Die verwaiste Baustelle der Blütentherme in Werder (Brandenburg) aufgenommen am 20.02.2017. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.01.2019 | Lisa Steger | Bild: dpa/Bernd Settnik

Streit um Blütentherme - Werders Vizebürgermeister wegen falscher Verdächtigung angezeigt

Millionen von Steuergeldern waren schon in die Blütentherme in Werder geflossen, als der Investor absprang. Jetzt wird weitergebaut - vor allem wegen der CDU-Mehrheit im Rathaus. Vizebürgermeister Große wird nun mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Von Ursel Sieber

Neue Etappe im Endlosgerangel um die Blütentherme in Werder: Ein junger Architekt hat gegen den Vizebürgermeister von Werder, Christian Große (CDU), Anzeige wegen falscher Verdächtigung erstattet.

Der Architekt hatte im Sommer 2018 alternative Pläne zum Weiterbau der Therme vorgestellt und war anschließend beschuldigt worden, in genau diese Therme eingebrochen zu sein und Gegenstände gestohlen zu haben. Diese Beschuldigungen gehen offenbar wesentlich auf Aussagen des Vizebürgermeisters Große vor der Kriminalpolizei zurück. Das geht aus Informationen hervor, die dem rbb vorliegen.

Christian Große, Vizebürgermeister in Werder (CDU). (Quelle: cdu-pm.de)
Werders Vizebürgermeister Christian Große (CDU) muss sich mit schweren Vorwürfen auseinandersetzen. | Bild: cdu-pm.de

Verfahren gegen Architekten eingestellt

Ein Jahr lang hatte die Staatsanwaltschaft daraufhin gegen den Architekten ermittelt. Inzwischen sind die Vorwürfe alle vom Tisch, die Staatsanwaltschaft Potsdam hat das Ermittlungsverfahren gegen den Architekten Ende letzten Jahres eingestellt. Der junge Mann sei am Tag des Einbruchs nicht in Werder gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Damit wurden nach umfangreichen Zeugenvernehmungen die Angaben des Architekten bestätigt.

Wegen der Anzeige des Architekten könnte es für den Vizebürgermeister nun ein Nachspiel geben. Die Staatsanwaltschaft prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Christian Große, so der Sprecher der Behörde. Christian Große wollte auf rbb-Anfrage keine Stellung nehmen. Er verwies auf die Staatsanwaltschaft.

Bürgerbegehren legt eigene Pläne vor - vergeblich

Der Vorgang ist nur vor dem Hintergrund des politischen Streits um die Therme in Werder zu verstehen. Anfang 2018 waren bereits 18 Millionen Euro Steuergelder verbaut. Die Therme lag dennoch als halbfertiges Bauwerk da: Die Zusammenarbeit mit dem privaten Projektpartner war komplett gescheitert. Die CDU-geführte Stadtregierung plante, das Großbad mit einem neuen privaten Partner fertigzustellen, und zwar für weitere 30 Millionen Euro Steuergeld.

Dagegen regte sich Protest. Die Wählergruppe "Stadtmitgestalter" initiierte ein Bürgerbegehren und stellte im Sommer 2018 alternative Pläne vor, wie die Therme mit deutlich weniger Geld zu Ende gebaut und anders genutzt werden könnte – Pläne, die unter anderem der junge Architekt ausgearbeitet hatte.

Obwohl genügend Unterschriften vorlagen, wurde das Bürgerbegehren vom Verwaltungsgericht im August 2018 aus formalen Gründen für unzulässig erklärt. Die Stadtregierung unterzeichnete daraufhin den Vertrag mit dem neuen Investor.

Video vom Einbruch

Wenige Monate später, im November 2018, wurde in die noch unfertige Therme eingebrochen und unter anderem Computertechnik gestohlen. Wie vergiftet das politische Klima in Werder ist, zeigt sich daran, wie Kritiker des von der CDU-Mehrheit geplanten Weiterbaus der Therme daraufhin ins Visier der Ermittler gerieten.

