Porträt des ehemaligen deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (Quelle: Ann Ronan Picture Library)
Bild: dpa/Ann Ronan Picture Library

Nach Beschluss des Abgeordnetenhauses - Hindenburg ist nicht mehr Ehrenbürger Berlins

Der ehemalige Reichspräsident Paul von Hindenburg ist nicht mehr Ehrenbürger Berlins. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) habe die Streichung Hindenburgs aus der Ehrenbürgerliste veranlasst, teilte die Senatskanzlei auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Müller setzte damit einen Beschluss des Abgeordnetenhauses um.

Rot-Rot-Grün stimmte für Aberkennung der Ehrenbürgerwürde

Das Parlament hatte am 30. Januar mit rot-rot-grüner Mehrheit entschieden, Hindenburg die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. Zur Begründung hieß es, dieser habe Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler berufen. Danach habe er Notverordnungen und Gesetze unterzeichnet, die den Reichstag entmachteten, die Grundrechte aufhoben und den Nazis neue Machtmittel in die Hand gaben.

Hindenburg war am 20. April 1933 Ehrenbürger Berlins geworden, am gleichen Tag wie Hitler. Dem Nazi-Diktator wurde die Ehrenbürgerschaft im Dezember 1948 aberkannt.

Kommentarfunktion am 29.02.2020, 09:31 Uhr geschlossen

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Sendung: Inforadio, 27.02.2020, 6:40 Uhr

20 Kommentare

  1. 20.

    Die historischen Fakten sind klar belegt. Die polit. Fehler, die zum Ende der Weimarer Rep. führten, lassen sich eben klar auch auf einzelne Person fixieren. Bildung besitzt, wer unterschiedliche Aspekte einer Sachlage richtig bewerten kann - zu einer differenzierten Beurteilung der Ehrenbürgerwürde sind die Anhänger Hindenburgs offensichtlich nicht in der Lage. Hauptsache die eigenen Vorurteile pflegen und ein politisches Feindbild aufbauen. Argumente finden ist wohl zu viel verlangt...

    Kommt ihnen der Text bekannt vor? Argumente sollen andere bringen, dabei bringen Sie aber selber nur ....., deshalb war ein Widerlegen ihres Unsinns so simpel.

  2. 19.

    Zitat "Argumente finden ist wohl zu viel verlangt..." dann bitte belegen Sie doch das Hitler und seine Schärgen nicht im März 1933 an der Feierstunde in der Potsdamer Garnisonskirche teilgenommen haben. Gegen Hindenburg spricht alles von seiner verlogenen Dolchstoß - Legende bis zum Ermächtigungsgesetz.

  3. 18.

    Sie liegen wieder falsch. 2. Dinge sollten ihnen doch zu denken geben. Warum hat diese "schlichtes Abschiedsfoto" zu eine Bedeutung in der Weltgeschichte? Wenn es doch nur ein "schlichtes Abschiedsfoto" war, warum wurde es wie sie behaupten extra gemalt?

  4. 17.

    Wer "historische(n) Fakten" wider besseren Wissens umdeuten will sollte nicht über "Bildung", "Beurteilung" und "Argumente" fabulieren.

    Der Versuch RRG zu diffamieren, indem man versucht die Geschichte und die Figur Hindenburg umzudeuten, sprechen Bände. Da sind sie es wohl eher, der Vorurteile pflegt und sich ein "politisches Feindbild" aufbaut.

    Hindenburg aber ausgerechnet auch noch als "Garant für das Bestehen der Weimarer Republik" hinzustellen ist eine bodenlose Frechheit und eine Herabwürdigung aller, die für das Bestehen der Weimarer Republik wirklich gekämpft haben. Die Weimarer Republik hatte etliche Geburtsfehler, ein Fehler war es die alten politischen Eliten an der Macht zu lassen.

    Hitler hat den Dienst, den ihm Hindenburg erwiesen hat, reich dotiert. Ob Hindenburg noch geistig in der Lage war die Tragweite seines Handelns zu begreifen oder ob vielmehr sein Sohn die treibende Kraft war, ist eher zweitrangig.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_von_Hindenburg

  5. 16.

    Es gäbe bei der Aufarbeitung zwei Handlungsstränge:
    Der eine, der sich die Verbindung elitärer Gruppen anschaut, die sich teilw. gegenüber einander verachteten und dennoch in puncto Bevölkerung gemeinsame Sache machten. Gegenüber denjenigen, die mit ölverschmierten Händen ihrer Arbeit nachgingen und daheim kaum mehr als fünf Bücher hätten, sie aber eine Hausbibliothek mit an die Tausend davon, waren sich die elitären Gruppen immer einig. Demokratie darf nicht sein, weil ansonsten die Belesenen und Wissenden auf gleicher Stufe mit den behauptet Unwissenden und Unbelesenen stünden.

    Das war die Verbindung der Deutschnationalen, der Monarchisten und der Nazis, wobei die SA nur als billiger Handlanger verstanden wurde. Da hat man dann gern auf die "Unbelesenen" gesetzt ...

