«8. März ist Frauenkampftag» steht auf dem Transparent, das die Demonstration in Berlin zum Internationalen Frauentag anführt. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Video: Abendschau| 08.03.2020 | Max Kell | Bild: dpa/Riedl

Internationaler Frauentag - Tausende Frauen ziehen für ihre Rechte durch Berlin

Noch immer sind Frauen in verschiedenen Bereichen benachteiligt, beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb sind am Internationalen Frauentag in Berlin tausende Frauen auf die Straße gegangen. Allerdings waren es nicht ganz so viele wie erwartet. 

Zum Internationalen Frauentag sind tausende Menschen in Berlin für Frauenrechte auf die Straße gegangen. Die größte Demonstration führte vom Leopoldplatz in Wedding bis zum Alexanderplatz. Die Teilnehmer trugen Schilder und Banner mit Aufschriften wie "Für 50/50 im Haushalt und in der Kindererziehung", "Frauenrechte sind Menschenrechte" oder "Kein Rassismus im Namen des Feminismus". 

Rund 12.000 Teilnehmer waren nach Angaben einer Sprecherin des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung dabei, die Polizei sprach von "weniger als 10.000 Teilnehmern". Angemeldet war die Demonstration mit 20.000 Menschen. Das Bündnis fordert unter anderem, Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr durch den Paragrafen 218 unter Strafe zu stellen.

"Kampf"-Demo und Purple Ride

Zu einer weiteren Aktion am S-Bahnhof Warschauer Straße kamen hunderte Demonstranten.  Die Veranstalter hatten laut Polizei 700 Teilnehmer angemeldet. Das Motto in Friedrichshain: "Es ist keine Party - Es ist ein Kampf". Zu der Demonstration aufgerufen hatte das Bündnis Internationalistischer Feministinnen.

Die Demonstration in Berlin begannen am Mittag mit einer Fahhraddemonstration. Der sogenannte Purple Ride führte vom Kreuzberger Mariannenplatz zur Oberbaumbrücke. Die Teilnehmerinnen wollten für Gleichberechtigung sowohl für Frauen als auch für Fahrradfahrende demonstrieren. Das Fahrrad sei ein Symbol der Emanzipation, hieß es in dem Aufruf, weil Frauen sich das Radfahren lange gegen gesellschaftliche Widerstände haben erkämpfen müssen.

Bereits am Samstag hatten in Potsdam verschieden feministische Gruppen für Gleichberechtigung demonstriert. Unter dem Motto "Wir kämpfen zusammen", protestierten sie gegen Sexismus, jede Art von Diskriminierung und gegen Rassismus.

Politiker fordern bessere Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Noch immer sind viele Frauen beim Lohn oder der Anerkennung ihrer Arbeit benachteiligt, darauf haben mehrere Politiker in Berlin und Brandenburg anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hingewiesen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) forderte, Frauen und Männer müssten auf dem Arbeitsmarkt gleich behandelt werden. "Nicht nur die Chance, sondern auch der Zugang zu führenden Positionen muss möglich sein", sagte Müller laut einer Mitteilung.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) kritisierte, Minijobs und Teilzeitbeschäftigung seien noch immer eine Frauendomäne. Es sei "an der Zeit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser aufzustellen, damit Frauen auf dem Arbeitsmarkt den Männern tatsächlich gleichgestellt sind".

Berlin

  • Demonstration "Frauen*kampftag"

  • 8.-März-Demo

  • Demonstration "Purple Ride"

  • Open-Air-Ausstellung: "Die Hälfte Berlins. Ein Blick auf 150 Jahre Frauenbewegung"

  • Fest zum Frauentag in Rudow

Brandenburg

  • Matinee zum Internationalen Frauentag in Potsdam

  • Gala zum Frauentag: Konzerte im Kulturhaus Rüdersdorf

  • Lesung und Gespräch in Schloss Branitz: "Fontanes Frauen"

  • Museum Alexandrowka, Potsdam

Kinder und Pflege noch immer meist Aufgabe der Frau

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte, Frauen trügen immer noch oftmals die Hauptlast bei der Kinderbetreuung und der Pflege Angehöriger. Laut der Familienministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sind etwa drei Viertel der Teilzeitbeschäftigten in Brandenburg Frauen – und das oft unfreiwillig. "Sie verdienen dadurch weniger, mit negativen Auswirkungen auf ihre Rente", sagte sie.

