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Quelle: Jens Kalaene/dpa

Brandbrief aus Schulamt

Tempelhof-Schöneberg hat für 86 Schüler keinen Platz

Obwohl sie schulpflichtig sind, können 86 Kinder und Jugendliche derzeit in Tempelhof-Schöneberg nicht zur Schule gehen. Der Grund: In allen Fällen handelt es sich um Jungen und Mädchen, die aufgrund von mangelnden Deutschkenntnissen Anspruch auf Unterricht in kleineren Klassen hätten. Doch es fehlen Lehrkräfte und Räume. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet.

Deswegen hatte das Schul- und Sportamt Tempelhof-Schöneberg zum Ende der Weihnachtsferien an alle Schulen des Bezirks geschrieben und auf die schwierige Situation aufmerksam gemacht.  

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Problem "ganz ganz kurzfristig" lösen

Nun heißt es: Für das Problem solle "ganz ganz kurzfristig" eine Lösung gefunden werden, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung Martin Klesmann am Dienstag. Das Schulamt im Bezirk habe zugesagt, weitere Schulplätze zu schaffen, so Klesmann.

Der für Schulen zuständige Bezirksstadtrat Oliver Schworck bestätigte das: "Wir sind sehr sicher, dass wir es schaffen, noch in dieser Woche zusätzliche Schulplätze einzurichten." Derzeit gebe es bereits 51 Willkommensklassen. Der Bedarf sei eine Zeitlang zurückgegangen, zuletzt aber wieder gestiegen. "Wir wollen nach wie vor den Weg gehen, die Schulen zu motivieren, solche Lerngruppen einzurichten", sagte Schworck.

Willkommensklassen mit freien Kapazitäten

Sprecher Klesmann wies darauf hin, dass mehrere Willkommensklassen im Bezirk noch freie Kapazitäten hätten. Es sei zudem geplant, auf das Angebot freier Schulträger einzugehen, zusätzliche Willkommensklassen einzurichten. Außerdem müsse das zuständige Schulamt die entsprechenden Kinder und Jugendlichen gerechter als bisher verteilen. Bisher gebe es an einzelnen Grundschulen eine überdurchschnittliche Zahl von Willkommensklassen.

Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg, kritisierte: "Es macht mich fassungslos, wenn ein großer Bezirk mit knapp 60 Schulen wie Tempelhof-Schöneberg es nicht schafft, die Schulpflicht umzusetzen. Zumal die Senatorin (Sandra Scheeres, SPD) sich noch zum Jahresende damit gebrüstet hatte, dass alle Kinder in Berlin einen Schulplatz erhalten."

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Kritik vonseiten der Politik

Dass die Senatsschulverwaltung über Jahre hinweg davon ausgegangen sei, die Zahl der Kinder ohne genügend Deutschkenntnisse würde schon zurückgehen, müsse geradezu als Ignoranz gegenüber der realen Entwicklung gesehen werden, so Zander-Rade.

Kritik an den fehlenden Schulplätzen übte auch der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Paul Fresdorf: "Aus dem Hause Scheeres wurde Ende 2019 noch gemeldet, dass die Problematik der fehlenden Schulplätze in Berlin vorerst gelöst ist. Die Realität sieht aber anders aus, obwohl der Senat eigentlich alle Daten für die zu erwartenden Schulplatzzahlen haben müsste", so der FDP-Politiker.

Sendung: Abendschau, 07.01.2020 , 19:30 Uhr

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