    Der zweite Aufklärungsstrang hebt auf die autoritäre Ausrichtung von Parteien ab und zwar dem Grade nach. Hier standen, abseits der völlig unterschiedl. Ziele, bspw. KPD und NSDAP gleichauf.

  6. 15.

    Die historischen Fakten sind klar belegt. Aber, die polit. Fehler, die zum Ende der Weimarer Rep. führten, lassen sich kaum auf eine Person fixieren. Bildung besitzt, wer unterschiedliche Aspekte einer Sachlage aufzeigen kann - zu einer differenzierten Beurteilung der Ehrenbürgerwürde war der Senat offensichtlich nicht in der Lage. Hauptsache die eigenen Vorurteile pflegen und ein politisches Feindbild aufbauen. Argumente finden ist wohl zu viel verlangt...

  7. 14.

    Es ist in der Tat so, dass das sehr bekannte Foto eines US-amerikanischen Fotografen, dass den Handschlag zwischen Hitler und Hindenburg ins Bild bringt, ein schlichtes Abschiedsfoto. Hitler selbst war diese Foto offenbar zu demütig, weshalb er von seinem Auftragsmaler ein überdimensioniertes Bild anfertigen ließ, auf dem beide Person Aug in Aug sich schauen und beide nahezu gleich groß sind.

    Auch die Goebbelsche Propaganda ist eher in diesem Zusammenhang zu sehen.

    Das andere, die Kandidatur als ausdrücklicher Gegner der Demokratie 1925, bleibt bestehen. Auch bestehen bleibt die völlige Unterschätzung der Nazis, was in dem Ausspruch des "kleinen böhmischen (!) Gefreiten" zum Ausdruck kam, der Deutschland nicht würdig sei.

  8. 13.

    Bislang waren mir pisa-Studien egal. Aber ein Beitrag wie ihrer belegt wie schlecht die Brd-Schule ist im vergleich mit unserer früher ist.

  9. 12.

    In Geschichte haben sie offensichtlich geschwänzt oder verbreiten sie absichtlich abstruse Verschwörungstheorien?

    Grotesk ist vielmehr dass der RBB solche plumpen Versuche, den "Tag von Potsdam" und die Figur Hindenburg umzudeuten, zulässt.

    Oder hat man sich den heute zuständigen Social Media Redakteur von AfD Kompakt ausgeborgt?

  10. 11.

    Hindenburg hatte 1932 als Gegenkandidat Hitlers die Reichspräsidentenwahlen gewonnen, Hindenburg war somit noch ein Jahr Garant für das Bestehen der Weimarer Republik. Hindenburg hat damit Hitler verhindert. Hitler und seine Schärgen hatten nicht Mrz 1933 an der Feierstunde in der Potsdamer Garnisonskirche teilgenommen.
    Der Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler ist mit Nichten dessen "amtseinführung", sondern eine Begegnung auf der Straße, die durch die Nazipropaganda als Pressefoto verbreitet wird.
    Es ist grotesk, daß der Senat die Nazipropaganda übernimmt und fachlich schlicht überfordert ist und in Verkennung der Sachlage eine ehemals wohlbegründete Ehrenbürgerwürde überhaupt nicht aberkennen kann.

  11. 10.

    Menschenfreunde gemäß heutiger Lesart war kaum einer der vergangenen Herrscher. Diese Messlatte angelegt, wäre in der Tat zu hoch gegriffen und würde uns heute gegenüber geschichtl. Entwicklungen blind machen.
    Vielmehr ginge es vor allem darum, Personen in Verbindung mit ihrer Zeit zu sehen. Gegen eine Ehrung bspw. vergangener Fürsten und Könige spricht insofern nichts, wie sie sich mit ihren Inspirationen und Schäbigkeiten im Rahmen der Zeit hielten. HIndenburg aber war aus der Zeit gefallen.

    Seine Wahl zum Reichspräsidenten 1925 war ein erklärtes Zeichen der Gegner der Demokratie. Gegen die seinerzeitige, noch recht junge Demokratie trat Hindenburg für das Lager der Monarchisten und Deutschnationalen an. Insofern war er nicht gleichauf mit der Demokratie, sondern ein erklärter Zurückgebliebener hinter der Demokratie. Sein Handeln gegenüber Hitler war dann aus seiner Sicht nur "folgerichtig", galt es doch, dieser verhassten Beteiligungsordnung endgültig den Garaus zu machen.

  12. 9.

    Es ist Zeit die Verwicklung des Adels und des Militärs mit den Nationalsozialisten historisch aufzuarbeiten. Auch im Nachkriegsdeutschland kamen NS-Täter wieder in hohe Positionen, der Adel behielt sein Vermögen und damit auch seinen Einfluss. Dies muss endlich offiziell aufgearbeitet werden. Ausserdem muss die Kolonialgeschichte und die Rolle des Adels darin schonungslos aufgearbeitet werden. Hitlers Helfer können nicht Ehrenbürger der deutschen Hauptstadt sein. Aber das ist kein Ersatz für die offizielle Anerkennung der Verbrechen, die Adel und Militär, nicht nur die Nationalsozialisten, begangen haben.

  13. 8.

