Autofreie Friedrichstraße im Oktober 2019 (Bild: imago images/Bernd Friedel)
Audio: rbb 88,8 | 04.03.2020 | Jan Menzel | Bild: imago images/Bernd Friedel

Verkehrsprojekt in Berlin-Mitte - Friedrichstraße soll sechs Monate autofrei werden

Dass Teile der vielbefahrenen Friedrichstraße vorübergehend autofrei werden sollen, ist schon seit längerem bekannt. Doch die entsprechende Testphase, die im Juni beginnt, soll jetzt wesentlich länger andauern als bislang bekannt.

Die Friedrichstraße in Berlin-Mitte soll deutlich länger als zunächst geplant zu einer verkehrsberuhigten Zone umgestaltet werden. Nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" [kostenpflichtig] wird ein Teil der Friedrichstraße ab dem Sommer für ein halbes Jahr lang für den motorisierten Verkehr gesperrt. Das wäre doppelt so lange wie bisher geplant.

Die Senatsverwaltung bestätigte den Bericht am Mittwoch. In einer Pressemitteilung heißt es, dass man mit Anrainern und Gewerbetreibenden in einen Dialog treten wolle. "Die Vorschläge, die Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese skizzieren wird, werden im Anschluss und in einem weiteren Verständigungsprozess analysiert und diskutiert."

Friedrichstraße
| Bild: rbb|24

Ab September weitere Sperrung

Der Verkehrsversuch soll Anfang Juni dieses Jahres starten und bis Ende November andauern. In den ersten drei Monaten dieser Phase werde der Abschnitt zwischen Französischer und Leipziger Straße gesperrt, schreibt die Morgenpost weiter. Südlich der Leipziger Straße solle zudem der Abschnitt von der Schützen- bis zur Rudi-Dutschke-Straße zum verkehrsberuhigten Bereich erklärt werden. Über die genauen Pläne wollte die Senatsverwaltung noch nichts mitteilen.

In einer zweiten Phase ab September, so die Morgenpost weiter, dürften Kraftfahrzeuge dann auch auf dem Abschnitt südlich der Leipziger Straße bis zur Schützenstraße nicht mehr fahren. Von dort bis zur Rudi-Dutschke-Straße bliebe die Strecke verkehrsberuhigt, was auch den Bereich des Checkpoint Charlie beträfe, der in diesen Bereich fällt. Damit dürften dort Kraftfahrzeuge nur noch in Schrittgeschwindigkeit fahren.

Friedrichstraße wird keine Fußgängerzone

Die Verkehrsberuhigung werde begleitet von umfangreichen Umgestaltungsmaßnahmen, schreibt die "Morgenpost" weiter. Demnach seien doppelt so breite Gehwege entlang der Friedrichstraße geplant. Die Bürgersteige würden von jetzt vier Metern pro Straßenseite ab Juni auf acht Meter erweitert, heißt es in dem Bericht. Eine reine Fußgängerzone soll es demnach aber nicht geben: Für Fahrradfahrer werde ein 2,50 Meter breiter Fahrstreifen in beide Fahrtrichtungen eingerichtet.

Friedrichstraße als Einkaufsmeile auf dem Prüfstand

Bereits Anfang Oktober waren in einer Art Testlauf Teile der Friedrichstraße nur Fußgängern vorbehalten. Zwei Tage lang war die Strecke zwischen Französischer Straße und Mohrenstraße unter dem Motto "Friedrich, the Flâneur" abgesperrt. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) hatte bereits im Dezember dem rbb gesagt, dass sich nur über einen längeren Zeitraum die wirtschaftlichen Auswirkungen einer autofreien Straße ermitteln ließen. Grundsätzlich sei der Versuch mit dem Senat vereinbart. Nun müssten die Einzelheiten geklärt werden.

