Archivbild: Protest gegen die Bebauungspläne des Berliner Senats im Blankenburger Süden 2018: Der Senat plant den Bau von 6000 Wohnungen und eine Verlängerung der Tram M2 bis zum S-Bahnhof Blankenburg mit einer Wendeschleife in einer Kleingartenkolonie. (Quelle: imago images/Christian Mang)
Audio: Inforadio | 05.02.2020 | Holger Hansen | Bild: imago images/Christian Mang

Blankenburger Süden - Tram-Wendeschleife soll nicht mehr in Gartensiedlung liegen

Im Blankenburger Süden in Pankow sollen 6.000 Wohnungen entstehen. Ein Problem ist die Verkehrsanbindung: Die geplante Tram-Verlängerung führt quer durch eine Siedlung. Auch angepasste Pläne des Senats kommen bei den Bewohnern nicht gut an. Von Holger Hansen

Obstbäume, Gemüsebeete, Hecken, Rasenflächen, Sandwege: Die Blankenburger Gartensiedlung präsentiert sich als eine idyllische Mischung aus Gartenlauben und kleinen Wohnhäusern. 1.400 Grundstücke und Parzellen - die meisten in der Erholungsanlage sind gepachtet, ein Drittel befindet sich in Privat-Eigentum.

Norbert Ludwig wohnt seit mehr als 50 Jahren in seinem Haus, nach der Wende hat er auch das Grundstück gekauft – zur Altersvorsorge. Jetzt weiß der 70-Jährige nicht mehr, ob er bleiben kann. Am meisten bedrückt ihn die Unsicherheit. "Man bekommt ja hier auch keine Auskünfte, wie das insgesamt weiter geht."

Eine 40 Meter breite Schneise durch die Siedlung

Wenn die Straßenbahntrasse kommt, schneidet sie rund um den Fuchsammerweg eine 40 Meter breite Schneise durch die Siedlung. Die Linie M2 soll, so die Pläne des Senats, vom Alexanderplatz bis zum S-Bahnhof Blankenburg führen. Das Grundstück von Norbert Ludwig würde verschwinden, er müsste sein Zuhause aufgeben. Zusätzlich zur Straßenbahn ist auch noch eine neue Straße im Gespräch, die Tangentialverbindung Nord, die an anderer Stelle mitten durch die Siedlung führen würde.

Hinter der Planung vermutet Norbert Ludwig politisch-taktische Gründe. "Dann bleiben im Prinzip nur noch Restflächen übrig, wo sich wahrscheinlich die Politik erhofft, dass nur noch so wenige Bürger für Proteste übrig bleiben, dass sie dann leichtes Spiel haben, hier die ganze Fläche doch zu bebauen."

Tram-Verlängerung im Blankenburger Süden

Geplante Verlängerung der M2 (Quelle: rbb|24)
Bild: rbb|24

200 Grundstücke müssten geräumt werden

Nach den jüngsten Planungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung soll nun zumindest die Wendeschleife für die Tram nicht mehr in der Siedlung liegen, sondern außerhalb, auf der anderen Seite der Bahnhofstraße. Dort müssten ein Supermarkt und ein Gebrauchtwagenhändler weichen. Der Vorteil für die Fahrgäste: Sie müssten nicht die Straße überqueren, um am Bahnhof Blankenburg in die S-Bahn umzusteigen.

Doch für die Bewohner der Kleingartenkolonie spiele das kaum eine Rolle, meint die Vereinsvorsitzende Ines Landgraf: "Nein, das macht überhaupt gar keinen Unterschied, es muss in jedem Falle durch unsere Erholungsanlage durchgewalzt werden mit Bautechnik."

Wenn die Trasse - wie zurzeit geplant - gebaut wird, müssten mindestens 200 Grundstücke geräumt werden. Um das zu vermeiden, schlägt Landgraf eine Variante für die Straßenbahnlinie vor, die zwar durch das Neubaugebiet, aber nicht durch die Siedlung führt: "Über das Rieselfeld nach Karow und Buch - das ist unser Plan."

CDU fordert neue U-Bahnlinie

Eine weitere Variante, welche die Siedlung schonen könnte, schlägt die Stadtentwicklungsexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Daniela Billig vor: "Die Tramlinie würde ich nicht durch die Anlage legen, sondern den Dorfkern Blankenburg noch mit anschließen."

