Kraftwerk Jänschwalde im Dezember 2015 (Bild: imago images/Volker Preußer)
Audio: rbb | 08.01.2019 | Torsten Sydow | Bild: imago images/Volker Preußer

Brandenburg meldet Tiefststand - Teil-Stilllegung von Jänschwalde lässt CO2-Werte sinken

Die Abschaltung zweier Blöcke im Kohlekraftwerk Jänschwalde hat den CO2-Ausstoß in  Brandenburg deutlich verringert. 2019 sanken die CO2-Werte auf den tiefsten Stand der vergangenen Jahrzehnte. Doch das Problem der CO2-Emissionen ist damit noch nicht gelöst.

Die klimaschädlichen CO2-Emissionen sind in Brandenburg auf den tiefsten Wert seit Gründung des Bundeslandes gesunken. Das teilte das Landesamt für Umwelt am Mittwoch mit. Mit Emissionen von etwa 53,5 Millionen Tonnen CO2 seien sie im Jahr 2019 um mehr als 39 Prozent niedriger als 1990, hieß es.

Der erreichte Stand kommt laut Umweltministerium in Potsdam im Wesentlichen durch die Stilllegung von zwei Kraftwerksblöcken in Jänschwalde zustande. Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde ist inklusive der abgeschalteten Blöcke das drittgrößte Kraftwerk Deutschlands.

Zehn Prozent der gesamtdeutschen Einsparungen

Die beiden Blöcke in Jänschwalde mit jeweils 500 Megawatt Leistung waren zum 1. Oktober 2018 beziehungsweise am 30. September 2019 in Sicherheitsbereitschaft gegangen. Sie werden jeweils für vier Jahre nur noch für Versorgungsengpässe vorgehalten. Danach sollen sie endgültig stillgelegt werden.

Durch die Stilllegung der Kraftwerksblöcke hat der Braunkohlebetreiber Leag nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 5,2 Millionen Tonnen weniger CO2 ausgestoßen. Das würde rund zehn Prozent der gesamtdeutschen Einsparungen bedeuten.

In Brandenburg befindet sich die zweitgrößte Lagerstätte von Braunkohle im Bundesgebiet. Die Kraftwerke Schwarze Pumpe und Jänschwalde gehören nach Angaben des Verbands "Transport & Environment" zu den zehn größten Emittenten von Kohlenstoffdioxid in Europa. Jänschwalde liegt demnach auf Platz vier, Schwarze Pumpe auf dem sechsten Platz. Auch das Lausitzer Kraftwerk Boxberg IV in der Nähe von Weißwasser (Sachsen) ist auf dieser Negativliste vertreten - auf Platz neun.

Minister Vogel betont Wichtigkeit des Kohleausstiegs

Brandenburgs Landespolitik reagierte erfreut auf die Zahlen, warnte aber zugleich vor vorschnellen Urteilen. Die Zahlen zeigten deutlich, dass sich der CO2-Ausstoß kurz- und mittelfristig nur mit einem Kohleausstieg verringern lasse, betonte Klimaschutzminister Axel Vogel (Grüne). Um die Klimaneutralität baldmöglichst zu erreichen, dürften jedoch andere Bereiche wie Verkehr und Wohnen nicht vernachlässigt werden.

Auch das Wetter habe großen Einfluss auf den Energieverbrauch gehabt, hieß es vom Umweltministerium. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sei 2019 für Brandenburg mit 11,1 Grad Celsius Durchschnittstemperatur ein neues Rekordjahr gewesen. Der Heizenergieverbrauch sei dadurch gesunken.

Schulze fordert im rbb Umdenken beim Autokauf

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) warnte am Mittwoch im Inforadio des rbb vor verfrühter Euphorie. Im Verkehrsbereich sei eine weitere Reduzierung klimaschädlicher Abgase dringend notwendig. Im Gegensatz zu den Emissionen bei der Energieerzeugung ginge der Schadstoffausstoß im Verkehrsbereich nicht nach unten, sondern nach oben, kritisierte Schulze am Mittwoch im rbb. “Wir fahren alle dickere Autos, Autos, die viel mehr Sprit verbrauchen", so Schulze. Diesem Trend müsse entgegen gewirkt werden. "Es muss so sein, dass das nächste Auto ein sparsameres wird, eins was weniger Sprit verbraucht, am besten gar keinen mehr". Die Bundesregierung wolle im Rahmen ihres Klimapakets deshalb etwa die Pkw-Steuer ändern und finanzielle Unterstützung beim Kauf von elektrisch betriebenen E-Autos geben.

