Verschiedene Wurstarten und Fleischsorten liegen an einer Fleischtheke aus, Archivbild (Quelle: DPA/Jan Woitas)
Audio: Antenne Brandenburg | 06.02.2020 | Tino Erstling im Telefoninterview | Bild: DPA/Jan Woitas

Fleisch, Eier, Milch, Käse - Bauern begrüßen Verbrauchssteuer auf tierische Produkte

40 Cent pro Kilo Fleisch, 15 Cent für Käse, zusätzliche Kosten für Milch und Eier: Bald könnte eine Sondersteuer auf tierische Produkte kommen. Das soll den Umbau der Tierhaltung fördern. Der Brandenburger Bauernverband findet das gut.

Der Brandenburger Bauernverband begrüßt die Idee einer Verbrauchssteuer auf tierische Lebensmittelmittel. Laut einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" halten Berater der Bundesregierung einen Preisaufschlag von 40 Cent pro Kilogramm auf Fleischprodukte für sinnvoll, um den Umbau der Tierhaltung zu finanzieren.

Tino Erstling, Sprecher des Landesbauernverbands, sagte dem rbb am Donnerstag, die Diskussion zeige, dass ein mehr an Tierwohl auch Geld koste. "Wenn das Geld dann auch auf Dauer zweckgebunden für mehr Tierwohl eingesetzt wird, dann ist das durchaus ein interessanter Vorschlag." Erstling könne sich auch eine Ausweitung einer solchen Steuer auf pflanzliche Produkte vorstellen. "Denn auch der Ackerbau steht in Deutschland vor enormen Herausforderungen", sagte er. "Und auch hier können die Landwirte die finanziellen Lasten nicht allein tragen", sagte er der rbb-Radiowelle Antenne Brandenburg.

Kosten für bessere Tierhaltung bis 90 Prozent decken

Im Auftrag der Bundesregierung soll das sogenannte Kompetenzzentrum Nutztierhaltung Empfehlungen zur Verbesserung des Tierwohls erstellen. Die "NOZ" berichtet weiter, der Entwurf sehe auch vor, dass andere tierische Produkte besteuert werden sollten: zwei Cent pro Kilo Milch, Milchprodukte und Eier sowie 15 Cent pro Kilo Käse, Butter oder Milchpulver.

Die staatlichen Zusatzeinnahmen sollen demnach genutzt werden, um Bauern die höheren Kosten einer besseren Tierhaltung zu 80 bis 90 Prozent auszugleichen, wie es weiter hieß. Das umfasse sowohl die laufenden Kosten für den Mehraufwand als auch die Förderung von notwendigen Umbaumaßnahmen an Ställen.

Der Entwurf geht von jährlichen Kosten in Milliardenhöhe aus. Als Zielmarke wird laut Bericht das Jahr 2040 genannt. Bis dahin sollten alle Nutztiere in Ställe leben, die deutlich mehr Platz bieten und "möglichst mit Kontakt zu Außenklima". Vor allem Schweine und Masthühner leben derzeit oftmals in geschlossenen Ställen.

Finale Empfehlungen eventuell bereits am Freitag

Dem Bericht zufolge will das Kompetenznetzwerk unter Leitung von Ex-Bundesagrarminister Jochen Borchert (CDU) am Freitag über den Entwurf und die finalen Empfehlungen an die Bundesregierung beraten.

Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft teilte auf Anfrage von rbb|24 mit, dass die Empfehlungen des Kompetenzzentrums noch nicht vorlägen. Das Ministeriums wisse demnach auch nicht, ob eine Steuer auf Fleischerzeugnisse vorgeschlagen werde und inwiefern diese Steuer zweckgebunden sein könne.

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32 Kommentare

  1. 32.

    Schön wäre es wenn die Bauern unterstützt werden die ökologisch nachhaltig wirtschaften. Die die Massentierhaltung bevorzugen und die unsere Umwelt mit Gülle belasten gehören dagegen endlich bestraft.

  2. 31.

