Archivbild: Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit «Sp» am Anfang an eine Tafel. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)
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Akuter Lehrermangel - So viele Quereinsteiger gibt es in Berlin

In Berlin gibt es zu wenig Lehrer, Quereinsteiger sollen das Defizit ausgleichen. Eine Statistik zeigt nun, dass die nicht klassisch ausgebildeten Lehrer immer mehr werden. Und noch etwas wird deutlich: Sie werden besonders oft an Grundschulen eingesetzt.

Im aktuellen Schuljahr unterrichten 2.168 Quereinsteiger an Berliner Schulen. Zudem gibt es in der Hauptstadt derzeit 89 Lehramt-Studenten, die neben ihrem Studium bereits an Schulen unterrichten. Auch 156 pensionierte Lehrkräfte helfen aktuell aus.

Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Bildung auf eine Anfrage der SPD zurück. Das sind 6,6 Prozent aller aktiven Lehrkräfte im Land Berlin, so die Senatsverwaltung - also jede fünfzehnte. Im Schuljahr 2018/19 lag die Quote noch bei 5,7 Prozent. An 45 Schulen in Berlin unterrichten sogar mehr als 20 Prozent Quereinsteigende. Das ist ebenfalls eine Steigerung: Denn im vergangenen Schuljahr waren es noch 27 Schulen.

Am meisten Quereinsteigende an Weddinger Schule

Der überwiegende Teil der Quereinsteiger arbeitet derzeit an Grundschulen (60,2 Prozent). Die meisten sind es, prozentual gesehen, an der Gottfried-Röhl-Grundschule im Wedding. Hier sind 36 Prozent keine Lehrkräfte mit abgeschlossener Lehrerausbildung. An der Carl-Bolle-Grundschule in Moabit und Hermann-Schulz-Grundschule in Reinickendorf sind 34 Prozent nicht ausgebildete Lehrkräfte.

Erst auf Platz 18 taucht mit der Schule am Staakener Kleeblatt, eine Integrierte Sekundarschule, die erste Oberschule in der Statistik auf. In der Schule in Spandau arbeiten 37 Lehrer, neun davon sind Quereinsteiger, also 24 Prozent.

GEW: Lehrermangel wird noch größer

Quereinsteiger dürfen angestellt werden, wenn keine oder nicht genug ausgebildete Lehrer verfügbar sind. In Berlin ist das der Fall, denn es herrscht akuter Lehrermangel, der sich laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) noch verschärfen wird. Demnach gehen bis 2026 in Berlin 11.000 Lehrer in den Ruhestand. Gleichzeitig wachsen die Schülerzahlen. Laut GEW sind bis zum Schuljahr 2026/27 mindestens 13.600 neue Lehrer nötig, im Durchschnitt sind das 2.000 pro Jahr.

In Berlin eint – laut Senatsverwaltung – alle Quereinsteiger, dass sie ein abgeschlossenes Hochschulstudium auf dem Niveau eines Masters in mindestens einem Fach haben, das an Berliner Schulen unterrichtet wird. Doch um den Lehrerberuf adäquat ausüben zu können, sei diese Qualifikation eindeutig zu wenig, wird vonseiten der GEW und der Politik immer wieder moniert. Kritiker bemängeln, dass Quereinsteiger nicht gut genug auf ihren Einsatz vorbereitet würden und es zu wenig Schulungen gebe. Ein weiterer Kritikpunkt: In Berlin würden Lehrkräfte zu schlecht bezahlt. Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Lehrer nicht verbeamtet werden.

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15 Kommentare

  1. 15.

    " warum man Beamter sein muss, um Lehrer zu werden. "

    muss man nicht , aber wenn Belin als einziges Land den Lehrern den Beamtenstatus verweigert ist doch klar , dass die in andere bundesländer gehen, allein schon wegen der besseren Bezahlung als Beamte .

    PS: Ihre Frage ist unglücklich formuliert , der Lehramtskandidat muss nicht Beamter sein , er möchte es evtl werden

  2. 14.

