Umbauvariante der Anschlussstelle Messedamm am Dreieck Funkturm von Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und baugesellschaft (Deges). (Quelle: rbb|24/Openstreetmap/Mappa)
Video: Abendschau | 13.05.2020 | Martin Küper | Bild: rbb|24/Openstreetmap/Mappa

Anschlussstelle Messedamm - Anwohner erzwingen neue Umbauvariante für Dreieck Funkturm

Monatelang haben die Anwohner der Berliner Eichkampsiedlung gegen die Umbaupläne für das Dreieck Funkturm protestiert. Offenbar mit Erfolg: Die zuständige Planungsgesellschaft hat eine neue Variante für die umstrittene Anschlussstelle Messedamm ausgearbeitet. Von Sebastian Schöbel

Eine neue Variante für den Umbau des Dreiecks Funkturm könnte den langen Streit um die geplante Anschlussstelle Messedamm beilegen. Der Entwurf der zuständigen Deutsche Einheit
Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft (Deges), der dem rbb vorliegt, verändert die bisherigen Planungen substantiell und geht damit vor allem auf die Bedenken der Anwohner in der Eichkampsiedlung ein.

Anwohnerverein kritisiert bisherige Planung

Bisher sehen die Deges-Planer vor, die neue Anschlussstelle Messedamm unmittelbar neben der Eichkampsiedlung zu platzieren. Der Zubringerverkehr würde dort über die Jafféestraße und den Messedamm fließen. Die A115 müsste dafür auf einer Länge von mehreren Hundert Metern angehoben werden, entlang der Eichkampsiedlung würden meterhohe Schallschutzwände entstehen.

Der Siedlerverein Eichkamp sieht darin "hohe Risiken auf den umliegenden Stadtstraßen" und befürchtet, dass die Anwohner einer übermäßigen Verkehrsbelastung ausgesetzt würden.

Neuer Zubringer zum Messedamm

Nach mehreren Runden Bürgerbeteiligung hat die Deges nun eine neue Variante vorgelegt, die am Mittwoch im Stadtentwicklungsausschuss erstmals öffentlich besprochen werden soll.

Sie sieht vor, die Anschlussstelle nicht mehr an der Jaffèestraße zu errichten. Stattdessen würde der Zubringer als Brücke über der A115 gebaut werden. Der Verkehr würde dann östlich neben der Autobahn entlang und unter der A115 hindurch geführt werden. Der Anschluss zur Autobahn würde auf dem Messedamm liegen, neben dem alten Avus Rasthof.

Die Variante hätte laut Deges mehrere Vorteile. Der Abstand zur Eichkampsiedlung wäre größer, zudem wäre "eine "Höherlegung der Autobahn A115 nicht erforderlich, die Rampe an der Anschlussstelle wäre noch auf circa 200 Meter entlang der Eichkampsiedlung". Auf den bisher geplanten Tunnel Jafféstraße/Messedamm könnte möglichlicherweise ganz verzichtet werden, was weniger Aufwand bedeuten und Zeit sparen könnte. Zudem wäre die Messe besser angeschlossen.

Nachteile für Anwohner weiter nördlich

Es gibt aber auch Nachteile, so die Deges. Die Anschlussstelle wäre deutlich kleiner als bislang geplant, was Staus in den umliegenden Straßen verlängern könnte. Außerdem würden "städtebauliche Potenzialflächen" entfallen. Der Plan sieht zudem keinen Lärmschutz an der Jafféstraße vor.

Das größte Problem aber könnten die Anwohner in Knobelsdorffstraße und der Reichsstraße bekommen: Sie müssten laut Prognose der Deges mit täglich 700 beziehungsweise 600 Fahrzeugen mehr rechnen - während in der Jafféestraße pro Tag rund 5.000 Fahrzeuge weniger unterwegs wären.

Der Vorschlag sei mit Senatsverwaltung und Bezirken abgewogen worden, heißt es in dem Deges-Papier, "Im Dialog mit allen Betroffenen wurde beschlossen, die 'Variante für die Stadt' als tragfähige Kompromisslösung in der Planung weiter zu verfolgen."

IHK: "tragfähiger und guter Kompromiss"

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, nannte den Vorschlag "einen tragfähigen und guten Kompromiss". Für die Berliner sei wichtig, dass während der Umbauarbeiten der Verkehr weiter fließen kann, so Eder. "Jetzt kommt es darauf an, den Kompromissvorschlag zu vertiefen und zügig, spätestens Mitte 2021, ins Planfeststellungsverfahren zu starten."

Das Dreieck Funkturm ist einer der am stärksten belasteten Autobahnknotenpunkte in Deutschland. Im Jahr 2030, so die Deges-Prognose, werden hier pro Tag eine Viertelmillion Fahrzeuge unterwegs sein. Ab 2023 sollen 25 teils marode Brücken und fast zwei Kilometer Fahrbahn komplett saniert und umfangreich umgebaut werden. Die Arbeiten werden mindestens sieben Jahre dauern.