Das alles sei sicher gut gemeint, aber viel zu klein gedacht, sagt dagegen der CDU-Fraktionschef von Pankow, Johannes Kraft. Die vielen Menschen in den neu zu bauenden Wohngebieten bis hinauf nach Karow, Buch und Bernau könnten unmöglich nur mit der Straßenbahn transportiert werden. Die CDU fordert deshalb, eine neue U-Bahnlinie zu bauen. "Ich glaube, man muss mit viel mehr Mut an die Sache herangehen. Eine U-Bahn, die vom Alexanderplatz aus über Weißensee bis Buch und Bernau führen würde, das wäre eine wirklich leistungsfähige Alternative."

Was am Ende tatsächlich gebaut wird, soll frühestens im kommenden Jahr entschieden werden. Bis dahin bleiben die Bewohner der Gartensiedlung Blankenburg wohl noch im Ungewissen. Immerhin: Eine Info-Veranstaltung zum Stand der Planung gibt es schon am 14. Februar.

Sendung: Inforadio, 05.02.2020, 06:20 Uhr

Beitrag von Holger Hansen

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Antwort auf [Mike] vom 05.02.2020 um 21:33
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25 Kommentare

  1. 25.

    Ich frage mich woher das Geld für eine Unsinn u.bahn nach Buch? Ich bin für die tram . Vieleicht sollte man die autofaher zur Kasse bitten für den Ausbau des öpnv

  2. 24.

    ich wohne jetzt seit 20 Jahren in Heinersdorf. Bereits vor 20 Jahren hieß es, es soll eine Umgehungsstraße gebaut werden um den Ortskern zu entlasten. Wo ist diese Straße ? Soviel ich erfahren habe gibt es noch nicht einmal ein Planfeststellungsverfahren. Man kann die Straßenbahn sehr gut erweitern auch ohne die Gartenanlagen zu zerstören. Und wenn die Bahn nicht nur alle 20 Minuten fährt (wie jetzt) würde sie auch nicht zu überfüllt sein. Eine Verlängerung einer zweiten Bahn von Weißensee über Malchow in dieses Wohngebiet wäre ebenso möglich. Und wenn Trasse und Natur miteinander verbunden werden, wäre dies möglich. Aber leider sind die entscheidenden Politiker dazu nicht in der Lage. Kommt ein guter Vorschlag, der allem Rechnung trägt, aus einer Richtung wird er sofort aus der anderen Richtung mit oft fadenscheinigen Begründungen zu Nichte gemacht.

  3. 23.

    " aber das klappt nie "

    Nie würde ich nicht sagen denn wer kann schon in die Zukunft schauen aber ich denke das zumindest diese komplett neue U Bahn Strecke Richtung Nordosten nicht in diesem Jahrhundert realisiert wird denn in den noch verbleibenden 80 Jahren werden sicher andere Weichen gestellt . Aber an anderer Stelle sehe ich durchaus realistische Chancen für die ein oder andere U Bahn Erweiterung in Berlin .

  4. 22.

    Hehe... U-Bahn vom Alex über Weißensee nach Blankenburg? Ich bin jetzt 30 Jahre und meine Tochter gerade 1 Jahr geworden. Ich stelle vor wie sie mich am Rollator gehend in die Bahn zu einer der ersten Fahrten geleitet.
    Ich bin ein Fan von Optimismus, aber das klappt nie. Allein die Prüfungs- und Planfeststellungsverfahren...

  5. 21.

    Hab dazu was gefunden ;) Nicht hier: https://www.meinetram.de/de/Anschluss-an-die-Zukunft Aber auf einer verlinkten nicht ganz aktuellen alten Senatsseite: "Wie wird die Straßenbahnstrecke konkret aussehen? Der Gleiskörper einer Straßenbahn nimmt eine ca. 6 bis 7 m breite Fläche in Anspruch. Wo dieser exakt liegen soll, ist noch nicht klar. Dazu bedarf es noch detaillierterer Untersuchungen. Die in Abbildung 2 eingezeichnete Strecke stellt somit nur eine grobe, beispielhafte Streckenführung dar. Im Bereich des Wohnungsbaustandortes (vgl. gelbe Fläche in Abbildung 2) besteht noch eine Variabilität von ca. 200 m Breite nach Nordosten bzw. Südwesten. Im Bereich der Erholungsanlage Blankenburg besteht nach derzeitigem Planungsstand noch ein Spielraum von ca. 50 m bei der exakten Lage der Trasse."
    https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/politik_planung/oepnv/netzplanung/de/tram_blankenburger_sueden.shtml

  6. 20.

