Franziska Giffey könnte an die Spitze des Roten Rathauses rücken (Quelle:imago images/Jens Krick).
Video: rbb24 | 29.01.2020 | Bild: imago images/Jens Krick

Kommentar | Müller geht, Giffey kommt - Der nächste Boss im Roten Rathaus wird eine Frau

Michael Müller verzichtet auf den Berliner SPD-Vorsitz. Seine Nachfolgerin steht schon in den Startlöchern. Ob Franziska Giffey aber auch das Rote Rathaus erobert, ist fraglich. Dass eine Frau an die Spitze Berlins rückt, ist für Jan Menzel dagegen ohne Zweifel.

An dieser Stelle lege ich mich fest: Der nächste Boss im Roten Rathaus wird eine Frau und der Weg dorthin wird in den nächsten anderthalb Jahre verdammt spannend werden - dank Franziska Giffey. Die Bundesfamilienministerin ist der letzte Strohhalm, nach dem die Berliner SPD greift. Sie ist Projektionsfläche der Genossen, die nach einem Ausgang aus dem Jammertal suchen und in Amtsinhaber Michael Müller keine Hoffnungen mehr setzen. Giffey ist der Typ "Zupacken". Sie ist fröhlich, bisweilen witzig, geht auf die Menschen zu und kann überzeugen. Aber sie kann auch klare Kante zeigen.

Doch für die Hoffnungsträgerin wird es kein Spaziergang werden. Die 41-Jährige hat sich bislang aus den Niederungen der Berliner Landes- und Parteipolitik vornehm herausgehalten. Ihren "Law and Order"-Kurs in Neukölln empfanden und empfinden die Linken in der SPD als blanke Zumutung. Auch wenn sie mit einem blauen Auge davongekommen ist, kann Giffey sich sicher sein, dass die Affäre um ihre Doktorarbeit im Wahlkampf wieder hervorgekramt wird.

Ein Machtwechsel ohne Blutvergießen

Und doch hat die mutmaßlich neue Landesvorsitzende eine Chance, die Michael Müller so nie hatte. Der Machtwechsel ist für SPD-Verhältnisse geradezu unblutig verlaufen. Die wichtigsten Akteure haben sich tief in die Augen geschaut und gemeinsam einen Weg aus der Führungskrise gefunden. Das ist nicht zuletzt dem Regierenden Bürgermeister geschuldet.

Michael Müller kennt die Umfragen, und er kennt seine Partei. Auch wenn es eine oft bemühte Floskel ist: Die SPD liegt dem gelernten Drucker, der sich aus der Tempelhofer Lokalpolitik ins Rote Rathaus empor gearbeitet hat, wirklich am Herzen. Dass er nun den Weg frei macht für Giffey, hat auch damit zu tun.

Franziska Giffey ist die neue Nummer eins. Sie wird neue SPD-Landesvorsitzende und damit auch die Spitzenkandidatin bei der nächsten Wahl. Ob sie aber den Chefsessel im Roten Rathaus erobert, ist aktuell alles andere als ausgemacht. In den Umfragen führen seit Monaten die Grünen mit sattem Vorsprung. Wer dort antreten wird, ist noch offen. Klar ist nur, dass es auch eine Frau sein wird. Deshalb lege ich mich an dieser Stelle auch so klar fest: Nächster Boss im Roten Rathaus wird eine Frau - so oder so.

Sendung: Inforradio, 29.01.2020, 14:30 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

13 Kommentare

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  1. 13.

    "Ein Machtwechsel ohne Blutvergießen" - fürwahr eine tolle Leistung nach all den Machtwechseln mit Blutvergießen, an die sich jeder Berliner selbstverständlich sofort erinnert. Das ist eben das Neue an Frau Griffei: ohne Blutvergießen.
    Aus rbb-Sicht verständlich, denn Frau Griffei muss nun wild als "Sympathieträgerin" mit "hohen Beliebtheitswerten" aufgedonnert und aufgebaut werden.

  2. 12.

    Den regierenden Bürgermeister sollten die Bürger wählen und nicht die Abgeordneten einer Minderheitenpartei auf irgendwelchen dubiosen Parteitagen.
    Ihnen scheint entgangen zu sein, dass der Wähler die SPD gewählt hat, nicht die Abgeordneten. Und den Wählern wurde Müller vorgesetzt.

  3. 11.

    Aber natürlich, der nächste Boss im Roten Rathaus wird eine Frau. Qualifikation, Wählerwille, und dubiose Machenschaften spielen da keine Rolle. Man sollte es vielleicht mal mit kompetenten Politikern versuchen, egal ob Mann, Frau oder was weiß ich. Aber das sucht man ja in Berlin vergebens.

  4. 10.

    Gewählt haben Herrn Müller die Wähler der SPD bei der letzten Abgeordnetenhauswahl. Anschließend hat ihn eine Mehrheit der Abgeordneten zum Regierenden Bürgermeister gewählt.