Die Vorsitzenden der brandenburgischen Linke, Anja Mayer und Katharina Slanina, kritisierten zudem, dass Gewalt gegen Frauen immer noch zum Alltag gehöre. Gleichzeitig seien Frauenhäuser chronisch unterfinanziert. "Es genügt also nicht, am 8. März Blumen zu verteilen und warme Worte zu finden. Der Kampf um wirkliche Gleichberechtigung muss jeden Tag und in allen Bereichen geführt werden", so die Linke-Politikerinnen.

8. März in Berlin gesetzlicher Feiertag

Am Internationalen Frauentag fordern weltweit zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. Auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin wurde er in Deutschland erstmals am 19. März 1911 organisiert. Die zentrale Forderung damals: die Einführung des Frauenwahlrechts. 

Heute ist der Weltfrauentag in mehr als zwei Dutzend Ländern ein gesetzlicher Feiertag, etwa in Angola, Georgien, Russland und Vietnam. Auch in Nordkorea und Kuba wird er offiziell begangen. In Deutschland ist der Frauentag seit 2019 nur im Land Berlin ein gesetzlicher Feiertag.

Neben Demonstrationen waren sowohl in Berlin als auch in Brandenburg am Frauentag zahlreiche Veranstaltungen angekündigt. In Brandenburg findet zudem derzeit die Frauenwoche mit landesweit rund 200 Veranstaltungen statt.

Sendung: Inforadio, 08.03.2020, 15 Uhr

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98 Kommentare

  1. 98.

    "Alle paar Tage wird eine Frau von ihrem Lebensgefährten oder Ex-Mann ermordet – 2018 waren es in Deutschland 123 Frauen. [...] **Die Gefahr durch den Partner oder Ex-Partner ums Leben zu kommen ist für Frauen in Deutschland höher, als an Krebs oder einem Verkehrsunfall zu sterben.**"

    Das ist schrecklich! Männer sollten sofort verboten werden. Todesstrafe für Zuwiderhandlung!

    Verkehrstote 2018: 3265
    Krebstote 2018: ca. 235000

    Wobei - wenn da jeweils weniger als 122 Frauen dabei waren, erledigt sich das Problem "Männer" wahrscheinlich ohnehin von selbst.

    Sie sind nicht zufällig auch für die Statistik zum Gender-Pay-Gap zuständig, oder? :D

  2. 95.

    Ich habe in meiner Verwandtschaft/ Bekanntschaft auch jede Menge Promovierte, die trotzdem relativ unfähig durchs Leben stolpern und die nicht in der Lage sind, Propaganda als solche zu erkennen. Meine Stiefmutter z.B. (so sehr ich sie mag) hat 'nen Dr., hat aber als Immobilienmaklerin in einer boomenden Großstadt(!) immer am Hungertuch genagt und sieht jeden Abend gläubig die Tagesschau. Das muß man nicht weiter kommentieren. Mit Verlaub: Ihre Promotion weist Sie mitnichten per se als Fachmann für irgendwas aus. Gewöhnen Sie sich dran. Je eher um so besser.
    Wenn Sie nicht mal in der Lage sind, den bereinigten Gender Pay Gap angemessen zu werten, sagt das alles über Ihre angeblichen Statistik-Kenntnisse aus. Was Sie hier kolportieren ist nicht Statistik sondern Ideologie.
    Die Äußerung des Satzes "Ich habe promoviert" ist kein Argument, sondern wirkt ausgesprochen hilflos.
    Gruß vom Akademiker

  3. 94.

