Ein Fotograf nimmt mit seinem Fotomodell ein Passbild am Monitor ab. (Quelle: rbb/Brandenburg Aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 10.01.2020 | Theresa Majerowitsch | Bild: rbb/Brandenburg Aktuell

Neuregelung für Passfotos - "Das sind 30 bis 40 Prozent meines Umsatzes"

Zum Schutz vor Fälschungen sollen Passfotos bald nur noch direkt im Amt gemacht werden dürfen. So plant es das Bundesinnenministerium. Für Fotografen eine Horrorvorstellung, denn sie verdienen gut an Passbildern. Ämter und Behörden würden dagegen profitieren.

Fotos für Ausweise und Reisepässe sollen künftig nur noch bei der Behörde gemacht werden dürfen, die das Dokument ausstellt – um Manipulationen zu verhindern, argumentiert das zuständige Bundesinnenministerium.

Denn durch sogenanntes Morphing können zwei Fotos zum Bild eines einzigen Gesichts verschmolzen werden. Dann könnten zwei Menschen ein und denselben Pass benutzen. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers hat die Bundespolizei im vergangenen Jahr 950 Fälle von Ausweismissbrauch registriert, im Vorjahr seien es 727 Fälle gewesen. Diese Zahlen bezögen sich lediglich auf den Einsatzbereich der Bundespolizei.

Fotografen wie Andreas Kohn aus Falkensee (Havelland) treiben die Pläne für eine Neuregelung Sorgenfalten auf die Stirn. "Ich mache über 500 Passbilder im Monat", sagt er im rbb-Interview. "Das sind 30 bis 40 Prozent meines Umsatzes."

Rathausmitarbeiterin sieht Vorteile

Im Rathaus in Brieselang (Havelland) sieht man die geplante Neuregelung dagegen positiv. "Es hat auf jeden Fall Vorteile", sagt Sachbearbeiterin Desirée Lehmann. Oft kämen Menschen mit zu alten Fotos. Oder sie hätten gar keine Bilder und fragten, ob sie vor Ort welche machen können. Noch werde dieser Service in Brieselang nicht angeboten, aber praktisch wäre ein Fotoautomat direkt im Amt schön, auch für die Mitarbeiter, findet Neumann. "Wir würden das Foto machen, könnten es im System übernehmen und den Ausweis oder Reisepass dann weiter bearbeiten."

Bürger befürworten Neuregelung

Für Bürger bedeuten Fotoautomaten im Rathaus immerhin einen Gang weniger. In manchen Ämtern gibt es diese Fotoautomaten schon, sagt eine Frau im Wartebereich des Brieselanger Bürgerbüros. "Ich habe vorher in Mannheim gewohnt, da macht man die Fotos eben direkt vor Ort." Das sei zwar keine Pflicht, aber ein gutes Angebot. "Ich glaube, dass das auch viele Leute in Anspruch nehmen", sagt sie.

Und auch der Kunde, der seine Passfotos gerade noch bei Fotograf Kuhn hat machen lassen, findet die Pläne für eine Neuregelung nachvollziehbar. Sicherheit gehe schließlich vor. Nur für den Fotografen lasse sich einfach nicht Positives daran finden - auch wenn es für die Neuregelung eine zweijährige Übergangsfrist geben soll.

Sendung: Brandenburg aktuell, 10.01.2020, 19:30 Uhr

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26 Kommentare

  1. 26.

    Als Fotograf oder im Fotofachgeschäft werden die Bilde auch per Prüfsoftware gemacht, also muss kein Kunde befürchten der Fotograf acht unkorrekte Bilder.
    Die Übermittlung der Aufnahmen vom Fotograf/Fachgeschäft zum Amt gibt es bereits und wird weiter ausgebaut. Und das sogar in Zusammenarbeit mit einem Bundesamt. Also ist dieses Gesetz absoluter Schachsinn.
    Mal abgesehen davon, dass behauptet wird, es könne ohne Personellen Mehraufwand betrieben werden. Wenn da Säuglinge, Bettlägerige oder Menschen mit sprachlichen Defiziten kommen, möchte ich sehen, wie die Mitarbeiter des Bürgeramtes das nebenbei machen.
    Kommt diese Gesetz, dann killt es eine komplette Branche.

  2. 25.

    Ja, es ist praktischer und geringerer Aufwand für die Kunden. Ich frage mich schon seit Jahren, warum ich die Bilder nicht direkt an die Meldestelle übermitteln kann: Ich drucke digitale Dateien aus, im Amt wird wieder eingescannt (digitalisiert) - absurd! Ein Zertifikat für Fotografen, das sie verpflichtet unveränderte Bilder direkt abzuliefern, würde die Fälschungssicherheit garantieren.

