Der Trasport Berlkönig der BVG fährt in Berlin-Kreuzberg über eine Straße (Bild: dpa)
Video: Inforadio | 13.02.2020 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa

Millionenforderung der Verkehrsbetriebe - Rot-Rot-Grün und BVG finden keine Einigung beim Berlkönig

Für die BVG ist der Berlkönig ein Prestigeprojekt, allerdings ein teures. Wo das Geld herkommen soll, ist unklar. Gespräche zwischen rot-rot-grünen Verkehrsexperten und der BVG blieben am Donnerstag ohne Ergebnis. Nun droht das Aus - mitten in der Pilotphase.

Der Berlkönig, das Sammeltaxi-Angebot der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), könnte schon bald Geschichte sein. Gespräche zwischen Verkehrsexperten der rot-rot-grünen Koalition und der BVG haben nach Informationen des rbb am Donnerstag zu keinem Ergebnis geführt.

Gestritten wird vor allem über Geld. Die BVG sagt, sie habe von Anfang an klargemacht, dass der BerlKönig mit seinem US-Partner, dem Uber-Konkurrenten ViaVan (an dem zur Hälfte auch Mercedes beteiligt ist), nur zwei Jahre laufen werde. Um den Fahrdienst berlinweit anbieten zu können, würden 43 Millionen Euro benötigt, hatte die BVG in der vergangenen Woche mitgeteilt - sonst würden die Kooperationspartner im April ausscheiden. Die Verkehrsexperten von Rot-Rot-Grün fühlen sich dadurch vor den Kopf gestoßen. Sie werfen der BVG vor, nicht mit offenen Karten gespielt zu haben.

BVG hofft, dass der Berlkönig weiter rollen kann

Das Modellprojekt läuft seit zwei Jahren. Per App können Kunden die Berlkönig-Fahrzeuge ordern, müssen aber damit rechnen, dass Mitfahrer mit einem ähnlichen Ziel entlang der Strecke zusteigen. Bislang verkehren die Autos nur in einem eingeschränkten Radius im Berliner Osten.

"Wir haben unsere Argumente vorgetragen und hoffen, damit überzeugt zu haben", sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken rbb|24 am Donnerstagnachmittag. Die Verkehrsbetriebe hätten keinen anderen Partner für das Projekt und würden bis Mai auch keinen finden. Man habe am Donnerstag aber alle Zahlen und Informationen offengelegt und hoffe, dass das Projekt doch noch fortgesetzt werden könne. Dass es zwischen BVG und ViaVan nur einen Zwei-Jahres-Vertrag gebe, habe man nie verheimlicht, sagte Nelken.

Aus Kreisen der ViaVan-Leitungsebene erfuhr der rbb, dass man auch dort nur mit zwei Jahren gerechnet habe - schon wegen der hohen Investitionen. Nun brauche man eine Zusage über staatliche Förderung, sonst sei das Projekt ab Mai zu Ende. 

SPD pocht auf Pilotphase bis Herbst 2022

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Tino Schopf, kündigte eine Entscheidung seiner Fraktion für kommenden Dienstag an. Am Mittwochabend hatte er im rbb scharfe Kritik an der BVG geäußert. Mit dem Land Berlin sei eine vierjährige Pilotphase bis zum Herbst 2022 vereinbart worden. Es könne nicht sein, dass die BVG den Senat nun unter Druck setze, fügte der SPD-Politiker hinzu und bezog sich damit auf ein Schreiben, das die BVG in der vergangenen Woche an Verkehrssenatorin Regine Günther (Bündnis90/Die Grünen) und an Mitglieder des Abgeordnetenhauses gerichtet hatte.

Von Anfang an habe es geheißen, dass dem Land keine Kosten durch den Berlkönig entstünden. Wenn die BVG nun über 43 Millionen Euro verlange, müssten andere Verkehrsprojekte gestrichen werden. Dazu seien SPD, Linke und Grüne derzeit nicht bereit, hieß es am Donnerstag aus Koalitionkreisen. Auch Harald Moritz, verkehrspolitische Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, sieht das nicht ein. Das Verhalten der BVG sei "ungünstig", sagte Moritz dem rbb am Donnerstag. Und auch sein Kollege Kristian Ronneburg von den Linken ist sauer: "Wir bleiben dabei, dass wir vorher nicht vollständig informiert worden sind."

