Die Karl-Marx-Allee am 10.12.2019. (Quelle: imago images/Peter Meissner)
Video: rbb|24 | 11.02.2020 | Material: Abendschau | Bild: imago images/Peter Meissner

Bürgerdialog zum Umbau der Karl-Marx-Allee - Magistrale mit Grünstreifen erhitzt die Gemüter

Statt Parkplätzen soll in der Mitte der Karl-Marx-Allee eine Grünfläche entstehen. Diese neuen Pläne von Verkehrssenatorin Günther ärgern viele Anwohner. Bei einem Bürgerdialog am Montag hat sie für den klimagerechten Stadtumbau geworben. Von Jan Menzel

Im Foyer des einstigen Berliner Vorzeigekinos International ist der Unmut gewaltig. "Ich finde das ehrlich gesagt ungeheuerlich", sagte eine Frau. Ein älterer Mann pflichtet ihr bei. Er wohne seit 50 Jahren in der Karl-Marx-Allee und schon jetzt reiche der Platz für die Autos nicht: "Sollen wir die jetzt in die Luft hängen?" Eine andere Anwohnerin spricht von einer "diktatorischen Entscheidung" für einen Grünstreifen in der Mitte der einstigen Pracht- und Aufmarschstraße Karl-Marx-Allee. Ein Mittfünfziger im dunklen Mantel bebt förmlich vor Empörung. "Wir haben Parkplätze beschlossen – mit Bürgerbeteiligung", erinnert er an eine frühere Dialogveranstaltung. Jetzt werde das Votum ignoriert, ärgert er sich und schiebt hinterher: "Wir brauchen uns zukünftig nicht zu wundern, wenn jeder AfD wählt."

Lutz Adam, Leiter Tiefbau-Abteilung; Christoph Rauhut, Landeskonservator; Regine Günther, Verkehrssenatorin; Ephraim Gothe, Baustadtrat Mitte. (Quelle: rbb/Jan Menzel)
Podium beim Bürgerdialog | Bild: rbb/Jan Menzel

Was die Gemüter derart erhitzt, ist der 800 Meter lange und zehn Meter breite Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee. Hier war bislang Platz für 170 Autos. Diese Parkplätze sollen nach dem Willen von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) wegfallen und Platz für Stadtgrün schaffen. Das ist eine Umplanung während der laufenden Bauarbeiten, die aber noch möglich ist, weil zunächst die Fahrbahnen saniert und die neuen vier Meter breiten Radwege angelegt werden. Erst im Frühsommer wollen sich die Bauarbeiter den Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee vornehmen.

Bezirksstadtrat: kein Parkplatzmangel

Drinnen im großen Saal des Kinos International stehen am Montagabend neben Verkehrssenatorin Günther Kulturstaatssekretär Gerry Woop (Linke), Berlins oberster Denkmalschützer Christoph Rauhut, der Leiter der Senats-Tiefbau-Abteilung und  Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) auf der Bühne. Gothe hatte die Verkehrssenatorin zuletzt dafür kritisiert, dass sie den Bürgerwillen mit der Umplanung ignoriere. Jetzt gibt er sich als Freund des Stadtgrüns zu erkennen und rechnet den kritischen Anwohnern vor, dass es in ihrem Kiez keinen Parkplatzmangel gebe. Auf zehn Wohnungen kämen über sieben Stellplätze. "Das ist für ein innerstädtisches Quartier sehr, sehr viel", sagt Gothe und verweist auf Neubau-Projekte, bei denen ein Schlüssel von drei Stellplätzen pro zehn Wohnungen der Standard sei.

An dieser Stelle lachen einige der rund 400 Anwesenden bitter auf. Ein Anwohner widerspricht und berichtet, dass er allabendlich mehrmals um den Block fahren müsse und selbst die Gehwege zugeparkt seien. Andere bezweifeln, dass der grüne Mittelstreifen einen positiven  Effekt auf das Klima habe. Lutz Adam, Chef der Senats-Tiefbau-Abteilung, hält dagegen. Er habe immer wieder gehört, in dem geplanten Grünstreifen könne bei Starkregen gar kein Wasser versickern, weil die U-Bahn darunter liege. Das sei falsch. "Der Mittelstreifen kann vollständig zu Versickerung herangezogen werden", so Adam.