Eine Auswertung der Denkfabrik Agora Energiewende hatte vor Kurzem ergeben, dass in Deutschland 2019 mehr als 50 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen wurden als im Jahr zuvor. Für den Rückgang sei ausschließlich der Stromsektor verantwortlich. Braun- und Steinkohle produzierten deutlich weniger Strom, hieß es in der Studie.

Sendung: Antenne Brandenburg, 8.1.2020, 14 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Adrian] vom 09.01.2020 um 06:38
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13 Kommentare

  1. 13.

    Genau den fahre ich seit 9Jahren Top Fahrzeug und mein nächster wird auch wieder Audi Avant! Eine E Karre kommt mir nicht ins Haus die haben ja nicht mal ein Auspuff!!

  2. 12.

    In seltener Einhelligkeit verkünden das Bundeslandwirtschafts- und das -umweltministerium, daß ohne den Wald (31% der Fläche D) Deutschlands CO2-Emissionen um 14% höher wären. Oder anders ausgedrückt, Deutschlands Wald kompensiert lediglich 12% der CO2-Emissionen (866 Mio. t in 2018, Quelle: UBA). Das Ziel "Carbon-Zero" bis 2050 ist nur erreichbar, wenn dann der Gesamtausstoß der CO2-Quellen kleiner/gleich der Gesamtaufnahme in CO2-Senken ist. Außer Wald gibt es keine im kommenden 30-Jahres-Zeitraum wirkungsamen, akzeptierten und industriell skalierlierbaren Technologien zur dauerhaften Ableitung von CO2 aus der Atmosphäre. Selbst wenn 50% der Fläche Deutschlands mit Wald bestockt wären, könnten lediglich ca. 20% der heutigen CO2-Emissionen kompensiert werden. Selbst bei diesem ambitionierten Waldbestand müßten immer noch mehr als 80% der heutigen CO2-Emissionen, oder ca. 693 Mio. t CO2/p.a. CO2 vermieden werden. Für diese Herausforderung erkenne ich keinerlei Problembewußtsein.

  3. 11.

    Bitte um Hilfe bei der Frage. Wie viel Prozent CO2 wurden nun in der BRD gespart?

  4. 10.

    Danke für den Link letztens. Mit dem Biodiesel ist also reine Geldverschwendung der Grünen ohne Nutzen für die Umwelt.

  5. 7.

    Also mein erstes Auto war ein Golf 1, der wog ca. 850 Kg. Der heutige Golf wiegt mindestens 1250 Kg. Die anderen Autos sind auch schwerer und größer geworden. Auch werden heute größere Modelle als früher gekauft. Frau Schulze hat meiner Meinung nach durchaus Recht.

  6. 3.

    Zitat:"“Wir fahren alle dickere Autos, Autos, die viel mehr Sprit verbrauchen", " Eine Schwätzerin, die nur redet, damit sie redet. Vergleiche ich meinen ehemaligen Fuhrpark vom Lada bis zum BMW in verschiedensten Motorisierungen, so verbraucht mein derzeitger 250PS Renner knapp 8 Liter Super, Soviel in etwa hat mein Lada damals mit nur 60PS auch durch den Ausuff geschoben. Bleiben wir bei den modernen Fahrzeugen, Ein E34 als V8 mit nur 218 PS schluckte in den 90igern locker 15 Liter super und jetzt ein G31 mit deutlich mehr Power ca. 50% weniger. Als was soll das Geschwätz. Die Motoren werden immer effektiver und sparsamer. Mein Favorit ist ja so ein Hybrid. Ideal für den Nahverkehr und Stop&drive. Live zu erleben bei einigen Berliner Taxen.

  7. 2.

    2019 war auch laut Agora Energiewende ein gutes Windjahr. Ein nennenswerte Zubau von WKA gab es die letzten zwei Jahre nicht. Wird das Wetter so bleiben?

  8. 1.

    Das nächste Auto sollte, zumindest für Städter, ein ÖPNV Abo und ein Fahrrad sein.

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