Bis 2025 müsste der Senat 170 Millionen Euro zuschießen

Noch zumal die BVG gleich bei zwei BerlKönig-Terminen Ende 2019 das Abgeordnetenhaus über das anstehende Ende des Vertrags mit Via und Mercedes hätte unterrichten können. Das aber sei nicht geschehen, heißt es aus Koalitionskreisen. Dabei hatte die BVG bereits Pläne, die weit über die Testphase hinausgehen. Interne Dokumente, die dem rbb vorliegen, zeigen den Finanzierungsbedarf bis 2025. Insgesamt, so die Rechnung, müsste das Land Berlin rund 170 Mio Euro zuschießen, um den BerlKönig berlinweit zu etablieren - voll integriert ins BVG-Angebot und natürlich zu den derzeit sehr konkurrenzfähigen Preisen. Aus der Koalition heißt es dazu nur: Wie man das den Berliner Taxiunternehmen erklären soll, wisse derzeit keiner.

"Nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen"

Bisher stellt ViaVan Autos und Personal - ohne dass sich das Land finanziell beteiligt. Das will die BVG nun ändern: Der Senat soll mit 43 bis 46 Millionen Euro einsteigen - um das Defizit auszugleichen und das Berlkönig-Einsatzgebiet vergrößern zu können. Die BVG bemüht sich schon länger um die Ausweitung des Berlkönig-Gebiets. Schopf dagegen machte klar, dass sich der Senat nicht "die Pistole auf die Brust" setzen lasse. Mit Mercedes und ViaVan, dem Konkurrenten von Uber, habe die BVG zwei finanzstarke "Global Player" als Partner - "und denen geht jetzt die Puste aus?", fragte Schopf ungläubig.

"Berlkönig gehört in die Außenbezirke"

Gleichzeitig machte der SPD-Politiker deutlich, dass er ein "Fan" des Berlkönig-Konzeptes sei. Schließlich gehe es darum, Angebotslücken im öffentlichen Personennahverkehr in Berlin zu schließen. Solche Angebotslücken gebe es aber nicht in der Innenstadt. "Wir haben von Anbeginn gesagt, der Berlkönig gehört in die Außenbezirke", denn dort entstehe der Verkehr. "Da entscheidet sich der Anwohner, die Anwohnerin, steige ich jetzt in einen Bus oder steige ich in mein Auto", sagte Schopf.

Bisher fast 1,5 Millionen Fahrgäste

Einige Verkehrsforscher plädieren dafür, das Berlkönig-Projekt nicht fallen zu lassen. Ridesharing-Angebote seien ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Verkehrswende, so Stephan Rammler vom Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. "Ob es organisatorisch optimal umgesetzt wurde, sei dahingestellt. Die Grundidee ist aber goldrichtig. Der zentrale Verkehrsanbieter, die BVG, hat verstanden, dass es Auto-Bausteine braucht, die man den Leuten anbieten muss, um sie flexibel zu machen. Flächendeckend ausgerollt wäre das ein Erfolgsmodell, weil die Leute nachfragen.“

Den Berlkönig gibt es seit etwas mehr als einem Jahr. 185 Fahrzeuge sind bislang nur in der östlichen Berliner Innenstadt im Einsatz und haben knapp 1,5 Millionen Fahrgäste befördert. Das Ziel, den Autoverkehr signifikant zu verringern, wurde jedoch noch nicht erreicht. Nach einem Jahr Berlkönig ist der Autoverkehr gerade mal um ein Prozent zurückgegangen.  

Sendung: Abendschau, 12.02.2020, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

33 Kommentare

  1. 33.

    Welche Taxis haben für Rollstuhlfahrer eine einstiegsmöglichkeit. Mir sind keine bekannt ! Warum nur im innenstadtbereich, in ganz BERLIN. Den Berkönik muss bleibe. Gruß Rüdiger

  2. 32.

    Solch hohe Subventionen wären für das Taxi ein großes Problem. Es ist ungerecht, wenn BerlKönig gefüttert wird und das Taxigewerbe gleichzeitig verhungert.

    Es sitzen nachweislich im Schnitt nur 1,5 Personen in diesen riesigen und schweren Kleinbussen. Diese kurven oft genug ohne Fahrgast durch die Innenstadt.

