Pop-Up-Radweg an der Frankfurter Allee (Quelle: rbb/Raddatz)
Audio: Inforadio | 28.05.2020 | Birgit Raddatz | Bild: rbb/Raddatz

Senat prüft dauerhafte Einrichtung - Pop-up-Radwege sind gekommen, um zu bleiben

Während der vergleichsweise autoarmen Hochphase der Corona-Pandemie sind in Berlin zahlreiche Pop-up-Radwege entstanden. Jetzt signalisiert die Verkehrsverwaltung des Senats: Sie alle sollen möglichst dauerhaft bleiben. Von Birgit Raddatz

Erst am Mittwoch ist ein weiteres kleines Stück Pop-up-Radweg entstanden: auf der Frankfurter Allee, auf der Höhe des U-Bahnhofs Samariterstraße, stadteinwärts. Für die Bauarbeiter, die die gelbe Markierung gezogen haben, gab es Blumen vom Verein "Changing Cities" und der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne).

Eigentlich lohnt sich die gelbe Markierung, die Bauarbeiter am Mittwochmorgen ziehen, schon gar nicht mehr. Denn am Sonntag läuft die Frist für die Pop-up-Radwege aus. Doch jetzt stellt die Verkehrsverwaltung des Senats klar: Die zunächst nur temporär angedachten Pop-up-Radwege sollen in dauerhafte Radwege umgewandelt werden. Sprecher Jan Thomsen sagte dazu dem rbb: "Wir wollen sie nicht abbauen, um sie dann wieder neu aufzubauen."

Weiße statt gelbe Markierung

Der Senat befinde sich bei der Genehmigung "in der finalen Abstimmung", so Thomsen. Möglichst alle der auf über zehn Kilometer entstandenen Radwege sollen demnach erhalten werden.

Dauerhaft sind sie aber nur dann, wenn die gelbe durch eine weiße Markierung ersetzt wird. Die Baustellenpoller müssen weg, nicht überall werden sie durch feststehende Poller ersetzt, das haben einige Bezirke bereits angekündigt.

Das geht auch gar nicht überall. Die Kantstraße ist ein gutes Beispiel. Hier führte eine falsche Markierung zu Verwirrung, Lieferwagen parken regelmäßig auf dem Radweg. Damit solle aber jetzt Schluss sein, sagt Oliver Schruoffeneger, Verkehrsstadtrat für Charlottenburg-Wilmersdorf. "Die blauen Radschilder sind jetzt da, damit ist das Parken dort auch rechtlich nicht mehr erlaubt."

Radwege mit "Symbolcharakter"

Der Bezirk Mitte hat bisher nur ein Teilstück am Schöneberger Ufer als Pop-up-Radweg errichtet. Wenn es nach der zuständigen Bezirksstadträtin Sabine Weißler geht, soll bald die Müllerstraße folgen. Hier führe der Senat derzeit Verhandlungen mit der BVG, denn auch die Busse müssen regelmäßig auf die Radwege ausweichen. Für Weißler haben die Radwege "Symbolcharakter". "Man sieht sofort, dass der öffentliche Raum anders verteilt wird."

Eine Umverteilung, die sich die Aktivistinnen und Aktivisten vom Verein "Changing Cities" sehr wünschen. Sie verstehen sich als Stimme der Zivilgesellschaft. Zwar ist der Senat für die Anordnung der Pop-up-Radwege zuständig, die Bezirke müssen diese dann aber umsetzen. Sie können und sollen außerdem aktiv Vorschläge einbringen. Das klappe nicht in allen Bezirken so gut wie in Friedrichshain-Kreuzberg, sagt "Changing Cities"-Sprecherin Ragnhild Soerensen: "Wir würden uns dort, wo es dieses Gerangel gibt, ein eindeutiges Zeichen vom Senat wünschen, der sagt: Wir müssen ran!"

Die Pop-up-Radwege seien zwar genau das, was Berlin brauche, so Soerensen. "Wenn nach einer Straße, die gut ist, nichts mehr kommt, ist man aber wieder verloren." Deshalb wünsche sie sich ein Radwege-Netz, das bezirksübergreifend funktioniert. So steht es auch im Mobilitätsgesetz. Dass das teilweise schneller umsetz bar ist, haben die temporären Radwege gezeigt.

Sendung: Inforadio, 28.05.2020, 18:24 Uhr  

Beitrag von Birgit Raddatz

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77 Kommentare

  1. 77.

    Hallo Vera,
    die Trotzphase sollte eigentlich mit dem vierten oder spätestens fünften Lebensjahr beendet sein.

  2. 76.

