Autobahnkreuz Funkturm, Charlottenburg, Berlin, Deutschland |
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Demonstration in Charlottenburg angekündigt - Anwohner protestieren gegen Umbau des Dreiecks Funkturm

Das Autobahndreieck Funkturm soll umgebaut werden. Anwohner in Charlottenburg fürchten, dass sich dadurch Teil des Verkehrs dauerhaft in ihre Wohngebiete verlagert. Am Samstag demonstrieren sie. Von Thomas Rautenberg

Das Dreieck Funkturm ist die größte Engstelle der Berliner Stadtautobahn. Mehr als 230.000 Fahrzeuge nutzen das Autobahnkreuz täglich. Es ist der wichtigste, innerstädtische Autobahnknoten, hier treffen der Verkehr von Avus und Stadtautobahn A100 aufeinander.

Das Problem: Die insgesamt 25 Brückenbauwerke sind über die Jahre verschlissen und müssen dringend erneuert werden - und das bei laufendem Verkehr. 2023 soll der Umbau beginnen - er wird sich nach jetzigem Stand mindestens sieben Jahre hinziehen.

Viele Anwohner und Bezirkspolitiker halten die Art der Umsetzung offensichtlich für falsch. Am Samstag wollen sie dagegen protestieren. Der Siedlerverein Eichkamp hat die Demo am Vormittag in der Eichkampstraße angemeldet [umbaudreieckfunkturm.de].

Der Umbau des Autobahndreiecks Funkturm in Berlin-Charlottenburg: Diese Grafik zeigt, wie und wo der Verkehr dort heute fließt (Quelle: rbb|24 / Heep).
So läuft der Verkehr am Dreieck Funkturm heute.Bild: rbb|24 / Heep

Auftraggeber sind der Bund und das Land Berlin

Verantwortlich für die Planungen und den Bau sind der Bund und das Land Berlin. Allerdings hat der Bund seine Verantwortung mit einer sogenannten Auftragsbevollmächtigung an den Berliner Senat weitergegeben - der muss sich nun allein darum kümmern.

Die Planung selbst erledigt im Auftrag des Senats die bundeseigene Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) - und die hat einen Planentwurf vorgelegt, der viele Irritationen und noch mehr Protest hervorgerufen hat.

Es ist nicht der geplante Umbau des Autobahndreiecks als solcher, der die Betroffenen vor Ort verärgert, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Planer Tatsachen schaffen wollen. Grundlage für den Planungsentwurf sind beispielsweise die Festlegungen, wonach auf einer Autobahn mindestens Tempo 80 oder schneller möglich sein muss. Ein- oder Ausfahrten müssen einen Mindestabstand von 800 Metern haben, damit es auf der Autobahn sicherer wird.

In dieser Logik will die Deges sieben Ein- und Ausfahrten am künftigen Dreieck Funkturm kurzerhand streichen. Darunter ist auch die bisherige Ausfahrt Messedamm, über die täglich bis zu 45.000 Fahrzeuge Richtung Westen, nach Spandau durch nahezu unbewohntes Gebiet abgeleitet werden.

Der Umbau des Autobahndreiecks Funkturm in Berlin-Charlottenburg: Diese Grafik zeigt den Umbauvorschlag der DEGES (Quelle: rbb|24 / Heep).
So will die DEGES das Autobahndreieck umbauen lassen. Der Vekrehr würde dann auch durch die Knobelsdorffstraße und Jafféstraße geleitet.Bild: rbb|24 / Heep

Anwohner beklagen, Verkehr werde in ihre Straßen verdrängt

Dafür soll es drei neue Anschlussstellen geben, nämlich an der Waldschulallee im Süden, an der Knobelsdorffstraße im Norden und am Rathenauplatz. Der Verkehr werde damit künftig in die Wohngebiete verdrängt, beklagen die Anwohner. Für mehr Sicherheit auf der Autobahn werde mehr Unsicherheit auf den Stadtstraßen in Kauf genommen, so ihre Kritik.