    Ihnen scheint allerdings entgangen zu sein, dass es um diesen Posten im Moment überhaupt nicht geht. Herr Müller gibt den SPD-Landesvorsitz auf (das darf er, ohne Sie zu fragen). Den bestimmen die Delegierten des SPD-Landesparteitags. Wenn Sie da mitbestimmen wollen, sollten Sie Mitglied der SPD sein.

    Klingt alles sehr kompliziert, aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt, kann man es verstehen.


  5. 9.

    Lieber rbb, sehr geehrter Herr Menzel,
    auch wenn Sie versuchen, mit rot-grün gefärbten Kommentaren diesen RRG-Senat zu stützen, möchte ich höflich darauf hinweisen, dass es fast zwei Jahre vor der Wahl keinesfalls sichere Sache ist, dass eine rote oder grüne Dame nächste Regierende Bürgermeisterin wird. Es gibt eine Oppositionspartei, die ziemlich stabil bei 18 Prozent liegt und dessen Potential noch lange nicht ausgeschöpft sein dürfte. Der Ihrer Meinung nach so "satte Vorsprung" der Grünen (es sind gerade mal vier Prozentpunkte) kann sich bei deren polarisierender Politik schnell in Luft auflösen. Viele Berliner haben diesen Senat bei so wichtigen Themen wie Verkehr, Bildung, Kriminalität etc. einfach satt.

  6. 8.

    Das sehe ich genauso . Ich hatte Frau Giffey schon mal persönlich getroffen beim jährlichen Hindu Fest in der Blaschkoallee wo sie als damalige Bürgermeisterin von Neukölln Grußworte an die hinduistische Gemeinde gerichtet hatte und fand die Dame eigentlich immer ganz sympathisch aber spätestens seit den Ungereimtheiten mit Ihrer Doktorarbeit und den Fehlverhalten Ihren Mannes hat sich doch meine Meinung etwas geändert und ich stehe dieser Familie etwas distanzierter gegenüber denn Ehrlichkeit und sich an gewisse Regeln halten sollte heute wichtiger denn je sein und wenn man als Person in der Öffentlichkeit steht sollte man noch einmal etwas mehr auf gewisse Etikette achten als der Bäckermeister von nebenan .

  7. 7.

    ob das eine so gute Idee ist?
    Frau Giffey mag sicherlich in Neukölln gute Arbeit geleistet haben, die Betrugsvorwürfe Ihrer Doktorarbeit hinterlassen jedoch einen faden Beigeschmack. Ihr Ehemann scheint auch eine besondere Beziehung zur Wahrheit zu pflegen.
    Also ich kann mit der SPD und deren Führungskräften nix anfangen.

  8. 6.

    Ach.. hat die Person der Wähler gewählt? Ich glaube gewählt haben die den Müller (ich nicht aber Prinzip) Hier wird uns wieder irgendwer unter gejubelt, der das richtige Parteibuch in der Tasche hat.

    Gewählt werden sollten nicht Parteien sondern Personen und konkrete Programmpunkte, die umgesetzt werden müssen.
    Nicht, ich will Ökostrom und hab dann die Grünen mit all ihren Phantastereien am Hals. Oder ich will und wähle SPD und bekomme dann Linkspartei oder GroKo. Das ist nicht das, was der Wähler gewählt hat. Die Parteien müssen ihre Koalitionen vor der Wahl bekannt geben, dann weiß der Wähler, was er bekommt.

  9. 5.

    Damit Frau Giffey ins rote Rathaus einziehen kann ist noch eine Wahl und bei dieser Wahl braucht sie spd eine entsprechende Prozentzahl um erneut diesen Posten besetzen zu können. Oder gibt es in der laufenden Legislatur einen Wechsel Müller zu giffey?
    Egal was passiert ist es interessant, der Verdacht um ihre Doktorarbeit hängt an ihr und ihr Ehemann hat als Landesbeamter das Land Berlin geprellt bzw. falsch abgerechnet.
    Alles Aspekte die sicher nicht hilfreich sind. Aber was interessiert schon die spd, das was die Bevölkerung denkt.

  10. 4.

    Dann bitte auch: Die nächste Bossin.

  11. 3.

    Eine Frau, zupacken, fröhlich, witzig,..... allerdings auch Frau Doktor mit dem eloquenten Mann, dazu eine überflüssige Doppelspitze mit dem nervigen Saleh ... abwarten .... ich tippe auf irgendeine Grüne.

  12. 2.

    Auf Herrn Sahle würde ich liebend gern verzichten.

  13. 1.

    Und wieder ein Grund, die SPD auf Landesebene nicht mehr zu wählen. Gibt auch Zahlen unter 10 (Prozent), wissen viele in der SPD offenbar nicht...

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