Blick in den Innenraum der St.-Hedwigs-Kathedraleam 28.10.2013 (Bild: imago/Sabine Gudath)
Bild: imago-Archivbild/Sabine Gudath

Katholische Kirche - Vermögen im Erzbistum Berlin wächst trotz Mitgliederschwund

Die Katholische Kirche kämpft mit Mitgliederschwund. Dennoch ist das Vermögen im Erzbistum Berlin gestiegen - um immerhin 46 Millionen Euro im Jahr 2018. Eine wichtige Ursache dafür ist in Berlin zu finden.  

Trotz sinkender Mitgliederzahlen ist das Vermögen des katholischen Erzbistums Berlin gewachsen.

Der am Donnerstag veröffentlichte Geschäftsbericht für das Jahr 2018 weist ein Gesamtvermögen von 755,3 Millionen Euro aus. Das sind 46 Millionen Euro mehr als noch im Jahr zuvor.

Rückläufige Einnahmen aus der Kirchensteuer

Eine wichtige Ursache für das Plus sind die vielerorts gestiegenen Boden- und Immobilienpreise. Nach Angaben des Finanzchefs des Erzbistums, Bernd Jünemann, haben diese zur Neubewertung zahlreicher Immobilien geführt.

Ein großer Teil des Vermögens, nämlich gut 400 Millionen Euro, entfällt den Angaben zufolge auf Rückstellungen, aus denen Pensionen von rund 300 Priestern und leitenden Mitarbeitern des Erzbistums bezahlt werden.

Der Verwaltungschef des Erzbistums, Generalvikar Manfred Kollig, erklärte, das Erzbistum Berlin als zweitgrößtes Flächenbistum Deutschlands, indem Katholiken deutlich in der Minderheit sind, habe im Vergleich zu anderen Diözesen einen überdurchschnittlich hohen Finanzbedarf. Bei den zu erwartenden rückläufigen Einnahmen aus der Kirchensteuer wolle die Bistumsleitung die kirchlichen Dienste auch außerhalb Berlins sicherstellen.

Rund 400.000 Katholiken in der Region

Ende 2018 lebten 408.723 Katholiken im Erzbistum - davon 320.915 in Berlin, 72.677 in Brandenburg, 14.987 in Vorpommern und 144 in Sachsen-Anhalt.

Der ebenfalls vorgestellte Haushaltsplan des Erzbistums für 2020 beläuft sich auf 264,8 Millionen Euro. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer werden mit 152 Millionen Euro veranschlagt, knapp 6 Millionen Euro mehr als 2019. Davon stehen dem Erzbistum wegen eines Ausgleichsverfahrens der Kirchenlohnsteuer aber nur rund 122 Millionen Euro zur Verfügung.

Zweitgrößte Einnahmequelle ist die staatliche Förderung für die Schulen in Trägerschaft des Erzbistums. Die Einnahmen dafür belaufen sich auf rund 73 Millionen Euro. Für deren Unterhalt bringt die Kirche 17,6 Millionen Euro selbst auf.

Für den Religionsunterricht erhält das Erzbistum 11,3 Millionen Euro vom Staat und steuert aus eigenen Mitteln 3,6 Millionen Euro bei. Nicht zweckgebundene Staatsleistungen belaufen sich auf 5 Millionen Euro. Kollig betonte, der Bildungsbereich bleibe eine "Kernaufgabe" des Erzbistums.

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Antwort auf [Steffen] vom 09.03.2020 um 14:03
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11 Kommentare

  1. 11.

    Stimmt, da hab ich mich blöd und teils sogar falsch ausgedrückt, da ich die Bilanzsumme mit Nettovermögen durcheinander gebracht habe. Die Bilanzsumme und damit das Bruttovermögen (=Aktiva) steigen bei einem Kredit tatsächlich an, womit die Bilanzsumme in diesem Fall -wie von Ihnen geschrieben- nicht aussagefähig ist. Im Sachverhalt der Immobilienneubewertung steigt aber das Nettovermögen (=Aktiva ./. Verbindlichkeiten oder auch Passiva ./. Verbindlichkeiten) an, da die Aktiva steigt, die Position der Verbindlichkeiten aber unverändert bleibt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(Wirtschaft)
    Ein Hausbesitzer hat also immer ein Bruttovermögen, aber möglicherweise überhaupt kein Nettovermögen. In der Bilanzsumme sähe man dies im letzteren Fall nicht. Ich denke, an der Stelle haben wir einfach aneinander vorbei diskutiert. Beste Grüße!

  2. 10.

    Natürlich gibt es einen Vermögenszuwachs, der sich ja gerade durch die dem Eigenkapital zuzurechnende Position aus der Neubewertung des Immobilienvermögens zeigt. Dass dieser Vermögenszuwachs möglicherweise nur vorübergehend und noch nicht in Barvermögen realisiert wurde, steht auf einem anderen Blatt. Letztlich wird das Immobilienvermögen aber nicht anders betrachtet und bewertet wie Aktienvermögen. Steigt dieses an, wächst das Vermögen, man hat aber noch keinen Gewinn gemacht, da dieser noch nicht realisiert wurde. Wenn dem nicht so wäre, wären Firmengründer wie Mark Zuckerberg ziemlich arme Zeitgenossen. Sind sie aber natürlich nicht. Sie unterwerfen ihr Vermögen nur den Marktschwankungen. Vermögenszuwächse führen also nicht zwingend zu Gewinn sondern zunächst erst mal nur zu potentiellem Gewinn. So ist es auch hier.