    Hier werden nur wieder neue Steuern erhoben. Die Kaufkraft der Menschen wird noch weiter sinken.
    Wir haben bei uns einen gewaltigen Systemfehler! Dieser muss behoben werden. Ein weiteres weiter so führt nur zu noch mehr Ungemach unter den Menschen. Die Kalte Progression muss weg.

  3. 30.

    Hier hatten früher viele Bürger aus ihrer Wiese einiges zu Acker gemacht. Kartoffeln, Kohlgemüse Möhren wurden viel angebaut. Das zog viele Wildkaninchen an. Die wurden dann mit Fallen gefangen. BIO-Fleisch, Kunstdünger gab es noch nicht; es wurde nur gekalkt. Mangelwirtschaft machte das alles erforderlich.

  4. 29.

    Na für die Konsumenten ist's ja toll. Erst unlängst das Kilo Schwein bei Lidl für vier Euro gesehen. Da kann auch ein Mindestlohner ausschließlich Fleisch essen. Es ist halt die Politik gefragt den Markt zu regeln, damit Dinge wie das Tierwohl oder die Auswirkungen auf Grundwasser und Klima sich im Preis auch widerspiegeln. Da versagen die Politiker aber leider.

  5. 28.

    Lebensmittelkartenabschnitte muss man auf Zeitung kleben. Genaueste Abrechnung. Meine Oma hat mir davon erzählt. Heute würde das Arbeitsplätze schaffen; man kann ja mehrere Jobs annehmen bis es zum LEBEN reicht. Ja, Fürsorge wird in unserem Land groß geschrieben. :=)

  6. 27.

    Ich glaube kaum daß diese Steuer bei den Produzenten ankommt.

  7. 26.

    Wenn ich meine Zigaretten jenseits der Oder hole, den günstigen Sprit tanke, kann ich mir gleich Fleisch-und Wurstwaren mitnehmen. Der fleißigen arbeitenden Bevölkerung wird es gefallen. Die CO2 Steuer auf Sprit spare ich mir ja auch noch, dann sollte auch noch etwas Käse drin sein.

  8. 25.

    Den Bauern hier wird die Steuer wenig nutzen, denn der Staat regelt die Aufteilung! Die Leute werden dann verstärkt auf ausländische Produkte zugreifen und dann liebe Bauern?

  9. 24.

    Hallo Paul, habe gerade die Kauflandwerbung in den Fingern gehabt. Es ist auch Fleisch aus der Tierhaltungsart 3 im Angebot; 4 ist die höchste. Der Preis ist für Schweineschnitzel von 9,49 auf 5,99 € gesenkt - aber als "Wertschätze" deklariert. Wertschätze hat da groß Einzug gehalten; das kann dann aber nicht Massentierzucht Stufe 1 bedeuten. Rinderfilet ist von 39,90 auf 34.90 € gesenkt. Das wäre selbst mir zu teuer. Was will ich sagen: Die geplante Verbrauchssteuerzulage halte ich für eine Lüge. Es ist auch nicht richtig, dass D Exportland für Fleisch ist, denn das Gülle-
    problem wird so nie gelöst. In Zusammenhang mit den Dummheiten in Thüringen hörte ich erstmalig die Forderung : Echte Fachleute in die Regierung. Das predige ich schon lange.

  10. 23.

    Prima Nachricht für Hartz IV Empfänger und Geringverdiener.

  11. 22.

    Da wundern sich die so genannten Volksparteien über sinkende Akzeptanz! Seit Schröder und der folgenden Groko hat doch nur eins geklappt: Die Einführung neuer Steuern und Abgaben. Im Gegensatz wird der, der sich ein E-Auto leisten kann gefördert! Neulich im TV: Im Gespräch mit dem Not leidenden Bauern steht im Hintergrund der neue Landrover. Vieleicht sollte man die Unsummen an Beraterhonorare sinnvoll investieren!

  12. 21.

    Unser Staat weiß in seiner Not nicht mehr, wo er das Geld herzerren soll! In den Medien soll den Leuten vorgemacht werden, dass von der Steuer etwas beim Erzeuger landet ... glaubt das ernsthaft jemand?
    Guter Tipp: Lebensmittelmarken wie nach 1945 - da sind wir dann ja bald schon wieder!

