Das Rataus von Brandenubrg an der Havel (Bild: imago images)
Audio: Inforadio | 24.01.2020 | Britta Nothnagel | Bild: imago images

Systemsoftware teilweise offline - Verwaltung der Stadt Brandenburg meldet Cyberangriff

Erneut haben es Cyberkriminelle auf ein Verwaltungssystem in Brandenburg abgesehen. Nach Potsdam hat es jetzt auch die Stadt Brandenburg an der Havel erwischt. Dort sind die Auswirkungen aber offenbar nicht ganz so gravierend wie in der Landeshauptstadt.

Nach Potsdam meldet auch die Stadt Brandenburg an der Havel einen Cyberangriff auf ihr Verwaltungssystem. Ebenso wie bei der Attacke auf das Potsdamer Rathaus sei die eingesetzte Citix-Systemsoftware auch in der Brandenburger Stadtverwaltung kompromittiert worden, teilte die Stadt am Freitag mit.

Konkret davon betroffen seien Schulsekretariate, der Stadtforst, die Ortsteilverwaltung Kirchmöser sowie das ortsansässige Jobcenter. In diesen Bereichen wurde die Systemsoftware vorübergehend vom Netz genommen. IT- Experten der Stadtverwaltung sind laut Mitteilung auf Schadprogramme gestoßen, die zum sogenannten Schürfen von Kryptowährungen im Internet verweisen.

Die entsprechende Citrix-Schwachstelle sei vom Netz genommen worden, Bürgerdaten seien nicht gefährdet. Bürger könnten auch weiterhin per E-Mail mit den Behörden in Kontakt treten, hieß es weiter.

Stadtverwaltung Potsdam auch am Freitag offline

In Potsdam wird derweil weiter nach den Urhebern und Hintergründen der Cyber-Attacke gefahndet. Die Probleme dauern an: Der Bürgerservice der Landeshauptstadt ist auch am Freitag offline und nur eingeschränkt nutzbar, wie die Stadt mitteilte. "Wir werden auch am Freitag nicht wieder ans Netz gehen und arbeiten weiter daran, die Einschränkungen für alle so gering wie möglich zu halten“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert. Die Stadtverwaltung ist damit auch am Freitag nicht per E-Mail erreichbar. Die Stadt hatte Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.

Für Bürger bedeutet der mutmaßliche Cyber-Angriff zunächst deutliche Einschränkungen. Die KfZ-Behörde etwa könne derzeit keine Leistungen anbieten, hieß es. Anträge auf neuen Personalausweise und Reisepässe seien nur sehr eingeschränkt möglich. Im Bürgerservice würden derzeit keine neuen Termine vereinbart, weil nicht sicher sei, ab wann der Service wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehe, hieß es weiter. Trauungen aber fänden uneingeschränkt statt.

Zahlreiche Ungereimtheiten in den Netzzugängen

Im Potsdamer Rathaus war am Mittwoch die Kommunikation nach innen und nach außen abgeschaltet worden. Telefon und Zugänge über Facebook und Twitter funktionierten jedoch, sagte Schubert. In den vergangenen Tagen waren der Stadt zufolge in zentralen Netzzugängen zahlreiche Ungereimtheiten festgestellt worden.

Hintergrund sei eine Schwachstelle im System eines externen Anbieters. Darüber sei versucht worden, von extern unautorisiert Daten der Landeshauptstadt abzurufen oder Schadsoftware zu installieren. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) verwies darauf, dass Mitte Januar nach SWR-Recherchen eine gefährliche Sicherheitslücke in der Software des Netzwerk-Dienstleisters Citrix bei mehreren Tausend Servern unter anderem von Behörden bekannt wurde.

Stahnsdorf hat präventiv reagiert

Unterdessen ging auch die Gemeindeverwaltung Stahnsdorf (Landkreis Potsdam-Mittelmark) vom Netz. Aus Sicherheitsgründen habe die Gemeindeverwaltung die Verbindung zum Landesverwaltungsnetz (LVN) bereits am Donnerstagmorgen abgeschaltet, hieß es auf der Internetseite. Die Kommunikation mit anderen Behörden sei nur stark eingeschränkt oder gar nicht möglich. Zuvor hatte die "Märkische Allgemeine" darüber berichtet. Die Maßnahme sei "rein präventiv", sagte ein Gemeindesprecher der Zeitung.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Die Lücke existiert schon seit Mitte Dezember und ehrlich gesagt sollte man hier den externen Anbieter aber so richtig deftig verklagen.
    If you pay Peanuts you get Monkeys.

  2. 1.

    "Zugänge über Facebook und Twitter funktionierten jedoch"
    "Bürgerdaten seien nicht gefährdet".
    Finde den Fehler! Was macht eigentlich die Landesdatenschutzbeauftragten so?

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