Besonders umstritten ist eine geplante Anschlussstelle an der Waldschulallee. Tausende Fahrzeuge würden sich täglich von der Avus in Richtung Jafféstraße oder Messedamm durch das Wohngebiet stauen, fürchten die Anwohner. Noch dazu müsste die gesamte Avus für die Überfahrt um mehrere Meter angehoben und über zehn Meter hohe Schallschutzwände entlang der Trasse errichtet werden. So sehe eine Stadtplanung auf Kosten und nicht im Sinne der Menschen aus, hieß es kürzlich auf einer Bürgerversammlung in der Siedlung Eichkamp.

Bezirk macht eigenen Vorschlag

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte bereits im Herbst einen Gegenvorschlag zur Deges-Planung vorgelegt. Danach sollte die geplante Anschlussstelle Waldschulallee Richtung Norden, also Richtung Messedamm, bis hinter die denkmalgeschützte Avus-Tribüne verschoben werden. Fahrzeuge Richtung Spandau müssten dann nicht mehr das Siedlungsgebiet queren, sondern könnten gleich auf der Jafféstraße oder dem Messedamm weiterfahren. Bislang hat die Deges den Gegenvorschlag noch nicht einmal geprüft, beklagt der Bezirksbürgermeister Reinhard Naummann (SPD).

In der vergangenen Woche spürte der Berliner Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) bei einer Bürgerversammlung den Widerstand: Unter dem Beifall der Anwohner sprach Bezirksbürgermeister Naumann von einer menschenunwürdigen Planung, die so nicht umgesetzt werden könne.

Der Umbau des Autobahndreiecks Funkturm in Berlin-Charlottenburg: Diese Grafik zeigt den Umbauvorschlag der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf (Quelle: rbb|24 / Heep).So sieht der Vorschlag der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf aus - er würde die Jafféstraße schonen.

Bezirksstadtrat fordert gesonderte Prüfung durch Sachverständige

Die Grünen-Abgeordnete Petra Vandrey kündigte an, dass ihre Fraktion im Abgeordnetenhaus einen Antrag einbringen werde, mit dem der Senat als Mitauftraggeber des Bauvorhabens zu Nachbesserungen verpflichtet werden soll.

So soll die Geschwindigkeitsvorgabe auf dem Autobahndreieck herabgesetzt und auf die Anschlussstelle Waldschulallee verzichtet werden. Kurvenradien könnten dadurch verkleinert und die Belastung der Stadtstraßen deutlich verringert werden. Es gehe um eine stadtverträgliche Lösung und um eine menschenwürdige Planung gleichermaßen, argumentierte die Grünen-Abgeordnete.

Der Alternativvorschlag des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf soll vom Senat zur Planungsgrundlage für Deges gemacht werden. Auch der grüne Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger forderte zumindest eine unabhängige Prüfung des Bezirksvorschlags. Nicht nur durch die Deges-Planer, wie er sagte, sondern durch unabhängige Sachverständige.

Deges lädt Bürger zu zwei Themenwerkstätten ein

Falk von Moers, Leiter der Arbeitsgruppe Verkehr im Siedlerverein Eichkamp, zeigt sich überzeugt, dass sich die Anwohner am Autobahndreieck Funkturm nicht mit leeren Versprechungen abspeisen lassen werden. Deges könne nicht einfach eine Autobahn planen, ohne auf den Rest der Stadt Rücksicht zu nehmen, sagte von Moers. Und das werde man den Autobahnplanern bei der bevorstehenden Demonstration schon klarmachen.

Die Planer wiederum wollen mit den Betroffenen ins Gespräch kommen und bieten deshalb an zwei Terminen eine Themenwerkstatt im Westhafen an. Am 26. und 27.Februar [deges.de] sollen Bürger dort jeweils ab 17 Uhr den Fachplanern und externen Experten Fragen stellen und Hinweise für die Planung geben können. Der Eintritt kostet nichts, Besucher sollten sich aber vorab online anmelden.

Sendung: Inforadio, 22.02.2020, 07:04 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

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16 Kommentare

  1. 16.

