15.03.2019, Berlin: Mitglieder der Berliner Grünen-Fraktion nehmen an der Frühjahrsklausur im Rathaus Charlottenburg teil. (Quelle: dpa / Wolfgang Kumm)
Bild: dpa / Wolfgang Kumm

Umfrage - Grüne gewinnen viele Mitglieder in Berlin und Brandenburg

Der Höhenflug der Grünen schlägt sich nicht nur in Umfrageergebnissen nieder, sondern auch in Mitgliederzahlen. In Brandenburg und besonders in Berlin konnte die Partei personell kräftig zulegen. Die SPD dagegen ist in beiden Bundesländern geschrumpft.

Die Grünen haben in Berlin und Brandenburg deutlich an Mitgliedern gewonnen. Das geht aus einer Umfrage der dpa unter den Parteien hervor, die am Samstag veröffentlicht wurde.

Besonders groß war der Zuwachs für die Grünen in Berlin - dort legte die Partei um 29 Prozent zu und zählt nun 9.139 Mitglieder. "Immer mehr Menschen nehmen wahr, dass wir die drängenden Fragen unserer Zeit nicht mehr aufschieben können und unser Klima endlich wirksam schützen müssen", sagte Parteisprecherin Hannah König. 

In Brandenburg hat die Partei derzeit 1.979 Mitglieder, bei der vorigen Zählung im Februar waren es noch 1.435. "Weitere Personen befinden sich in der Aufnahmeschleife, bedingt durch die Winterpause", sagte Grünen-Sprecher Michael Mangold.

SPD und CDU bleiben auf Rang zwei und drei

Mitgliederstärkste Partei bleibt in beiden Ländern die SPD, sie musste jedoch Verluste hinnehmen. In Brandenburg hat sie 6.223 Mitglieder, das sind 139 weniger als im Vorjahr. In Berlin ging die Mitgliederzahl um 383 auf 19.713 zurück. Damit rutschte die SPD wieder unter die 20.000er-Marke, nachdem sie vor zwei Jahren, als das Mitgliedervotum über die Große Koalition anstand, nach einem regelrechten Ansturm von Neumitgliedern noch bei 21.500 gelegen hatte. "Einer positiven Mitgliederentwicklung aufgrund einer überzeugenden Politik steht leider auch die demografische Entwicklung gegenüber", sagte Pressesprecherin Claudia Kintscher.

Auf dem zweiten Rang folgt sowohl in Berlin als auch in Brandenburg die CDU - mit nur leichten Veränderungen. In Brandenburg haben die Christdemokraten derzeit 5.808 Mitglieder (-10), in Berlin 12.210 (+24).

Linke verlieren Mitglieder, AfD wird stärker

Die Linken verloren dagegen. In Brandenburg hat die Partei 5.227 Mitglieder, 2018 waren es noch 6.212. In Berlin ging die Mitgliederzahl auf 7.643 zurück, das sind 218 weniger als ein Jahr zuvor.

Die Berliner AfD gewann 66 Mitglieder und zählt nun 1.570, wobei sich der Trend im Vergleich zu den Vorjahren etwas verlangsamt hat. Zu den Gründen zählten Unzufriedenheit über neue Belastungen durch die Klimapolitik wie Dieselfahrverbote und CO2-Steuer oder Sorgen über die Zuwanderungspolitik, sagte Parteisprecher Ronald Gläser. Auch in Brandenburg hatte die AfD in der Vergangenheit über mehr Mitglieder berichtet. Auf die aktuelle Anfrage der dpa hatte sie aber nicht geantwortet.

Berliner FDP und Brandenburger Freie Wähler legen zu

Die Berliner FDP legte bei den Mitgliedern um 153 auf 3.498  zu. Als Gründe für die Entwicklung nannte Parteisprecher Peter Kastschajew eine allgemeine Polarisierung und verstärkte Aktivitäten der Liberalen, online neue Anhänger zu gewinnen.  Für die im Brandenburger Landtag nicht vertretene FDP legt die dpa keine Zahlen vor.

