Wohnungsanzeigen werden rot markiert, Archivbild (Quelle: Imagebroker/Christian Ohde)
Audio: Inforadio | 30.01.2020 | Anna Corves | Bild: Imagebroker/Christian Ohde

Umfrage - Migranten werden bei Wohnungssuche oft diskriminiert

Jeder dritte Wohnungssuchende mit Migrationshintergrund wird auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Besonders betroffen waren der Umfrage zufolge Menschen mit Migrationshintergrund. Von ihnen gaben 35 Prozent an, Diskriminierung erfahren zu haben.

Von einem Migrationshintergrund spricht man, wenn jemand die deutsche Staatsbürgerschaft nicht ab Geburt besitzt oder der mindestens ein Elternteil hat, bei dem das der Fall ist. Befragt wurden in der zweiten Oktoberhälfte vergangenen Jahres 1.041 zufällig ausgewählte deutschsprachige Personen ab 16 Jahren in Privathaushalten in Deutschland.

Vorurteile bei Nachbarn und Vermietern

Die Umfrage offenbart auch Vorurteile in der Bevölkerung: 29 Prozent der Bürger äußerten demnach sehr große oder große Bedenken, wenn in die benachbarte Wohnung oder ins Nachbarhaus eine Person einzöge, die nach Deutschland eingewandert ist. Die Vorstellung, eine eigene Wohnung an sie zu vermieten, sorgte bei 41 Prozent für Bedenken.

Die große Mehrheit der Befragten (83 Prozent) sei der Ansicht, dass Diskriminierung aus rassistischen Gründen, wegen Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder ausländischer Herkunft bei der Wohnungssuche häufig vorkomme. Problembewusstsein und eigene Einstellungen passten jedoch oft nicht zueinander, hieß es.

Diskriminierungen auf dem Wohnungsmarkt seien ein verbreitetes Problem, sagte der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle, Bernhard Franke. Demnach machten rund 15 Prozent aller Befragten, die in den vergangenen zehn Jahren auf Wohnungssuche waren, Diskriminierungserfahrungen aus rassistischen Gründen, wegen der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder der Herkunft aus einem anderen Land.

Stelle schlägt Rechtsänderungen vor

"Oft reicht schon ein fremd klingender Name, um gar nicht erst zur Wohnungsbesichtigung eingeladen zu werden", sagte Franke. Auch offen rassistische Wohnungsanzeigen gehörten "noch immer zum Alltag". Franke fordert Gesetzesänderungen, etwa ein Verbot diskriminierender Wohnungsanzeigen wie bei Stellenanzeigen.

Die Antidiskriminierungsstelle empfiehlt, "rechtliche Schlupflöcher" zu schließen. So gilt das Diskriminierungsverbot im AGG bislang nicht, wenn ein besonderes "Nähe- oder Vertrauensverhältnis" eingegangen wird, etwa bei Nutzung von Wohnraum auf demselben Grundstück. Außerdem dürfen Wohnungsbaugesellschaften zur Vermeidung sogenannter Ghettobildung Wohnungssuchende unterschiedlich behandeln. Beide Regelungen verstoßen laut einem Gutachten gegen Europarecht.

Sendung: Inforadio, 29.01.2020, 14.20 Uhr

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20 Kommentare

  1. 20.

    @Tom, geben Sie einfach zu, dass Sie sich vergaloppiert haben. Mit dem GG können Sie ggü. anderen Menschen keine Rechte einklagen. Daher hat der Staat entsprechen Gesetze geschaffen. Zitieren Sie lieber aus diesen. Oder verklagen Sie den Staat, weil er Ihre Grundrechte nicht ausreichend schützt. Ihre Ausflüchte sind peinlich. Anderen juristische Taschenspielertricks vorzuwerfen, statt einzugestehen, dass Sie falsch argumentieren, ist ja zum Fremdschämen.

  2. 19.

    "Sie sollten selber nicht nur öfter ins GG reinschauen sondern es vielleicht sogar verstehen lernen."

    Das schreibt ausgerechnet einer der behauptet die rechtsextreme AfD würde diskriminiert.