    Aber ist es nicht auch in Filmen ein Unterschied, ob der "Bösewicht" glorifiziert oder nur dargestellt wird? Eine Straße nach einer Person zu benennen stellt eine Ehrung deren Lebenswerks dar. Natürlich gibt es mehr als schwarz und weiß - aber dazu gehört, dass das Grau eben zu "dunkel" für eine Ehrung sein kann.

    Liebe Grüße aus der Redaktion

  14. 7.

    So ein Quatsch, anstatt sich mal wirklich wichtigen dingen der Gegenwart beschäftigen, kramt man in der Geschichte nach Fehlverhalten,was eh nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
    Gegenwart und Zukunft ist wichtig, ob der Hindenburgdamm so heißt oder nicht, spielt keine Rolle. Man weiß welcher straßenabschnitt gemeint ist, und basta. Als nächstes wird wahrscheinlich die Statue entfernt, dabei hat er eine Wichtige Rolle in der Geschichte gespielt. Nach der Logik, müsste jeder Bösewicht aus Filmen verschwinden. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern verdammt viele Grautöne !

  15. 6.

    Eine Demokratie sollte stark genug sein, Fehlentscheidungen zu korrigieren. Bei Straßenbezeichnungen sollte dies unproblamatischer sein als bei Bauwerken.

    Nicht alle Bundespräsidenten der Nachkriegszeit wurden mit einer Straße bedacht. Das gilt auch für die Bundeskanzler. - Theodor Heuss hat das geschafft, nach Heinrich Lübke würde kein Mensch suchen wollen. Richard von Weizsäcker wird in den nächsten Jahren Straßen oder Plätze bekommen, Carl Carstens bspw. nicht. Willy Brandt hat Straßen und Plätze bekommen, bei Helmut Kohl steht schon allein dagegen, dass er sein privat gegebenes Ehrenwort über die gemeinschaftliche Verpflichtung nach Steuertransparenz für Parteien gestellt hat - somit eine Straßenbenennung mit seinem Namen die Glaubwürdigkeit der allg. Steuererhebung untergraben würde.

    Die Erkenntnis: Die Benennung nach dem erklärten Monarchisten Hindenburg schlägt der Demokratie ins Gesicht. 1925 und 1933 wie heute.

  16. 5.

    Danke. Jetzt bitte noch den Hindenburgdamm umbenennen. "Im November 1914 wurde Hindenburg Generalfeldmarschall, von August 1916 bis Mitte 1919 führte er – mit Ludendorff als Stabschef – die Oberste Heeresleitung. Dann trat er erneut in den Ruhestand. Von 1925 bis zu seinem Tode war er Reichspräsident. Die von ihm ab 1930 berufenen Präsidialregierungen bereiteten dem Machtantritt des NS-Regimes den Boden. Schließlich berief er am 30.1.1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler. Er identifizierte sich weitgehend mit der NS-Diktatur und festigte sie durch seine Unterschrift unter die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28.2.1933. Hindenburg wurde [mit Hitler an seinem Geburtstag] 1933 ... Ehrenbürger von Berlin. Am 26. November 1925 wurde bekanntgegeben, daß auch die Verlängerung des Hindenburgdamms bis zur Schloßstraße in Hindenburgdamm benannt wurde."
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Hindenburgdamm-12203-Berlin

  17. 4.

    In wie fern spaltet dies die Gesellschaft außer in Nazi Sympathisanten und normalen menschen? die Ehrebügerschafft haben schon Dortmund, Köln, Karlsruhe, Leipzig, München, Münster, Stuttgart und Konstanz gelöscht...vor 70jahren.
    glaube auch das der streisand effekt nicht bei geschichte anzuwenden ist, da die definition laut wikipedia: Als Streisand-Effekt wird ein Phänomen bezeichnet, wonach der Versuch, eine unliebsame Information zu unterdrücken oder entfernen zu lassen, öffentliche Aufmerksamkeit nach sich zieht und dadurch das Gegenteil erreicht wird, dass nämlich die Information einem noch größeren Personenkreis bekannt wird.

  18. 2.

    Ich verstehe zwar nicht, warum die Ehrenbürgerschaft Hindenburgs die Gesellschaft spalten sollte, aber wenn dem so ist, dann spaltet es ja auch die Gesellschaft weiter, wenn man daran festhalten würde.

  19. 1.

    Und was genau erreicht man durch solche Entscheidungen, ausser weitere Spaltungen der Gesellschaft?

    Die meisten Leute wussten vermutlich nicht mal, dass Hindenburg Ehrenbuerger war. Jetzt hingegen wissen es sehr viele - Streisand-Effekt - und dementsprechend schuert so etwas wieder unnoetige Konflikte.

    Ich finde es ehrlich gesagt verstoerend, wie hier Geschichte nachtraeglich korrigiert bzw. ausgeloescht werden soll. Hindendburg war nun mal aus historischen Gruenen Ehrenbuerger und vor allem eine wichtige Persoenlichkeit der deutschen Geschichte, was nicht zwingend heissen muss, dass mit dieser Persoenlichkeit positive Dinge verknuepft sind. Aber Geschichte besteht nun mal aus Licht und Schatten.

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