Archivbild: Zwei Polizeibeamte stehen am 28.02.2017 vor der Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Audio: Radioeins | 15.05.2020 | Juliane Kowolik | Bild: dpa-Archivbild/Gregor Fischer

rbb-Recherche - Attentäter Amri war nicht allein in der Fussilet-Moschee

Neue Zweifel an der Einzeltäter-These: Im Bundestagsuntersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz sind Hinweise aufgetaucht, wonach der Attentäter Anis Amri möglicherweise nicht allein gehandelt hat. Von Susanne Opalka

Unmittelbar vor dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 hatte Attentäter Anis Amri möglicherweise Unterstützung von einem weiteren Islamisten. Das geht nach Informationen von rbb24 Recherche aus der Befragung eines Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestags am Donnerstag hervor. Demnach war der Attentäter Anis Amri unmittelbar vor dem Anschlag nicht allein in der Fussilet-Moschee. Den Unterlagen zufolge hielt sich eine weitere Person dort auf, die bislang nicht ermittelt wurde.

Bei der Vernehmung wurden dem BKA-Beamten wurden Fotos aus den Überwachungsvideos der Moschee vorgelegt. Er räumte ein, dass auf den Bildern eine Person zu erkennen sei, die die Moschee am Abend des Attentats verlassen habe. Die Person sei ihm jedoch nicht bekannt. Der Kriminal-Hauptkommissar erklärte, dass die Person hätte ermittelt werden müssen. Doch dies ist nicht geschehen.

Eine enge Kontaktperson?

Die Person war unmittelbar vor dem Anschlag zwölf Minuten gemeinsam mit Anis Amri in der Moschee und verließ sie um 18:49 Uhr. Amri selbst hielt sich von 18:37 Uhr bis 19:07 Uhr in den dschihadistischen Gebetsräumen auf. Die Frage ist bis heute, ob Anis Amri sich in dieser Zeit die Waffe besorgt hat, mit der anschließend der Fahrer des polnischen Lkw erschossen wurde, mit dem Amri dann das Attentat auf dem Breitscheidplatz verübte.

Ausschussmitglied Irene Mihalic (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, sie vermute, dass es sich bei dem Unbekannten um eine enge Kontaktperson des Attentäters handle, der in die Vorbereitung des Anschlags eingebunden gewesen sein könnte.

BKA-Beamter vertrat Einzeltäterthese

Der vernommene BKA-Beamte ist maßgeblich für die Einzeltäterthese verantwortlich. In seinem abschließenden Vermerk für den Generalbundesanwalt hatte er die Einzeltäterthese für höchst wahrscheinlich gehalten. Mit den jetzt aufgetauchten Fotos wird dies jedoch in Frage gestellt.

Es ist ein Abend, an dem es den Abgeordneten des Untersuchungsausschusses gelang, ein weiteres, schweres Versäumniss bei der Aufklärung des Attentats aufzuzeigen: eine Spur zu möglichen Mittätern nicht verfolgt zu haben.

Sendung: Radioeins, 15.05.2020, 4 Uhr

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Beitrag von Susanne Opalka, rbb24 Recherche

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11 Kommentare

  1. 11.

    Das könnten Sie noch mal in einem ruhigeren Moment überdenken. Es hieße u.a. keine staatliche Rente, keine Gesundheitsversorgung, keine Straßen, kein Strom/Gas/Wasser, keine Rechtsprechung, keine Feuerwehr,..., um nur ein paar Dinge zu nennen, von denen Sie sicher einige nutzen und auf die Sie sicher angewiesen sind.

  2. 10.

    Sie wissen also vorher wer Attentäter ist/wird? Wie soll da "unser Staat müßte und hätte hier viel härter durch greifen müssen"? Wie genau stellen sie sich das vor?

    "Keine Einreise" Mit welcher Begründung? Aufgrund der Herkunft oder Aussehens?

    "Abschiebung bei nicht vorzeigen von Identitäter dieser Leute und das würde sogar Geld sparen " Versuchen sie es doch mal mit der deutschen Sprache, dann könnte man sie evt. sogar verstehen.

  3. 9.

    Was ist eigentlich mit dem passiert, der kurz nach Tat im Tiergarten von der Polizei verfolgt und gefasst wurde. Doch ein Komplize?

  4. 8.

    Die Hauptursache ist doch das sich diese Attentäter (islamistisc h Arabisch) bei uns frei bewegen dürfen mit wechselnen Identitäten eine Schande ist das, unser Staat müßte und hätte hier viel härter durch greifen müssen.
    Keine Einreise sofortige Abschiebung bei nicht vorzeigen von Identitäter dieser Leute und das würde sogar Geld sparen

  5. 7.

    So, so. Der Staat hat absolut versagt. Und Sie die Kompetenz, dies zu beurteilen.

    Wenn Sie sich komplett vom Staat abwenden möchten, dann wandern Sie bitte aus. Und bis dahin nehmen Sie weder Verkehrsmittel, noch Straßen, noch irgend etwas, wo der ach so böse Staat Gelder gibt, in Anspruch. Danke schön.
    Sie sind ein Sprücheklopfer.

  6. 6.

    Aber Geld vom bösen Staat nehmen sie dann aber doch?So wie alle anderen gute Sachen? Das übliche:Heiße Luft vom Internet Helden!!

  7. 5.

    "rbb-Recherche"? – Seit wann ist die Wiedergabe einer Aussage aus einer Bundestags-Anhörung eine "Recherche"?
    Hinweise, dass Amri "möglicherweise nicht allein gehandelt hat", gibt es schon seit 2016, wie seit Monaten im Untersuchungsausschus deutlich wird, im Zweifel einfach nach "Amri-Komplex" googeln.

  8. 4.

    Sie müssen uns schon mal erklären was "unser Bürgermeister" mit dem BUNDESkriminalamt zu tun hat.

  9. 3.

    Hier hat der Staat absolut versagt und mir gegenüber jedes Recht auf Führungsanspruch und Einmischung in mein Leben verloren!

  10. 2.

    Ob nun NSU oder dieser Fall die Fäden führen immer zu Informanten in irgendwelchen Ermittlungsbehörden der Länder oder des Bundes und hinterher waren es immer Einzeltäter ohne Netzwerk dahinter und morgen kommt unser Bürgermeister auf einem weißen Schimmel ins rote Rathaus geritten! *ironie Ende!* Man ist oder will Unfähig sein wahrscheinlich muss es ja immer ein Böse Geister geben warum sollte man sonst Millionen dafür ausgeben wenn man sie rechtzeitig erledigt wäre man ja überflüssig!

  11. 1.

    Im Fall Amri ist so viel gepfuscht und vertuscht worden, daß ich sowieso nichts mehr glaube. Und natürlich brauchte er jemanden, der ihm ne' Waffe besorgt hat. Die wird er sich ja wohl nicht selbst geschnitzt haben.

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