Günther: Folgen des Klimawandels nicht auf die leichte Schulter nehmen

Ob diese Argumente verfangen oder nicht, ist nicht eindeutig auszumachen. Befürworter des Grünstreifens und die Bewahrer des Parkplatzes scheinen sich die Waage zu halten. Sie habe nichts gegen eine Grünfläche einzuwenden, meldet sich eine Frau zu Wort, mahnt aber, diese dürfe dann nicht wie eine "mongolische Steppe" aussehen, sondern müsse gepflegt werden. Eine junge Frau sagt, dass sie um die Ecke in einer Kirche arbeite, in die viele Menschen zu Fuß oder mit dem Rad kämen. Die freuten sich einfach über einen schönen Platz für alle und darüber, dass nicht nur Parkplätze da seien. "Das sind Leute wie ich, die nicht so oft etwas sagen, aber die sind trotzdem da."

Für den Grünstreifen werben will an diesem Abend auch die grüne Verkehrssenatorin. Regine Günther appelliert eindringlich, die Folgen des Klimawandels nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Alle Städte weltweit würden sich rüsten, in einer Geschwindigkeit, die vielleicht noch nicht bei jedem im Saal angekommen sei. Und direkt an die kritischen Anwohner gewandt: "Wir sind noch zu langsam. Ich bin besorgt."

Senat und Bezirk arbeiten an einem Kompromiss

Wie die Karl-Marx-Allee künftig aussehen wird, soll in den nächsten Wochen entschieden werden. Mittes Baustadtrat Gothe deutete aber an, in welche Richtung die Gespräche zwischen Verkehrsverwaltung, Bezirk und Denkmalschutzbehörde gehen: Statt eines grünen Mittelstreifens auf der vollen Länge könnte dieser vor dem Kino International unterbrochen werden werden, so dass ein Platz entsteht.

Das würde wohl auch die Denkmalschützer besänftigen, die die historische Gestalt des Ensembles weitestgehend erhalten wollen. Noch in diesem Sommer sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. So wie es nach diesem Bürgerdialog aussieht, hat die Karl-Marx-Allee dann noch Parkplätze entlang der Fahrbahn. Auf dem Mittelstreifen dürfte hingegen grüner Rasen sprießen.

Sendung: Inforadio, 11.02.2020, 6:40 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

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85 Kommentare

  1. 85.

    Warum soll ICH aus der Stadt ziehen, wenn Menschen wie SIE das Problem sind?

    Sie sind offensichtlich der Prototyp des Menschen, der egoistisch, rücksichtslos und völlig bar jeder Vernunft ist. Die rasen wo und wie sie wollen ohne an die Folgen zu denken.

  2. 84.

    Jammern auf höchsten Niveau....etwas anderes habe ich eigentlich nicht erwartet. Vollkommen jenseits der Realität. Ich bin es leid immer wieder zu hören wie gut und richtig Sie und Ihre Freunde alles machen und der Rest vollkommen daneben liegt."Diese Leute verpesten die Atemluft meiner Familie, meiner Freunde. " dieses Gejaule...Sie vergessen, das Sie in einer Großstadt wohnen und nicht in irgendeinem Dorf.
    Zwar leider gerade ausverkauft... Es gibt auch bald wieder Masken zu kaufen.Vielleicht hilft das, wenn es für Sie sooooooo dramatisch ist.
    Ansonsten sollte auch ein kleiner Umzug an den Stadtrand helfen. Ich lebe hier und alles ist chic. Dann gibt es auch keinen Neid mehr.

  3. 83.

    "Kennen Sie diese Menschen alle, um so zu urteilen? Wahrscheinlich nicht. Ich denke da spricht der Neid eines Besitzlosen heraus."

    Selten so dummes Zeug gehört. Aber sie kennen mich? Diese Leute verpesten die Atemluft meiner Familie, meiner Freunde. Diese Leute benehmen sich absolut rücksichtslos und wollen auch noch dass ich ihnen weiterhin ihre Parkplätze bezahle, die auch noch dringend benötigten Platz verschwenden.

    Sie benehmen sich weiterhin wie ein unmündiges Kind. Sie benehmen sich wie ein Kind, welches schon 2 Lollis vor dem Essen hatte und noch einen dritten will.

  4. 81.

    @Henry: Im sie besser zu verstehen teilen sie mir bitte mit, was denn bei ihnen der "fünf vor zwölf" und der "zwölf"-Zustand ist bzw. war. Dann kann ich mir das "fünf nach zwölf"-Gefasele besser ausmalen. Ich werde mich auch sputen, da ja der Weltuntergang kurz bevorsteht. Zumindest in Deutschland!