    @rbb 40meter Schneise scheint mir auch übertrieben, wenn ich mir die Gleisanlagen vielerorts anschaue - z.B. am Alex. Was soll denn da gebaut werden? Eine Straßenbahntrasse oder noch vieles anderes mehr?

  7. 19.

    Es ist schon Lustig, der "Blankenburger Süden" ist kein Kleingarten/siedlungsgebiet, das sind Felder. Die Tram-Strecke würde in der Mitte durch dieses vollkommen unbebaute Gebiet gehen, um dann am Blankenburger Plasterweg nach Westen abzubiegen um zum S-Bhf zu kommen.
    Man könnte, um den Siedlungszipfel, der nach der oben angegebenen Karte durchschnitten werden müsste, die Trasse kurz vor der Heinersdorferstraße nach Norden über den Pflasterweg, durch das ehemalige FHTW-Gelände z.B. legen, um die dann südlich der Grundschule nach Westen erst auf die Bahnhofstraße zu führen.
    https://www.openstreetmap.de/karte.html?zoom=14&lat=52.58008&lon=13.46027&layers=B000TT

  8. 18.

    Nach Ihrer Logik dürften Sie nicht einmal auf eine Ameise treten u. seit unserer Existenz auf diesem Planeten hätten wir uns darum unendlich schuldig gemacht.

    (Ich hätte nie gedacht, mal ein solches Argument zu benutzen).

    Wo ich Ihnen zweifellos Recht gäbe: Es sollte nicht die schnellstmögliche u. schon garnicht die größtmögliche Lösung angestrebt werden, sondern diejenige mit dem geringsten Naturverbrauch. Das war jz. lang anders herum und es gibt gerade heutzutage immer wieder Tendenzen, das anders herum zu sehen. Wer am stärksten "auf die Sahne haut", zieht am meisten Publikum an sich.

    Großspurige Lösungen wie in den 60ern und 70ern stehen heute allerdings unter Rechtfertigungsdruck, anstatt dass Zeitgenossen das so einfach durchwinken würden. Ein Verkehrsmittel, auf dessen Trasse fast gleich starkes Grün ist wie auf allem drumherum, ein Verkehrsmittel, auf dessen Trasse in Fußg. zonen ein fast gleich starker Publikumsverkehr ist wie drumherum, müssen Sie erstmal finden.

  9. 17.

    Wieso muss man darauf 20 Jahre warten? Wenn ein Wille da ist, geht das wesentlich schneller. Außerdem wäre dann der gesamte Nord-Ost-Raum endlich mal verkehrstechnisch vernünftig erschlossen. Denn Blankenburg hat jeden Tag ewig lange Staus, weil die Menschen aus Buch, Karow (da sollen imübrigen auch noch nue Wohnquartiere entstehen) und dem gesamten Umland hier täglich in die Stadt drängen, um zur Arbeit zu kommen und abends dann wieder zurück.

  10. 16.

    Wieso muss man darauf 20 Jahre warten? Wenn ein Wille da ist, geht das wesentlich schneller. Außerdem wäre dann der gesamte Nord-Ost-Raum endlich mal verkehrstechnisch vernünftig erschlossen. Denn Blankenburg hat jeden Tag ewig lange Staus, weil die Menschen aus Buch, Karow und dem gesamten Umland hier täglich in die Stadt drängen, um zur Arbeit zu kommen und abends dann wieder zurück.

  11. 15.

    Naja dann wartet das Wohngebiet halt noch 20 Jahre bis die U-Bahn gebaut wird, anstatt deutlich früher mit der Tram angebunden zu werden. Kann man nichts machen. Die CDU hat ja recht.

  12. 14.

    " Ihre Aussage ist falsch "

    Das meine Aussage falsch sein soll daran habe nicht nur ich meine Zweifel sondern auch Experten die sich beruflich tagtäglich damit beschäftigen .

    " Wien macht es vor, dort werden fast ausschließlich U-Bahnen erweitert "

    Auch diese Aussage ist falsch denn selbst in Wien wird parallel zur U Bahn auch das Straßenbahnnetz erweitert !!