Vertreten sind im Potsdamer Landesparlament dagegen die Freien Wähler. Auch sie verzeichnen ihrem Landesparteivorsitzenden Péter Vida zufolge einen Zuwachs. Derzeit gehören der politischen Vereinigung 801 Mitglieder an, wie Vida informiert, ohne eine Zahl vom Vorjahr zu nennen. Den Grund für die positive Mitgliederentwicklung bei den Freien Wählern sieht er nach eigenen Angaben im allgemeinen Wachstum der Partei im Zuge der Kommunalwahlen 2019. "Da wir sehr viele Wählergruppen in unserem Netzwerk binden konnten, konnten wir viele Kandidaten  aufstellen, von denen einige auch Neu-Mitglieder geworden sind", sagte der Landesvorsitzende.

Sendung:  Inforadio, 11.01.2020, 10 Uhr

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40 Kommentare

  1. 40.

    Ich denke, der Unterschied liegt eher im Willen zu einer Gestaltung und einem Willen zur bloßen Abwehr von etwas. Mithin zwischen einem positiven und negativen Impuls. Daraus erklärt sich die große Kluft zwischen Parteimitgliedern und -wählern bei der AfD sehr treffend. Die negative Energie kann da selbst den negativ Eingestellten zur Belastung werden, wenn diese nicht nur konkret und sehr puntuell, sondern situationsübergreifend und dauerhaft praktiziert wird, sozusagen als Selbstzweck.

  2. 39.

    Das sind ja sogar GegenARGUMENTE...

    Den Vergleich von Wählern 2016 mit Mitgliedern 2019 kann ich dennoch nur bedingt nachvollziehen. Bekanntlich hat es in der Zwischenzeit im öffentlichen politischen Diskurs und daraufhin in der Demoskopie Entwicklungen gegeben, die einen "Grünen-Hype" entfacht haben: einerseits Klimawandel-Debatte, andererseits galoppierende Selbstzerlegung der bisherigen "linken" Flaggschiff-Partei. Die Grünen hatten aber in Berlin auch vor dem Hype um 6.000 Mitglieder, also doch einen "traditionsbedingt" ordentlichen Ausgangswert. Dass die Partei emotionalisiert und zugleich viele Gegner hat, spricht für mich nicht gegen Etabliertheit.

    Schließlich zu den Arbeitern/Arbeitslosen: Als Mitglied ist diese Gruppe in keiner Partei mehr relevant vertreten - nicht einmal in der ehemaligen Arbeiterpartei SPD. Es mag sein, dass die AfD hier aus Nichtwählern wieder Wähler gemacht hat, eine Abbildung in der Mitgliederstruktur ist jedoch eine unrealistische Erwartung.

  3. 38.

    Scharping ist in der SPD. Sind sie Putin-Fan? Die Ambo-Pipeline sollte gebaut werden, um sich Unhabhängiger von Russland zu machen.

  4. 37.

    Vielen Dank, dass Sie mir mein "interessengeleitetes Mutmaßen" zugestehen. Dum spiro, spero. Das Ihre eigenen Mutmaßungen für Sie plausibler sind, liegt wohl in der Natur der Sache. 2016 hatten die Grünen in Berlin 257.046 Stimmen und die AfD 230.331. Das ist letzten Endes ein Unterschied von 1,8%. Wenn die Grünen und die AfD also fast gleich viele Wähler begeistern können, warum haben die Grünen dann fast 6 mal mehr Mitglieder? Das soll mit Tradition begründet sein? Schauen Sie sich doch an, wie hier über diese Partei hergezogen wird. Entscheidungen zu dem Jugoslawien-Krieg werden hier als Grundlage angeführt die Grünen nicht zu unterstützen. Das widerspricht doch dem "Vorteil" einer langen Tradition.
    Ich finde auch die zweite Mutmaßung wenig stichhaltig: Die AfD findet unter den Arbeitslosen und Arbeitern die größten Unterstützer (Bundestagswahl 2016). Diese hätten mit Parteibuch am wenigsten zu befürchten und könnten sich ohne Rücksicht auf ihre Karriere politisch beteiligen.

  5. 36.

    Wollen Sie etwa Scharpings nachweisliche Lüge vom Hufeisenplan aufwärmen? Die wird entlarvt in der ARD-Doku "Es begann mit einer Lüge" über den Eintritt in den Kosovo-Krieg an. Lesen Sie sich auf Heise das Interview "Der Staat Jugoslawien stand dem strategischen Entwurf der USA im Wege" mit Ex-CIA-Agent Robert Baer durch und informieren Sie sich über die wirtschaftlichen Interessen der EU-Staaten an der Ambo-Pipeline. Und danach überlegen Sie sich bitte, ob Sie hier weiter die Nato-Propaganda kolportieren wollen. Danke.