    Warum werden Ausfahrten auf unbewohnten, sehr gut ausgebauten, teilweise achtspurigen Straßen (Messedamm) geschlossen und in Wohngebiete (Knobelsdorffstr., Waldschulallee) mit wesentlich kleineren Zufahrtsstraßen gelegt? Allein im Bereich Waldschulallee/Jafféstraße gibt es tausende von Schülern (sechs Schulen, davon vier Grundschulen), die dort jeden Tag ihren Schulweg bestreiten müssen! Die Verlagerung in die Wohngebiete hilft keinem: nicht den Schülern, nicht den Pendlern (die dort im Dauerstau stehen werden), nicht der Umwelt (mehr CO², weil längere Umwege durch die Stadt, mehr Staus) und nicht den Menschen in West-Charlottenburg, die den Zubringerverkehr durch die jetzige Planung in ihren Wohnstraßen haben werden. Daher verstehe ich die Kommentare hier zum Teil nicht. Damit es schnell geht, sollen alle Pläne sofort angenommen werden? Völlig egal, wie menschenfeindlich und ineffektiv diese sind?

  2. 15.

    Weshalb wartet man nicht einfach bis 2040, bis dahin gibt es keine Berufspendler bzw. arbeitende Bevölkerung mehr in Berlin, sondern nur noch grüne Demo-Studenten und Sozialhilfeempfänger.
    Das spart ne Menge Geld. Die A100 braucht dann keiner mehr und kann abgerissen und zum Radweg umgebaut werden.

  3. 14.

    Es wäre begrüßenswert, wenn mancher, der hier einen Kommentar verfasst, sich wenigstens richtig informieren würde. Es geht nicht darum, einen Umbau zu verhindern, sondern eine für alle Anwohner (das sind nicht nur die Eichkamper) verträglichere Lösung zu finden. In dem Bereich Waldschulallee/ Jafféstraße befinden sich 6 Schulen (u.a. eine Schule für hörgeschädigte Kinder), 4 Kitas und mehrere Sportstätten. Ich lebe seit fast 60 Jahren in Eichkamp, Villen habe ich hier noch nicht gefunden. Die Siedlung ist vor ca. 100 Jahren gebaut worden und besteht hauptsächlich aus Reihenhäusern. Als meine Großmutter das Haus gekauft hat, hat sie bestimmt nicht an einen Autoverkehr von 230.000 KFZ/Tag gedacht, der übrigens bei Ostwind auch sehr gut zu hören ist, da die Lärmschutzwand genau da endet, wo Tempo 100 anfängt. Für alle, die sich wirklich eine Meinung bilden wollen, einfach mal bei www.umbaudreieckfunkturm.de reinschauen oder einen Spaziergang durch die Siedlung planen.

  4. 13.

    Zu nah das Haus an der Autobahn gekauft, Pech gehabt. Es dauert doch nur sieben Jahre, beschweren Sie sich lieber darüber. Hunderttausende Pendler oder Sie? Wie wir es ausgehen? Wetten können noch abgegeben werden. Mein Einsatz steht fest - im Eichkamp wirds lauter.

  5. 12.

    Ein Umbau mit verbreiterten Zu-und Abfahrten sind schon lange erforderlich, um die bestehenden Belastungen zu verringern. Die betroffenen Anwohner werden mit Schallschutzwänden vom Lärm, ähnlich wie schon an der A115, verschont. Zukunft orientierte und Hauptstadt gerechte Verkehrsentwicklungen sollte nicht gänzlich von einer Minderheit verhindert und verzögert werden. Beschleunigte Verfahren, wie beim Aufbau Ost, könnten angewendet werden.

  6. 11.

    "Sonja" sollte sich einmal die Siedlung ansehen und würde dann feststellen, dass hier keine "Freizeitler " in ihrem Schrebergarten sitzen, sondern Eichkamp eine Wohnsiedlung ist. Im Übrigen hat die heutige Demo deutlich gemacht, dass nicht nur die Eichkamperinnen und Eichkamper die Pläne der DEGES in ihrer jetzigen Form ablehnen, sondern selbst die Bewohner rund um die Knobelsdorffstraße und anderer Wohnbereiche erhebliche Nachteile für sich sehen - und das, obwohl bei Betrachtung der Päne klar wird, dass der Umbau des Dreiecks keine Besserung der Stausituation mit sich bringt.

  7. 10.

    Ich kann mich den vorangegangenen Kommentaren nur anschließen. Zu einer Stadt von der Größe Berlins gehören leistungsfähige Autobahnen mit angemessen dimensionierten Anschlüssen dazu. Der Quell- und Zielverkehr kann häufig gar nicht durch den ÖPNV abgedeckt werden. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen.

