiflächen für die Erholung der Menschen in der Stadt."

Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus und ein gerade gegründeter Verein hatten sich zuletzt für einen neuen Volksentscheid zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes ausgesprochen und eingesetzt. FDP-Generalsekretär Sebastian Czaja habe einen dafür nötigen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung Anfang Dezember an Innensenator Andreas Geisel (SPD) verschickt.

Die FDP wolle mindestens 12.000 Wohnungen bauen lassen, die ersten sollten bereits 2025 bezugsfertig sein. Die Aufteilung der Bebauung solle nach einem "Dreiklang" erfolgen: Ein Drittel Genossenschaften, ein Drittel städtische Unternehmen, ein Drittel private. Geplant sei eine Bebauung des Randes der aktuellen Leerfläche, sagte Czaja in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". Die innere Fläche, mit 200 Hektar rund zwei Drittel des gesamten Feldes, solle frei bleiben.

Bebauung per Gesetz verboten

Man könne damit die Wohnungsnot zwar nicht lösen, so Czaja weiter. Doch die "Randbebauung würde zu einem Leuchtturmprojekt werden, das zeigt, dass Berlin effizient und mit intelligenten Lösungen Wohnraum schaffen kann".  

Vor dem Hintergrund steigender Mieten und Verdrängung hatten sich zuvor auch schon Politiker von SPD und CDU für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes ausgesprochen. Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) lehnt das allerdings kategorisch ab.

Für eine Bebauung müsste das Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Felds geändert werden. Das Gesetz war nach dem erfolgreichen Volksentscheid von 2014 erlassen worden. Damals hatte sich eine Mehrheit der Berliner gegen die Bebauung ausgesprochen. 

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44 Kommentare

  1. 44.

    Man liest hier viele falsche und fadenscheinige Argumente gegen eine Randbebauung.
    1. Das Tempelhofer Feld hat 300 Hektar Fläche, 200 Hektar wäre noch immer eine riesige Naherholungsfläche.
    2. Fast ganz Berlin steht auf sandigem Boden und ist somit "schwierig" seitens der Statik. Das Flugfeld ist da nicht schwieriger.
    3. Natürlich kann ein Volksentscheid einen Volksentscheid revidieren. Das ist gelebte Demokratie.
    4. Wer glaubt, dass Pendeln besser ist für die Umwelt, als Nachverdichtung, hat von Nachhaltigkeit keine Ahnung.
    5. Der Central Park ist ein richtiger Park, keine Brache. Der Vergleich hinkt vollkommen.
    6. Wer sagt "Ich hab ja eine Wohnung, warum nachverdichten?" ist, mit Verlaub, asozial.

  2. 43.

    Die Berliner Randbezirke können doch dem Land Brandenburg beitreten. Aber nur, wenn diese etwas zu bieten haben. Wir sind auf die "Lockangebote" gespannt.

  3. 42.

    Nur mal so: außerhalb von Berlin ist Brandenburg. Eine Fusion der Bundesländer wurde schon 1996 abgelehnt. Das im sogenannten Speckgürtel gebaut wird dürfte ihnen bekannt sein. Also warum nicht nach Brandenburg ziehen? Wir haben es auch gemacht, sind hier sehr glücklich und würden niemals wieder nach Berlin zurückgehen. Das Thema wurde grad vor ein paar Tagen hier bei rrb24 bearbeitet und kommentiert:
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/12/berlin-neukoelln-brandenburg-fusion-hikel.html

  4. 41.

    Ob das die schaffende Mitte der Gesellschaft, wie Ärzte, Rechtsanwälte, selbstständige Handwerker und deren Mitarbeiter auch so sehen wie Sie?? Wenn unglückliche Ausnahmen von Ihnen zur Regel erklärt werden, nennt man das Verunglimpfen.

  5. 40.

    Ja wo dann?
    Nachverdichten?
    Kleingärten?
    Beides nicht gewollt?
    Nur am Stadtrand? Dann muss zuerst aufgehört werden, won einer autofreien Innenstadt zu träumen.

  6. 39.

    Wenn man das Tempelhofer Feld nicht bebauen will, muss endlich Gross-Berlin umgesetzt werden, sprich Berlin muss sich bis mindestens zum Berliner Ring ausgedehnt werden. Dann sind z.B Teltow, Potsdam, Fallender... Bezirke von Berlin und endlich Platz für Wohnraum in Berlin, aber bitte den ÖPNV nicht vergessen!

  7. 38.

    Richtig, das war auch gleich mein Gedanke. Wenn erstmal angefangen wird, dann braucht man noch mehr Wohnungen - weil immer Wohnungen gebraucht werden. Und wenn man schon dabei ist, kann das nächste Haus mit gebaut werden. Reicht man den kleinen Finger - nehmen sie die ganze Hand.

  8. 37.

    In meinen Augen geht das völlig in Ordnung, dass die Grünflächenversorgung im Innenstadtbereich nicht ganz so propper wie in den Randbezirken ausfällt. Entweder, oder.
    Wer in der Innenstadt wohnt profitiert von der gehobenen Dichte an infrastrukturellen Einrichtungen, ÖPNV-Netz, kulturellen und freizeitorientierten Einrichtungen. Deren Verortung basiert primär auf Zentralität und verdichteter Wohnbevölkerung. Da müssen bei den Grünflächen im Gegenzug halt etwas Abstriche gemacht werden.
    "Vorne Ku´damm und hinten Ostsee" geht nicht. Man kann nicht alles haben. Wobei Berlin auch in den Innenstadtbereichen mit diversen Park, Grün- und Wasserflächen objektiv betrachtet keineswegs schlecht aufgestellt ist.

