Beispiel für einen Abbiegeassistenten, wie er in einem Hamburger Pilotprojekt gestestet wird. (Quelle: dpa/Markus Scholz)
Bild: dpa/Markus Scholz

Mehr Sicherheit für Radfahrer - Berlin fördert Abbiegeassistenten mit vier Millionen Euro

Bereits zwei Radfahrerinnen sind in diesem Jahr schon tödlich verunglückt. Wie so oft in solchen Fällen, wollten die anderen beteiligten Fahrzeuge, ein Lkw und ein Bus, rechts abbiegen. Nun will das Land Berlin den Einbau von Abbiegeassistenten finanziell fördern.

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe bereitet ein Förderprogramm für den Einbau von Abbiegeassistenten vor. Ziel sei es, Abbiegeunfälle, wie es sie auch im neuen Jahr schon wieder gegeben hat, zu vermeiden und Radfahrer und Fußgänger besser zu schützen, hieß es in einer Mittwoch veröffentlichten Mitteilung.

Zwei Millionen Euro pro Jahr

Demnach richtet sich das Förderprogramm vor allem an Unternehmen aus der Logistik- und Speditionsbranche, damit diese ihre zumeist großen und unübersichtlichen Fahrzeuge schnellstmöglich mit Abbiegeassistenten ausstatten können. Dafür seien im Doppelhaushalt für 2020/2021 je zwei Millionen Euro eingestellt, sagte Matthias Borowski, stellvertretender Pressesprecher von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne).

Menschen, die in Berlin mit dem Fahrrad unterwegs sind, drohen immer wieder Opfer von Rechtsabbiegeunfällen zu werden. Bereits in den ersten drei Wochen des neuen Jahres kam es zu zwei tödlichen Unfällen: Am Kottbusser Tor geriet eine 68-Jährige unter einen des Lkw eines Bauunternehmens, am vergangenen Sonntag wurde in Johannisthal eine 35-Jährige von einem BVG-Bus erfasst.

Lkw-Fahrer im Alltag entlasten

Eine der häufigsten Ursachen für solche Unfälle ist, dass die Fahrer trotz zahlreicher Spiegel andere Verkehrsteilnehmer nur schwer sehen können. Abbiegeassistenzsysteme, so heißt es aus der Senatswirtschaftsverwaltung, könnten "einen wichtigen Beitrag leisten, um sowohl Radfahrer*innen und Fußgänger*innen zu schützen, als auch die Lkw-Fahrer*innen im Alltag zu entlasten".

Den Angaben zufolge bietet das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bereits seit 2019 ein eigenes Förderprogramm für Abbiegeassistenzsysteme an. Aufgrund der hohen Nachfrage - die Fördermittel waren bereits nach kurzer Zeit ausgeschöpft - sei es vielen potenziellen Antragstellern, darunter auch Berliner Unternehmen, aber nicht möglich gewesen, die Förderung in Anspruch zu nehmen. Ein Förderprogramm des Landes soll nun für Abhilfe sorgen - dabei weist die Senatsverwaltung darauf hin, dass in der Hauptstadtregion besonders viele Lkw unterwegs seien.

Bedingung: Akustisches oder optisches Warnsignal

Im Gegensatz zum Bundesförderprogramm würden nur Systeme gefördert, die über ein Kamera-Monitor-System inklusive eines akustischen oder optischen Warnsignals verfügten, da diese derzeit am sichersten seien, teilt die Verkehrsverwaltung weiter mit. Innerhalb der EU werden Abbiegeassistenten ab Mitte 2022 für neue Fahrzeugtypen an Bussen und Lkw verpflichtend. Ab Mitte 2024 werden Abbiegeassistenten für alle neu zugelassenen Busse und Lkw verpflichtend.

"Für einen sicheren Rad- und Fußverkehr wollen wir mit unserer Förderung so viele LKWs wie möglich mit Abbiegeassistenzsystemen ausstatten und damit die allgemeine Verkehrssicherheit stärken", sagte Wirtschaftssenatorin Pop der Mitteilung zufolge.

Nach Angaben aus ihrer Verwaltung sollen System- und Einbaukosten für Nutzfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse ab 3,5 Tonnen gefördert werden. Die Förderung betrage höchstens 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal jedoch 1.500 Euro pro Antrag. Damit das Programm ab dem Frühjahr umgesetzt werden könne, sei noch die Zustimmung von Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) nötig, teilte Pops Sprecher mit.

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34 Kommentare

  1. 34.

    1. Was kostet bei einer Neuanschaffung ein Satz Reifen? Was kostet das Abbiegesystem? Lächerlich wenig im Vergelich.

    2. 1988. Ihr angebliche häufigen Rotverstöße von Radfahrern sind Märchen, bzw. auch nicht häufiger als die von KfZ Lenkern. Statistisch bewiesen.

