24.05.2020, Berlin: Demonstranten zeigen verschiedene Transparente bei der Protestaktion „Evakuiert alle Lager – Berlin hat Platz!#LeaveNoOneBehind“. (Quelle: dpa/Carsten Koall)
Video: Abendschau | 24.05.2020 | Max Kell | Bild: dpa/Carsten Koall

Protest vor dem Roten Rathaus - Demonstranten fordern Aufnahme von mehr Flüchtlingen

Hunderte Menschen haben sich in Berlin am Sonntag dafür eingesetzt, dass die Hauptstadt mehr Flüchtlinge aufnimmt. Dafür demonstrierten sie vor dem Roten Rathaus. Der Protest war Teil eines Aktionstages, der in insgesamt acht EU-Staaten stattfand.

Bei einer Demonstration am Sonntag vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte haben die Teilnehmer die Evakuierung der Flüchtlingslager an den EU-Außengrenzen und die Aufnahme geflüchteter Menschen gefordert. Zu der Kundgebung unter dem Motto "Leave No One Behind" (Niemanden zurücklassen) hatte das Bündnis Seebrücke aufgerufen.

Obwohl sich in Deutschland mehr als 150 Städte als "sichere Häfen" zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit erklärt hätten, habe die Bundesregierung bislang lediglich 47 Minderjährige aus dem Lager Moria auf Lesbos nach Deutschland geholt, kritisierte das "Seebrücke"-Bündnis.

Die Teilnehmer stellten Schilder mit ihren Forderungen und Schuhe vor den Rathaus-Eingang und klemmten Papierschiffchen in das Gitter vor der Eingangstür. Die Organisatoren in Berlin fordern, mehr Flüchtlinge in der Hauptstadt aufzunehmen.

Rund 350 Teilnehmer auf vier Kundgebungen

Laut Polizei kamen etwa 350 Menschen zu den insgesamt drei angemeldeten Kundgebungen um das Gebäude. Eine weitere Kundgebung sei vor Ort zugelassen worden. In Berlin ist die Teilnehmerzahl für Demonstrationen wegen der Corona-Beschränkungen bis einschließlich Sonntag auf maximal 50 begrenzt. Ab Montag sind dann jeweils 100 Teilnehmer gestattet.

Wegen der Überschreitung der Teilnehmerzahl forderte die Polizei Menschen per Lautsprecher auf, sich zu entfernen. Allgemein seien die Versammlungen weitgehend friedlich verlaufen, so die Polizei. Die rund 75 Einsatzkräfte vor Ort nahmen eine Person wegen Beleidigung kurzzeitig fest, schrieben eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen die Corona-Abstandregeln und erteilten drei Platzverweise.

Bereits am Samstag hatten bei einem europaweiten Aktionstag in 38 deutschen Städten Aktionen für die Aufnahme von Flüchtlingen stattgefunden. Bei jeder der Kundgebungen gingen nach Angaben einer Seebrücke-Sprecherin mehrere hundert Menschen auf die Straße. Auch in sieben weiteren EU-Staaten gab es Protestaktionen.

Sendung: Abendschau, 24.05.2020, 19:30 Uhr

Kommentarfunktion am 26.05.2020, 07:46 Uhr geschlossen

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64 Kommentare

  1. 64.

    Der Schutz der Menschenwürde ist auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Erklärung der Menschenrechte festgehalten. Die Elendslager auf den griechischen Inseln sind von der deutschen Bundesregierung gegen den Willen der griechischen Regierung durchgesetzt werden, daher ist es auch unsere Verantwortung, Menschen aus diesen Lagern zu evakuieren. Besonders, wo mittlerweile deutschlandweit rund 150 Kommunen Plätze angeboten haben, da zehntausende Betten in Geflüchtetenunterkünften frei sind!

  2. 63.

    Sehr richtig,"wir treten hier für Werte ein" und wir sollten alle rausschmeißen, die unsere Werte mit Füßen treten !
    Das sehe ich auch so.

  3. 62.

    "In der Not zu helfen, wenn man irgend kann - das bedeutet nicht gleich "unbegrenzt". Niemand redet hier von unbegrenzt [...]"