    "Wenn wir den öffentlichen Sektor ausnehmen". Damit fängt es schon mal an. Dies ist der größte Sektor, wie Ihnen bekannt sein dürfte. Insofern würden Sie mit der Herausnahme jede Statistik verfälschen.

  4. 93.

    Ich denke, dass eine sachliche Diskussion zu diesem aufgeladenen Thema möglich ist, und auch hier teilweise gelingt. Reflexhafte Angriffe kommen vor, das macht mir nichts aus.

  5. 92.

    Sie meinen den bereinigten gender pay gap, oder? Er berücksichtigt weitere Faktoren wie Unterschiede in der Berufswahl usw. und liegt bei 7-9% (Stat. Bundesamt). Bei einer vollständigen "Scheinkorrelation" würden es 0% sein. Das heißt bei gleicher Berufswahl, Qualifikation usw. gibt es nach wie vor ein tatsächliches Ungleichgewicht und kein nur scheinbares.

  6. 90.

    Mich würde ehrlich interessieren, worauf genau Ihre wiederholte Aussage fußt, dass es in "vielen" oder "den meisten" Jobs keinen Gehaltsunterschied gibt? Wenn wir den öffentlichen Sektor ausnehmen, auf welcher Grundlage kommen Sie zu dieser Überzeugung? Welche Belege haben Sie für Ihre Aussage? Ich würde wirklich gerne mehr davon erfahren, falls ich etwas nicht mitbekommen habe.

    Übrigens ist es ist schon bezeichnend, dass Sie es als arrogant auslegen, wenn eine Frau Kontra gibt auf eine Belehrung von oben herab, sie möge erst mal einen Statistikkurs besuchen. Genau darauf bezog sich mein Kommentar, in dem ich diese plumpe Art widergespiegelt habe.

  7. 89.

    Eine sachliche Diskussion werden Sie hier nicht erleben, stattdessen fällt man über Sie her, wie man sieht. Eine unabhängige Meinung ist hier unerwünscht.

  8. 88.

    Wenn ich mich mal einmischen dürfte? Ich sehe das wie Sie. Und bin der Meinung dass oft das Gegenteil der Fall ist, das mit der scheinbaren Überlegenheit der Studierten. Solange man die übliche Lehrmeinung vertritt kann man sogar promovieren, ich meine das sarkastisch, denn NUR WENN man nicht davon abweicht, wird man die Kariereleiter aufsteigen.
    Flexibles, lösungsorientiertes Denken ist an den Universitäten nicht erwünscht. Habe ich erlebt im Osten. Und das ist heute nicht anders. Will damit sagen, die wahren Intelligenten sind nicht die mit dem auswenig gepaukten Schulstoff, sondern die Lebenskünstler, die eigenständig denken und AUFRICHTIG die Hürden des Lebens meistern. Liebe Grüße

  9. 87.

    Wenn Sie Statistische Wissenschaften studiert haben, dann wissen Sie um die Parameter. Zu welchem Thema haben Sie promoviert?

  10. 86.

    Ein alter Spruch lautet;"ch glaube jeder Statistik ,die ich selbst gefälscht habe."
    Da ist was Wahres dran,denn das reale Leben lehrt uns mehr als jede Statistik und alle Theoretiker/innen.
    Die vielen Minijobs,die es z.B. im Einzelhandel gibt,werden vornehmlich von Frauen ausgeübt. Gäbe es dort überwiegend Vollzeitjobs, hätten wir auch weniger Altersarmut. Und solange berufstätige Mütter sich um Kinder und Haushalt vorrangig neben ihrem Job alleine kümmern müssen, haben sie auch schlechtere Chancen im Beruf. Das hatte ich unter 50. auch schon mal ausgegührt. Gleichberechtigung fängt zuhause an, Statistik hin oder her.

  11. 85.

    "promoviert"
    Selten so gelacht, es gibt aber Menschen die einen Beruf gelernt haben, und sich trotzdem mit Statistik auskennen (müssen).
    Sie wissen doch auch nur das, was Ihr Uni-Professor ihnen maximal zugetraut hat. Wird man von Statistik satt? Oder brauchen Sie außerhalb Ihrer Statistik doch Hillfe? Sowas arrogantes...