    Bei dem was sie so von sich geben sollten sie ihren eigenen "Ratschlag" beherzigen.

  3. 18.

    Sie können nicht verstehen, nein sie WOLLen nicht verstehen was "Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". aussagt.

    Und damit meine ich nicht ihre formaljuristischen Taschenspielertricks.

  4. 17.

    Ich glaube, Sie verstehen etwas am Grundgesetz falsch. Es heißt zwar, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. So weit, so gut. Aber vielleicht ist ihnen schon aufgefallen, dass es verschiedene Gesetze gibt und auch der Staat die Menschen unterschiedlich behandelt. Wozu bräuchte es sonst z.B. ein Ausländergesetz. Wozu besitzen Abgeordnete oder Diplomaten Immunität. Wie rechtfertigt man vor diesem Artikel eine Sozialauswahl.
    Männer und Frauen sind gleichberechtigt und dennoch gibt es zB. eine Quote, die besagt, dass Frauen zu bevorzugen sind.
    Und zu Nr. 3 braucht man eigentlich nur AfD sagen oder Kirchensteuer für christlichen und evangelischen Glauben und das obwohl obendrein das GG die Trennung von Staat und Kirche vorschreibt.
    Sie sollten selber nicht nur öfter ins GG reinschauen sondern es vielleicht sogar verstehen lernen.

  5. 16.

    Sie zitieren Grundrechte. Nichts anderes habe ich behauptet. Grundrechte sind Schutzrechte des Individuums gegenüber dem STAAT. Wenn Sie so wollen, darf der Staat somit auf der Basis des GG nicht rassistisch sein.

    Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Rassismus als Haltung eines Individuums ein Verbrechen ist, solange er nicht in Tatbestände mündet, die im StGB stehen. Nicht einmal jede diskriminierende Handlung ist ein Verbrechen. Wenn jemand der älteren Kopftuchmuslima aus dem 1. Stock die Haustür vor der Nase zufallen lässt, der jungen blonden Polin aus dem Dachgeschoss aber sogar die Einkaufstüten hochträgt, ist das (vermutlich mehrfach) diskriminierend, aber kein Verbrechen. Höflichkeit ist nicht einklagbar.

    Werden Sie vielleicht nicht verstehen, aber ich mein ja auch nur... over and out

  6. 15.

    Da sie sich im GG offensichtlich nicht auskennen, war ich so frei die entsprechende Stelle harauszusuchen.

    Art. 3 Abs. 3 GG

    (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
    (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
    (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

    Sie sollten da öfter mal reinsehen, für sie ist das sicherlich eine spannende und überraschende Lektüre.

  7. 14.

    Nur zur Information: Im GG stehen Grundrechte. Wenn Sie etwas über Verbrechen lesen wollen, empfiehlt sich das StGB.

    Selbst dort werden Sie aber keinen Hinweis finden, dass Rassismus ein Verbrechen sei. Er kann Verbrechen (Volksverhetzung, Beleidigung, Körperverletzung, Mord) nach sich ziehen, aber minimale Voraussetzung ist zumindest eine Äußerung.

    Thoughtcrimes gibt es bei Orwell, im deutschen Recht glücklicherweise (noch) nicht.

  8. 13.

    Ich kann das zumindest für einen Fall bestätigen.
    Meine Kollegin - türkischer Abstammung, aber spricht akzentfrei Deutsch - rief auf eine Wohnungsanzeige in der aktuellen Tageszeitung an und meldete sich mit ihrem türkischen Namen. Ihr wurde sofort gesagt, dass die Wohnung bereits vergeben sei.
    Sie bat mich, es mal testweise zu versuchen. Ich meldete mich mit meinem schönen deutschen Geburtsnamen und siehe da, ich bekam sofort für den selben Tag einen Besichtigungstermin...

  9. 12.

    Man kann nicht laufend gegen die Bevölkerung Politik machen. Wenn die das nicht wollen, dann soll man sie auch nicht dazu zwingen. Andernfalls muss man sich nicht wundern, wenn die Wähler wegrennen.
    Mietführerscheine wird man nicht umsonst erfunden haben. Also was soll diese zwiespältige Show.

  10. 11.