    " nur so schafft Berlin die Verkehrswende "

    Und auch in diesem 3. Punkt liegen Sie deutlich daneben denn eine Zeitnahe und wirkliche Verkehrswende die den Namen auch verdient benötigt alle zur Verfügung stehenden Netze also neben Regionalbahnen auch S Bahnen , U Bahnen und im großen Maße auch neue Straßenbahnstrecken denn die verschiedenen Verkehrsträger erfüllen unterschiedliche Aufgaben und in einigen Fällen wird das eine durch das andere ergänzt .

  13. 13.

    Naja - wenn Natur unwichtig ist - sie ist ja Lebensgrundlage für Menschen - dann macht mal. Scheiss was auf Natur - das Menschtier braucht Raum - da muss alles weichen.
    Nur der Mensch zählt - Tiere, Insekten sind da egal - die braucht niemand in der schönen, betonierten und versiegelten Stadt - nur weil zuviel Mensch zuwenig Hirn hat, geht alles den Bach herunter.
    Kannste stolz drauf sein - Mensch.

  14. 12.

    Ihre Aussage ist falsch, man braucht dringend schnelle Verbindungen in die City, Wien macht es vor, dort werden fast ausschließlich U-Bahnen erweitert, das kann man auch schnell oberirdisch bauen, nur so schafft Berlin die Verkehrswende.

  15. 11.

    Ja ja, der Bezirk Pankow will auch schon seit 20 Jahren die Straßenbahn von Niederschönhausen nach Französisch Buchholz verlängern, zumal dort auch ein Neubaugebiet erschlossen werden soll, dies scheitert aber an den Grünen und Linken im Pankower Rathaus, da dort irgendwelche seltene Tiere leben.... So sieht die Wahrheit der Verkehrswende aus.

  16. 9.

    " PS: Ich bin Berliner ,hier geboren...ja das gibt es noch ;-)))) "

    Das macht das was Sie schreiben (diese Stadt ist voll ...Oberkante ! ) nicht Sinnvoller !!

    Genauso wie das was @ Maro schreibt : " Man braucht keine überfüllte M2, die 1 Stunde in die City fährt "

    Es gibt U Bahn Strecken in Berlin deren Erweiterungen sicher hier und dort sinnvoll sind aber ich habe meine Zweifel das solche Kostenintensiven Projekte in Blankenburg und Karow gerechtfertigt währen .

  17. 8.

    Das sind völlige Fehlinformationen, die hier vom RBB verbreitet werden. Die Trasse an sich ist weniger als 10 Meter breit, lediglich der Suchkorridor ist 40 Meter breit, weil eine genaue Lage erst in der Detailplanung feststeht.

    Die Information mit einer 40 Meter breiten "Schneise" ist also reine Panikmache durch den RBB mit alternativen Fakten.

    Weitere Anforderungen ergeben sich höchstens durch parallele Rad-und-Fußwege, es wäre mir aber neu, das solche geplant sind. Und zudem haben solche Wege mit der Straßenbahnplanung überhaupt nichts zu tun.

  18. 7.

    Jetzt bauen wir erstmal Wohnungen, 2030 oder so (je nachdem, wie lange die Planungen und die Finanzierung dauern) beginnen wir dann mit dem Bau der U-Bahn, und die kommt vielleicht 2040 im Ortskern von Heinersdorf an. Weiterführung nach Blankenburg bis 2050 oder 2060 oder so.

    Verkehrspolitik à la Berliner CDU. Die offenkundig irgendwo in den 60er Jahre steckengeblieben ist. Das Märkische Viertel lässt grüßen.

  19. 6.

    Das Menschen für Menschen weichen müssen...geht überhaupt nicht !!! Es wird in dieser Stadt immer mehr Betoniert.Eine grüne Oase nach der anderen verschwindet. Infrastrucktur schaffen...In unserer Stadt unter diesem Senat..jedes Stück Fußweg dauert eine gefühlte "Ewigkeit". Ich sage es mal so...diese Stadt ist voll ...Oberkante !
    Hier wird Stück für Stück das zerstört was unsere Stadt so einzigartig macht.
    PS: Ich bin Berliner ,hier geboren...ja das gibt es noch ;-))))

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