  5. 80.

    Genau. Ziehen sie und die restlichen Autofanatiker doch aufs Land! Da können sie nach Herzenslust rasen und haben sogar den fehlenden ÖPNV als Ausrede!

    Und nochmal für die Herrschaften, die hier ständig die Tatsachen verdrehen: KEIN, ich wiederhole KEIN Radfahrer hält auf einen LKW zu! ALLE, ausnahmslos ALLE schweren Unfälle mit Todesfolge lassen sich NICHT auf ein Fehlverhalten des Radfahrers zurückführen!

    Der Radfahrer war schon im Kreuzungsbereich und ist von HINTEN oder SEITLICH über den Haufen gefahren worden!!!

    Da aber die Strafen für solche eingeplanten Tötungen lächerlich gering sind, sieht sich niemand in der Pflicht freiwillig Abbiegeassistenten nachzurüsten oder sein Verhalten im Verkehr anzupassen!

    Radfahrer töten nicht, sie werden getötet!

  6. 79.

    "Die sauberste Verbrennung ist bei 90 km/h und nicht bei 30. " War das jetzt Ironie oder ernst gemeint?

    "Unfallrisiko bei 30? Wohl eher bei Handyverbot! Bei 30 passt doch kein Fußgänger mehr auf."

    Aha und schon hat sich ein Autofanatiker mehr von einer ernsthaften Diskussion verabschiedet.

  7. 78.

    Ich fühle mich nicht wie ein unmündiges Kind behandelt. Mich nervt es einfach nur, das hier einige auf Oberlehrer machen und eigentlich nichts dahinter ist. So wie bei Ihnen.
    Ich frage mich wie Sie über die Köpfe anderer entscheiden können das ein oder auch zwei Autos überflüssig sind und diese Menschen dann auch noch als Egoisten bezeichnen.
    Kennen Sie diese Menschen alle, um so zu urteilen? Wahrscheinlich nicht. Ich denke da spricht der Neid eines Besitzlosen heraus.

  8. 77.

    Na ich glaube ja leider doch. Glauben Sie doch nicht dass mir diese Rolle gefiele. Was soll man denn tun wenn die Kinder rufen EIS! Zum Frühstück, zu Mittag und als Abendbrot! Dazwischen Schokokuchen mit dick Schoko drauf.
    Es ist so: 167 Parkplätze zu verlieren kann man und muss man akzeptieren. Alles was man hören konnte was in der Überlegung ist, ist besser als 167 Parkplätze.
    Ich weiss halt wirklich nicht was man noch tun soll, wenn das nicht Konsens ist.
    Man muss es schliesslich ignorieren. Und dann auf das Interview warten, wenn solche erklären weshalb sie -wie hier angedeutet, oder angedroht - damals die AfD gross gemacht haben. Die ihnen vielleicht 167 Parkplätze gibt. Aber ansonsten halt allerlei Faschismus und Rassismus und drangsalierender Bürokratie für "Der Jude...Verzeihung..der Einwanderer, Ausländer, Geflüchtete, Kulturfremde ist unser Unglück"
    Jetzt mal im ernst - für Parkplätze?

  9. 76.

    Den LKW möchte ich sehen, der mit 50 Sachen rechts (oder sonst wohin)abbiegt !!! Das machen vielleicht Radfahrer.
    Städte entstehen an Handelswegen/ Straßen, Häuser baut man an Straßen. Wem das nicht passt, der sollte aufs Dorf ziehen. Da gibt's auch Öko bis zum abwinken.

  10. 75.

    Die Gehwege sind 20m Breit und werden kaum genutzt, das ist ja wohl genug.
    Hoffentlich merken sich das die Anwohner bis zur nächsten Wahl. Und die vom Samariterkiez auch und Findlinge und Ausweichverkehr Karl Marx Straße.. und und und…
    Was RRG in dieser Stadt abzieht hat nichts mit Klima zutun sondern ist Krieg gegen die Bevölkerung. Kein bisschen Klima wird gerettet, wenn man 20 Min auf Parkplatzsuche herumkurvt, Betonpoller umfahren, an schikanösen Ampelphasen und Vorrangschaltungen immer wieder bremsen und anfahren muss. Die sauberste Verbrennung ist bei 90 km/h und nicht bei 30. Dass ein moderner Diesel sauberere Luft ausstößt als er ansaugt könnte man auch wissen.
    Unfallrisiko bei 30? Wohl eher bei Handyverbot! Bei 30 passt doch kein Fußgänger mehr auf.