Beitrag von Sebastian Schöbel

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29 Kommentare

  1. 29.

    Als würde es im Gebiet der Reichsstraße bzw. Knobelsdorffstraße keine Schulen, etc. geben.

  2. 28.

    Das ist ein Erfolg nur für die Siedler und für sonst Niemand. Dieser ganze Umbau ist und bleibt eine Riesengeldverschwendung. Die Schließung von 7 Ausfahrten rund ums ICC verlagert den Verkehr in Wohngebiete. Die Knobelsdorffstraße wird zusätzlich belastet. Dabei wäre diese völlig aus der Zeit gefallene Ausfahrt zuerst zu schließen.

    Man sollten alles andere lassen wie es ist, nur für Ortsunkundige besser ausschildern. Tempo 60 im Autobahndreieck / 40 in engen Kurvenbereichen wie bisher ist zumutbar. 100te Millionen nur um alle Kurven auf Tempo 80 auszubauen ist reiner Irrsinn. Der Stadtring kann ganz unabhängig vom Ausbauzustand des Dreiecks dort keinen zusätzlichen Verkehr mehr aufnehmen. Es profitiert allein die Bau- und Betonmafia.
    Die Irrsinnsideologie der Deges sieht man am Berliner Ring an den fertig ausgebauten Dreiecken Havelland, Nuthetal und Barnim. Da kann ich jetzt überall mit 120 um die Kurven fahren. Für einen gigantischen Geldaufwand und Flächenverbrauch.

  3. 27.

    Informieren sie sich besser, das ganze Dreieck ist dermaßen marode, das es besser heute als morgen neu gebaut werden sollte.
    Und es geht auch nicht um drei Häuser, sondern um eine ganze Siedlung, durch welche sich die Autofahrer um Falle eines Staus durchquetschen würden und dort gibt es einige Schulen, Sportplätze und Behindertenschulen.

  4. 26.

    Was geändert werden, muß an dem Autobahn Dreieck auf jeden fall. Denn die Überfahrten von der AVUS Richtung A100 egal ob nach Nord oder Süd sind ein Graus. Auch die Auffahrten von der Halenseestr. auf die A100 sind nicht dolle, bzw. Überfüllt oder man kommt sich mit der Abfahrt von der A100 auf die Halenseestr. Richtung Norden / Überfahrt zur A115 ins gehege.

    Was aber die Verschiebung der Fahrzeuge auf die anderen Straßen, bei der Version im Gegensatz zur Version Ecke Kreuzung Jaffestr./Messedamm angeht erschließt mir nicht so ganz. Die in Richtung Heerstraße werden immer noch zur Jaffestr abbiegen, und die anderen in die andere Richtung. Bzw. alle die auf die Autobahn wollen müssen über denn Messedamm fahren, wenn sie die vom Norden kommen.

  5. 25.

    "Autobahndreieck nur 2 Brücken"
    Im Brückenbau sind wir "Spezialisten". Selbst eine lausige Freybrücke auf der Heerstr. NUR zu tauschen dauerte 5 (FÜNF) Jahre und war verspätet fertig (sogar Bundesbaustelle). Ich frage was das werden soll?
    Der Umbau dauer bestimmt nicht 7 Jahre sondern 70 Jahre.

  6. 24.

    Das sehe ich auch so, kann echt nicht sein, so ein Chaos wegen "drei" Häuser zu veranstalten.
    Dort wo es sich stauen wird, wohnen viel mehr. Typisch Bonzen.
    Die Reichsstrasse ist immer halb im Stau und der Theo war schon wegen einem Gully dicht.
    Die sollen einfach alles so lasen wie es ist. Wegen 3m³ Gewinn wird solch ein 7-Jahre-Scheiß veranstaltet.

  7. 23.

    Man wollte doch eigentlich den Spaghetti-Knoten an Dreieck auflösen. Mit diesem Vorschlag werden nun wieder neues Wirrwar gelegt. Dann könnte man es auch gleich alles so lassen wie es ist.

  8. 22.

    @Enric: Das Ding mit TeBe ist gut ;-) Da hast mir am Vormittag ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Aber träumen darf man ja. Ich wäre jedenfalls auch begeistert!

  9. 21.

    Es ging um´s Pendeln, Ihr Kommentar geht demnach an meinem und dem Thema des Berichts etwas vorbei; falls Sie nicht zu Ende gelesen haben sollten und eventuell nach dem ersten Halbsatz schon die Schublade auf hatten.

  10. 20.

    Da wohnen doch bestimmt ein paar politische Hochkaräter in der Siedlung. Dann ist es doch egal das nun der Verkehr in die anderen Straßen, Bismarckstraße Knobelsdorffstraße usw verlagert wird. Da wohnen ja kaum Leute. Hoffentlich wird bei dem Umbau dann auch ein Fahradschnellweg nach Potsdam mit eingeplant. Wenn nicht finden sich bestimmt noch ein paar Aktivisten oder Frau Günther macht das schon.

  11. 19.

