Ein Wolf in einem Waldstück. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Prävention zeigt offenbar Wirkung - Zahl der Wolfrisse ist in Brandenburg rückläufig

41 Rudel und acht Wolfspaare leben mittlerweile in Brandenburg - so viele wie in keinem anderen Bundesland. Dennoch ist die Anzahl der gerissenen Nutztiere 2019 zurückgegangen. Experten sagen: Das liegt an den guten Schutzmaßnahmen.

Die Zahl der Wolfrisse von Nutztieren ist in Brandenburg zurückgegangen. Von Januar bis Ende September 2019 wurden nach Angaben des Agrarministeriums 291 Schafe oder Rinder getötet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren rund 330 Nutztiere gerissen worden, bei denen der Wolf entweder als wahrscheinlicher Verursacher galt oder als Verursacher nicht auszuschließen war. Im gesamten Jahr 2018 waren es rund 400 Tiere gewesen. 

"Das macht mich richtig stolz", sagte Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg. Der Rückgang sei ein Erfolg der konsequenten Herdenschutzmaßnahmen seiner Berufskollegen. In den vergangenen zwei Jahren habe kein Wolf diesen Schutz überwunden und getötet werden müssen. "Die Förderung von Präventionsmaßnahmen durch das Land hat sich gelohnt", sagte er.

Betroffene Nutztierarten 2019 (01.01.2019 - 30.09.2019), Rissstatistik Brandenburg. (Quelle: rbb|24/Rossel/Winkler)
Bild: rbb|24/Rossel/Winkler

Einzelfallentscheidung, ob Wölfe geschossen werden

Ende April, zum Abschluss des Monitoringjahres 2018/2019, konnten nach Angaben des Umweltministeriums im Land 49 Wolfsterritorien mit 41 Rudeln und 8 Paaren nachgewiesen werden. In vier weiteren sei noch unklar, ob dort ein Einzelgänger, ein Paar oder ein Rudel lebe. Brandenburg hat nach den neuesten Zahlen des Bundesamtes für Naturschutz und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) damit Sachsen von Platz 1 als Land mit den meisten Wölfen abgelöst.

"Die vom Bundestag beschlossenen neuen Regelungen stützen unsere Wolfsverordnung", sagte Ministeriumssprecherin Frauke Zelt. Es sei weiterhin eine Einzelfallentscheidung, ob Wölfe geschossen würden. "Prävention steht weiter an erster Stelle", sagte sie. Tötungen der unter Schutz stehenden Wölfe könne es nur geben, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft seien. Es bleibe dabei: Der Wolf dürfe nicht gejagt werden. Zelt sagte aber auch, es werde geprüft, ob die brandenburgische Wolfsverordnung angepasst werden müsse.

Eine Million Euro für Herdenschutz

2019 wurden nach Ministeriumsangaben fast eine Million Euro für Herdenschutzmaßnahmen ausgegeben. Im Jahr zuvor waren es 800.000 Euro Förderung für Präventionsmaßnahmen. Es werde davon ausgegangen, dass es auch 2020 weiteren Bedarf bei Weidetierhaltern gebe, hieß es. Besonders im Norden Brandenburgs, wo flächendeckend noch keine Wölfe siedeln, haben noch nicht alle Tierhalter geeignete Herdenschutzmaßnehmen.

Meist geht es um technischen Herdenschutz, vor allem um den Kauf von Elektrozäunen. Auch die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden wird finanziell unterstützt. Die Europäische Kommission hat Anfang 2019 die Förderung von Investitionen in den Herdenschutz von 80 auf 100 Prozent aufgestockt.

Unterstützung ist existenziell

Schäfer Kucznik betonte, dass auch künftig die Unterhaltung der Zäune und der Hunde - allein für Futter, Arzt und Betreuung fallen im Jahr rund 5.000 Euro an - gefördert werden müssten. "Dazu setzen die Schäfer auch noch viel Arbeitszeit ein, um die Wölfe von den Herden fern zu halten", sagte er.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.01.2020, 5:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

18 Kommentare

  1. 18.