Mit dem Experiment soll die Umwelt geschont werden, aber auch die zuletzt kriselnde Einkaufsmeile im Herzen der Hauptstadt wieder attraktiver gemacht werden. Viele Geschäfte und das Quartier 206, das einst zahlreiche Luxusmarken beherbergte, stehen inzwischen leer.

Kommentar

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Antwort auf [Ingo] vom 05.03.2020 um 08:19
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58 Kommentare

  1. 58.

    "Das Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen öffentlichen Abgaben liegt darin, dass die Zahlung von Steuern grundsätzlich keinen Anspruch auf Gegenleistung begründet."

  2. 57.

    Tolle Idee,jetzt müssen nur noch Radfahrer an den Kosten für Neubau und Reparaturen der Strassen beteiligt werden. Noch zahlen die Autofahrer das alleine. Das großmäulige, immer nur fordernde Radfahrer an den Kosten beteiligt werden, darauf warte ich schon viel zu lange.

  3. 56.

    Friedrichstraße? Gibts die überhaupt noch? Wenn ja, wer läuft denn da rum? Sich verlaufen habende Touris mit Stadtführern der 30er Jahre?
    Wem reichen denn in einer toten Einkaufsstraße 4m Gehwege nicht? Ich rechne mal zusammen... 2x8m Gehweg = 16m + 2x 2,50 Radweg = 21m... is dit da überhaupt so breit? Das Bild sieht so aus als wenn nicht.
    Der Senat scheint ja viel Geld zu haben, dass er für Wohnungsbau nicht braucht. Da könnten die anderen Bundesländer ja mal den Länderfinanzausgleich abdrehen.

  4. 54.

    Ach das freut mich aber, dass ab Juni die Luxuskunden endlich entspannt auf der Friedrichstraße flanieren und ungestört dem Klang ihrer schwarzen Kreditkarten beim Bezahlen lauschen können. Ich wohne seit 29 Jahren in einer der wenigen noch bezahlbaren Wohnungen einer Nebenstraße dort(ohne Auto). Glaubt wirklich Jemand, dass durch diese Maßnahme ein Auto weniger durch Mitte fährt, oder man Luxuskunden anlockt? Die Parallelstraßen sind jetzt schon stark befahren, es gibt da weniger Ampelübergänge, die Autos werden sich dort stauen, die Abgasbelastung steigt, keine Schallschutzfenster... Die Umwelt soll geschont werden? Ja genau. Gute Maßnahme, die letzten "normalen" Berliner aus Mitte zu vertreiben - Ferienwohnungen sind rentabler. Die Berlin Mall gräbt den Potsdamer Platz Arkaden und der Friedrichstraße die Kunden ab und der Rest fährt zum (befahrenen!) Ku´Damm. Danke, für noch mehr Lärm und Abgas! Ich würde ja umziehen, aber auch da setzte Berlin in den letzten Jahren auf Luxuskunden.

  5. 53.

    Vor dem Gesetz sind alle gleich, also müsste das auch für Radfahrer und Fußgänger gelten. Busse und Taxis sowieso.
    Wenn man Gesetze für bestimmte Gruppen macht, dann ist das so wie Gesetze für blonde, blauäugige...

  6. 52.

    Erfasst, aber andere Schlussfolgerung : Mit dem Auto durch tote Steinwüste wäre ja noch ok, aber warum soll ich da flanieren???

  7. 51.

    Klingt zwar ansich gut, doch wer sollte fortwährend kontrollieren, ob auch jedes auftauchende Auto sein darf, wo es ist?
    Und die Zahl der Ausnahmen wäre groß:
    Polizeifahrzeuge, Zulieferer und Entsorgungsunternehmen (u. a. die BSR), BVG-Busse, Kranken- und Behindertentransporte (und Privatleute, die ältere und gehbehinderte Menschen befördern)...
    Zudem: Wer kommt für die Einnahmeverluste auf, wenn ein Unternehmen (z. B. eine Tankstelle oder ein Möbelhaus) wegen einer entsprechenden Straßensperrung kaum oder zumindest weniger Umsatz macht?
    Daher kann ich meinen Standpunkt nur bekräftigen:
    Obwohl selbst kein Autofahrer und ein Fan ausgedehnter Spaziergänge in ruhigen, abgasarmen Gegenden, finde ich, dass Fahrverbote selten und zeitlich wie räumlich sparsam verhängt werden sollten.

