Krokusse vor einer Gartenlaube in Berlin (Quelle: dpa/Schuh)
Audio: rbb | 21.04.2020 | Silke Mehring | Bild: dpa/Schuh

Überarbeiteter Berliner Plan - 473 Kleingärten müssen Schulen und Straßen weichen

877 Kleingartenanlagen mit fast 71.000 Parzellen gibt es in Berlin. Wie aus dem neuen Kleingartenentwicklungsplan hervorgeht, soll ein Großteil der Kleingärten langfristig erhalten bleiben. Ein Teil verschwindet aber schon bald.

473 Kleingärten in Berlin müssen bis 2030 für Schulen, Sporthallen, Kitas oder Infrastrukturprojekte weichen. Die allermeisten der rund 71.000 Berliner Kleingärten jedoch sind für die das neue Jahrzehnt oder darüber hinaus in ihrem Bestand gesichert. Das geht aus dem überarbeiteten Kleingartenentwicklungsplan hervor, den der Senat am Dienstag zur Kenntnis nahm.

Aktuell gibt es in Berlin 877 Kleingartenanlagen mit 70.953 Parzellen auf rund 2.900 Hektar. Für vier Fünftel dieser Fläche (82 Prozent) wird in dem Plan eine hohe bis sehr hohe Bedeutung etwa für das Stadtklima und eine wohnortnahe Versorgung mit Grünanlagen festgestellt. Sie sollen daher dauerhaft bestehen bleiben. Die 473 Parzellen, die nun bebaut werden, machen 0,5 Prozent der gesamten Kleingartenfläche aus.

Bestandsschutz bis 2030 für etwa zehn Prozent

Für weitere 9,6 Prozent - 6.915 Parzellen in 149 Kleingartenanlagen auf landeseigenen Flächen - wird der bislang bis Ende 2020 geltende Bestandsschutz bis 2030 verlängert. Darunter sind 1.240 Parzellen in 20 Anlagen, die später womöglich für Wohnungsbau in Frage kommen. Weitere gut sieben Prozent der Kleingartenflächen befinden sich auf privatem Grund, zum Beispiel im Eigentum der Deutschen Bahn.

Die Laubenpieper, die ihren Garten auf landeseigenem Grund in den kommenden Jahren verlieren, erhalten den Angaben zufolge eine Entschädigung. Ihnen werde zudem angeboten, eine Ersatzfläche zu pachten. Von Räumung betroffen sind unter anderem Kleingärtner im Bereich der Rudolf-Wissell-Brücke, die neu gebaut werden soll.

Nicht auszuschließen sei, dass zusätzlich zu den insgesamt 473 betroffenen Kleingärten in mehreren Stadtteilen noch einige weitere weichen müssten für soziale und verkehrliche Projekte, deren Realisierung heute noch unklar ist.

Plan geht nun an die Bezirksbürgermeister

"Berlins Kleingärten sind ein ganz besonderes Stück Stadtgrün - unverzichtbar für die Menschen und für eine lebenswerte Stadt", sagte Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. "Der neue Kleingartenentwicklungsplan zeigt eindrücklich die herausragende Bedeutung der Berliner Anlagen anhand klarer Bewertungskriterien." Ziel des Senats sei eine langfristige Perspektive für die Kleingärten in einem wachsenden Berlin, damit sie der ganzen Stadt dauerhaft zugutekommen könnten.

Der Kleingartenentwicklungsplan wurde Günther zufolge in einem umfassenden Beteiligungsprozess im Austausch mit Kleingartenverbänden, anderen Interessengruppen, Politik und Behörden erarbeitet. Nun können die Bezirksbürgermeister dazu Stellung nehmen. Mit der endgültigen Beschlussfassung durch Senat und Abgeordnetenhaus wird im 2. Halbjahr 2020 gerechnet [berlin.de].

19.04.2020, Berlin: Menschen sitzen bei Abendsonne im vollen Park am Weinberg. (Quelle: dpa/Riedl)
Bild: dpa/Riedl

Selbstverpflichtung zu mehr Stadtgrün

Die Berliner Selbstverpflichtung, die Stadt grüner zu machen, bewegt sich derweil auf der Zielgeraden. Ein entsprechender Antrag der Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) sowie ein Handlungsprogramm bis 2030 lagen dem Senat am Dienstag vor. Nach Senatsangaben wurden beim Entwurf des Antrags Vorschläge und Ideen der Bürger und Experten berücksichtigt. Zudem habe es mehrere Workshops und Fachgespräche gegeben. [meingruenes.berlin.de]

Demnach soll es insgesamt künftig mehr begrünte Dächer und Fassaden in der Hauptstadt geben. Zudem seien die Klimaanpassung der Grünflächen und der Erhalt er Artenvielfalt wichtige Aspekte. Hierzu könnten auch die Berliner selbst beitragen, indem sie beispielsweise bienenfreundliche Stauden pflanzten. Da Parks immer stärker genutzt würden, sollen sie zukünftig auch intensiver mit mehr Gärtnern gepflegt werden, heißt es außerdem in einer Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Umwelt.