Vom Einbruch existiert ein Überwachungsvideo von etwa 15 Sekunden Länge. Man erkennt darauf zwei junge Männer mit weißen Handschuhen und Stöcken, der eine größer als der andere. Die Aufnahmen sind ziemlich unscharf.

Trotz des unscharfen Videos glaubte Werders Vizebürgermeister Christian Große aber die Täter identifizieren zu können – und zwar als Gegner der Therme. Fünf Monate vor den Kommunalwahlen, bei denen die Wählergruppe "Stadtmitgestalter" erstmals antrat, soll Christian Große nach rbb-Informationen bei der Kriminalpolizei zu Protokoll gegeben haben, auf dem Video sei der Kommunalpolitiker Meiko Rachimow von der Wählergruppe "Stadtmitgestalter" zu sehen. Und in der Person daneben meinte Christian Große mit hoher Wahrscheinlichkeit besagten jungen Architekten erkannt zu haben – weil er ihn über seine dienstliche Tätigkeit kenne.

So soll die Blütentherme mal aussehen

Computeranimiertes Bild der künftigen Therme in Werder (Quelle: Schauer & Co.)
| Bild: Schauer & Co.

Anwalt des Architekten: Noch nie etwas mit Große zu tun gehabt

Eine Aussage, über die man sich nur wundern könne, erklärt der Anwalt des Architekten, Stefan Hermann, gegenüber dem rbb. "Nur wenn man jemanden kennt, kann man jemanden auf einem Video auch wiedererkennen", so Hermann. Aber sein Mandant sei direkt nach dem Abitur zum Studium ins Ausland gegangen, komme nur ab und an zu Besuch und sei auch damals nur kurz in Werder gewesen, um für die Gruppe der "Stadtmitgestalter" den Alternativentwurf zur Therme vorzustellen. Mit Christian Große habe er noch nie etwas zu tun gehabt, weder persönlich, noch dienstlich. Darum habe sein Mandant den CDU-Vizebürgermeister angezeigt – schließlich habe er ein Jahr lang mit dem Vorwurf von Einbruch und Diebstahl, mit einer Hausdurchsuchung und Befragung sogar von Universitätskollegen leben müssen.

Gutachter: Rachimow nicht identisch mit Mann im Video

Die Ermittlungen gegen Meiko Rachimow von der oppositionellen Wählergruppe "Stadtmitgestalter" dauern noch an. Zwar besteht zwischen einem der Männer auf dem Video und Rachimow eine gewisse Ähnlichkeit – aber nur, wenn man die beiden Männer von vorne betrachtet. Vergleicht man das Profil des Mannes auf dem Video mit dem Profil von Meiko Rachimow, ist ziemlich eindeutig, dass die beiden Personen nicht identisch sein können.

Genau das hat ein öffentlich vereidigter Gutachter, der Münchner Professor Martin Trautmann vom Institut für forensisches Sachverständigenwesen, Meiko Rachimow bereits im Mai dieses Jahres bestätigt.

Auch Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) erklärte im Mai 2019 mitten im laufenden Kommunalwahlkampf öffentlich, sie habe ihren politischen Gegner und Mitbewerber Meiko Rachimow auf dem Einbrecher-Video erkannt. Wie sich das auf das Wahlergebnis auswirkte, lässt sich schwer sagen. Fest steht: Die "Stadtmitgestalter" kamen am Ende auf 7,1 Prozent der Stimmen.

An der Therme wird derzeit gebaut, nach offiziellen Angaben läuft alles nach Plan. Eröffnung soll 2021 sein – neun Jahre später als ursprünglich geplant.

Beitrag von Ursel Sieber

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wenn man nicht begreifen will, dass diese Badelandschaft für Werder eine Nummer zu groß ist, muss eben diese Kröte geschluckt werden. Für die Zukunft wird diese Badelandschaft für die Einwohner immer ein Zuschussgeschäft bleiben, sofern sie erhalten bleiben will.

  2. 1.

    Ach ja, die lieben Kommunalpolitiker der CDU.. Wer da wohl wieder in welchem Umfang am Deal mit den Privaten verdient...?
    Ein Schelm, wer an Korruption denkt.

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