    Von weniger Autoverkehr profitieren in erster Kine nicht die Radfahrer! In erster Linie profitieren davon Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, der ÖPNV, der Lieferverkehr, die Müllabfuhr und selbstverständlich Polizei, Feuerwehr und Krankentransporte, die sonst im Dauerstau stehen! Also ist ihre Polemik überflüssig.

  3. 74.

    "Und um den Lesern dieses Beitrages Nachfragen zu ersparen, sollten wir uns doch diese Spitzen sparen." ..." …ja, da werden die einstudierten „Argumente“ doch langsam knapp. " Hat ja lange gehalten, ihr Vorsatz. Ganze 3 (in Worten DREI) Sätze. Warum sind Leute wie sie immer der Meinung allgemeiner Verkehrsraum wären das Eigentum der Anwohner? Was wiegt denn mehr? Das vermeintliche "Recht" der Anwohner einen fußläufig zu erreichenden Parkplatz vorzufinden, den die Allgemeinheit bezahlt oder die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer in diesem Abschnitt der Straße? Woher leiten sie dieses angebliche "Recht" ab? Die Verkehrssituation ist eben nicht "unglücklich gelöst" wenn sich die Verkehrssicherheit erheblich erhöht.

  4. 72.

    Ich wünsche Ihnen eine ausgezeichnete Gesundheit bis ans Ende Ihrer Tage! Auf dass Sie niemals auf einen Krankentransport angewiesen sind und bis ins hohe Alter Fahrrad fahren können.

  5. 71.

    Wenn man die Anwohnerparkplätze einfach so klammheimlich wegrationalisieren will, sollte man doch aber erst einmal eine Bürgerbeteiligung erfolgen lassen, sonst verliert man politisch das Gesicht (so wie bei der Bürgerbeteiligung zur Karl-Marx-Allee).
    Und um den Lesern dieses Beitrages Nachfragen zu ersparen, sollten wir uns doch diese Spitzen sparen. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich tolerant. Ich habe nichts gegen Fußgänger, Fahrradfahrer, Kinder, Rentner Tiere, Außerirdische, aber eben auch nicht gegen Autofahrer.
    Und wer hier gegen den Individualverkehr ist, sollte sich mal überlegen, daß jeder Fahrradfahrer (es sei denn, er ist mit einem Tandem oder Bier-Bike unterwegs) ja auch zum Individualverkehr gehört…

    …ja, da werden die einstudierten „Argumente“ doch langsam knapp.

    Aber unabhängig davon kann ich doch auf eine meiner Meinung nach unglücklich gelöste Verkehrssituation hinweisen. Übrigens: Weizenbier trinke ich prinzipiell nicht...

  6. 70.

    Doch, so wie das aussieht hat man oder will man die Parkspur aufheben, dann wären ihre Bedenken überflüssig. Wobei, wenn ich ehrlich bin, ich ihre plötzliche Fürsorge für Radfahrer aufgrund ihrer bisherigen Beiträge ihnen nicht ganz abnehme. ;-)

  7. 69.

    Wenn die so bleiben sollen, dann muss man sich den Pop-up-Fahrradweg Lichtenberger Straße in nördlicher Richtung (Holzmarktstraße)ansehen. Egal ob Fahrrad- oder Autohasser. Welcher Beamte will dafür die Verantwortung übernehmen? Zu sehen hier:
    https://www.prenzlauerberg-nachrichten.de/2020/04/15/radeln-und-abstand-halten/
    Vorher: Gehweg, Bordstein, Parkspur, Fahrradweg, eine Fahrspur - übersichtlich und klar verständlich.
    Nun neben dem Bordstein der Fahrradweg, dann die Parkspur (zwischen den Baken und der gelben Linie darf man nämlich parken) und dann die Fahrspur.
    Was ist gewonnen? Nichts! Der Fahrradfahrende kollidiert jetzt mit der Beifahrertür statt mit der Fahrertür…aber im Kreuzungsbereich wird es sehr unübersichtlich und gefährlich. Da taucht der Fahrradfahrende unvermutet hinter den parkenden Autos für abbiegende oder kreuzende Autofahrer auf. Das soll jetzt nicht bedeuten, daß die Parkspur auch abgeschafft wird, aber vielleicht lässt man es so wie früher

  8. 68.

    "Und glauben Sie mir das stresst wenn sie mit einen Rollstuhl davor stehen, umdrehen müssen und wieder mit dem Bus zur nächsten U oder S Bahnstation fahren müssen." Und was genau hat das mit den Radspuren zu tun, wenn BVG und DB ihre Wartungen unterlassen?

  9. 67.