    Das Taxi könnte doch den Job von BerlKönig übernehmen. Die Subventionen wären sicher deutlich geringer.

  3. 31.

    Zum ÖPNV gehört auch das Taxigewerbe, das einzig allein nicht Subventioniert ist. Alle anderen Teilnehmer am ÖPNV werden durch den Staat mit zig Millionen unterstützt.

  4. 30.

    Die von Ihnen genannten umlauten taxipreise(!) legen taxiverbände und der Senat fest. Unlaut sind Uber und Co. Die mit Ihren Algorithmus die Preise bestimmen wie sie wollen. Das Hippe Publikum zahlt es gern. Wo liegt also Ihr Problem Sie können gern selbst entscheiden!

  5. 29.

    Alle reden von Klima aber aus reiner Bequemlichkeit solche dinger durch die Gegend kutschen lassen. Das ist die Friday for Future Lüge.
    Hippstertaxis auf Steuerkosten, mit denen man auch zugedröhnt zur nächsten Party oder zur Airbnb Unterkunft kommt. Früher hat man seine Partys noch so geplant wie die BVG fuhr. Musste man halt eine Stunde länger da bleiben bis die erste Bahn wieder fuhr.
    wie abgedreht ist die Gesellschaft heute nur.

  6. 28.

    Uberfahrer fahren ausschließlich nach Navi. Leider haben viele keine ausreichende Sprachkenntnisse so dass das Gespräch schnell zu Ende ist. Sie können bei der Taxibestellung den Zusatz -kein Gespräch- hinzufügen.

  7. 27.

    Uberfahrer fahren ausschließlich nach Navi. Leider haben viele keine ausreichende Sprachkenntnisse so dass das Gespräch schnell zu Ende ist. Sie können bei der Taxibestellung den Zusatz -kein Gespräch- hinzufügen.

  8. 26.

    Großraumtaxis fahren mehrere Menschen nicht nur ohne Subventionen sondern auch billiger der Berlkönig (vergleichen sie mal die Preise).
    Da ist doch wohl klar, dass dieses Daimler-BVG-Projekt subventioniert werden muss um sich gegen die unlauter günstigen Taxipreise durchsetzen zu können.

  9. 25.

    " echten Berliner Taxifahrer"... Wenn Sie an dieselben Menschen denken wie ich, dann muss ich Ihnen sagen, dass genau diese "Berliner" mir den Spaß am Taxifahren nehmen. Weshalb nehmen sich manche Taxifahrer das Recht, einen zuzutexten? Da wird über Uber gemeckert, über die Politik oder auch über andere Konkurrenten. Diese Art Meckern ist typisch Berlin und ich möchte es nicht im Taxi erleben. Mit Schweigetechnik komme ich nicht dagegen an. Und wenn ich höflich sage, ich möchte gerade nicht reden, dann werde ich angeranzt. Oder als arrogant abgestempelt. Merkwürdig ist, dass Uber-Fahrerregelmäßig anders drauf sind.... Die sind wesentlich freundlicher und meckern nicht. Auch die BVGler sind grundsätlich viel umgänglicher (auch beim Berlkönig). Ich verstehe es nicht, warum viele Taxifahrer solche Miesepeter sind.

  10. 24.

    Ach deswegen erden keine Busspuren eingerichtet, weil die BVG mit wichtigern "Prestigeprojekten", wie Taxipooling beschäftigt ist. @Senat ändert doch die Taxi-Ordung und erlaubt das Pooling von Fahrgästen. Bestimmt finden die Taxi-Unternehmer*innen bessere Lösungen als die BVG. Die sind bei der Umstellung auf Hbrid-Fahzeuge auch schon weiter, weil wirtschaftlicher ;)

  11. 23.

    Also ganz ehrlich wo bitte liegt der Unterschied zwischen Großraumtaxen und Berlkönig beide kann man buchen über Sharing Apps nur das Taxen keine Zuschüsse bekommen wie ein ich erfahren habe.
    Dann sollte der Senat doch lieber seine Taxen auch Zuschüsse gewähren mit Couponfahrten zum Beispiel die Eltern zum Beispiel für Ihre Kinder erwerben könnten sowie Rentner und Bedürftige die Nachweis erbringen.
    MfG Christian Teichert

  12. 22.