  12. 84.

    Ihre Arroganz ist sehr interessant."Ich habe an einer Universität promoviert und kann Ihnen gerne Nachhilfe in Statistik geben."
    In meinem Job habe ich eine Menge solcher Frauen wie Sie kennengelernt. Mit erhobenen Zeigefinger durchs Leben gehen. "Ich habe promoviert, ich weiß mehr als die Anderen" Na da täuschen Sie sich mal nicht. Im wirklichen Leben sieht das anders aus. Das fängt mit Ihrem Kommentar Nr. 66 an. Und wenn alles so easy läuft wie Sie hier schreiben, sind Sie hier irgendwie beim Thema fehl am Platz.
    Es kann nicht sein, dass die die selber eine tolle Karriere hingelegt haben, anderen ihren Lebensweg aufdrängen wollen, nur weil sie irgend etwas studiert haben und sich scheinbar überlegen fühlen.
    Und selbst wenn emanz. Frauen wollen, dass das Männer am Herd stehen und Windeln wechseln sollen, dann sollten sie sich auch ganz einfach ein entsprechendes Exemplar suchen und alle sind glücklich.

  13. 83.

    Die Scheinkorrelation liegt darin, dass völlig unterschiedliche Berufsgruppen verglichen werden. Da Frauen überdurchschnittlich oft in schlechter bezahlten sozialen und nichtkörperlichen Berufen arbeiten, ergibt sich ein scheinbares Ungleichgewicht. In Wirklichkeit besteht dieses aber unabhängig vom Geschlecht bei der beruflichen Tätigkeit. Die Statistik ist nicht falsch, aber leider eben trotzdem auf falschen Annahmen aufgesetzt. Niemand verweigert Frauen, vermehrt in technische Berufe mit besserer Bezahlung zu gehen. Als Frisöse werden Frauen auch in Zukunft nicht reicher werden. Im Gegensatz dazu werden Männer und Frauen in Pflegeberufen gleich mies bezahlt.

  14. 82.

    "Von klein auf mussten die Kinder zehn oder mehr Stunden in Krippen, Kindergärten oder Schule und Hort verbringen."
    Und was ist bitte so schlimm daran,dass es diese Möglichkeit der Betreuung gab? Alleinerziehende hatten es in der DDR jedenfalls wesentlich einfacher als heute.

    Auch heute müssen sehr oft beide Elternteile arbeiten gehen,damit es fürs Leben reicht. Der Unterschied ist nur,dass es eben nicht so gute Betreuungsangebote gibt.

    Schon mal daran gedacht,dass die Scheidungsrate so hoch war,weil die Frauen nicht so abhängig waren von ihrem Mann wie im Westen?

  15. 81.

    Von welcher Scheinkorrelation sprechen Sie? Die Statistik, die ich zitiert habe, bezieht sich auf einen Mittelwertsunterschied zwischen zwei Gruppen (Differenz des durchschnittlichen Brut­to­stun­den­ver­diensts) und nicht auf einen korrelativen Zusammenhang zwischen zwei Variablen. Ich habe an einer Universität promoviert und kann Ihnen gerne Nachhilfe in Statistik geben.

  16. 80.

    Die 21% Gender-pay-gap sind der Vergleich der Vollzeitgehälter. In diesen Wert geht also nicht ein, dass Frauen sehr viel öfter Teilzeit arbeiten als Männer, weil sie zusätzlich zu ihrer bezahlten Arbeit wesentlich mehr Hausarbeit, Kinderbetreuung, häusliche Pflege übernehmen. Der tatsächliche Einkommensunterschied ist also viel größer, und bei der geleisteten Arbeit sieht es umgekehrt aus.

  17. 79.

    Auch das ist falsch. Haben Sie schon mal etwas vom Frauenförderplan gehört? Und des weiteren erhalten Frauen und Männer für den gleichen Job auch das gleiche Geld.

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