Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht in der Nikolaikirche während der Gedenkfeier des Landes Brandenburg für den verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe. (Quelle: Soeren Stache/dpa)
Video: rbb24 | 21.01.2020 | Stephanie Teistler | Bild: Soeren Stache/dpa

Gedenkfeier in Potsdam - Hunderte nehmen Abschied von Manfred Stolpe

Ende Dezember starb Manfred Stolpe nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren. Bei einer Gedenkfeier in Potsdam haben sich nun zahlreiche Weggefährten und Hunderte Bürger von ihrem langjährigen Ministerpräsidenten verabschiedet.

Mehrere Hundert Weggefährten und Bürger haben am Dienstag in der Potsdamer Nikolaikirche Abschied vom ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe genommen. Stolpe war in der Nacht zum 29. Dezember im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Zur Gedenkfeier kamen neben Familienangehörigen unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) und Stolpes aktueller Amtsnachfolger im Amt des Brandenburger Ministerpräsidenten, Dietmar Woidke (SPD).

Steinmeier: Stolpe war ein Mann der Kirche

Bundespräsident Steinmeier rief in seiner Ansprache dazu auf, die Schicksale nach der deutschen Einheit stärker zu würdigen. "Vielleicht haben wir zu schnell ad acta gelegt, was in den Jahren nach 1990 als fundamentaler sozialer Umbruch in Ostdeutschland, aber eben auch als grundlegender Wandel der alten Bundesrepublik zu verdauen war", so Steinmeier. "Die ostdeutschen Geschichten sind noch immer kein so selbstverständlicher Teil unseres gesamtdeutschen Wir geworden. Wir können es im 30. Jahr der Einheit als ein Vermächtnis von Manfred Stolpe begreifen, genau dies zu ändern."

Ministerpräsident Woidke sagte in seiner Rede über Stolpe: "Anderen zur Seite stehen - das ist der rote Faden in seinem Leben." Er sei diesem Faden unbeirrt gefolgt - als Christ, Politiker, Jurist und Menschenfreund. Stolpe sei in der DDR ein Mittler zwischen Kirche und Staat, ein besonnener und mutiger Problemlöser gewesen.

Brückenbauer, Vermittler und Mensch mit Fürsorge

Rita Süssmuth nannte Stolpe einen "Lichtträger im Dunkeln", der Hoffnung gemacht habe. "Manfred Stolpe hat uns zwar verlassen, aber er wird bleiben."Der Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, würdigte Stolpe in seiner Predigt als Brückenbauer, Vermittler und Mensch mit Fürsorge, Menschenliebe und Geschick. Der Gottesdienst wurde umrahmt von geistlicher Musik und von Texten von und über Stolpe, die die Schauspielerin Simone Kabst vortrug.

Auf Wunsch Stolpes sollten im weltlichen Teil der Gedenkfeier Musiker des Landespolizeiorchesters spielen. Die Beisetzung ist in den kommenden Tagen im Familienkreis geplant. Die Feier, wurde auf einer Videoleinwand vor der Kirche übertragen. Die Flaggen vor Landesbehörden wehten auf halbmast.

Ministerpräsident und Kirchenfunktionär

Stolpe war von 1990 bis 2002 der erste Ministerpräsident Brandenburgs im wiedervereinten Deutschland, danach bis 2005 Bundesverkehrsminister. In den 1980er Jahren war Stolpe Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Als Kirchenfunktionär hatte er Kontakte mit der Stasi. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen. Das Bundesverfassungsgericht entschied 2005, er sei nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen.

Sendung: Inforadio, 21.01.2020, 17 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Offenheit, Aufrichtigkeit nutzen dem Bürger mehr. Offenheit mit Stasi-Umgang, die denkbar schlechteste Standortentscheidung für einen Flughafen, entgegen aller Fachleuten-Ratschläge, und die Gründung eines Landes Brandenburg, bis dahin ohne Identität, statt die Gründung eines einheitlichen "Preußens" im besten und positivsten Sinne sowie der Umgang mit den eigenen Beamten und Angestellten (hier bleiben, es wird sich lohnen oder so ähnlich) bleiben im Gedächtnis...

  2. 1.

    Für mich stimmt das: Wohl kein anderer hätte die Einheit des Landes Brandenburg glaubhafter verkörpern können als er, Manfred Stolpe. Christian Stäblein sprach in seiner (im RBB übertragenen) Predigt davon, dass auch und gerade die vermeintlichen Niederlagen Sinnbild von Demut seien. Damit bezog er sich auf die gescheiterte Länderehe mit Berlin, die mit der technisch-physikalischen Bezeichnung "Fusion" in die Binsen ging.

    Darf das gesagt werden? Darin irrte Stolpe: Es lässt sich ein Land nicht wieder abschaffen, was sieben Jahre zuvor unter viel Mühe erst aus der Taufe gehoben wurde. Da hätte ich ihm mehr Geduld gewünscht und auch die Weisheit der Unterscheidung, dass die gleiche Wellenlänge zu Johannes Rau nicht unbedingt darin münden muss, sich NRW als Partnerland auszusuchen.

    Es gibt Menschen, die zuspitzen, es gibt Brandredner und es gibt Menschen des Ausgleichs. Zumindest das Erste und das Dritte sind das Lebenselixier einer Gesellschaft.

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