    " Bahn fahren ist nicht billiger als Auto. Und wenn, dann nur weil es zu Tode subventioniert und bei Autos genau das Gegenteil gemacht wird."

    genau andersherum wird ein Schuh draus. Einfach dem Autofahrer alle Folgekosten in Rechnung stellen und es wäre auf einen Schlag genug Geld vorhanden, den ÖPNV ausreichend auszustatten. Den ÖPNV wohlgemerkt- und nicht solche ÖPNV fremde Dienstleistungen wie der Berlkönig, der der Taxibranche durch seine vielfältige Subventionierung auch noch die Aufträge wegnimmt.

    Sorgt endlich dafür, dass man leichter mit der Bahn pendeln kann als mit dem Auto in die Stadt zu fahren!

  13. 21.

    Was soll dieser Berlinkönig in der City... Dreckige Diesel in der Stadt. Dabei gibt es genug ÖPNV in Berlin.
    Vor allem wäre er im Randgebiet sinnvoller. Und die Argumentation mit dem Rolli finde ich scheachsinn, die Tram sind alle ebenerdig.

  14. 20.

    Havelländer und Sebastian T: der Berlkönig ist kein Sammeltaxi. Er ist ein Angebot der BVG in Verbindung mit einem Uber-Konkurrenten. Das ganze nennt sich Ride-Sharing. Ich habe kein Problem mit der Nationalität irgendwelcher Fahrer. Das ist schlicht diskriminierend. Auch die Gesellschaftliche Schicht ist mir egal. Es zählt der Mensch. Sie scheinen beide ein Problem damit zu haben. Modern und innovativ ist das dann? Dazu möchte ich nicht gehören.

  15. 19.

    Ja, heute wieder Wiederholt im überfüllten M29 gefahren bzw. sehr lange im Autostau gestanden neben den beidseitig auf der Straße parkenden Autos - Busspuren?! Selbst das kurze Stück Busspur auf der Oranienstraße wurde wegen Baustellen für den Autoverkehr freigegeben. Von wegen "Vorrang für den ÖPNV!" Nix zu sehen davon.

  16. 18.

    .. nehmen den Taxis zu Dumpingpreisen die Fahrgäste weg. Genau wie UBER. Das eine bekämpft man, das andere fördert man. Das ist verlogen.

  17. 17.

    Wo genau finden Sie denn in Sebastians Text offene Diskriminierung? Gehts auch ne Nummer kleiner?

    Seine Bemerkung, dass ein Großteil der Taxiunternehmen der Hauptstadt betrügerisch arbeiten, haben mehrere Gutachten und Untersuchungen belegt. Hier nur ein Artikel dazu, den ich auf die Schnelle gefunden habe:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr-in-berlin-taxi-unternehmer-betruegen-systematisch/13925318.html

    Seine Kritik am Taxigewerbe ist also durchaus nachvollziehbar, da gehe ich mit. Seine Meinung zum Berlkönig und auch die Bezeichnung der Taxifahrer als Unterschicht teile ich nicht. Aber ich will ihm auch nicht verbieten, so zu denken.

  18. 16.

    Die Fahrpreise sind viel zu billig. ÖPNV und auch Fernverkehr ist mit diesen Preisen nicht zu machen. Man kann die Realität abstreiten, aber das ändert nichts an den Fakten. Bahn fahren ist nicht billiger als Auto. Und wenn, dann nur weil es zu Tode subventioniert und bei Autos genau das Gegenteil gemacht wird.

  19. 15.

    In der Abendschau sagte eine junge Frau, sie nutze den Berlkönig oft, um die Kinder schnell aus der Kita zu holen. Wie geht das? Hat der Berlkönig immer Kindersitze verschiedener Größen an Bord? Oder darf man in diesem Fahrzeug Kinder ohne Kindersitz mitnehmen?

  20. 14.

    Das ist kein "übler Kommentar", sondern eine zutreffende Beschreibung der Situation. Wenn ich zu einem Taxifahrer ins Auto steige, dann vertraue ich ihm mein Leben an. Dementsprechend stelle ich hohe Anforderungen an dessen persönliche und fachliche Qualifikation. Und diese lässt eben in Berlin zu rund 90 Prozent zu wünschen übrig. Wann sind Sie zuletzt in Berlin mit einer Taxe gefahren, und hatten einen echten Berliner Taxifahrer am Steuer?

Das könnte Sie auch interessieren