    Oft kommen Kunden von Automaten, vom Drogeriemarkt oder Papierwarenladen mit fürchterlichen Bildern zu mir, weil sie sich kaum wiedererkennen, oder das Bild von der Meldestellensoftware abgelehnt wurde. Um Körperhaltung, Perspektive und Ausleuchtung perfekt zu setzen, hilft Erfahrung mit dem Metier. Ich bin Portraitfotografin und die Menschen sehen auf meinen Bildern aus, wie sie tatsächlich aussehen.
    Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß wir die Passbilder verlieren- schade! Auch ich generiere Folgeaufträge dadurch und weiß nicht ob ich meine Ateliermiete dann in einigen Jahren noch zahlen kann.

  3. 24.

    Ich finde es eine Frechheit dass die Politik meint es sei nicht mehr "Zeitgemäß" sich die Fotos beim professionellen Fotografen machen zu lassen! Ich finde die GEZ z.B. nicht mehr Zeitgemäß, wieso schaffen sie diese nicht ab? Egal, wir haben sehr viele Kunden die zu uns kommen und sogar eine weitere Anreise in Kauf nehmen um ordentliche Passfotos zu bekommen. Durch diese Kunden folgen meistens auf weitere Aufträge weil sie mitbekommen was wir noch alles anbieten. Das ist nicht nur ein direkter Schaden sonder hat auch schwerwiegende Folgen für alle Fotografen! Es wird uns sowieso schon alles mit den DSGVO und den ganzen anderen neuen Gesetzen und Vorschriften schwer gemacht. Was wird hierbei bezweckt? Ich sehe schon dass das Handwerk Fotograf bald aussterben wird!

  4. 23.

    Die armen Fotografen.... Jammert nicht, sucht nach Alternativen. Für eine Pflicht (Perso) sollte der Bürger eigentlich nichts bezahlen müssen. Den Perso muss jeder haben. Ich habe keine Wahl und muss dafür auch noch Geld ausgeben. Und die Fotografen sind da dieTrittbrettfahrer.

  5. 22.

    Womit Sie den Kern der Sache benennen: Fingerabdrücke kann man nur in direktem Kontakt abnehmen. Gesichter hingegen können Kameras mit entsprechender Hard- und Software ggf aus Hunderten Meter Entfernung identifizieren; Stichwort 'automatische Gesichtserkennung; z.B. Bhf Südkreuz. Um perfekte Überwachung sicherzustellen, müssen natürlich auch unsere zentral gespeicherten Gesichtskoordinaten absolut eindeutig sein. DARUM geht es hier. Die ganzen Diskussionen um Bequemlichkeit, Zuverlässigkeit und Kosten von Fotoautomaten auf Ämtern sind nur Nebelkerzen, die von der zentralen Frage ablenken, wieviel staatliche Überwachung wir in guten UND in schlechten Zeiten wollen und brauchen. Fotografen wie Hr Kohn sind leider nur weitere "Bauernopfer" eines m.E. deutlich über-triebenen Sicherheitssystems.

  6. 21.

    Was wird sich für den deutschen Personalausweis ändern?
    Die Verordnung (EU) 2019/1157 trat am 2. August 2019 in Kraft und gilt ab dem 2. August 2021.
    Das gilt auch für die verpflichtene Speicherung der Fingerabdrücke.

  7. 19.

    Man kann sich bei der Beantragung des neuen Perso entscheiden,ob er auch die Fingerabdrücke enthalten soll.

  8. 18.

    Das ist nicht korrekt. Seit 2009 sind die Vorgaben für biometrische Passbilder für Personalausweis und Reisepass identisch. Es gibt lediglich von Amt zu Amt verschiedene Auslegungen ein und derselben Vorgabe.

  9. 17.

    Auf einen neuen Ausweis müssen doch zukünftig auch die Fingerabdrücke gespeichert werden.
    Vielleicht kann man die ja auch noch fälschen? Deshalb ist die Idee, Fotos beim Amt zu machen totaler Quatsch. Ich denke das es keine 2 Personen gibt, die das gleiche Gesicht und gleichen Fingerabdruck haben!

  10. 16.

    Oder der Automat übermittelt das Bild direkt digital an den Beamten und es werden keine Papierchen mehr umhergereicht wie im letzten Jahrtausend.

  11. 15.

    Wie darf ich mir das denn praktisch vorstellen? Behördenmitarbeiter (dem Vernehmen nach alle ständig schwer überlastet), sollen sich also künftig entweder auch noch damit beschäftigen, Bilder zu knipsen oder das Bilderknipsen zu überwachen?

