Am 11.01.2020 sind Schauspieler als Religionsführer Ali Chamenei (l-r), Angela Merkel und Donald Trump im Rahmen einer Anti-Kriegs-Demonstration verkleidet. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: rbb 88,8 | 11.01.2019 | Michael Ernst | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Brandenburger Tor - Aktivisten demonstrieren für Frieden zwischen Iran und USA

Die Lage im Nahen Osten ist nach der Tötung eines ranghohen iranischen Generals durch die USA und einem Vergeltungsschlag des Iran weiter angespannt. In Berlin sind am Samstag Aktivisten gegen eine mögliche Eskalation des Konflikts auf die Straße gegangen.

Rund 200 Friedensaktivisten haben am Samstag in Berlin gegen eine militärische Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran protestiert. Die Demonstranten versammelten sich in der Nähe der amerikanischen Botschaft am Brandenburger Tor. Sie forderten in einem Aufruf eine "gewaltfreie und zivile Konfliktlösung".

Eine Straßentheater-Vorführung zeigte ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, mit einer Angela-Merkel-Darstellerin als Vermittlerin. Aufgerufen zu dem Protest hatten unter anderem die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK), Pax Christi Deutschland und die Naturfreunde Deutschlands.

Die DFG-VK vermutet eine Beteiligung der US-Luftwaffenbasis Ramstein (Rheinland-Pfalz) bei dem tödlichen Drohnenangriff auf den iranischen Top-General Ghassem Soleimani. "Das ist eine Kriegshandlung, die von deutschem Boden ausgegangen sein muss. Anders wäre eine Echtzeitsteuerung kaum möglich gewesen", sagte DFG-VK-Aktivist Hermann Theisen der Deutschen Presse-Agentur.

Theisen habe daher bei der Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken Strafanzeige erstattet. Die Proteste am Brandenburger Tor verliefen nach Polizeiangaben ohne Zwischenfälle.

Trump befahl Tötung Soleimanis

Die Fronten zwischen den USA und dem Iran hatten sich verhärtet, nachdem die USA auf Befehl ihres Präsidenten Donald Trump vor einer Woche bei einem Luftangriff im Irak den einflussreichen Kommandant der Al-Kuds-Brigade, Soleimani, getötet haben. Die Vereinigten Staaten und andere westliche Regierungen sahen in ihm einen Terroristen. Er galt als das militärische Gesicht der iranischen Einmischung in die Nachbarländer der Region.

Nach dem iranischen Vergeltungsschlag gegen US-Ziele im Irak vom Mittwoch debattieren die USA derzeit, wie mit dem Iran weiter umgegangen werden soll. Teheran hatte als Rache für die Tötung von General Kassem Soleimani Raketen vom Iran aus auf Stützpunkte abgefeuert, die von amerikanischen Truppen genutzt werden.

Am Mittwoch stürzte in der Nähe von Teheran ein ukrainisches Passagierflugzeug ab. Die USA, Kanada und Großbritannien vermuten, dass die Maschine abgeschossen wurde. Die iranische Regierung bestritt dies zunächst, räumte aber am Samstagmorgen ein, für den Absturz verantwortlich zu sein. Das Militär habe die Maschine "unbeabsichtigt" abgeschossen, es handele sich um einen "menschlichen Fehler", hieß es in einer Presseerklärung im iranischen Staatsfernsehen.

Der Iran strebt nach eigenen Angaben danach, die USA mit politischen Mitteln aus dem Nahen Osten zu vertreiben.

In der Neuköllner Imam-Riza-Moschee fand am Donnerstagabend eine Trauerfeier für Soleimani statt, an der knapp 100 Menschen teilnahmen. Rund 50 Personen demonstrierten gegen die Veranstaltung. Neuköllner Politiker kritisierten die "Trauerfeier für einen Terroristen".

Sendung:  Inforadio, 11.01.2020

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13 Kommentare

  1. 13.

