Richard Grenell, Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, steht vor dem Verteidigungsministerium. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Bild: dpa/Kay Nietfeld

Richard Grenell - US-Botschafter in Berlin wird neuer Geheimdienstdirektor

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, wird neuer amtierender Geheimdienstdirektor seines Landes. Präsident Donald Trump ernannte den 53-jährigen Diplomaten am Donnerstag formell zum geschäftsführenden Koordinator der US-Geheimdienste, wie das Weiße Haus mitteilte.

Trotz seiner Berufung bleibt Richard Grenell US-Botschafter in Deutschland. Das berichtet die Deutsche Presseagentur und beruft sich auf US-Diplomaten. Danach muss der US-Senat die Personalie noch bestätigten, was aber unsicher sei. Vorerst werde Grenell seine Amtsgeschäfte in Berlin fortsetzen.

Der 53-Jährige gilt als loyaler Anhänger Trumps. Der US-Präsident hatte Grenells Ernennung am Mittwochabend im Kurzbotschaftendienst Twitter angekündigt. Er würdigte den 53-Jährigen als "hoch angesehenen Botschafter", der die USA "äußerst gut repräsentiert" habe.

Drohungen und wenig Zurückhaltung

Der offen homosexuelle Diplomat, der in der Vergangenheit als Sprecher der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen gearbeitet hatte, war seit dem Frühjahr 2018 Botschafter in Berlin. Als Sprachrohr Trumps eckte er immer wieder an: Grenell brach mit der üblichen diplomatischen Zurückhaltung und sorgte mit offensiven Ansagen an die Bundesregierung für Aufsehen.

Schon kurz nach seinem Antritt in Berlin 2018 hatte Grenell für Ärger gesorgt: Im Zusammenhang mit Trumps Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran forderte der Botschafter in einer Twitter-Botschaft deutsche Firmen auf, ihr Iran-Geschäft "sofort" herunterzufahren. Außerdem sagte er in einem Interview mit der rechtspopulistischen Website "Breitbart", er wolle konservative Anti-Establishment-Bewegungen in ganz Europa stärken.

Demokraten kritisieren die Ernennung Grenells

Die Personalie sorgte bei den oppositionellen Demokraten umgehend für scharfe Kritik. Sie betonten Grenell habe keinerlei Geheimdiensterfahrung oder bezeichneten ihn als einen "Schoßhund" Trumps. Die Republikaner zeigten, dass ihnen Loyalität gegenüber Trump wichtiger sei als der Schutz der nationalen Sicherheit.

Dem Nationalen Geheimdienstdirektor kommt in der Sicherheitspolitik der USA eine zentrale Rolle zu. Er koordiniert und überwacht die Arbeit der US-Geheimdienste und hat Kabinettsrang.

Sendung: Inforadio, 20.02.2020, 18:30 Uhr

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11 Kommentare

  1. 10.

    Nun, wenn man sich das unter Trump wild drehende Personalkarrusell anschaut und in Betracht zieht, dass bereits mehrere (ehemals) enge Vertraute Trumps zu z. T. mehreren Jahren Haft verurteilt wurden, dürfte ich so falsch nicht liegen, Wolfgang.

  2. 9.

    Echt erstaunlich was Sie so alles wissen.Woher haben Sie ihre Kenntnisse? Gehören Sie dem inneren Kreis der Republikaner an? Frage mich, ob Sie qualifiziert sind, um hier diese Menschen zu beurteilen.

  3. 8.

    Trump umgibt sich weiterhin lieber mit unqualifizierten Lakaien, als mit Fachpersonal. Insofern bleibt er sich treu, ist doch auch 'ne Leistung.

  4. 7.

    Ein Mann ohne Manieren kommt ganz nach oben. Bei Frauen werden jetzt böse Stimmen etwas behaupten...

  5. 6.

    Bedingungslose Linientreue, und es klappt mit dem Aufstieg.

  6. 5.

    Der Herr Grenell soll sich mit seiner neuen Aufgabe viel viel Zeit lassen. Nur keine Hektik.

  7. 4.

    Ich finde bedenklich, dass Herr Grenell jetzt einen noch wichtigeren Posten bekommt - ausgerechnet Geheimdienstdirektor - und gleichzeitig uns als "Statthalter" erhalten bleiben soll. Hätten sich Botschafter anderer Staaten derart aufgeführt wie er, sie wären wohl ausgewiesen worden. US-Amerikaner dürfen das halt... Entweder hat Herr Grenell nicht begriffen, dass die Besatzungszeit vorbei ist, oder wir haben nicht begriffen, dass sie nicht vorbei ist. DAS hätte ich von unseren Politikern tatsächlich gern mal "besser erklärt".

  8. 3.

    Guter Mann, viel Erfolg im neuen Job.

  9. 2.

    Dieser Mann ist kein Diplomat, zumindest benimmt er sich so. Einer von Trumps Speichelleckern.

  10. 1.

    Da kann er in der Geheimdienstzentrale der Amerikanischen Botschaft noch viel lernen :-)

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