  9. 36.

    Nachverdichtung geht aber auch nicht. Der RBB berichtet regelmäßig darüber. Und nun? Auf wenn soll jetzt gezeigt werden?

    Die Karten zeigt übrigens die Versorgung mit *wohnungsnahen* Grünanlagen an. Das führt dazu, dass an vielen Stellen die eine Straßenseite als versorgt ausgegeben wird, die andere aber als unversorgt.

  10. 35.

    "Wenn die Grünen die FDP kritisieren hat die FDP alles richtig gemacht." Nunja, umgekehrt wird ein Schuh daraus.

    Die Fluggesellschaft mit angeschlossener Partei macht keine Politik für Mneschen, sondern für ihren gerade aktuellen "Sponsor". Wenn es nicht Mövenpick oder Ryan Air ist, dann sind es die unübersehbaren Verbindungen zur Berliner Betonmafia, die sich freut alles zuzubetonieren was nicht bei 3 auf den Bäumen ist.

    "Nach seinem Ausscheiden aus dem Berliner Abgeordnetenhaus 2011 war Czaja von 2012 bis Herbst 2013 beratender Repräsentant für die „Jahn Baumanagement“-Gesellschaft, danach bei der Gesellschaft „beton & rohrbau C.F. Thymian“ für die Projektentwicklung verantwortlich[1] und ist seit 2016 bei der beton & rohrbau 2.0 GmbH in der Projektentwicklung tätig."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Czaja#Familie,_Ausbildung_und_Beruf

  11. 34.

    Auf dieser Karte zur Berliner wohnortnahen Versorgung mit öffentlichen Grünflächen können alle sehen, dass die Versorgung mit Grünflächen innerhalb des S-Bahnrings bescheiden ist: offiziell überwiegen NICHT, GERING oder SCHLECHT versorgt. https://fbinter.stadt-berlin.de/fb/?loginkey=showMap&mapId=k06_05gruenversorg2016@senstadt
    Anders sieht es in den Aussenbezirken aus. Daher macht die Bebauung von Straßen und Parkplätzen (statt Grünanlagen) im Zentrum mehr Sinn, wenn dort weiter verdichtet werden soll. Ein gutes Beispiel hier: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/av7/video-berlin-elektrizitaetswerk-rotes-rathaus.html

  12. 32.

    Nur herumgemecker führt zu gar nichts. Wenn schon, dann wünsche ich mir vielmehr Solarenergie auf den Dächern von Berlin.

  13. 31.

    Ich gehe mal davon aus das Sie mit gutem Beispiel voran gehen und sich schon irgendein strukturschwaches Dorf ausgesucht haben bzw. schon dort leben denn was man von anderen Menschen verlangt sollte man selber erstmal vormachen !! Nicht die vielen Menschen die nach Berlin wollen sind das Problem sondern eine seit vielen Jahren falsch eingeschätzte Entwicklung und daraus folgend eine völlig falsche Politik des Berliner Senats !!! Berlin hatte in den 1930siger Jahren über 4 Millionen Einwohner bei wesentlich weniger Fläche und trotzdem ist nicht gleich alles zusammengebrochen wenngleich der sehr niedrige Komfort von damals heute nicht mehr erstrebenswert ist aber etwas mehr Gelassenheit würde man sich bei dem Thema schon wünschen denn ich lebe lieber in einer attraktiven Stadt wo viele sich wohl fühlen als in Orten wo alles zusammenbricht und alle weg möchten - Beispiel Detroit in den USA .

  14. 30.

    Wir haben ja Gott sei Dank NOCH! die Braunkohle welche unsere schöne Stadt mit Energie und Fernwärme versorgt!

  15. 29.

    Lebensweisheit: "Ist der Rand erst betoniert, wird der Rest auch ruiniert!"

  16. 28.

    An alle Politiker sei gesagt, das eine Bebauung des Tempelhofer Flug-Feld inkl. Rand nicht ohne erheblichen Mehraufwand möglich ist! Grund hierfür ist eine nicht tragfähige Statik. Die Statik müsse als erstes verbessert werden bevor hier überhaupt an bauen gedacht werden kann. Bitte vorher eine Ortsbesichtigung vornehmen und dann weiterdiskutiern.

  17. 27.

    "Na Prima aber hier auf dem Lande "

    Hier auf dem Land wird auch für ihr "schönes" Cottbus durch Windenergie erzeugt.

  18. 26.

    Na Prima aber hier auf dem Lande dürfen diese hässlichen Schredder die Energie für eurer ,,schönes'' Berlin erzeugen das finden Sie OK? Wo bleibt eurer Beitrag für die Energiewende, das wäre mal ne Option oder einfach mal drüber nachdenken!

  19. 25.

    "Man kann die Politiker in zwei Lager aufteilen: die Schaffenden und die (um-) verteilenden Nehmenden. "

    Da verorte ich die FDP zu den (um)verteilenden Nehmenden: Von unten nach oben.

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