  11. 74.

    @dietmar geier: Natürlich, vor allem die schlimmen Abbiegeunfälle, wenn ein Lkw mit 50 Sachen nach rechts abbiegt. Und auch die Unfälle bei körperlichem Unwohlsein (z.B. die vermutete Herzattacke) wie in Mitte wären dann ausgeschlossen. Und auch die Poser mit ihren 500 PS-aufwärts-Kisten fahren dann ordentlich mit 30 durch die Stadt. Und da wäre dann noch der Weihnachtsmann - aber das ist eine andere Geschichte ...

  12. 73.

    Wer von "Klimaschutzkeule" faselt, der will nicht wahrhaben dass wir es 5 Minuten NACH 12 haben.

    Es sind Leute wie sie, auf die Günther Rücksicht nehmen muß, damit wenigstens solche Placebo Projekte den Anschein erwecken können in der Stadt würde es sowas wie eine Verkehrswende geben.

    Würde Günther auch nur ein Tick mehr von dem umsetzen, wofür sie gewählt worden ist ginge ein Aufschrei durch Berlin und man würde von "Sozialismus" und dem Zusammenbruch des Abendlandes fabulieren.

    ...

    Frau Günther, setzen sie endlich durch was versprochen wurde. Autofahrer und deren Lobby haben uns lange genug terrorisiert, jetzt sind endlich die Menschen dran, die über Vernunft und Empathie verfügen.

    Schluß mit dem Terror der Autofahrer, die eine ganze Stadt in Geiselhaft nehmen!

  13. 72.

    Echt lächerlich, was Autoparker jetzt hier bestimmen wollen. Und dann noch die Drohung dann Nazis zuwählen. Solche Leute wählen so oder so schon solche Parteien, die Drohung ist daher völlig verlogen.
    Übrigens handelt es sich um öffentliches Land, wer dort fast kostenlos Parken will, soll mal eine faire Gebühr zahlen und nicht schmarotzen.

  14. 71.

    Sie sind es doch der hier ständig von "nicht verstehen können" usw. faselt. Sie sind es der allen anderen ihren Willen aufzwingen will und wer nicht der allein gültigen "Meinung" von Heike ist, der hat halt "nicht verstanden".

    Sowas wie sie kann man einfach nicht für voll nehmen, dann müssen sie sich aber auch nicht wundern wenn man sie wie ein unmündiges Kind behandelt.

  15. 70.

    Die Frage mit der Diskrepanz zwischen Parkraumbewirtschaftung und genug Parkplatz müsste man mal Frau Günther stellen. Die Antwort würde mich echt interessieren - ich kenne sie jetzt schon mindestens ein "Argument": Die Klimaschutzkeule, die geht immer! Gilt aber ausdrücklich NICHT für Frau Günther, sie benutzt ja ihren Dienstwagen bekanntermaßen als rollendes Büro. Und das gemeine Volk fährt in Berlin aus purer Langeweile herum.

  16. 69.

    "In Berlin werden Parkplätze gebraucht. 7 Parkplätze auf 10 Wohnungen, das ist einfach lächerlich, wo in jeder Familie häufig 2 Autos gehalten werden".

    In Berlin wird die Verkehrswende gebraucht und wer sich gleich 2 überflüssige Autos leisten kann, der kann seinen Parkplatz auch privat finanzieren. Warum sollen die Vernünftigen den Unvernünftigen und Egoisten auch noch die Parkplätze finanzieren?

  17. 68.



    Es sollte doch möglich sein, hier eine Lösung zu finden, die sowohl zusätzliches Stadtgrün als auch eine gewissen Anzahl von Parkplätzen bedeutet !

  18. 67.

    "Der erhobene Zeigefinger ist offenbar notwendig, da oft nicht einmal die einfachsten Gesprächsregeln gelten. Kennt jeder aus dem Kinderzimmer. Wenn die sich heillos verwickelt haben. Alle völlig überzeugt das Ihnen Unrecht geschieht. Da brauchts erst mal Zeigefinger. Und danach kann man vielleicht reden, worum es eigentlich geht."
    Ich glaube jedoch kaum, das Sie diejenige sind, die sich erlauben sollte, den Zeigefinger zu erheben. Passt ebenfalls in dieses Kinderzimmer.

  19. 66.

    doch warum nicht? als antwort darauf hoffe es kommt bald tempo 30 in allen städten, dann minimirt dass doch dad unfallrisiko. ja oder ja?

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