Eine Frau hält ein Bild mit einem Entwurf des Karstadt am Hermanplatz in Neukölln in die Kamera (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Neubau am Hermannplatz - Denkmalamt und Investor einigen sich bei Karstadt-Projekt

Beim Neubau-Projekt des Karstadt-Gebäudes am Berliner Hermannplatz gibt es eine neue Entwicklung. Nachdem das Landesdenkmalamt eine veränderte Planung gefordert hat, gehen die neuen Entwürfe auf die Forderung der Denkmalpflege ein, das vom ursprünglichen Kaufhaus erhaltene Segment in seiner Gesamtheit zu erhalten, nicht nur die Fassade. Das teilte die Sprecherin des Landesdenkmalamts, Christine Wolf, am Donnerstag dem rbb mit. Demnach hat das Architektenbüro Chipperfield des Investors Signa im Dezember 2019 veränderte Planungen vorgelegt, wie es weiter heißt. Für das Riesenprojekt gibt es allerdings noch keinen Bauantrag und keine Genehmigung.

Baustadtrat Schmidt prüft Dialogprozess

Mit Baustadtrat Florian Schmidt wurde nichts abgestimmt, dem die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks unterstellt ist, wie der Grünen-Politiker auf Nachfrage von rbb|24 am Freitag mitteilte. Aktuell werde geprüft, inwieweit "ein ergebnisoffener und neutral moderierter Dialog bestehend aus unabhängigen Experten und Anwohnern gestartet wird", so Schmidt. Die Kernfragen sollen Baukultur, Einzelhandelskonzept und Quartiersentwicklung sein.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg  lehnt einen Neubau ab. Ein Monumentalkaufhaus, wie es der Investor errichten wollte, passe nicht nach Friedrichshain-Kreuzberg, sagte Baustadtrat Schmidt dem rbb im August letzten Jahres. Das Vorhaben sei von den zuständigen Verwaltungen der Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln geprüft und fachlich abgelehnt worden, so Schmidt. Das Karstadt-Gebäude liegt auf der Bezirksseite von Friedrichshain-Kreuzberg, der angrenzende Hermannplatz gehört zu Neukölln.

Initiative plant Kundgebung gegen Neubau-Projekt

Gegen die Pläne regt sich jedoch auch unter den Anwohnern Protest. So wird mit dem Bau eine Aufwertung der Lage und damit weitere Verdrängung der Bewohner befürchtet. Am 21. Januar hat die Initiative Hermannplatz deshalb zu einer Kundgebung aufgerufen, wie es auf deren Homepage (initiativehermannplatz.noblogs.org) heißt. Zeitgleich soll auch der Neuköllner Stadtentwicklungsausschuss stattfinden, in dem die CDU den Antrag "Neukölln unterstützt das Neubauvorhaben von Karstadt am Hermannplatz" vorstellen will.

Die Signa GmbH mit Sitz in Wien will als Karstadt-Eigentümerin das gegenwärtige Kaufhaus-Gebäude abreißen und nach Vorbild des ursprünglichen Warenhauses aus den 1920er Jahren neu erbauen. Das ehemalige Gebäude hatte 70.000 Quadratmeter Einkaufsfläche mit zwei Türmen und Lichtsäulen, es war das größte Kaufhaus der Weimarer Republik. Die Nationalsozialisten zerstörten das Haus im Jahr 1945. Die erhaltenen Gebäudeteile von 1927-29 stehen seit Juli 1990 unter Denkmalschutz. Im Februar 1993 wurden die Untergeschosse der ersten Bauphase und der Wiederaufbau von 1951 bis 1952 ebefalls aufgenommen.

Sendung: Abendschau, 17.01.2020, 19:30 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Der Zwiespalt bleibt: Einerseits einem "gesichtslos" gewordenen Stadtquartier wieder ein markantes Gesicht zu geben und andererseits den Immobilien- und sonstwelchen Verwartungslogiken ausgesetzt zu sein, die sich im Zuge dessen Bahn brechen. Das ist beim Hotel Orania so, das ist bei der Gestaltung der Potsdamer Mitte so und das ist auch hier so.

    Berlin hat Instrumente wie Milieuschutz entwickelt, die das Ganze zumindest abbremsen. Selber bin ich mir aber nicht im klaren, wieweit das wirklich greift. Die Umkehrung jedenfalls, dass jede Baumaßnahme - im Extremfall sogar Verkehrsberuhigung - nicht sein solle, damit kein Verwertungsdruck entstehe, wird für mich grotesk. Denn das hieße, selbst achtspurige Hauptverkehrsstraßen mit angrenzendem niedrigsten Wohnwert zu belassen, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern.

    Bezahlbarer Wohnraum muss unabhängig davon und quasi als Grundrecht gesichert werden, aus dem dann konkrete Gesetze folgen.

  2. 4.

    Ja, wie früher halt. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stra%C3%9Fenbahn_in_Berlin

  3. 3.

    Ach du sch..! Straßenbahn durch Kreuzberg? Ick muss weg hier..

  4. 2.

    Hoffentlich werden die Straßenbahntrasse durch die Urbanstraße und die Haltestelle am Hermannplatz trotz dieser verrückten Pläne vorrangig fertiggestellt.

  5. 1.

    First World Problems

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