  3. 9.

    Das Erzbistum ist durch die Neubewertung - durch die sich ja in der Realität nichts geändert hat - nicht reicher geworden. Es weist jetzt nur ein höheres Eigenkapital aus. Wären die Immobilien in der Vorjahren nach den gleichen Prinzipien bewertet worden, wäre das Eigenkapital damals auch schon entsprechend höher gewesen.

    Mir kam es darauf an, darauf hinzuweisen, dass dem Vermögenszuwachs durch die Neubewertung kein realer Vermögenszuwachs entspricht. Der reale Vermögenszuwachs lässt sich der Gewinn- und Verlustrechnung entnehmen. Er beträgt knapp 17 Millionen Euro.

  4. 8.

    Ich glaube (aufgrund Ihres Kommentars Nr. 7), Sie haben schon eingesehen, dass Sie da etwas missverstanden hatten?

  5. 7.

    P.S.: Mit der Bilanzsumme haben Sie natürlich trotzdem Recht, aber um die ging es in der Diskussion ja gar nicht. Die Neubewertung des Anlagevermögens bedingt ja für eine ausgeglichene Bilanz der Erhöhung des Eigenkapitals (was im Volksmund als Vermögen verstanden wird), da dem kein Fremdkapital (im Volksmund Schulden) gegenüber steht. Die Bilanzsumme erhöht sich hier zu Gunsten von Sachanlagen auf der einen und Eigenkapital auf der anderen Seite. Also ist die Kirche reicher (vermögender) als vorher.

  6. 6.

    Das mit der Bilanz sollten Sie bitte noch mal in Fachbüchern nachlesen, denn Ihr Beispiel ist falsch. Die Bilanzsumme ändert sich durch einen Kredit gar nicht, weil dem neuen Vermögen (Barmittel oder daraus erworbene Vermögensgegenstände) auf der anderen Seite die neuen Verbindlichkeiten aus dem Kredit gegenüber stehen. Eine Höherbewertung von Eigentum führt dagegen zu einer einseitigen Erhöhung des Vermögens, ohne dass dies durch neue Verbindlichkeiten ausgeglichen würde. Sie verwechseln in Ihrer Gedankenführung Vermögen mit Gewinn. Diese haben nicht zwingend miteinander zu tun.

  7. 5.

    Das Vermögen (insbesondere Immobilien ) hat ja auch nichts mit der Anzahl der Mitglieder zu tun lieber rbb. Euer Tenor ist daher unlogisch.

  8. 4.

    Ich habe auch nicht geschrieben, dass Vermögen nicht so berechnet oder bewertet wird, sondern dass die Bilanzsumme nicht aussagekräftig ist. Beispiel: Nimmt jemand einen Kredit über eine Million auf, erhöht sich die Bilanzsumme um 1 Million, weil er jetzt eine Million mehr Geld hat, aber auch eine Million mehr Schulden. Umgekehrt: Zahlt jemand seinen Kredit zurück, sinkt die Bilanzsumme entsprechend, weil er jetzt über weniger Geld, aber auch über weniger Schulden verfügt. Deshalb wird ja üblicherweise das Eigenkapital betrachtet (das sich in den Beispielen nicht ändert). Bei Bistümern ist das Eigenkapital als solches freilich auch wenig aussagekräftig. Was aber aussagekräftig ist, ist das Jahresergebnis -- die Eigenkapital-Änderung. Und zwar gemäß der Gewinn- und Verlustrechnung, und nicht aufgrund von Bewertungsänderungen, wie hier. Es zeigt an, ob ein Bistum von der wirtschaftlichen Substanz zehrt, oder ob es (Netto-) Vermögen aufbaut.

  9. 3.

    Selbstverständlich ist das Vermögen gewachsen, auch wenn es gebunden ist. Vermögen muss nicht zwingend ungebunden sein, wie Bargeld. Was der Unterschied zwischen gebundenem und ungebundenen Vermögen ist, ist lediglich die Realisierung von Gewinn, die bei gebundenem Vermögen erst mit Veräußerung des Vermögensgegenstands entsteht.

  10. 2.

    "Darüber hinaus ist die Bilanzsumme, die hier mit “Vermögen” bezeichnet wird, nicht aussagekräftig."

    klar ist sie das. Das ist genau die Methode, nach der Vermögen berechnet- und bewertet wird.

  11. 1.

    Das Vermögen des Erzbistums Berlin ist 2018 mitnichten um 46 Millionen Euro gewachsen. Die Immobilien-Neubewertung betrifft nur die Bilanz, die Immobilien sind dadurch nicht mehr wert geworden. Darüber hinaus ist die Bilanzsumme, die hier mit “Vermögen” bezeichnet wird, nicht aussagekräftig. Tatsächlich hat sich das Vermögen (Eigenkapital) des Erzbistums 2018 um knapp 17 Millionen Euro erhöht, das ist nämlich der Jahresüberschuss. Setzt man den Jahresüberschuss ins Verhältnis zu dem gesamten Erträgen des Erzbistums, so ergibt sich eine Umsatzrendite von 6,5%.

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