    Hätte man damals die Westtangente fertig gebaut, gäbe es heute übrigens keine derartig überlastete A 100.
    Die Bewohner der Eichkamp-Siedlung sind mit Sicherheit alle fleißige Radfahrer, die niemals das schöne neue Autobahndreieck nutzen werden.
    Und die merkwürdigen BVV-Beschlüsse der letzten Zeit aus Charlottenburg-Wilmersdorf sowie Tempelhof-Schöneberg mit ihren realitätsfernen Ansinnen werden den verkehrspolitischen Notwendigkeiten auch nicht gerecht.

  8. 9.

    In diesem Fall kann ich die Kritik der Anwohner gut nachvollziehen. Kaiserdamm und neue Kantstraße sind enorm wichtige Ost-West-Verkehrsachsen. Von Süden, also von der Avus oder dem südlichen Stadtring kommend, fährt man aktuell am Messedamm ab, anschließend auf dem Messedamm zum Kaiserdamm. Wie soll das zukünftig funktionieren, wenn man dort nicht mehr abfahren kann? Den Umweg über die Jaffestraße nehmen? Parallel zur Avus auf dem Messedamm fahren und dann die eine (1!) Linksabbiegerspur vor dem ICC benutzen? Wenn man unbedingt die Anzahl der Anschlusstellen reduzieren möchte, dann soll man bitte den Anschluss Knobelsdorffstr. von/nach Süden schließen und dafür den Anschluss Messedamm erhalten. Alles andere wird zu Chaos und kilometerlangem Stau auf den Stadtstraßen führen. Oder noch besser: endlich eine Abfahrt direkt am Kaiserdamm schaffen, dann braucht man weder Messedamm noch Knobelsdorffstr.

  9. 7.

    Berlin ist eine wachsende Stadt mit vielen Pendlern. Viele Menschen möchten individuell mobil sein; zahlreiche Arbeitnehmer aud Umland müssen auch individuell mobil sein. Dem wird Rechnung getragen. Es gibt einen immer weiter verbreiteten individuellen Egoismus. Man möchte fahren und reisen. Die Infrastruktur soll aber nicht im eigenen Umfeld gebaut werden. Das sieht man beim Protest gegen Bahntrassen und Windräder. Autobahnen und Kohlekraftwerke möchte man aber auch nicht. So geht es nicht im Industrieland Deutschland.

  10. 6.

    Was ist wichtiger, Siedlerverein Eichkamp, also Freizeitler, oder eine Ersatzstrecke der Bundesautobahn die die Berufstätigen von A nach B bringt? Unglaublich wer hier was zu melden hat.

  11. 5.

    Die wohlhabenden Leute vom Villen Viertel am Eichkamp wollen ihren Willen zum Schaden der ganzen Stadt durchsetzen. Die Interessen der Gesamtbevölkerung Berlins müssen Vorrang haben. Ich wohne auch in der Gegend und habe nichts gegen die Umbaumaßnahmen.

  12. 4.

    Es geht doch aber bei dem Protest darum, dass nach der aktuellen Planung künftig mehr Verkehr durch Wohnstraßen fließen soll, nicht nur während der Bauzeit. Das ist natürlich nicht sinnvoll und daher verstehe ich das Aufbegehren der Anwohner auch. Dass dringend saniert werden muss und daher die Planungen schnell voran gehen sollten, da stimme ich mit Ihnen überein.

  13. 2.

    Ein sehr guter Beitrag, da ich ja hier am Kaiserdamm wohne bin ich ja auch betroffen. Der Verkehr hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen und es braucht dringend Baumaßnahmen, warum wird bis 2023 gewartet?
    Der Verkehr ist schon seit Jahren in den Nebenstrassen und für die Anwohner ist das wahrlich nicht schön, aber jetzt dagegen demonstrieren ist Blödsinn , was soll das denn bringen.
    Alles rund um den Funkturm und Messe muss erneuert werden und zwar jetzt und nicht 2023.
    Den Menschen kann man auch nichts recht machen wird gebaut gefällt es irgendeinen nicht , wird nichts gebaut ist es auch nicht richtig. Hört auf zu meckern. Inovation ist gefragt und nicht welcher Vorschlag nun besser ist oder nicht.

  14. 1.

    Na klar, irgendwer demonstriert heute immer gegen irgendwas.

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