    Kennen sie den Unterschied zwischen objektiv und subjektiv?

    "Ihre Umfrage klingt fernab der Realität, die ich erfahren musste".

    Ich glaube eher dass ihre Realität von ihrem persönlichen Empfinden geprägt ist und wenig mit der tatsächlichen Realität zu tun hat.

  11. 10.

    Diskriminierung ist verboten und findet auch nicht statt, wenn doch kann man sich wehren. Eine "gefühlte" Lage hat nun gar nichts mit einer tatsächlichen Lage zu tun. Vorurteile - wie entstehen diese und was ist wenn diese sich dann auch noch voll bestätigen?

  12. 9.

    Nur zur Information. Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Wann haben sie das letzte Mal in unser GG geguckt?

  13. 8.

    Diese Umfrage kann ich nicht bestätigen.

    Ich war zwei Jahre in meinem Kiez auf Wohnungssuche und habe einen deutschen Namen. In diesen zwei Jahren hatte ich nur eine Hand voll Besichtigungseinladungen. Bei den Besichtigungsterminen habe ich genau das Gegenteil erfahren: So gut wie immer wurde mit Menschen mit Migrationshintergrund sympathiesiert.
    Bei meinen Spaziergängen hat sich das ebenfalls an den neuen Klingelschildern bestätigt, auch dort wo ich keine Einladung erhalten habe. Neumieter mit deutschem Namen zogen nur selten ein!

    In der Relation behaupte ich genau das Gegenteil. Bestandsmieter haben es oft schwieriger bei der Wohnungssuche, als die die gereist sind.

    Ihre Umfrage klingt fernab der Realität, die ich erfahren musste.

  14. 7.

    Das könnte ich aber bisher nicht feststellen, meine Wohnung die ich abgegeben haben, diese ist von einer der größten sozialen Wohnungsgenossenschaft Berlins, da dürften Asylbewerber einziehen, also ist diese Behauptung wohl hinfällig.

  15. 6.

    Wenn das alles nur Vorurteile sind, dann frage ich mich, wozu es einen.. heißt das Mietführerschein oder Wohnungsführerschein gibt. Das ist ja eine Diskriminierung in sich selbst. Von Amtswegen.
    Ich sehe schon Zwangsvermietungen und Enteignungen. Vermieter können nur noch die Wohnung mit Geld bezahlen und sind dann rechtlos. Das ist ja quasi heute schon fast so.

  16. 5.

    die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, beklagt.... was aber leicht vorhersehbar war

    dann soll doch der Bund für Wohnraum sorgen, will und kann er wohl nicht, jedenfalls nicht schnell, sind ja auch gerade mal 4 Jahre ins Land gegangen

  17. 4.

    " Auch offen rassistische Wohnungsanzeigen gehörten "noch immer zum Alltag".

    es liegt doch ( noch ) in der Entscheidung des vermieters an wen er den Wohnraum vermietet

  18. 3.

    "Besonders betroffen waren der Umfrage zufolge Menschen mit Migrationshintergrund. Von ihnen gaben 35 Prozent an, Diskriminierung erfahren zu haben."
    Oha.. ich fühlte mich bei meiner ersten Wohnungssuche auch diskriminiert. Ich war jung und verdiente nur sehr wenig Geld. Soll heißen: sich diskriminiert fühlen, ist ein subjektives Empfinden. Wer z. B.!!! Mietschulden hat und aus der letzten Wohnung u. a. wegen Störung des sozialen Friedens rausgeflogen ist, hat nun mal schlechte Karten. Auch Vermieter tauschen sich aus.
    Gesetzeslücken dürfen und müssen!!! selbstverständlich gestopft werden. Im Endeffekt entscheide jedoch immer noch ich selbst, wem ich mein Eigentum per Mietvertrag überlasse! Alle Wirte, welche nicht an die AfD vermieten wollen, werden mir beipflichten.

  19. 2.

    schlechte Erfahrungen sind die Ursache - immer zum Nachteil der Vemieter bzw. der Mitbewohner, näheres lässt sich in zahlreichen Kommentaren verschiedener Medien nachlesen

  20. 1.

    Leider nicht überraschend.

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