    Am Theo und in der Reichsstraße schieben sich doch schon jetzt dicht an dicht die Autos lang. Das war früher eine ruhige Einkaufsstraße. Die Radfahrer müssen auch ständig auf die Autospur ausweichen, weil die Radwege blockiert sind. Das werden die Anwohner nicht mitmachen. Im Leben nicht.

  12. 18.

    Meines Erachtens brauch ein Autobahndreieck nur 2 Brücken, am AD Funkturm eine um von Süden auf die AVUS und eine um von der AVUS nach Norden, der Rest sind nur Kurven auf einer Ebene. Statt die Eichkampsiedlung sollte der Kaiserdamm und der Bahnhof Westkreuz(als Regionalbahnhof umgebaut) direkt ans Autobahnnetz angeschlossen werden. Nach einen Abriss des ICC-Bunkers sowie eine Verlegung des S-Bahn-Ring nach Osten würden weniger Brücken und Beton gebraucht.

  13. 17.

    Es ist schon erschreckend einen derartig naiven Beitrag lesen zu müssen. Die schöne heile Welt von Pipi Langstrumpf ist nur in einem Dorf realisierbar. Das Fahrrad in einer flächenmäßigen Großstadt passt wie ein Segelflugzeug auf einem internationalen Flughafen. Berlin besteht aber aus sehr vielen Dörfern und da ist ein Zweirad nicht realistisch. Die Tretmobile sind für den Kiez geeignet und selbst dort nur für eine bestimmte Klientel. Zwingen Sie keine Rentner auf die Drahtesel, ausser Sie wollen Sie zwangseliminieren.
    Träumen Sie weiter...

  14. 16.

    Die große Mehrheit der Autofahrten ist kürzer als 15km. Das schafft man auch mit dem (E-)Fahrrad. Und statt Millionen für neue Autobahnen auszugeben könnte man Straßen- und U-Bahnen bauen.

  15. 15.

    Das AD Funkturm ist so oder so nach ~60 Jahren sehr starker Belastung baufällig und die Brücken müssen erneuert werden. Da kann man dieses Chaos aus alten Zeiten ruhig entflechten, wenn man eh schon Millionen in die Hand nehmen muss.

  16. 14.

    Die Entlastung der Jaffestraße bringt keinen Vorteil für Anlieger, denn dort gibt es keine, aber die Erhöhung des Verkehrsaufkommens in Kaiserdamm, Reichsstraße oder Knobelsdorffstraße ist für sehr viele dort wohnende Menschen schädlich.
    Das Konzept, in dicht besiedelten Wohngebieten den Verkehr zu verdichten, ist antiquiert und nicht zu akzeptieren. Lebensqualität und Gesundheit der Bürger dürfen nicht auf der Strecke bleiben!

  17. 13.

    Ja warum pendeln die Menschen bloß immer hin und her? Weil Pendeln etwa so schön ist? Nein - die meisten müssen wegen des weiten Weges vom Wohnort zum Arbeitsplatz pendeln und das auch, weil vielleicht die Öffi-Verbindungen zu schlecht sind?
    Ihre Frage ist naiv und einfältig - tut mir leid - aber soviel Lebensferne ist mir wirklich fremd. Fahren Sie doch mal 50 km einfache Strecke mit dem Fahrrad, bei der vorhandenen Radwegeinfrastruktur zur Arbeit. Haben Sie dort eine Duschmöglichkeit, können Sie sich glücklich schätzen - ansonsten wünsche ich viel Spaß mit, bzw. für Kollegen/innen und Kundschaft.

  18. 12.

    Das größte Problem von AVUS kommend ist der Übergang zum Stadtring Roichtung Norden, wenn es von 3 Spuren auf 1 runtergeht, wird es da immer Stau geben.

    Wenn jetzt noch die Messeverkehr zum Feierabend hinzukommt, bricht da alles zusammen. Wie will man bitte die Verkehr von Süden (2-3 Supren), Messedamm (2 Spuren) und Schnellweg (2 Spuren) über eine Spur nach Norden ableiten? Das wird auf jeden Fall eine Verschlechterung.

    Mindeste ist wohl Stadtring nach Norden an der Stelle auf 2 Spuren verengen und Übergang von AVUS->Stadtring Richtung Norden auf 2 Spuren zu erweitern

  19. 11.

    Wirkt schon etwas selbstzerstörerisch im Jahr 2020 den Neubau von überdimensionierten Autobahnen mitten durch die Stadt weiterzuplanen. Wo bleibt die versprochene Verkehrswende? Umsetzung der Klimaziele lokal? Wie wär's mit einer Nummer kleiner und "Durchfahrtsverboten" für den Transitverkehr. Die Menschen in der Nähe dieser Autobahn (nicht nur) in Charlottenburg erleiden schon seit Jahrzehnten die schlechte Luft und den Lärm.

  20. 10.

    Nicht das Land Berlin bzw der Senat, sondern die Deges baut das Dreieck Funkturm um. Die Schätzung der Bauzeit kommt dann auch von der Deges, nicht vom Senat.

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