Gerade in der Corona-Krise merke man verstärkt, wie wichtig städtische Freiräume für die Erholung der Menschen seien, sagte Günther. Ziel sei es, die Qualität der Grünflächen zu steigern und ihre Pflege zu verbessern.

Kommentar

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Antwort auf [Falk] vom 21.04.2020 um 17:54
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31 Kommentare

  1. 31.

    Vielleicht sollten erstmal auf den Discounter und Supermärkten Wohnungen gebaut werden, denn da ist genügend Platz. Würde es eine vernünftige Infrastruktur auf dem Land geben, würden viele warscheinlich lieber dort bleiben, anstatt ihre Kinder im Smog der Stadt groß zuziehen. Dank der technologischen Entwicklung ist bei vielen Berufen nicht mehr nötig in der Stadt zu lleben. Kleingärten, die grünen Lungen von Berlin, werden immer nötiger, da ja jede Ecke zugepflastert wird. Da ja heute die Leute schon immense Summen für die neuen Plattenbauten zahlen, könnten sie auch gleich Hochhäuser bauen. Dann verdienen die Immobilienhaie mehr .Die Käufer stört es eh nicht und die Kleingartenanlagen können weiter ökologisch und sozial handeln.

  2. 30.

    Lasst euch doch alle von so einem Typen nicht provozieren...es sind immer alle total "unentspannt", bis sie seine nicht modernisierte Altbauwohnung abreißen wollen, dann wäre aber was los :D

    Aber herrlich, wie gute Argumente von Lutz einfach als meckern abgetan werden

  3. 29.

    Lasst endlich die Kleingärten, Parks, Felder und sonstige Grünflächen in Ruhe. Es müssen mal innovative Konzepte her. Gerne kann man abschreiben z.B. Wien, Zürich. Förderung von Wohnungstausch, Ausbau/Aufstockung/Nachverdichtung statt Neubau. Kein Verkauf von Eigentum an Ausländer, die nicht in Berlin leben. Überbauung von Parkflächen, Aldi, Lidl und Co. Es muss doch endlich mal ein paar Ideen geben, die dann auch umgesetzt werden. Es ist immer Neubau, weil das die Verwaltung eben einfach Ausschreiben kann. Und bitte keine neuen Schulen, die dann ohne Lehrer/Erzieher dastehen. Dann lieber aufstocken und anbauen.

  4. 28.

    zusatz:
    welchen beitrag?

    bin seit 20 j. in der bürgerinitave ruhwald und die dieversen vorständnden der kleingärtner angagiert, das zu deiner aussage, das zu deiner aussage...
    jetzt DU mit deinem anscheinend unwissen !!!

  5. 27.

    mein lieber,
    es geht doch nicht darum WER regiert hat, sondern das immer mehr grünfächen durch dubiose investment typen
    versuchen werden für kleines geld zu vernichten um profit zu machen, für KLEINES geld, was sie sich dann noch vom staat
    subventionieren lassen...
    tip; gehe doch mal zum landesverband der kleingärtner und hole dir infos ein bevor du hier sachen haushaust die aller sachlichkeit entbehren..
    gruß lu

  6. 26.

    wieder so ein Meckerkopp. Wer hat vor 20 Jahren regiert?
    Fragen sie die damaligen Entscheidungsträger.
    Welchen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten Sie? Wo engagieren Sie sich? Gibt ja genug Möglichkeiten sich gegen eine für die Gemeinheit positive Veränderung zu stellen.

  7. 25.

    unwissen tut weh...
    es wurden vor 2o jahren ca. kleingärten wegerissen und platt gemacht unter vorwand eine feuerwehr, kindergärten etc. zu bauen
    und: heute sind diese ehemalige naherholungsgebiete brachen auf denen bauschutt und kies gelagert wird...
    und von sozialem wohnungsbau keine sicht, dank unserem geilen SENAT

  8. 24.