    "Das war ja so klar. Immer schön weiter die Autofahrer ausbremsen. Noch mehr Stau verursachen." Sie haben es immer noch nicht kapiert, der Stau sind SIE! Und Tausende andere, die alle allein in ihrer stinkenden Kiste sitzen.

  10. 66.

    Doch, ich habe es schon verstanden. Aber Sie sollten auch den komme8ntar von Isi lesen, denn dort wird eine autofreien Stadt gefordert. Und damit steht Isi nicht allein.
    Fahrstühle oder auch Aufzüge genannt, sind häufig defekt. Und glauben Sie mir das stresst wenn sie mit einen Rollstuhl davor stehen, umdrehen müssen und wieder mit dem Bus zur nächsten U oder S Bahnstation fahren müssen. Für jemanden der dieses Problem nicht kennt ist es warscheinlich schwer sich da hinein zu versetzen.

  11. 65.

    Doch, ich habe es schon verstanden. Aber Sie sollten auch den komme8ntar von Isi lesen, denn dort wird eine autofreien Stadt gefordert. Und damit steht Isi nicht allein.

  12. 64.

    Sie haben es auch noch nicht verstanden! Es geht nicht darum Autos abzuschaffen sondern den MIV einzuschränken! Es geht nie um Menschen die wirklich darauf angewiesen sind und nie um den Lieferverkehr oder Einsatzfahrzeuge! Ich sehe es doch jeden Tag im Büro. Die hälfte der jungen Leute meiner Abteilung kommt jeden Tag mit dem Auto und regt sich über den Verkehr und den Parkraum auf und fahren max. 10km. und was hat eigentlich ein kaputter Fahrstuhl mit Autos und individual Verkehr zu tun?

  13. 63.

    und was ist mit den "Drogentaxis" ? und Gehwegparkern...und.. ; ) überall gibt es schwarze Schafe Herr Neumann. Ich wäre auch für kennzeichnungspflichtige Fahrräder, wenn auch Autofahrer, trotz Kennzeichen, zur Rechenschaft gezogen werden. (sonst heißt es wieder "ich bin aber garnicht gefahren" )

  14. 62.

    Na dann aber Vorfahrt ab Werk für Autos ab 100.000€. Die Besitzer haben schließlich viel mehr Steuern bezahlt als die Plebs die nur einen gebrauchten Sandero haben.

  15. 61.

    Der "böse" Autofahrer bekommt eine Abwrackprämie und weitere geldwerte Vorteile, der Radfahrer nicht. Die Kfz-Steuer, Energiesteuer, Versicherungssteuer reicht bei weiten nicht um alle Kosten zu decken, die ducrh die Benutzung ihres KfZ entstehen. Sie sind es , der an einer Technik des vorvorletzten Jahrhunderts festhält. Schlimmer noch, sie halten an einer Mobilität (wenn es denn noch eine wäre wenn man im Dauerstau steht) der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts fest.

  16. 60.

    Liebe Boomer,

    ich kann verstehen dass ihr Angst habt. Ihr seid mit Autos groß geworden und kennt es nicht anders. Es liegt nun an unserer Generation diese Stadt/ Städte umzubauen und attraktiver zu machen. Damit müssen wir leider jetzt schon anfangen, denn das dauert hier ja alles immer seine Zeit. Ich selber fahr übrigens nen Audi - schöner Diesel und wähle weder grün noch links. Das Auto nutze ich aber nur im Notfall und für Ausflüge. Alles andere mit dem Bike.

    Autofahren muss in der Stadt natürlich erlaubt bleiben (mit Maut), aber das tägliche Pendeln im Individualverkehr muss aufhören!

  17. 59.

    Prima Idee, und ich fahre mit meiner stark gebehinderten Frau (100% mit „B“im Behindertenausweis) per Fahrrad im Fahrradanhänger vom Märkischen Viertel nach Rudow.
    ÖPNV wird jetzt Ihr Argument sein. Na dann versuchen Sie dies mal mit einen Rollstuhl. Mit dem Bus wird schon mal schwierig, da Stellplätze meist besetzt sind. Wenn Sie Glück haben vielleicht der nächste oder übernächste Bus. Und dann S oder U Bahn. Wie oft mußte ich schon erleben „Fahrstuhl ausser Betrieb“. Da bekommt man schon schlechte Laune. Autos sind und bleiben noch eine ganze Weile in unserer Zeit ein Fortbewegungsmittel. Akzeptiert das endlich auch bei allem Verständnis für Umwelt und Klima.

  18. 58.

    .... Und wann kommt der Pop up Grünstreifen für Fußgänger auf der noch vorhandenen Fahrbahn?
    Berlin ist eine.Grossstadt...

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