Wohnheim für Flüchtlinge in Berlin Köpenick. (Quelle: dpa/Lukas Schulze)
Audio: Inforadio | 09.03.2020 | Nina Amin | Bild: dpa-Archiv/Lukas Schulze

2.000 Plätze sofort belegbar - Berlin reaktiviert Containerdörfer für Aufnahme von Geflüchteten

Viele Geflüchtete hoffen darauf, auch in Deutschland Unterkunft zu finden. Für Berlin wäre es nach Ansicht der Sozialsenatorin kein Problem, sofort bis zu 2.000 Menschen aufzunehmen. Dafür sollen bereits leerstehende Container wieder hergerichtet werden. Von Nina Amin

Für die Aufnahme von bis zu 1.500 besonders schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen hat die Bundesregierung grünes Licht gegeben. Berlin hatte sich schon früh bereit erklärt, Geflüchtete aufzunehmen. Rund 2.000 Plätze seien in Unterkünften in der Stadt sofort belegbar, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) vergangene Woche.

Es sollen aber noch weitere Unterkünfte reaktiviert werden, wie zum Beispiel in der Buchholzer Straße. "Die haben wir als Reserve, wenn die 2.000 Plätze nicht reichen", so Breitenbach. Das Containerdorf in Pankow werde jetzt so betrieben, dass man es später dann nur noch aufschließen muss. Das heißt zum Beispiel: Security ist schon vor Ort und Leitungen werden sauber gehalten. Bis zu 400 Menschen könnten dort wohnen.

Container am Tempelhofer Feld werden reaktiviert

Weitere 1.000 Unterkunftsplätze sollen am Tempelhof Feld hergerichtet werden. Die Flüchtlingsunterkunft auf dem Vorfeld der ehemaligen Flugzeug-Hangars war erst Mitte des vergangenen Jahres leergezogen worden. Nun sollen die leerstehenden Container samt nötiger Leitungen laut Sprecher der Sozialverwaltung wieder reaktiviert werden.

Ginge es nach Sozialsenatorin Breitenbach, käme noch eine weitere stillgelegte Unterkunft in Betracht: die Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau. Bis zu 1.000 Geflüchtete hatte das Land dort untergebracht. Breitenbachs Begründung für die Auswahl der Ex-Kaserne: gute Voraussetzungen. "Beispielsweise gab es dort eine abgeschlossene Quarantänestation", sagt die Sozialsenatorin.

Wenn Berlin nun Verantwortung für Menschen in Not übernehme, sollte der Bund das auch, sagt Breitenbach. Das ehemalige Kasernengelände gehört dem Bund und wurde dem Land nur vorübergehend überlassen, um Geflüchtete unterzubringen. Eigentlich sollten Gelände und Gebäude nun für die Bundespolizei umgebaut werden, Breitenbach aber fordert diese Pläne nun vorerst zu verschieben.

Berliner Caritas sieht Land besser aufgestellt als 2015

Während der Senat sich auf ansteigende Flüchtlingszahlen vorbereitet, sieht es aktuell überschaubar aus: 600 Menschen bringt Berlin monatlich neu unter. Sollten das wieder mehr werden, sieht die Berliner Caritasdirektorin Ulrike Kostka die Stadt heute viel besser aufgestellt als 2015, schließlich habe Berlin seitdem feste Strukturen aufgebaut. "Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten funktioniert deutlich besser, die Netzwerke funktionieren", sagt Kostka. Außerdem gebe es ausreichend Unterkünfte. Berlin habe sich in der Flüchtlingsfrage professionalisiert.

"Auch Familien der Kinder aus Flüchtlingslagern aufnehmen"

Dass Berlin jetzt nach dem Beschluss der Bundesregierung zunächst besonders schutzbedürftige Kinder und Jugendliche aus den griechischen Flüchtlingslagern aufnehmen kann, sei ein richtiger Schritt, meint Kostka. Wichtig für deren Integration in Berlin sei allerdings, dass auch deren Familien mitkommen könnten.

Der Senat hatte bereits im Dezember 2019 angeboten, kurzfristig 70 unbegleitete minderjährige Geflüchtete von den griechischen Inseln aufzunehmen. Sollten es in den nächsten Wochen erforderlich sein, mehr als 70 Minderjährige aufzunehmen, müssten weitere Platzkapazitäten aktiviert werden.

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Sendung: Inforadio, 10.03.2020, 6.10 Uhr

Beitrag von Nina Amin

37 Kommentare

  1. 37.

    Völlig richtig, vorhandene Ressourcen und Möglichkeiten zu nutzen und zu mobilisieren. Egal, wer was von Migrations- sowie Asylrecht hält, Menschen in Not wird zuerst geholfen, danach kann man mögl. offene Rechtsfragen klären. Es war ohnehin ein Fehler, bei steigenden Geflüchtetenzahlen weniger Notunterkünfte zu verwalten.

    Auch unabhängig von akuten humanitären Notfällen muss man, auch einzelstaatlich, nach legalen, menschenrechtsbasierten Wegen suchen, die Migration und Flucht ermöglichen und sie nicht verzweifelt delegitimieren und kriminalisieren. Migration ist eine Konstante menschlicher Zivilisation.

    Wer befürchtet, Rechtsextremen mehr Einfluss zu liefern, indem man Menschenrecht umsetzt, bezeugt nicht nur die eigene Haltung zu Menschenrechten, sondern handelt 1:1 im Sinne der Rechtsextremen. Wie unisono EU-Politiker*innen angemahnt haben, 2015 dürfe sich nicht wiederholen, ist exakt die Parole wie z.B. der "IB": "Festung Europa, macht die Grenzen dicht!" Beschämend.