    Vielleicht nicht ausdrücklich hier im Forum, aber wer grundsätzlich NIEMANDEN an Grenzen abzuweisen bereit ist ("Open Borders" / "Kein Mensch ist illegal"), der plädiert de facto im Endeffekt für eine unbegrenzte Einwanderung ohne Kontrollmechanismen und ohne Verantwortung für die daraus folgenden Konsequenzen.

  4. 61.

    "Menschenwürde ist universell geltend und nicht verhandelbar."

    Auf deutschem Boden, ja. So ist es im Grundgesetz angelegt. Aber doch nicht weltweit! In anderen Ländern steht dieser Grundsatz nirgendwo verbindlich aufgeschrieben. Wer sind wir denn, den hohen Anspruch unseres Grundgesetzes global exportieren zu wollen?

  5. 59.

    8 Milliarden aufnehmen, wo sollen die alle herkommen bei einer Weltbevälkerung von 7,8 Milliarden? Kulturelle Differenzen? Gibt es bei ihnen auch kulturelle Bereicherung? Das ist übrigena integrativer Leitgedanke unserer Gesellschaft. Wenn ihre Kollegen keine Frau als Vorgesetzte wollen, sollten sie vielleicht eine Schulung besuchen oder beim Arbeitsamt klingeln gehen. Wer keine Flüchtling oder Zuwanderung möchte, sollte am besten auswandern. Wie Walter Lübcke schon sagte, wir treten hier für Werte ein und wem das nicht passt, der kann dieses Land gerne verlassen. Für seine Aussage wurde er von einem Neonazi ermordert, nachdem im Netz ordentlich gehetzt wurde.

  6. 57.

    In aller Kürze:

    Ich widerspreche Ihren Ausführungen:

    Zu 1. Ich kann mich nicht erinnern, im GG gelesen zu haben, die Menschenwürde gelte nur zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Situationen nicht. Menschenwürde ist universell geltend und nicht verhandelbar. Daraus folgt, dass das Wissen um Würde des Menschen die Grundlage für Denken, vor allem aber jegliches handeln eines jeden bilden muss. Dies hat nichts mit "Moralkolonialismus" zu tun, sondern ist nicht zuletzt Kernaussage des christlichen Wertekanons, auf dem unsere Gesellschaft basiert.

    Zu 2. Es ist dies eine subjektive Erfahrung von Menschen, die z.B. viel gereist sind, vor allem in ärmere Weltengegenden, dass ebendort die Gastfreundschaft deutlich ausgeprägter ist als in Westeuropa.

  7. 56.

    In der Not zu helfen, wenn man irgend kann - das bedeutet nicht gleich "unbegrenzt". Niemand redet hier von unbegrenzt und auch nicht davon, dass wir *allein* helfen sollten oder *allein* dafür verantwortlich wären.

    Interessant, dass Sie sich aufgrund meiner wenigen Sätze gleich eine Beurteilung meiner Absichten, Ideale usw anmaßen... "Spielart des überheblichen deutschen Moralkolonialismus" - na da bin ich ja gleich ganz beindruckt ;o)

    Und zu 2. - Sie erwarten nicht im Ernst, dass ich Ihnen jetzt eine Auflistung all dessen gebe, das mich zu dieser *Meinung* gebracht hat? Es ist die Summe meiner bisherigen Erfahrungen bei persönlichen Begegnungen in aller Welt. Was nicht heißt, dass es immer und überall so war. Daher auch das Wörtchen "meist" - was einer "Verabsolutierung" übrigens entgegensteht.

  8. 55.

    1.
    "Menschenwürde. Darum geht es. Und darum, in der Not zu helfen, wenn man irgend kann."

    Ja, aber im Rahmen und nicht unbegrenzt. Es kann ins Chaos führen, die Menschenwürde über alles zu stellen. "Wir" sind nicht allein und ganz dafür verantwortlich, dass in manchen Regionen der Welt die Menschenwürde angetastet und in Frage gestellt wird. Sie verabsolutieren den Gedanken des deutschen Grundgesetzes nicht nur, Sie wollen ihn dann auch gewissermaßen moraljuristisch auf jeden Ort auf der Welt übertragen. Das ist hehrer Idealismus, aber eben auch eine Spielart des überheblichen deutschen Moralkolonialismus, der uns schlichtweg nicht zusteht.