  13. 20.

    Und was ist mit dem importierten Fleisch aus Südamerika und Neuseeland? Dann könnte der Import dieser "Ware" wohl mal endlich wegfallen oder kriegen die auch einen Bonus ???!

  14. 19.

    Und die Bauern glauben wirklich daran, das diese Steuer bei ihnen ankommt?
    Heißt es den nicht mehr: "Der Markt regelt das!"
    Was ist den mit der Sektsteuer?
    Die kaiserliche Hochseeflotte, für welche diese Steuer eingeführt wurde, ist ja nun wirklich nicht mehr in Bau!
    Vielleicht werden ja auch ausreichend Steuermittelfrei, wenn der Bundestag auf seine eigentliche Größe zurück geführt wird?

    Fragen über Fragen

  15. 18.

    neue Steuern? Die Vorschriften für die Tierhaltung sollten verschärft werden und keine Billgimporte mehr, dann kommt das auch den Tieren zu gute und nicht dem Finanzamt.

  16. 17.

    Natürlich findet der Bauernverband das gut. Gut finden es auch Tierfreunde mit vernünftigem Einkommen, die sich besser ins Leid der Tiere hineinversetzen können, als in das von Menschen die jeden Euro umdrehen müssen. Weniger gut werden es die Geringverdiener finden, die sich fragen müssen, warum schon wieder sie es sind, die sich einschränken sollen um eine umweltfreundliche Maßnahme mit einer neuen Verbrauchssteuer zu finanzieren; während die Elektroautos kaufende und Eigenheim wärmedämmende Mittelklasse vom Staat durch Zuschieben von 1000-Euro-Scheinen animiert wird. Die Parteien die solche Steuern beschließen werden bei der nächsten Wahl daran erinnert werden, dass viele Menschen in diesem Land zwar arm sind, aber immer noch wählen dürfen. Die wird man dann versuchen als "Extremisten" auszugrenzen, anstatt sich an die wirklich sehr einfache Weisheit zu erinnern: dass das Fressen vor der Moral kommt - und Demokratie mit sozialer Gerechtigkeit steht und fällt.

  17. 16.

    Leider ist die Globalisierung pauschal kein Segen, wie es die Politik uns immer so schön versucht vorzugaukeln.
    Und trotzdem haben die Konsumenten letzten Endes die Macht zu verändern.

  18. 15.

    Ich muss gleich nochmal! Warum kein vollständiges Reset der Agrar Politik!? Alle Subventionen komplett streichen! Alle Zwangs Abnahmen komplett streichen. Deutscher Bauernverband Hausverbot im Bundestag und Rat aufdrücken! Keine Lobbytreffen mehr! Jahrzehnte wurde uns erzählt: Die Marktwirtschaft regelt das alles! Trotzdem wurde in die Marktwirtschaft massiv eingegriffen! Die Folge, man ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden! Strom, Kraftstoffe, Heizöl und Gas, Lebensmittel, Fahrpreise, Steuern, Krankenkasse........alles wird nur noch teurer und teurer wegen der Verzerrungen und der Lobbyarbeit! Wann wird Politik für die arbeitenden Menschen gemacht! Wann darf ich mehr von meinem Geld für mich einsetzen! ich möchte auch wie die Beelitzer Spargelbauern Millionen auf meinem Konto haben!!!!!

  19. 14.

    Wie können die Bauern nur so blauäugig sein? Sie glauben wiklich, dass sie etwas von den Steuern abbekommen.Steuern werden zwar zweckgebunden erhoben. Sobald sie dann erhoben sind, sind sie zweckungebunden
    Ein Beispiel ist das Bahnopfer, das bis heute die Spritpreise belastet. Die Bahn hat davon nichts bekommen. Sie wurde weiter herunter gewirtschaftet.

  20. 13.

    Und so wird der Verbraucher wieder einmal verdummt. Wer garantiert uns denn die Kontrolle einer solchen Zusatzausgabe? NIEMAND! Immer schön durch die Hintertür.

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