Archivbild: Handfeuerwaffe <<Walther PPK>>. (Quelle: dpa)
Bild: dpa

Sicherheitslücke bei Brandenburger Polizei - Verschwinden beschlagnahmter Pistole acht Monate unentdeckt

Mehrfach sind der Brandenburger Polizei beschlagnahmte Gegenstände abhanden gekommen. Ein Bericht des Innenministeriums liefert nun weitere Details in dem Fall. So fiel das Verschwinden einer Schusswaffe erst Monate später auf. Von Gabi Probst

Die Brandenburger Polizei hat das Verschwinden einer beschlagnahmten Schusswaffe erst mit acht Monaten Verspätung entdeckt. In einem internen Bericht an die Abgeordneten des Innenausschuss räumt die Behörde von Innenminister Michael Stübgen (CDU) ein, dass im April 2019 in der Ermittlungsakte zu dem Fall notiert wurde, dass die entsprechende "Kuriersendung nicht eingegangen und somit offensichtlich seit dem 08. August 2018 außer Kontrolle geraten war". Das ARD-Magazin Kontraste hatte zuerst über die verschwundene Pistole vom Typ Walther berichtet. Der Bericht des Innenministeriums liegt der Redaktion vor.

Mit der Pistole sind auch 75 dazugehörige Patronen verschwunden, die entgegen der Vorschriften gemeinsam mit der Waffe verpackt worden waren. Das Kriminaltechnische Institut (KTI) hat laut Bericht alles gemeinsam in die tägliche Kurierpost gegeben. Seither fehlt jede Spur der beschlagnahmten Asservate. Die Kuriersendung habe "trotz umfänglicher Suchmaßnahmen sowohl im KTI und im [Kriminalkommissariat] Zentrale Kriminaltechnik als auch bei den am Kurierweg beteiligten Stellen nicht aufgefunden werden" können, heißt es in dem Bericht.

Polizeipräsidium um "Nachbereitung" des Falls gebeten

Wer die Waffe zuletzt in der Hand hatte und wie sie verschwand, ist nach wie vor unklar. Sie wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Der zuständige Staatssekretär Klaus Kandt begründete den Vorfall am Mittwoch im Innenausschuss mit fehlender Kommunikation und fehlendem Personal.

Am 20. Juli 2019 sei als Konsequenz im Kriminaltechnischen Institut verfügt worden, dass Waffen von Mitarbeitern der auftraggebenden Behörden selbst abgeholt werden müssen und das auch gegengezeichnet werden muss, heißt es im Bericht des Innenministeriums. Die zuständige Fachaufsicht bewertete die vorher herrschende Praxis als "nicht akzeptabel". "Das Polizeipräsidium wurde um Nachbereitung und weitere Veranlassung gebeten." Das heißt im Klartext: Die Sache hat ein Nachspiel.

Polizei überprüft Sicherheitsstandards nach Kontraste-Interview

Auch die Kontraste-Berichterstattung zu einem beschlagnahmten Bus vom Typ VW T5 wird in dem Bericht bestätigt. Durch das Verschwinden des Fahrzeugs war laut Ministerium keine kriminaltechnische Untersuchung auf Spuren an dem Fahrzeug mehr möglich. In dem Fall stand der Verdacht des Diebstahls und der Manipulation der Fahrzeugidentifikationsnummer im Raum.

Der Wagen ist ebenfalls zur Fahndung ausgeschrieben. Am 19. März sei das Gelände noch einmal auf die vertraglich vereinbarten Sicherheitsstandards hin, überprüft worden. Offensichtlich geschah diese Überprüfung nicht aus Eigeninitiative der Polizeibehörde. An diesem Tag wurde LKA-Chef Dirk Volkland von Kontraste nach dem offenen Tor zu dem Gelände befragt.

Am Donnerstag werden sich auch der Haushalts- und Finanzausschuss mit dem Thema beschäftigen sowie in der kommenden Woche der Rechtsausschuss.

Sendung: Brandenburg aktuell, 22.04.2020, 19.30 Uhr

Beitrag von Gabi Probst

6 Kommentare

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  1. 6.

    Danke lieber RBB, dass Sie weiter dran bleiben. Und was muss ich feststellen? Wieder eine Dame, die dran geblieben ist. Danke!!!
    Haben die Männer keinen Ar... mehr in ihrer Hose?
    Nun, ein neuer Krimi, nächste Folge.
    Was Kontraste Anfang April aufdeckte war schon ein starkes Stück. Nun fehlt die Pistole. Erneut ein Beweisstück. Hat sich nichts getan unter den Herrschaften in den bestimmten Abteilungen der Polizei.

    Aber ja, es gibt sie trotzdem noch, die guten Dienststellen. Ehrlich.

  2. 5.

    Also "Nestbeschmutzer" empfinde ich eher als unpassenden Begriff, es sei denn diejenigen Kolleg*Innen, die das anders sehen haben selber etwas zu verbergen oder aus anderen Motiven Interesse an Vertuschungsaktionen.
    Es geht doch vielmehr darum, beispielsweise die Polizei (auch andere Behörden) zu gesetzmäßigem und verfassungskonformem Handeln anzuhalten und dabei nach Kräften (vgl. Amtseid) zu unterstützen. Alles andere liefe auch dem Beamtenrecht zuwider.

  3. 4.

    Nur keine Angst, die Jungs von der TE lieben ihre Babys. Und vielleicht werden sie ja auch bald gebraucht. Walpurgisnacht und 1.Mai lassen grüßen.

  4. 3.

    ...die sind nur besser am Vertuschen, oder ? Wer Polizisten privat kennt (und das tut ja fast jeder), weiß man , was da los ist ... alles eine Pampe. Wer bei der Wahrheit bleibt , wird zum Nestbeschmutzer und darf sich eine neue Stelle suchen oder bei der Beförderung hinten anstellen .

  5. 2.

    Jetzt warte ich auf den Bericht, was bei der Berliner Polizei so alles fehlt. Ist nur eine Ahnung, ich vermute mehr.
    Hoffentlich keine gepanzerten Fahrzeuge und Wasserwerfer.

  6. 1.

    Diese Schlamperei fällt doch in die Ära des Herrn Schröter, der immer so unfehlbar sein wollte. Aber passieren kann ihm ja nun nix mehr.

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