    Körperverletzungen, Sitzblockaden und Schulschwänzereien darf man auch dazuzählen.

    Dreierlei fällt dabei auf:

    1. Man demonstriert nur da, wo's ungefährlich ist (ich könnte locker zig Dinge/Verhaltensweisen aufzählen, gegen die man hierzulande nicht zu demonstrieren wagt).

    2. Demonstrationen bewirken außer vorübergehenden Einschränkungen im ÖPNV nichts.
    Aber man durfte sich mal für ein paar Stunden lang so richtig wichtig fühlen.

    3. Nur die "Guten" dürfen demonstrieren. Wollen es die "Bösen", muss das verhindert werden.
    Denn wo kämen wir denn hin, wenn die Meinungsfreiheit tatsächlich für ALLE gälte.

  2. 12.

    "Liebet Eure Feinde", ist ein Satz, den Linke meiner Meinung nach zu wörtlich nehmen (es sei denn, man vermutet besagte Feinde rechts).
    Ich mag Trump zwar nicht besonders, schätze ihn aber dafür, dass er auf Aggressionen nicht mit der Frage reagiert, wie man noch netter zu den Aggressoren sein kann.
    Sollen sie demonstrieren, das bringt eh nie was.

  3. 10.

    Das Wort "Aktivist" wird schon inflationär benutzt. Klimastreik, Linke Demos, Diebstahl, Sachbeschädigung alles Aktivisten.

  4. 9.

    Machen die auch eine Gegendemonstration, wenn in Berlin wieder die unsägliche Al-KUDS-Demonstration stattfindet.

  5. 8.

    Über ganz Deutschland befinden sich Militärbasen und Truppenübungsplätze der Amerikaner, Briten und Franzosen. Der US Stützpunkt in Ramstein ist eine logistische Drehscheibe der Kriege im Mittleren Osten. Von dort wird ein Großteil des Nachschubs(Waffen, Ausrüstung, Drohnen) zu den Kriegsgebieten geflogen und auf der Rückkehr die verletzten und gefallenen Soldaten zurückgebracht. In Ramstein befindet sich die größte Militärklinik außerhalb der USA.
    Deutschland will, wird und kann sich nicht aus militärischen Konflikten abschotten. Waffenexporte werden werden doch von jeder Regierung Deutschlands und deren Parlamente genehmigt.
    Der Tod war schon immer ein Meister aus Deutschland

  6. 7.

    Guter Kommentar, RBB-24 nutzer!! Manche wollen eben alles mit Demos und Verbote durchführen. Aber so funktioniert es halt nicht!

  7. 6.

    Ich man heute schon ein "Aktivist" wenn man für den Frieden demonstriert? Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich nur 150-200 Menschen versammelten. Vielleicht wären es mehr gewesen, wenn man sie nicht in die "Aktivisten"-Schublade gesteckt hätten.
    Ich persönlich, der sich auch für den Frieden engagiert, möchte nicht mit den "Aktivisten" in einen Topf geworfen werden, die Straßen blockieren, "Mahnmale" aufstellen, oder anderen Menschen ihre Lebensweise und Ansichten verbieten.
    @Dr. Kawasaki: die deutsche Politik unter nimmt doch um sich aus dem Konflikt heraus zu halten. Töne nicht gestern noch der Regierungssprecher Seibert: "Es gäbe keine Anzeichen, dass das Passagierflugzeug durch iranische Raketen abgeschossen wurde"? Obwohl, wie wir heute wissen, es klare Anzeichen gab?

  8. 4.

    Merkel als "Vermittlerin"? Die EU spielt keine Rolle in dem Konflikt; sie sitzt allenfalls am Katzentisch.

  9. 2.

    Liebes rbb-Team,
    Ihr seid nicht auf dem neuesten Stand. Der Iran bestreite den Abschuss nicht mehr, sondern räumt ihn ausdrücklich ein.

  10. 1.

    Ich hoffe auf mind. 1 Mio Teilnehmer. Frieden schaffen ohne Waffen!

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