    2.
    "Komischerweise sind die an Geld und Luxusgütern ärmeren Kulturen meist die gastfreundlicheren und freigiebigeren.
    Die leben vor, was wahrer Reichtum bedeutet..."

    Wo haben Sie das persönlich konkret erfahren? Wo genau, wann, in welcher Form und wie oft? Und auf welcher Basis glauben Sie Ihre Aussage derart verabsolutieren zu können?

  9. 54.

    Was wäre ein Internetforum ohne rassistische Vorurteile der AfD? In Berlin wie in zahlreichen anderen Kommunen gibt es zehntausende freie Plätze in Geflüchtetenunterkünften. Derweil hausen auf den griechischen Inseln Familien unter Plastikplanen zwischen Müll und Dixiklos - eine Schande!

  10. 53.

    Sie meinen die mit Corona Infizierten Heime? Da wollen sie jetzt neue Flüchtlinge unterbringen?

  11. 52.

    Bei einem rbb24 Artikel, wo es darum ging die Demonstranten generell zu diffamieren, schrieb ich den Hinweis, dass diese Gruppe Demonstranten dabei war bei der Hygiene Demo. Dieser Kommentar wurde nicht gepostet.
    Ich fordere den Krieg in Syrien zu beenden und die Sanktionen gegen Syrien zu beenden. Der Krieg in Syrien ist völkerrechtswidrig. Wenn man den Leuten nicht ihre Heimat zerbomt müssten die auch nicht flüchten. Aber auf diese Idee kommen ja nur Verschwörer und die sind weniger relevant als Mörder. Die deutsche Bevölkerung ist genauso Opfer dieser Leute wie die Flüchtlinge. Also Schluß mit Kriegen!

  12. 51.

    Mit dem Grundrecht ist das jetzt so eine Sache. Damit zu werben ist in C.Zeiten nicht gewünscht.
    "grüner Zweig" ...wir alle werden die Zeche, der C.Zeit bezahlen oder meinen Sie das Geld wir nur gedruckt und damit bleibt Deutschland so dickbäuchig.
    Wer helfen will und kann, super, versorgen und umsorgt die Menschen, die hier her kommen. Etwas in der Wohung zusammengerückt und Schlafplatz einrichten, ich finde das super.

  13. 50.

    Für knapp 8 Milliarden Menschen reicht Deutschland nicht aus. Besser ist Hilfe vor Ort.
    Auch Berlin kann nicht unendlich aufnehmen.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, daß es mitunter zu kulturellen Differenzen kommen kann. Bei uns im Betrieb wollten einige keine Anweisungen von vorgesetzten Frauen annehmen.

  14. 49.

    Wenn sie wirklich Leerstehen sollten dann bitteschön Obdachlose rein oder abreißen und dann vernünftige Wohnungen bauen:

  15. 48.

    Da haben Sie völlig recht, andere sollten in der Flüchtlingspolitik erst einmal das leisten, was Deutschland inzwischen geleistet hat.
    Am meisten ärgern mich dann auch noch solche Parolen wie von der deutschen Sektion von UNICEF, die vor ca. 2 Jahren kurz vor Weihnachten auch noch lautstark äußerten "Deutschland würde zu wenig für die Flüchtlinge tun und könnte noch viel mehr machen". Nach dieser Aussage war/ist bei mir der Ofen total aus, obwohl ich zu Beginn auch sehr positiv eingestellt war!

  16. 47.

    Geht's noch? Als hätte man nicht genug andere Probleme in dieser Stadt und dem Land sowieso.

  17. 45.

    "Reichtum" hängt nicht davon ab, wie viel oder wenig Geld jemand hat.

    Menschenwürde. Darum geht es. Und darum, in der Not zu helfen, wenn man irgend kann.
    Und nicht stattdessen seine Tür zu verbarrikadieren,
    nur weil man alles für sich behalten will, falls man es *irgendwann* mal braucht.

    Komischerweise sind die an Geld und Luxusgütern ärmeren Kulturen meist die gastfreundlicheren und freigiebigeren.
    Die leben vor, was wahrer Reichtum bedeutet...

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