    3. Das war völlig sachlich, Leute mit so einem Verständnis über gegenseitige Rücksicht, Sorgfaltspflicht und mit einer völlig verschobenen Wahrnehmung haben im Straßenverkehr nichts zu suchen und sollten einer MPU unterzogen werden. Solche Leute sind nicht nur eine permanente, sondern eine schwerwiegende Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. SIE sind eine schwerwiegende Gefahr für Leib und Leben anderer!

    Zumindest sollte man ihnen umgehend eine Nachschulung verordnen, die damit anfängt dass sie über den § 1 der StVO nachdenken und hoffentlich auch verstehen. Bislang hat das ja offensichtlich nicht geklappt. Ihre Äußerungen und Wahrnehmungen sind frappierend.

  2. 33.

    1. Was hat der Satz Reifen mit dem Abiegeassistenten zu tun? Eigentlich nix...

    2. Wann sind sie das letzte Mal zur Rush-Hour mit einem LKW durch die Stadt gefahren? In den meisten kritischen Fällen sind die Radfahrer nicht unbeteiligt, da sie auf ihre Vorfahrt bestehen, oder sogar bei Rot fahren und deshalb schon im Kreuzungsbereich sind. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und etwas abgebremst, schon entgeht man dem Übersehen / Überfahren werden

    3.Nix victim blaming! Siehe 2. erster Satz. Fahren sie mal zur Rush-Hour nach Friedrichshain, die B96A ist ein "Geheimtipp" für Radlerfehlverhalten und Draufgängertum

    Zu Ihrem letzten Absatz mit "keine Fahrerlaubnis haben, nicht einmal für ein Go-Kart, bei soviel Dummheit und menschenverachtenden Arroganz!" etc.
    --> Bitte nicht beleidigend werden und immer schön sachlich bleiben!
    --> im Übrigen seit 12/1999 im Führerscheinbesitz und seither unfallfrei! Klassen: AM/A1/A2/A/B/BE/C1/C1E/C/CE/L/T

  3. 32.

    Radfahrerinnen müssen nur dann auf ihr “Recht bestehen”, wenn ihnen dieses vorher abgesprochen wurde. Schon mal drüber nachgedacht?

    Bis eine Radlerin an einer Kreuzung alle Rechtsabbieger durchgelassen hat, ist wieder Rot. Das kann doch kein ernst gemeinter Vorschlag sein?

    Und es ist eben nicht eindeutig zu erkennen ob und wann eine motorisierte Abbiegerin wartet oder startet. Selbst langsame, vorsichtige Radlerinnen haben keinen Rückwärtsgang. Diese Unfallsituationen können deshalb nur mit besonderer Obacht und Sorgfalt der Kraftfahrerinnen ausgeschlossen werden.

    Führerschein für Radfahrerinnen finde ich grundsätzlich nicht verkehrt. Löst aber nicht das Problem. Kinder und Menschen mit Einschränkungen bleiben zu integrierende Teile unserer Gesellschaft, der sich frei bewegen darf. Mit denen müssen Auto-/ LKW-/ Busfahrerinnen zu jeder Zeit rechnen. Auch auf dem Radweg. Sollen diese etwa verbannt werden, zugunsten der vermeintlichen “Freiheit” und Unbedarftheit von motorisierten Fahrerinnen? Was wäre das denn für eine Gesellschaft?

    Es geht um den Schutz von schwächeren Verkehrsteilnehmern, die laut STVO IM RECHT sind. Wie kommt man überhaupt auf die Idee ihnen Mitschuld zu geben oder Förderungen und Gesetze zu ihrem Schutz abzulehnen? *verwundert*

  4. 31.

    Ein Abbiegeassistent nervt. Deshalb hat erst vor kurzem bestellte und frisch auslefierte Bus auch keine solchen.

    Hatte ich Ihnen neulich den M29 als gute Mitfahrgelegenheit empfohlen? Das sollte man bei radtauglichen Wetter am besten sogar ab Halensee machen. Wenn die Fuhre dann am Hermannplatz angekommen ist, wundert man sich, dass es nicht viel mehr tödliche Unfälle von Radfahrern mit disen total unauffälligen Kraftfahrzeiugen gibt. Als Fahrgast bei schönem Wetter vom Mehringsdamm mit dem M29 kommend beim U-Bahnhof Yorkstraße auszusteigen ist auch immer wieder ein Erlebnis. "Wer bremst, verliert" ist die Grundhaltung vieler Pedalritter.

  5. 30.

    Das mehr Sicherheit für Fahrradfahrer bestehen sollte streitet man nicht ab, vielleicht sollte man aber auch nicht vergessen das Die Fahrradfahrer auch verpflichtet sind auf sich aufzupassen und nicht immer gleich auf ihr Recht bestehen sollen.
    Achtsamer und vorausschauende unterwegs sein dann würde es auch zu weniger Unfällen kommen, wie oft sehe ich das einige Fahrradfahrer der Meinung sind fahren zu wollen wie sie möchten und sich dann wundern wenn es zu Unfällen kommt.