    Zumindest müssen sie neben dem Fotoautomaten stehen und genau aufpassen, dass ihnen die geknipsten Bilder umgehend ausgehändigt werden. Oder werden die Automaten so umgebaut, dass die Bilder direkt auf einem Schreibtisch landen?

    Und wer achtet eigentlich darauf, dass die Untertanen ihr Aussehen vor dem Bilderknipsen nicht unzulässig verändern? Muss ich dem Amt künftig nachweisen, dass ich wirklich meist so aussehe wie beim Fototermin?

    Natürlich ist das unabwendbar, schließlich geht es um die Sicherheit!

  12. 14.

    Ähm, Sie wissen aber schon, dass Bilder für den Reisepass nicht dieselben sein können wie für den Personalausweis? Da sind unterschiedliche Anforderungen. Und bisher macht das Amt in Berlin keine Bilder. Den Automaten zähle ich mal nicht mit. Im Grunde benötigt das Amt lediglich eine Kamera am PC mit der entsprechenden Software. Für Dienstausweise gibt es das schon, zB bei der Polizei, Und um Bilder für private Zwecke geht es hier nicht. Die kann jeder sich so besorgen und die können gerne auch auf Optik ausgerichtet sein, Für Reisepass etc. kommt es nicht auf Schönheit an.

  13. 13.

    In 2019 wurden ganze 2 von meinen Passbildern vom Amt moniert. Einmal ein einzelnes Haar und einmal ein Zahnblitzer. Beides war selbst auf dem großen Monitor nicht wirklich auf Anhieb zu erkennen.
    Aus Erfahrung weiß ich, dass die amtlichen Bilder eine erheblich höhere Ausfallquote haben. Abgesehen davon, dass man dann für 6€ auf dem Amt nicht einmal ein Bild in die Hand bekommt. Das heißt, für Personalausweis, Führerschein und Reisepass darf man das dann jedes Mal zahlen. Und für die Gesundheitskarte und den Schülerausweis kommt man dann am Ende doch wieder zu mir.

  14. 12.

    Ich auch. Diese doppelten Wege sind lästig. Die Fotos müssen auch nur den Vorschriften entsprechen. Das wird im Amt überprüft. Sprich, wenn der Fotograf Mist baut, muss ich nochmal los. Und wenn im Amt die Aufnahmen mit Hilfe dieser „Prüfsoftware“ gemacht wird, dann ist das gut.

  15. 11.

    Also was Kosten und zusätzlich Zeit für eon Passbild betrifft,möchte ich mal darauf verweisen,dass einen das je nach Alter alle 6 bis 10 Jahre trifft,denn solange ist det neu ausgestellte Perso dann gültig. Natürlich vorausgesetzt,man verliert ihn nicht oder braucht keinen neuen wegen Namensänderung etc. Der Lärm um Zeit und Kosten steht also in keiner vernünftigen Relation zur erforderlich Häufigkeit. Ich habe bei Foto Fehse Am Markt in der Altstadt Spandau 4 Passbilder und 1 doppelt so großes Foto innerhalb von 15 Min. für 09,00€ in bester Qualität bekommen und war/bin damit sehr zufrieden.

  16. 10.

    Auch der Automat gibt für zu viel Geld mindestens vier Fotos aus, mit denen man sonst nichts anfangen kann. Wer möchte seinen Liebsten schon ein „Verbrecherfoto“ von sich schenken.

  17. 9.

    Nicht mal 10 km von Falkensee entfernt wird das schon seit einigen Jahren praktiziert: in der Gemeindeverwaltung Schönwalde.
    Man spart Zeit,Geld und Nerven....

  18. 8.

    Quizfrage: Was glauben Sie wie teuer es wird, wenn Behörden erstmal das alleinige Monopol auf biometrische Passbilder haben und dieser "Service" dann natürlich privatisiert wird? Stichwörter: Anwohnerparkausweis, Mautgebühren, Bahnfahren, Passgebühr. ;)

  19. 7.

    'Besser koennen' ist ein extrem dehnbarer Begriff. Sie meinen vielleicht 'billiger koennen'? Allerdings kommt dem Menschen in Seehofers Plan ja mindestens der tolle Job zu, aufzupassen, dass nicht zwei andere Menschen gleichzeitig vor den Fotoautomaten treten. Jedenfalls voruebergehend, bis auch dafuer eine Software optimiert wurde. Und irgendwann duerfen wir dann alle nur noch rumsitzen und auf den Futterautomaten warten. Das wird bestimmt toll.

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