    " warum man Beamter sein muss, um Lehrer zu werden "

    muss man nicht , wenn aber Berlin das einzige Land ohne Beamtenstatus ist , ist doch klar, dass in andere Bundesländer gewechselt wird, allein schon wegen der höheren Bezahlung .

  3. 13.

    Quereinsteiger sind vorwiegend an Grundschulen. Nicht, das die zielstrebig dahin wollten. Die studierten Lehrer versuchen, diesen Problemschulen zu entkommen.
    Letztere korrelieren mit bildungsfernen Elternhäusern. Die Kinder erhalten zu Hause keine Unterstützung. Das Unterrichten ist stressig und zum großen Teil auch sinnlos. Ein Großteil dieser Schüler hat selbst nach gesetzlicher Schulpflicht nur mangelhafte Kenntnisse im Rechnen und Schreiben.

  4. 12.

    Interessanter Kommentar , zumindest war das DDR Bildungssystem nicht das schlechteste. Ich frage mich auch warum man Beamter sein muss, um Lehrer zu werden.

  5. 11.

    Das war nach dem Krieg in der DDR nicht anders. Die alten Lehrer mussten den Schuldienst verlassen. Also hat man Leute aus den Betrieben geholt. Die mussten sich den Unterrichtsstoff regelrecht "reinziehen", aber im Selbststudium, und waren den Kindern im Stoff gerade mal drei oder vier Stunden voraus. Und ihre pädagogische Ausbildungchaben sie dann in Abendkursen gemacht. Das waren die sogenannten Neulehrer.

    Und was anderes haben wir mit den Quereinsteigern auch nicht.

    Also fragt man sich, warum man als Lehrer noch großartig studieren muss.

  6. 10.

    Da können wir uns ja jetzt schon auf die nächste Pisa Studie freuen.
    Und bei den zum Teil so schwierigen Schülern.
    Jetzt werden erst recht Pädagogen gebraucht.
    Das können Quereinsteiger bej allem Ensatz gar nicht leisten.

  7. 9.

    Stimmt. Ich selbst kenne zwei Lehrerinnen (sie selbst kennen einander nicht). Beide unterrichten Mathe und Chemie.

    Die eine saß bei uns im Türkischkurs. Sie hat den Türkischunterricht verfolgt und nebenbei Klassenarbeiten kontrolliert. Und dann hat sie zuhause bestimmt ihre Unterrichtsvorbereitung gemacht.

    Bei der andren sah es nicht snders aus. Sie hat bis nachts um 1.00 Uhr über Klassenarbeiten und Unterrichtsvorbereitungen gesessen und musdte dann am nächsten Morgen um 5.00 Uhr wieder aufstehen.

    Und dann den ganzen Tag vor der Klasse stehen und den Tag dann zuhause noch nachbereiten...

    Ist jemand immer noch der Meinung, dass Lehrer faul sind?

  8. 8.

    Es wird nun gefühlt schon ewig über das Thema in den Medien diskutiert. Immer mehr Lehrer fliehen aus Berlin, um in anderen Bundesländern verbeamtet zu werden. Wann endlich begreifen die Grünen und die Linke, dass Lehrer keine dummen Menschen sind und mit dem Füßen darüber abstimmen, dass gleiche Arbeit auch gleiches Gehalt und Arbeitsbedingungen bedeutet. Verbeamtet endlich die Lehrer in Berlin. Bildung kostet Geld und bringt zudem Rendite. Ganz einfach: gut gebildete Schüler= gute Auszubildende/Studenten= gute Steuerzahler.

  9. 7.

    In keinem der MINT Fächer hat sich der Stoff, der in einen Lehrplan gehört, in den letzten dreißig Jahren verändert. In der Schule wird nicht aktuelle Forschung gelehrt, sondern Grundlagen, die schon lange stabil sind.

    Ich find es auch frech von Ihnen, verbeamteten Lehrern zu unterstellen, sie würden sich ausruhen. Haben Sie mal mit Lehrern gesprochen? Das ist ein absoluter Knochenjob.