  6. 29.

    Ein interessanter Ansatz.. Verbot jeglichen privaten Individualverkehrs in der Innenstadt, weil gerade dort alles mit dem ÖPNV oder zu Fuß erreichbar ist. Könnte man mal offen diskutieren.

  7. 27.

    Münster

    Fläche: 303,28 km2
    Einwohner: 314.319 (31. Dez. 2018)[1]
    Bevölkerungsdichte: 1036 Einwohner je km2

    Berlin

    Fläche: 891,68 km²[8]
    Einwohner: 3.644.826
    Bevölkerungsdichte: 4.088 Einw. je km²

    Ohne Worte

  8. 26.

    Der Senat sollte nach Münster fahren,da sind die Ampeln mit Spiegel oder mit Abbiegeampeln ausgestattet. So ein Kaos wie hier gibt es dort nicht. Ob wohl mehr Radfahrer unterwegens sind.

  9. 25.

    Ich bin oft in GB Auto gefahren. Obwohl der Linksverkehr etwas irritierend ist, fand ich es dort im Verkehr wesentlich entspannter, als in Deutschland. Selbst, als ich mal versehentlich rechts fuhr.

  10. 24.

    Sicher, am besten alle Menschen in der Innenstadt verbieten. Haben sie noch mehr von solchen geistreichen Vorschlägen?

    Im Gegensatz zu ihrer Blödelei, trotz des ernstes Themas, sind meine Vorschläge sofort umsetzbar und realistisch. Sie werden so oder so kommen. Es sei denn wir wollen weiter tote Radfahrer als Kollateralschäden akzeptieren.

  11. 23.

    Oder ein Fahrradverbot innerhalb des S-Bahn-Ringes - unbeliebt, wäre aber absolut wirkungsvoll!
    Für die Sicherheit darf kein Preis zu hoch sein!!

  12. 22.

    Wie Führerscheine helfen Unfälle zu vermeiden sieht man an der Veursachern und einigen Kommentaren hier. Ein Führerschein nutzt nichts, wenn der Inhaber kein Hirn hat, sein Fahrzeug als Waffe einsetzt oder es ihm schnurzpiepegal ist wenn andere zu Schaden kommen. Man hat ja jede Menge Blech um sich und die Strafen für getötete Radfahrer sind lächerlich!

    Und wenn man dann noch einen Anwalt und Richter hat der auch der Meinung ist Radfahrer wären grundsätzlich (was haben die auch auf der Straße verloren?)selber schuld, dann winkt auch noch ein Freispruch erster Klasse.

  13. 21.

    Mal ein Tipp an alle selbsternannten "Experten" hier. Fahren sie doch mal eine Strecke von 10 Kilometern unter realistischen Bedingungen (also kein Sonntagsausflug) in der Rush hour.

    Ich habe hier nämlich den Eindruck die "Experten" haben das letzte Mal vor 30 Jahren auf einem Rad gesessen und können nur mit Mühe das Vorderrad von einem Sattel unterscheiden.

    Würden sie nämlich so fahren wie in ihren aberwitzigen "Ratschlägen" aus Sicht durch die Windschutzscheibe vorgeschlagen, dann lägen sie nämlich als Nächste unter einem LKW oder werden in parkende Autos abgedrängt.

    Es gäbe in der Tat Sofortmaßnahmen, die solche Unfälle tatsächlich verhindern können. Verbot aller Hochbordradwege und Tempo 30 flächendeckend in der Stadt.

  14. 18.

    Aufpassen schön und gut, der Knackpunkt ist und bleibt die Politik. Sie allein ist für die Rahmenbedingungen zuständig und macht sich mit jedem weiteren getöteten Radfahrer unglaubwürdiger denn je. Angesichts der zunehmenden Verkehrsdichte sind LKW und Busse mit derzeitiger Ausstattung nicht mehr Straßenverkehrstauglich. Zum Wohle der Bevölkerung handeln sieht wohl deutlich anders aus.

  15. 17.

    Nicht schon wieder aus dem Steuertopf !
    Diese Systeme müssen vom Betreiber installiert werden. Das muss vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden.

  16. 16.

    Danke das wir das jetzt mit unsrem Steuergeld finanzieren dürfen. Warum nicht einfach LKW ohne Assistent die Einfahrt in die Stadt verbieten, so wie in London? Die würden ratzfatz auf kosten der Spediteure eingebaut werden.

  17. 15.

    Vor allem permanente Aufmerksamkeit und die strikte Beachtung der Straßenverkehrsordnung für alle Verkehrsteilnehmer kann Unfälle reduzieren.

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