Heike Thieme, Leiterin des Archivs, steht in der Außenstelle Neubrandenburg der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen BStU vor Regalen mit Papiersäcken. (Quelle: dpa/Bernd Wüstneck)
Bild: dpa/Bernd Wüstneck

Mehr als 56.000 Anträge - Interesse an Stasi-Akten ist ungebrochen

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall ist das Interesse an den Stasi-Akten hoch. Im vergangenen Jahr beantragten 56.526 Menschen einen Blick in Papiere, die die DDR-Staatssicherheit heimlich über sie anlegte. Wie die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen am Mittwoch weiter mitteilte, waren das rund 11.200 Anträge mehr als 2018. Rund 35.500 Interessierte stellten den Antrag zum ersten Mal.

Seit dem Arbeitsbeginn der Behörde Ende 1990 gingen insgesamt rund 3,3 Millionen solcher Anträge ein. Hinzu kamen mehr als 3,4 Millionen Ersuchen von öffentlichen und nicht-öffentlichen Stellen zur Überprüfung auf eine Stasi-Tätigkeit.

Außerdem wurden von 1990 bis Ende 2019 rund 512.000 Ersuchen zur Rehabilitierung von SED-Opfern eingereicht. Rund 37.000 Anträge wurden von Forschern oder Medien gestellt. Die Zahl der Anträge und Ersuchen hat sich laut Angaben seit dem Bestehen der Behörde auf rund 7,3 Millionen summiert.

Errungenschaft der friedlichen Revolution

Wenige Wochen vor dem 30. Jahrestag des Mauerfall hatte der Bundestag beschlossen, die Stasi-Unterlagen bis Mitte 2021 in das Bundesarchiv zu überführen und dort verwalten zu lassen. Für die Überführung stimmten die Regierungsfraktionen von Union und SPD sowie die oppositionelle FDP. Künftig soll es in jedem ostdeutschen Bundesland nur noch einen Archivstandort geben.

Bislang wurden die Papiere, Filme, Fotos und Tondokumente in der Bundesbehörde verwaltet und aufgearbeitet. Auch Auskünfte wurden erteilt. Die Einrichtung gilt als Errungenschaft der friedlichen Revolution, das Archiv als das Herzstück. Die Behörde mit ihren Außenstellen und derzeit knapp 1.400 Mitarbeitern war einst von DDR-Bürgerrechtlern erkämpft worden.

Sendung: rbbkultur, 08.01.2020, 16:30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 2.

    Was mich als EDV-Fan interessieren würde:
    Wie sieht es eigentlich mit einer Digitalisierung der Stasiakten aus?
    Findet sie statt oder ist sie zumindest geplant?
    Es wäre doch wesentlich praktischer, umwelt- und klimaschonender, könnte man auf diese Akten online zugreifen.
    Und was den Datenschutz betrifft, könnte ich mir ähnliche Sicherheitsmaßnahmen vorstellen wie beim Onlinebanking.

  2. 1.

    Ach, die Akten kommen ins Archiv?? Das musste ich glatt zweimal lesen, um es zu erfassen. Gut, das zu erfahren. Dort sollen sie dann verstauben und vergessen werden. Toll. Bitte das Schnipselzusammensetzen vorantreiben. Es scheint wichtiger denn je zu sein. Die Opfer dürfen nicht verschaukelt werden!

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