  10. 6.

    Die Unis sollen sich fein zurückhalten und im eigenen Laden kehren: Dort ausgebildete Lehrkräfte sind oft mangelhaft auf reale Anforderungen des Schulalltags vorbereitet. Die Fähigkeit, spontan mit ganz unterschiedlichen Individuen und Gruppendynamiken umzugehen, ist eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreichen Unterricht. Hier bestehen aber vielfach grosse Defizite, und Lehrer müssen ins kalte Wasser springen. Da unterscheiden sich Quereinsteiger kaum von den voll Ausgebildeten. - Man braucht jedenfalls keine jahrelange theoretische akademische Ausbildung, um mit Menschen umzugehen: 'Learning by doing' ist auch in der Pädagogik eine der sinnvollsten Methoden überhaupt. Dabei müssen erfahrene und weniger erfahrene Lehrkräfte ganz praktisch zusammenarbeiten - was natürlich nicht zuletzt ausreichende Personalstärke voraussetzt.

  11. 5.

    Und das ist auch gut so. Warum müssen Lehrer Beamte sein. Damit sie sich Jahre lang ausruhen? Weiterbildung brauchen wir ja nicht, mein Job ist ja sicher...

    Abgesehen davon haben Beamte auch einige Nachteile, das wird gerne verschwiegen oder wissen viele der "jung" Beamten selber nicht und lernen es dann irgend wann schmerzlich kennen. Aber es ist ja alles so schön als Beamter... wird einem auf einschlägigen Schulen des Bundes ja auch so vorgelebt. (Hier leben selber Beamte im Haushalt)

    Zum Thema Quereinsteiger habe ich eine klare Meinung: Für MINT Fächer gerne, da Menschen aus der freien Wirtschaft nun mal mehr wissen als die konservativen Beamten die versuchen den Stoff von vor 2 Jahren zu schulen, was bei MINT nicht geht! In diesen Fächern zählt das jetzt und die Zukunft. In allen anderen Bereichen gehören keine Quereinsteiger sondern Pädagogen.

    Und Lehrer gehören bezahlt nach Leistung. Diese Leistung muss ständig abgefragt werden in Form von Prüfungen!

  12. 4.

    Folgen : die Anforderungen an Bewerber werden weiter gesenkt : " Bundespolizei senkt Anforderungen an Bewerber " ( ARD) Klagen von der Wirtschaft und Universitäten wurden ja schon mehrfach erhoben , allein die Bildungspolitik stellt sich taub.

  13. 3.

    " Hier hat die Politik komplett versagt , und die sogenannten Quereinsteiger könnten in Berlin zur " Normalität " werden, also das ganze Pädagogikstudium für obsolet erklärt werden - im Land Berlin. Das Berliner Abitur hat bereits jetzt bundesweit einen zweifelhaften Ruf, aber dann wäre es wohl völlig wertlos

  14. 2.

    Ich bin überzeugt davon, das die sogenannten Quereinsteiger engagierte Menschen sind und im Schualltag eine Bereichrung sein können. Fakt ist aber, das wenn ein ganzes und an sich veraltetes, desolates und wenig innovatives Schulsystem zu 60% auf den Schultern von eben nicht studierten Pädagogen lastet, dann ist das eine bildungspolitische Katastrophe die ungeahnte Folgen haben wird. Hier hat die Politik komplett versagt, allen voran Frau Scheeres. Die Kinder leiden und die Verursacher werden nicht zur Verantwortung gezogen. Deutsche Politik im Jahr 2020. Mir wird schlecht ....

  15. 1.

    nicht klassisch ausgebildeten Lehrer werden. immer mehr, Lehrermangel wird noch größer , Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Lehrer nicht verbeamtet werden.

    die Folgen : in Berlin wird es bald überhaupt keine klassisch ausgebildeten Lehrer mehr geben , nur noch Quereinsteiger, wenn überhaupt

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