  6. 35.

    Schräge Argumente, wenn sie die als umweltfeindlich bezeichnet werden, die sich für Umweltschutz einsetzen.
    Was sind eigentlich Menschen, die Müll freiwillig von anderen Menschen in der Öffentlichkeit wegräumen. Lassen sie mich raten, dass sind auch Umweltsünder.

  7. 34.

    Trotzdem ich mit der Basis der Grünen extrem sympathiesiere, stellt sich für mich die Frage, wie ´grün´ kann eine Partei sein, an deren Spitze eine Frau steht, die der Meinung ist, Umweltschutz müsse wirtschaftlich sein. Und die dafür noch als Realo gefeiert wird. Meiner Meinung nach hat sie damit, wirklich grüner Politik eine absolute Absage erteilt. Die Grünen die immer noch nicht kapiert haben, das mit diesem Kapitalistischen System kein effektiver Umweltschutz möglich ist, machen mich langsam wütend. Grün ist zum Label verkommen, der Markt bietet immer Kompromisse! Bin mal gespannt wie sich die Mitgleiderzahlen in den nächsten Jahren entwickeln, wenn D sich Umweltschutz nicht mehr leisten kann bzw andere diesen Markt erobern.

  8. 33.

    Ein Zulauf bei den Grünen, bedeutet nur, das viele nach der Verpackung gehen, statt dem Inhalt. Die Grünen sind alles andere als umweltfreundlich .

  9. 32.

    Verzögerungen von Bahnprojekten jetzt auf die Fauna zu schieben ist billige Polemik. Tut mir leid, aber die Ursachen dafür liegen beim Missmanagement und nicht bei der Natur.

  10. 31.

    Interessengeleitetes Mutmaßen und Hoffen steht Ihnen natürlich frei... Plausibler fände ich eine Berücksichtigung der unterschiedlichen Zeitspannen, die beide Parteien bisher hatten, um Mitglieder zu gewinnen (rund 40 Jahre auf der einen Seite gegenüber noch nicht sieben Jahren auf der anderen). Aufgrund der mehrfachen grünen Beteiligung an Senaten könnte weiterhin der Faktor hinzutreten, dass ein entsprechendes Parteibuch zumindest im öffentlichen Dienst Aufstiegswege eröffnet, für die man sich in grauer Vorzeit (West) der CDU oder SPD anschließen musste. Bei der AfD fällt dieser Faktor weg bzw. wäre zurzeit eine sehr gewagte Wette auf die Zukunft.

  11. 30.

    Schade, dass meine erste Antwort anscheinend der Zensur zum Opfer fiel; versuche ich es halt noch einmal;
    Hätten Sie meine Worte nach dem Lesen auch verstanden, hätten Sie nicht eine solch unsinnige Aussage getroffen.
    Ich kritisierte die Leute, die Grün wählen, das Establishment eben, nicht die Partei, deren Programmatik leider ab der Koalition unter Schröder gelitten hat und damit bis heute nicht authentisch zu sein scheint, wenn ich die Taten gegen die Ergebnisse in Regierungspolitik entgegenstelle.
    Woher Sie nun nehmen, was ich angeblich wählen würde, erschließt sich mir nicht.
    Sind Sie etwa voreingenommen?

  12. 29.

    Hallo Lore, vielen Dank für Ihre Antwort. Ich bin nicht der, für den Sie mich zu halten scheinen. Ich habe weder ein Parteibuch, noch habe ich jemals im Internet meinen Namen genannt. Daher sind es auch nicht "meine" Grünen oder "meine Wählerschaft"
    Leider sind Sie kein bisschen auf meinen Kommentar eingegangen. Das hätte mich nämlich wirklich interessiert.
    Ich glaube heutzutage kann man von keiner Partei erwarten, dass sie Berge versetzen kann. Wir haben in Brandenburg eine Dreierkoalition, was nichts anderes heißt, als eine Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners. Keiner wird seine Maximalforderungen durchsetzen können - vielleicht werden es Akzente oder etwas mehr. Das man als Wähler dann enttäuscht ist, liegt in der Sache der Natur.
    Bezüglich der Renten hatten alle anderen Parteien mit Ausnahme der Linken die Möglichkeit diesen Beschluss wieder rückgängig zu machen.
    Die Balkonszene kenne ich nicht. Daran würde ich mich aber auch nicht aufhängen. Siege feiert man eben. MfG

  13. 28.