  8. 50.

    Das beste ist das Symbolfoto, suggeriert es doch: Seht her, wir Fußgänger und Fahrradfahrer haben die Straße erobert! Frage mich bloß, ob die herbei gerufenen "Jubelperser" auch im Alltag da so lang laufen!? Ich sehe da immer nur sehr wenige Autos und diese wenigen werden sinnlos aufgestaut mit Ampeln. Das ganze sinnlos BlaBla um eine "tote" Straße bringt mich zum lachen. Dem Einzelhandel fahren die Kunden schneller weg, als sie ihnen zulaufen! Von mir ein kräftiges weiter so! Ich brauch diese sch..... Innenstadt nicht!

  9. 49.

    Oh Mann ,,,, was für Vergleiche. Waren Sie schon einmal in Barcelona? Die Ramblas mit der Friedrichstraße o. ä. zu vergleichen ist ein wohl ein Scherz, oder Sie wissen nicht von was Sie reden.

  10. 48.

    Mal ehrlich... wer ist das letzte Mal mit dem Auto in diese Stadtmitte gefahren? Kaum einer tut sich das an. Wer nicht unbedingt dahin muss, sprich seinen Arbeitsplatz aufsucht, gurkt nicht mit dem Auto durch eine leblose Steinwüste. Bleibt also nur der Durchgangsverkehr und da gibt es bessere Routen. Touris die sich dahin verirren, fahren eh kein Auto. Alles aufgeblasenes BlaBla ….

  11. 47.

    Super, Klasse, echt stark ….. aber was sollen Sie da … da ist nichts. Jetzt können Sie den ganzen Tag rauf und runter radeln. Super, klasse, echt stark ….

  12. 46.

    Naja das wird schon ein kleiner Umweg für Autofahrer, also mal sehen wie Die umstraßen voll sein werden.
    Man kann natürlich Fahrradfahrer verstehen auf grund des platzmangels auf unseren straßen, trotzdem finde ich es nicht so toll das man Stück für Stück versucht das Auto aus der Stadt zu jagen, ich denke dafür gibt es andere Optionen.
    Jeder soll mit das Verkehrsmitteln unterwegs sein was zur verfügung steht.

  13. 45.

    WARUM NUR 6 Monate
    macht doch die Frierichstrasse zur Fussgängerzone
    in anderen Europa-Städten geht das doch auch----
    z.B.: Barcelona-Madrid etc.

  14. 44.

    Wir können uns ja auf den Kompromiss einigen dass der Autoverkehr für alle die gut zu Fuß sind stark eingeschränkt wird. Auf einmal sind dann nämlich 90% weniger PKW auf den Straßen und alle die tatsächlich auf ein Auto angewiesen sind haben es viel leichter von A nach B zu kommen.

  15. 43.

    Von mir aus können Sie Die Friedrichstraße ruhig schließen, wer will schon mit sein Auto da durchfahren es ist die reinste Katastrophe da zu fahren.
    Solange es andere Straßen gibt wo ich mit mein Auto fahren kann ist es mir herzlich egal mit der Friedrichstraße.

  16. 42.

    Und denn sollte die IAA nach Berlin geholt werden.... ???

  17. 40.

    Ja , da gibt es nichts zu shoppen , alles geschlossen ausser " Bäckerei Kamps " , was soll man da ?
    Einkaufen am WE , ja aber was ? Es gibt nichts.

  18. 39.

    Das ist stark. Respekt. Als Radfahrer freue ich mich sehr darauf. Endlich mehr Platz für Fußgänger und Radler. Bitte weiter so!

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