  2. 36.

    ENDSCHULIDIGUNG,bin weder rechts noch afd wähler, aber Solidarität,wenn dann bitte für alle.

  3. 35.

    Das Hsndy ist die einzige verlässliche Verbindung zu den verlorenen Familienangehörigen und Freunden. Einfach mal nachdenken

  4. 34.

    Das ist ein guter Hinweis! Mit dem gleichen Argument dürfte man keine KfZ mehr in Berlin zulassen, die Infrastruktur gibt das einfach nicht mehr her.

  5. 33.

    Ich kann mir auch vorstellen wen die fremdenfeindlichen Rassisten hier gewählt haben. Aber bis zu 20 %, die Rechtsextreme gewählt haben, machen keine Mehrheit aus.

  6. 32.

    Einfach mal ehrlich schreiben dass man was gegen Flüchtende hat.

    Achja, macht sich nicht so gut in der Öffentlichkeit.

  7. 31.

    Man streitet im Winter mit der Bahn damit Obdachlose weiter in beheitzten durchgängen schlafen können,warum wurden dort nicht die Container aktiviert?

  8. 30.

    Gar nicht, denn sie haben ja alle ihren Ausweis 'verloren', und somit kann man das Herkunftsland nicht bestimmen. Aber ihre riesen Smartphones haben sie alle dabei...

  9. 29.

    Es reicht nicht, Menschen „einzusammeln“. Man braucht für sie ein gutes soziales Netzwerk und das ist in Berlin bereits jetzt nicht gegeben.

  10. 28.

    Ferdinand.
    Ich kann mir vorstellen wen du gewählt hast...

  11. 27.

    Liebe Ulla. Der Unsinn den sie da äußern wird auch nicht wahrer mit einem Ausrufezeichen am Ende. Sie haben, wie alle volljährigen Menschen in diesem Land, die Möglichkeit zu wählen. MfG F.

  12. 26.

    Die Bundesregierung hat der Aufnahme von bis zu 1500 Minderjährigen zugestimmt.
    Ich gehe mal davon aus, dass die dann auch auf das ganze Bundesgebiet verteilt werden.
    Warum reaktiviert Berlin so viel mehr Unterkünfte als derzeit notwendig? Das kostet doch auch Geld.

  13. 25.

    Genau so sieht es aus, unsere Schulen sind in einem miserablen Zustand, zu wenig Schulen, zu wenig Lehrer, zu wenig Sozialarbeiter, keine gesundheitliche Kapazitäten vorhanden, wo sollen denn die Flüchtlingskinder lernen und wer möchte gerne die Kinder später zu Hause aufnehmen, sowie die Kosten, wer soll das bezahlen, in Deutschland ist die Wirtschaft z.Zt in einem miserablen Zustand u.a. durch den Coronavirus. Nein, die Hilfe muss vor Ort geleistet werden, Berlin hat genug Probleme.

  14. 24.

    Gute Entscheidung mit der GU auf dem Tempelhofer Feld. Dann lohnen sich die Baukosten wenigstens. Dass die Unterkunft eigentlich letztes Jahr schon abgebaut werden sollte, haben eh schon alle vergessen! (Tempelhof Gesetz). Dann kann man sie auch gleich weiterlaufen lassen :)

  15. 23.

    Ein wahrer Demokrat denkt an die Flüchtlinge und Obdachlosen zugleich!
    Wer dies nicht tut, der sollte sich nicht Demokrat nennen.

  16. 22.

    Da wird wieder über den Köpfen der Bürger entschieden !

  17. 21.

    Es ist rätselhaft, wie Frau Breitenbach auf die Idee kommt, dass demnächst mehrere tausend Menschen zu uns kommen. Die Bundesregierung hat beschlossen, "einen angemessenen Anteil" der 1000 bis 1500 Kinder zu übernehmen, die von den Inseln geholt werden sollen. Darüber hinaus gibt es erstens seitens der Bundesregierung keinen Beschluss zur Aufnahme weiterer Menschen. Zweitens sind die Grenzen dicht und werden durch Frontex noch weiter verstärkt. Und drittens gibt es in breiten Teilen der Bevölkerung nach 2015 keine Bereitschaft mehr zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge.

  18. 20.

    Wie sehr hat sich doch unser Land in nur 5 Jahren zum Nachteil verändert.
    2015 wurden die Flüchtlinge zu Beginn mit Wohlwollen und Beifall empfangen.
    Heute jammern wir wegen ein paar Kindern.
    "Nicht mehr mein Land" oder so ähnlich formulierte es Merkel.
    Es ist und war nicht die AFD! Es sind die, die der AFD den Weg bereitet haben und auch heute klammheimlich den Schulterschluß suchen.
    Deutschland ist auch nicht mehr mein Land.

  19. 19.

    Rechtsfreier Staat...träumen Sie wohl von. Als besorgter Bürger einfach mal den Mund halten. Gehen Sie doch raus und ändern das, was Sie anprangern. Arsch hoch, Mund zu. Zum Nachlesen: Altruismus.

  20. 18.

    Einfach mal die Kapazitäten für die Obdachlosen nutzen.
    Achja ich vergaß: Macht sich International nicht so gut mit der Aufmerksamkeit.

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