    Ermutigend zu sehen, dass eine Partei Zulauf hat, die sich für Menschenrechte und ein friedliches, respektvolles Miteinander einsetzt. Das vergiftete gesellschaftliche Klima aus Hass und zelebrierter Empathielosigkeit muss ein Ende haben!

  14. 27.

    Es ist doch Fakt das mit den Bundespartei die Grünen und der SPD der Börsengang der DBAG eingeleitet wurde! Auch ihr vermeintlicher Partei Genosse Anton Hofreiter ist da letztens ins straucheln gekommen wo ihn der Sächsische Ministerpräsident dazu angesprochen hat! Unter einer Grün Roten Bundesregierung wurden die meisten Streckenkilometer der Bahn demontiert und ganze Bahnstrecken zerstört! Das kann kein grüner LEUGNEN! Und ja bei vielen Bahn Projekten gibt es regelmäßig Verschleppungen weil ein paar Lurche oder Kröten oder ähnliches gefunden werden! Das an dieser Situation nicht dierekt die Partei beteiligt ist ist richtig aber zum Großteil der Wählerkreis der Grünen! Natürlich können sie jetzt ja sagen ok was kann die Partei dafür das Wähler von mir sich für Lurche und Kröten einsetzten?! Doch weil auch sie eine Verantwortung hat sich ehrlich darzustellen! Will ich die verkehrswende will ich guten ÖPNV dann muss ich leider da investieren und auch bauen und mich für solche Projekte einsetzten aber das ist dann ein Stück weit unpopulär meinem Wähler zu sagen „ja ok da ist ein Tier aber wir bauen jetzt hier eine Eisenbahn!“ das machen sie nämlich nicht!!! Oder bringen sie doch bitte Beispiele wo sich grüne Politiker vielleicht sogar sie sich für bahnprojkte eingesetzt haben! Und das zb mal in Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern? Wo bitte ?

  15. 25.

    Hallo an: Da sind noch fragen offen: Es ist ja klar, das sie ihre grüne Wählerschaft verteidigen. So wie sie sich ausdrücken, kann es nur ein Politiker sein. Habe auch eine Ahnung, da sie mir schon einmal auf meinen Kommentar- mit " richtigen Namen " geantwortet haben. Vielleicht schaffen sie es ja wirklich, in unserem Land Berge zu versetzen. Ich glaube trotzdem nicht daran dazu bin ich zu enttäuscht. Ich erinnere mich daran, wie ihre Grünen zusammen mit Schröder unter anderem auch die Besteuerung der Renten eingeführt haben. Oder diese Überheblichkeit bei der letzten Bundestagswahl auf dem Balkon!! Vielleicht erinnern sie sich. Dieses Gewinke und wichtig Getue. Nein, für mich sind die Grünen keine Wahl!Freundliche Grüße

  16. 24.

    Die Berliner Grünen haben 9139 Mitglieder, die Berliner AfD 1570.
    Bezogen auf die AfD und ihre Wählerschaft könnte man mutmaßen: Protest ja, Engagement nein. Meckern ist halt leichter als etwas zu verändern. Das ließe zumindest die Hoffnung zu, dass ein Teil der AfD-Wählerschaft zwar aus Protest diese Partei wählt, ideologisch aber noch genügend Abstand hat, um eines Tages wieder andere Parteien zu wählen.

  17. 23.

    Hallo Jan,
    mit Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen. Für mich klingt das ein wenig irreführend der Partei die Schuld zu geben. Wenn es einen begründeten Anspruch gibt und Behörden oder Gerichte zu dem Schluss kommen, dass dieser legitim ist, dann sollte doch wohl auch dieser Anspruch durchgesetzt werden, finden Sie nicht? Dafür haben wir doch unsere Bestimmungen und Gesetze. Könnten Sie also bitte die konkreten Bahnprojekte angeben, wo Bündnis90/die Grünen in die Projekte derart eingegriffen hat? Das wäre wirklich hilfreich, um Ihnen Glauben schenken zu können.

  18. 21.

    Bemerkenswert finde ich, wie viel - oder besser wie wenig - Mitglieder die AfD hat bzw. hinzugewinnt. In der Blase Internet, in der man sich so bewegt, könnte man den Eindruck gewinnen, da sei viel mehr "potenz" dahinter.

    Ist bedauerllicherweise halt für nur 'ne Protestpartei.

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