    Tiere entwickeln aufgrund Erfahrungen immer neue Strategien, passen sich an um zu überleben und die Spezies zu erhalten, Menschen hingegen neigen dazu, zu zerstören was ihnen nicht passt und nicht ins Konzept passt, oder es so zu verändern, daß der Effekt einen kurzen Nutzen hat. Kurz im evolutionären Sinne, nicht im menschlichen Zeitgefüge.
    Und Ihre angeführten zeitgeschichtlichen, nicht in unsere Zeit passende Argumentation beleuchtet auch nicht die Umstände, was zu diesen Dingen geführt hat: gab es klimatische, natürliche oder evolutionäre Gründe für alles? Können Sie mir fundierte sachliche oder wissenschaftliche Gründe, die auch erwiesen sind, belegen?
    Es gibt zig Dokus, die sich auf die Entwicklung der Erde, Jahrtausende zurück, wissenschaftlich stützen. Dann haben Sie doch sicher auch Quellen, die wissenschaftlich fundiert sind.

  2. 17.

    Jaja, damals war's. Sie berufen sich auf alte überlieferte Zahlen. Welches Jahr haben wir? Ich glaube 20.....20 - stimmt, wir leben immer noch in der Vergangenheit und es gibt keinerlei Fortschritt und erfahrungsbedingte, evolutionäre Entwicklung, stimmts?
    Ihre Argumente sind schwach und altbacken. Oder sind Sie der Annahme, der Mensch wäre angeblich die einzige Spezies auf dem Planeten, die sich weiterentwickelt?
    Das, was man sehen und jeden Tag mitbekommen kann, ist, daß der Mensch sich so entwickelt, dass er seine Lebensgrundlage zerstört. Zeigen Sie mir eine Tierart, die das Gleiche zu tun imstande ist.
    In Gegenteil: es ist erwiesen, dass Tiere, wie z. B. Raben und auch Wölfe Erfahrungen weitergeben und sich ihr Verhalten ändert: Wolf-durch die Ausrottung durch den Menschen entstand Meideverhalten.

  3. 16.

    Dass Wölfe keine Wildschweinrotten angreifen würden, stimmt nicht. In der Lausitz wurde beobachtet, wie Wölfe solche Rotten sehr wohl angreifen, um dann blitzschnell abgetrennte Frischlinge zu erlegen. Damit wird der Schweinebestand auch in Grenzen gehalten. An erwachsenes Schweine direkt wird ein Rudel dagegen tatsächlich nur im Notfall herangehen, das ist wohl wahr, zumindest solange diese gesund und stark sind.

  4. 15.

    Erstens ist ein Teil der Nahrung des Wildes schon immer der Waldbewuchs und wird sich auch nicht ändern. Die Zerstörung des Waldes durch Wild gegenüber die des Menschen dürfte heute nicht relevant sein. Neubepflanzungen des Waldes werden übrigen schon seit Jahrzehnten mit Schutzzäunen gegen „Wildverbiss“ versehen. Zweitens greift ein Wolf niemals eine gesunde Wildschweinrotte an, da diese Tiere sich gegenüber ihm mächtig zu Wehr setzen. Und daher geht er lieber nach den einfachen Herdentieren, ähnlich wie ein Buffet für den Menschen. Da Herdentiere und "neue Bäume" mit Sicherheitszäunen geschützt werden müssen, wird dieses sicherlich auch für den Blumengarten funktionieren. Tierschutz sollte alle Tiere betreffen. Sie konzentrieren sich leider in ihren Behauptungen nur auf den Wolf. Dieses Phänomen erkennt man bei all jenen, die eigentlich nichts vom Wald und deren Leben darin verstehen und ihre Bildung in den Zeitungen mit den großen Buchstaben suchen. docta ignorantia

  5. 14.

    1810/11 wurden innerhalb weniger Monate im Raum Viersen/Roermond 12 Kinder von Wölfen getötet.
    1812 - also ein Jahr später - veröffentlichten die Gebrüder Grimm ihren ersten Band der Hausmärchen.
    Zwei Jahre später - 1814/15 - wurden im Kreis Wongrowitz (Provinz Posen) 28 Kinder getötet. 1820 zählte man dort 16 tote Kinder und 3 Erwachsene.

    Ein Forscherteam um den französischen Historiker Jean-Marc Moriceau hat historische Aufzeichnungen von 10.000 (in Worten: "zehntausend") Wolfsangriffen auf Menschen im Frankreich der letzten Jahrhunderte zusammengetragen (Stand 2016).