    @23
    @19
    Es geht ja nüscht über klare Feindbilder. Ich linksgrün-versiffter Gewerkschafter, gebürtig in Wittenberg, lebe in einer unsanierten Altbau-Wohnung zur Miete und meine Kinder tragen auch keine phantasievollen Doppelnamen.
    Aber Ihr Helden bestätigt mein Feindbild: Der ewig gestrige Berliner Meckerkopp. Danke.

  9. 22.

    Ziehen Sie mal nicht zu sehr über die Kleingartenanlagen her. Die haben auch einen ökologischen Nutzen und gepflegter sind die auch als viele öffentliche Grünanlagen. Die sind viel wertvoller als noch ein RIESENMÖBELHAUS. Es sind auch meist ärmere Leute, die sich keine Grunewaldvilla leisten können und auch keine Weltreisen !

  10. 21.

    Schließe mich ihrer Meinung an.

    Erstmal: Dass die vertriebenen Kleingärtner nicht glücklich sind, ist klar. Auch klar ist, dass die Kleingärten in Berlin erhalten werden sollen. Schon allein deshalb, weil uns die ganze Welt drum beneidet :)

    473 Parzellen über 10 Jahre mag, individuell betrachtet, viel sein. Und wenn "man" aus "seiner" Kolonie rausgeworfen wird, ist das mehr als bitter. Aber über 10 Jahre sind es -0,05% der Gesamtfläche pro Jahr. Und Berlin ist nunmal leider, leider auch das Bundesland mit den höchsten Zuzugsraten.

    Meine persönliche Meinung: Als Hauptstädter muss man sich, wohl oder übel, mit Zuzug arrangieren. Manchmal schmerzt es. Wer sich bei der Suche nach einer neuen Parzelle Zeit nehmen kann, sollte mit etwas Glück und Geduld aber auch weiterhin findig werden.

    Auf die letzten 30 Jahren zurückblickend gibt es übrigens ganz bestimmt massivere Plan- und Bausünden, als die Bereitstellung von Fläche für Kitas, Schulen oder für die ÖPNV-Erschließung.

  11. 19.

    Naja man hätte die Schulen und Kitas auch auf die vielen freien Stellen bauen können auf denen jetzt Eure Scheiß Eigentumswohnungen stehen!
    Aber da Leonore Amidala und Greta Sophie von und zu jetzt wundersame Weise irgendwo das 1x1 lernen müssen, machender eben die Kleingärten platt...super Logik!

  12. 18.

    Dit Könnse de Balina: Meckern, meckern, meckern.
    Aber sie fordern doch Kitas, Schulen, Infrastruktur. Jetzt wo es geplant wird, ist es auch wieder falsch. Meckerköppe!

  13. 17.

    Wie kann man den Senat denn in einer Demokratie abwählen?
    Gar nicht. Beim nächsten Mal kann aber einen neuen wählen. Wie jedesmal.
    Und was würde mit Schwarz-Blau-Gelb besser werden als mit Rot-Rot-Grün?

  14. 16.

    Ich finde das toll, vor Jahren wurden die Kleingärtner in der röblingstraße runtergeschmissen, es sollten Wohnungen dort gebaut werden, seid mehreren Jahren liegen die Grundstücke brach da. Tolle Planwirtschaft kein Wunder der Berliner Flughafen wurde ja auch ewig gebaut, jetzt wird er eröffnet und keiner kann fliegen.

  15. 15.

    @ Steffen: Man könnte aber auch einfach Garten und Landschaftsbau - Unternehmen damit beauftragen. So wie es sein sollte. Und zwar zu vernünftiger Bezahlung. Aber besser ist natürlich, dass Arbeitslose für wenig Kohle den Job machen und damit die Preise gedrückt werden.

  16. 14.

    "Genauso wie die jungen Straßenbäume."

    Die werden hier in Lichtenberg durch die TGL GmbH gepflegt und gegossen.

  17. 13.

    Man könnte vielleicht ein paar Arbeitslosen einen Job geben, damit diese die Grünanlagen pflegen? Oder ein paar Arbeitslose verdienen sich bis zur Zuverdienstgrenze ein paar Euro dazu? Wie kommen Sie gleich wieder auf Zwangsrekrutierung? Die Nutzerin/der Nutzer hat nirgends verlautbart, dass Arbeitslose ausgebeutet werden sollen.

  18. 12.

    Was heißt wenig Leute? Zu den Laubenbesitzern gehören auch Familien und es gehen sehr viele Leute in den Kolonien spazieren. Warum werden nicht freie Grundstücke zur Bebauung benutzt oder vor sich hingammelnde Altlasten? Wenn es kein Grün mehr gibt, sondern nur noch Häuser wird das Klima sich in de Stadt verändern

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