Rekonstruktion zerrissener Stasiakten per Hand - Aufnahme von 2012 (Quelle: imago images/Hohlfeld)
Bild: imago images/Hohlfeld

Computer-Auswertung stockt - Rekonstruktion von Stasi-Akten kann noch Jahrzehnte dauern

30 Jahre nach dem Untergang der DDR sind immer noch viele zerrissene Stasi-Akten nicht rekonstruiert. Zwar wurde zu diesem Zweck ein Computerprogramm entwickelt, doch derzeit werden die Unterlagen wieder per Hand zusammengefügt. Und das kann dauern.

Rund 30 Jahre nach dem Mauerfall können Zehntausende zerrissene Stasi-Akten immer noch nicht ausgewertet werden. Die Papiere werden derzeit ausschließlich per Hand zusammengesetzt. Das sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, in einem dpa-Gespräch, wie die Nachrichtenagentur am Donnerstag mitteilte. Die Rekonstruktion per Computer wurde vor zwei Jahren wegen technischer Probleme gestoppt. Sie sei bislang nicht wieder in Gang gekommen.

Von 16.000 Säcken sind nur 520 rekonstruiert

Die Stasi hatte im Herbst 1989 begonnen, massenhaft Akten zu vernichten. Nachdem die Reißwölfe heiß liefen, wurde auch per Hand zerfetzt. Bürgerrechtler stoppten die Aktion. Von den 16.000 Säcken mit Akten-Schnipseln wurde bislang der Inhalt von 520 Säcken rekonstruiert. Damit sind laut Jahn zur Zeit knapp 20 Mitarbeiter in Berlin und mehreren Außenstellen der Bundesbehörde beschäftigt.

1.650.000 Blätter wurden per Hand wiederhergestellt. Die manuelle Rekonstruktion könnte noch Jahrzehnte dauern, hieß es. Die Säcke lagern laut Behörde hauptsächlich in einer großen Halle in Magdeburg.

Computer-Auswertung auf Eis gelegt

Das Projekt zur computerunterstützten Auswertung der Daten wurde 2008 gestartet, damals ging man von schnellen Fortschritten aus. Doch das Vorhaben wurde auf Eis gelegt, weil die technischen Voraussetzungen für ein Massenverfahren nicht reichten. Das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik entwickelte zwar eine leistungsfähige Software, doch es gab keine speziellen Scanner. Dazu werde jetzt ein neuer Vertrag vorbereitet, sagte Jahn.

Sendung: Brandenburg aktuell, 02.01.2020, 19.30 Uhr

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35 Kommentare

  1. 35.

    ich finde die Verfolgung 30 Jahre danach echt gut. (Ironie)

  2. 34.

    Nein Herr Jahn ist ein Bremser. wer die Akten mit Hand zusammen setzt kann kein ernsthaftes Interesse an Aufarbeitung haben.
    Die Personalkosten für die Puzzlamentierer hätten, schon längst ein ComputerProgramm finanziert. Und wenn man einen Aufruf an die Jungen Häcker gesendet hätte, wären die wahrscheinlich schneller fertig, als die obligatorischen Machbarkeitsstudien der Etablierten.

  3. 32.

    Whataboutism ist hier völlig fehl am Platze und die Stasi war mit all ihren Ausprägungen und Formen sicherlich weltweit einmalig ! Nur in Nordkorea lief und läuft es wohl ähnlich .

  4. 31.

    Genauso ist es, Vera.

  5. 30.

    Es ist unglaublich, wie hier versucht wird, von den Unzulänglichkeiten und Verbrechen der ehemaligen "DDR" abzulenken.

    Da muss natürlich der BND herhalten.

    Über die Rolle und Machenschaften von Nachrichtendiensten könnte man ja trefflich streiten. Allerdings sollte man, wenn man damit von den Machenschaften des MfS ablenken will, sich darüber im Klaren sein, dass sich der BND vornehmlich mit äußeren Bedrohungen unserer Demokratie und unseres Staates beschäftigt.

    Die Stasi hatte die Aufgabe, die Ruhe im eigenen Land zu sichern und richtete sich demzufolge gegen die eigene Bevölkerung. Und das nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern mit Folter, Freiheitsberaubung und Mord, ausgeübt von weiten Teilen der Bevölkerung.

    Dieses zu vertuschen und zu verharmlosen ist schändlich! Diese Verbrecher müssen auch heute noch an den Pranger!

  6. 29.

    Ich habe kein Problem mit dem Schnipsel zusammen kleben oder der Aufarbeitung. War ein Vorschlag, wie es schneller gehen könnte. Ich kann alles verstehen aber es gab auch den BND. Wie sauber ist er denn, so als Geheimdienst.

  7. 28.

    All denen, die hier ein Ende der Aufarbeitung fordern wünsche ich mal 3-4 Tage ( und ich hatte ein Vielfaches ) in den 80zigern in Hohenschönhausen mit Schlafentzug, menschlichen Erniedrigungen jeglicher Art, stundenlangen nächtlichen Verhören und Drangsalierungen.
    Niemand würde dann mehr so dumm daherreden !
    Dieses vor Selbstmitleid, vor Schönfärberei und Verklärung triefende Gejammere " "Wir armen DDR Bürger" ( ich war auch einer) ist wirklich unerträglich ! Wer so etwas schreib hat absolut keine Ahnung, null Unrechtsbewusstsein und ist im höchsten Maße egoistisch den Opfern gegenüber !
    Die Leute dort waren damals teilweise nur 20-30 Jahre alt, leben heute sehr wohl noch und hatten zum größten Teil den Drang sich durch besondere Fiesheit zu profilieren !
    Was diese Leute angerichtet haben, auch als IMs draussen wurde ja schon in anderen Kommentaren beschrieben. So lange es etwas aufzuarbeiten gibt sollte es getan werden.