    So, und jetzt bringen Sie bitte mal vernünftige Argumente anstatt Ihres typischen Populismus und Ihrer typischen Beleidigungen. Schaffen Sie das?

  6. 13.

    Jaja, Sie "würden". Mir Panik zu unterstellen, ist unredlich. Aber im Gegensatz zu Ihnen habe ich mich mit der Geschichte des Zusammenlebens zwischen Wolf und Mensch befaßt. Wenn Sie glauben, der Wolf der Gegenwart sei ein anderer als der des 18. und 19. Jahrhunderts, oder der Wolf in Deutschland sei ein anderer als in China oder Rußland, dann glauben Sie ruhig.

    Die Tiere heißen nicht Hirtenhunde sondern Herdenschutzhunde. Und KEIN Hobbytierhalter kann sie sich leisten. Zudem sind sie gefährlich für Spaziergänger. Wenn Sie Ihren Einsatz gut finden, stehen Sie wahrscheinlich auch auf Hundekämpfe. Ekelhafte Tierquälerei. Es gab hier bereits blutige Kämpfe zwischen Wölfen und HSH. Der Wolf sieht eben NICHT immer von einem Angriff ab. HSH sind auch nicht bei jeder Tierart einsetzbar.

    Wölfe sind klüger als die meisten Kommentatoren hier. Sie ERLERNEN ihr Verhalten und passen es an. Und sie lernen gerade, daß vom Menschen keine Gefahr ausgeht. Siehe List of Wolf Attacks.

  7. 12.

    Statt sich konstruktiv zu beteiligen, reden Sie lieber das schlecht, was belegbar an, aus Sicht der Züchtenden, Verbesserungen zu verzeichnen ist. Die Tendenz zum Postfaktischen lässt sich bei Hetzenden eben nie ganz abschütteln. Wer sich für Wölfe interessiert, viel von frei verfügbarer Bildung und Informationsmaterialen, z.B. auf den Seiten des Landesamtes für Umwelt Brandenburg, hält, macht sich lieber ein eigenes Bild, als Schablonen von märchenhaften und bizarr verzerrten Schauergeschichten zu folgen bzw. zu glauben.

    Das unbegrenzte Wachstum von Wolfspopulationen, das einige Hetzende mit besonders wenig Wissen über Verhaltensbiologie des Wolfes behaupten, wird durch reale Beobachtungen, inkl. Zahlen regelmäßig widerlegt.

    Wer mit dem Kostenargument ankommt, hat nur sehr wenig Kenntnisse über die Schäden durch Schalenwild - oder deren enorme Abschussrate pro Jahr.

    Der Ausbau der Hilfen, inkl. Hundehaltungskosten, ist konsequent und sehr zu begrüßen.

  8. 11.

    Ihre Panik scheint mir reichlich übertrieben. In der Lausitz funktioniert das Nebeneinander von Wolf und Mensch längst bestens, kein spielendes Kind wurde dort angegriffen, obwohl die Dörfer teils mitten im Wolfsrevier liegen. Insofern hätte ich tatsächlich auch kein Problem, meine Kinder da toben zu lassen. Einen Wolf würden die so nie zu Gesicht bekommen.
    Bezüglich der Zäune: Die müssen nicht unüberwindbar für Wölfe sein. Wenn sich dahinter Hirtenhunde gefunden, wird der Wolf vom Angriff absehen, da er sich keine Verletzungen leisten kann. Die Natur ist grausam und Verletzung bedeutet für Raubtiere den Tod. Er wird sich also seinem Instinkt folgend eine gefahrlosere Beute aussuchen. Genau deshalb hat er auch Scheu vorm Menschen, er kann die Gefahr nicht einschätzen, die von diesem Zweibeinwesen ausgeht. Also macht er lieber einen Bogen drum herum. Durch falsches Verhalten kann der Mensch diese Schranke aber leider durchbrechen.

  9. 10.

    Der typische Populismus. Haben Sie keine vernünftigen Argumente auf Lager oder nur dieses ewige Panikgefasel wegen traumatischer Märchen in der Kindheit?

  10. 9.

    ...wenn ich diese Zahlen mit Niedersachsen vergleiche, dann komme ich u einem anderen Bild:
    von Januar bis Ende September fanden laut NLWKN 61% der dokumentierten Übergriffe auf Nutztiere statt, das heißt 39% der Übergriffe in den noch nicht genannten letzten drei Monaten. Diese Zahlen auf Brandenburg übertragen hieße, dass statt der angegebenen 291 Tiere (=61%) für 2019 insgesamt 477 (=100%) gerissene Tiere zu erwarten wären.

    Weniger Risse sehe ich da nicht...

  11. 8.

    Am besten ausrotten, wa? Und sich dann wundern warum das Wild den Wald kaputtfrisst und den Vorgarten immer von Wildschweinen gepflügt wird.

  12. 7.

    Warum sollte er lernen, daß er "Sicherungen besser nicht überwindet", wenn dahinter die Belohnung lockt oder wenn er damit ein Erfolgserlebnis hat? Das ist unlogisch. Wolfssichere Zäune können Sie sich übrigens im Tierpark bewundern: 3 m hoch und mit Untergrabschutz. Alles andere kann durchaus von Wölfen überwunden werden, wenn sie wirklich wollen.

    Aber richtig spannend wird das Freilandexperiment doch erst, wenn bei steigender Wolfsdichte der Wildtierbestand wieder auf das Normalmaß wie im Mittelalter geschrumpft sein wird.

    Apropos 4 Beine: Dann haben Sie sicher auch nichts dagegen, wenn ihre Kinder im Wolfsrevier spielen. Die haben ja nicht 4 Beine. Sie haben doch Kinder, oder? Und Sie wohnen doch auf dem Land, oder? In meiner Kindheit war es jedenfalls normal, sich auch in der freien Natur zu bewegen. Das hatte was mit Lebensqualität zu tun.

  13. 6.

    Bitte nochmal richtig lesen: "291 Schafe oder Rinder getötet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren rund 330 Nutztiere gerissen worden" - das sind also nicht 12, sondern 39 Tiere weniger, knapp 12%. "Respekt vorm Menschen"? Respekt vor einem Wesen, das Milliarden dafür ausgibt, Mordwerkzeuge herzustellen, mit denen wir uns gegenseitig umbringen können, Respekt vor einem Wesen, das seine eigenen natürlichen Lebensgrundlagen zerstört und die vieler anderer Lebewesen bereits zerstört hat? - Ebenfalls "lächerlich".

  14. 5.

    An der Stelle fehlen noch die Zahlen von den Hobbyzüchtern, für die sich die teuren Herdenschutzmaßnahmen nicht rechnen und schon lange aufgegeben haben. Schön schön geredet/ geschrieben

  15. 4.

    Unter einer steigenden Population von Wölfen ist das doch schon mal ein großer Erfolg. Was soll eine Dezimierung des Wolfsbestandes denn an dessen Verhalten gegenüber unbewachten Herden ändern? Für den Wolf ist erst mal alles potentielle Beute, was vier Beine hat. Das ist sein Instinkt. Ob das eine Herde Rehe oder Schafe ist, macht erst mal wenig Unterschied. Er lernt aber sehr wohl, dass man Sicherungen für Herden besser nicht überwindet. Also hilft nur angemessene Herdensicherung.

  16. 3.

    Die Vergleiche beziehen sich jeweils auf die Vergleichzeiträume. Die Zahlen für das vierte Quartal 2019 liegen bisher nicht vor.

  17. 2.

    Wenn man da mal den Dreisatz bemüht, kommt man aufs Jahr 2019 mit 12 Monaten statt 9 auf 388 gerissene Tiere. Im Vergleich zum ganzen Jahr 2018 mit 400. 12 gerissene Tiere weniger. Na wenn das kein grandioser Erfolg der Maßnahmen ist. Da kann man sich doch ruhig mal anständig feiern. Lächerlich sowas. Von der sinnlosen Geldverschwendung garnicht zu reden. Wolf dezimieren käme deutlich billiger und würde wirklich Erfolg bringen. Und den Wolf lehren, Respekt vorm Menschen zu haben, was bei einem solchen Raubtier zwingend erforderlich ist.

  18. 1.

    Von Januar bis Ende September 2019. Da fehlen aber gut drei Monate am Jahr. Die Zahlen aus 2017 und 2018 sind aber aufs ganze Jahr gerechnet. Klar das die Zahlen so niedriger sind. Das ist doch beschönigende Augenwischerei.

Das könnte Sie auch interessieren