  8. 26.

    "Dissident gem. Wikipedia: ..bezeichnet einen unbequemen Andersdenkenden, der öffentlich gegen die allgemeine Meinung oder politische Regierungslinie aktiv auftritt. Hauptsächlich wird die Bezeichnung für Oppositionelle in Diktaturen und totalitären Staaten verwendet, weil das ungehinderte Aussprechen der eigenen Meinung in Demokratien ein Grundrecht ist und damit als selbstverständlich gilt."
    Hups. Da darf man doch in der BRD als Demokratie seine EIGENE Meinung äußern. Tatsächlich. Und man darf sogar Satire anwenden. Sofern es nichts mit Oma ist.

  9. 25.

    Vera, wenn man was vom Staat will, muss man sich nackig machen. Was will man vom Staat denn so? Eben. Wenn man sich hüben wie drüben hat angeln lassen, musste man mitziehen und sich ausziehen. Der Westen war doch nicht der Hort der Glückseeligkeit, auch wenn es dem DDR-Bürger gerne zur Wendewahl so vorgetäuscht wurde. BND ist doch auch keine Wohltätigkeitsorganisation. Aber wer jetzt hergeht und sagt "alles, was ich bei der Stasi gemacht habe, incl. meines Doktortitels, war richtig und ging mit rechten Dingen zu", der hat nichts dazugelernt. Und dafür möchte ich, dass die Säcke weiter durchsortiert werden.

  10. 24.

    Ich bin auch in der DDR aufgewachsen. Zu blöd aber auch. Ich gehörte auch nicht zu "denen". Aber ich bin nicht blind und taub. Was uns heute alles verkauft wird, kann auch nicht immer Volkes Wille sein. Wenn man irgend etwas vom Staat will, muss man sich auch "nackig" machen
    Alles muss überwacht werden im Namen der Sicherheit - man hat ja nichts zu verbergen. Hatte ich vorher auch nicht und muss es jetzt auch hinnehmen.

  11. 23.

    Anstiftung zur Begehung von Straftaten (Mord und Körperverletzung)ist was sie schreiben. Die Anzeige bei der Polizei ist ihnen sicher.

  12. 22.

    Im Sinne von Wahrheit und Gerechtigkeit muss man mMn rekonstruieren. - Meinen Respekt den Mitarbeiter*innen, die unmenschliche Inhalte von MfS-Akten zur Kenntnis nehmen müssen.

  13. 21.

    Wie kann man nur so bissig sein, Berlinerin?! Anscheinend wissen sie nicht, wie es HEUTE funktioniert, nein, schon immer so gewesen ist! Wie VIELE, die im damaligen Westen uns ausspioniert haben! Das wollen sie natürlich nicht wissen.

  14. 20.

    In den Kommentaren outen sich doch immer wieder - neben Erich aus Chile... - einige Systemtreue, die offenbar viel darum gäben, würden diese Säcke verbrannt.

    Die Opfer gäben auch einiges darum, wenn diese Säcke verbrannt würden - na gut, vielleicht reicht ja Teeren und Federn oder der Rentenentzug bei den alten Säcken auch.

  15. 19.

    Mühselig ernährt sich das Eichhörnchen. Viel Spaß - bei der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
    Noch mehr Leute einstellen, schafft Arbeitsplätze. Oder wer sich betroffen fühlt, kann ja auf freiwilliger Basis mitmachen, das spart Geld und Zeit.

  16. 18.

    Blühender Unsinn. Die SED-Mitglieder, die seinerzeit Verantwortung trugen, sind 70 Jahre und älter und längst im Ruhestand (wenn sie überhaupt noch leben). Es war auch nicht jeder kriminell, nur weil er in der SED war oder dort eine Funktion hatte. Ihre Diffamierung wird auch nicht redlicher, nur weil sie offizieller Agenda entspricht.

    Und daß man sich von Leuten wie Herr K. trennt, ist nur zu begrüßen. Niemand braucht Unsachlichkeit und persönliche Kreuzzüge.

    "Die Geschichtsaufarbeitung in der heutigen Bundesrepublik ist geprägt durch vereinfachte westliche Erfolgsgeschichten auf der einen und durch ostdeutsche Horrorgeschichten auf der anderen Seite. Geschichtsbetrachtung wird von aktuellen Westnormen bestimmt, ostdeutsche Erfahrungen werden marginalisiert. Der Einigungsprozess wird dadurch stark belastet."

    (Prof. Andrew H. Beattie in "Learning from the Germans? History and Memory in German and European Projects of Integration", University of Technology Sydney, 2007)

  17. 16.

    So kann Herr Jahn wenigstens seine Daseinsberechtigung nachweisen. Ansonsten ist die Sache übrig wie ein Kropf. Es sei denn man findet die Akte von Schalk Golodkowsi und seinen Verbindungen in den Westen.

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