Auf der Kuppel des Humboldt Forums glänzt das goldene Kreuz in der Sonne (Quelle: Imago Images/Peter Meißner)
Audio: Inforadio | 30.05.2020 | Oda Tischewski | Bild: www.imago-images.de

Streit um Kuppel des Humboldt Forums - Landesbischof Stäblein sieht umstrittenen Spruch mit Skepsis

Der Berliner Landesbischof Christian Stäblein sieht das umstrittene neue Kuppelkreuz auf dem Berliner Humboldt-Forum vor allem als Verpflichtung. Das Kreuz stehe für Hingabe, Vergebung und Versöhnung, "nicht Dominanz und Herrschaft", betonte Stäblein: "Sein Gold strahlt für alle, die ausgegrenzt und erniedrigt werden."

Dagegen hinterlasse das ebenfalls umstrittene Spruchband bei ihm Skepsis, sagte Stäblein. "Intolerante Exklusivitätsansprüche sind - auch als historische Zitate - gefährlich und brauchen Gegenbilder", so der Bischof. Das Humboldt-Forum werde aber für diese Gegenbilder sorgen. Auch das geplante "House of One", ein gemeinsames Haus für die Religionen, das nur wenige Meter vom Stadtschloss entfernt zeitgleich entstehe, werde ein solches Gegenbild sein. "Wir brauchen diese Zeichen der Gemeinschaft und der Augenhöhe mehr denn je", sagte Stäblein.

"dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie..."

Am späten Freitagabend war auf das rund 644 Millionen Euro teure Humboldt Forum im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss die 17 Tonnen schwere Kuppellaterne samt Kreuz aufgesetzt worden. Um die Wiedererrichtung des Kuppelkreuzes und die Rekonstruktion eines Spruches aus zwei Bibelzitaten am Fuße der Kuppel gibt es heftige Diskussionen. Der Spruch lautet unter anderem, "dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind".

Befürworter sehen das Kreuz als dringend notwendigen Bestandteil für eine detailgenaue Rekonstruktion des Schlosses der Wilhelminischen Kaiser. Kritiker entgegnen, dass sowohl das Kreuz als auch der Spruch nicht mit dem Humboldt Forum als Ort der Wissenschaft vereinbar sind.

Benannt ist das Humboldt Forum nach den Berliner Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt.

Sendung: Abendschau, 30.05.2020, 19.30 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Ich lege Ihnen einfach ans Herz, sich sowohl mit der vergangenen Ausstellung als auch insgesamt mit der Bandbreite preußischer Geschichte zu beschäftigen. Markante Sätze in der Ausstellung waren bspw., dass Friedrich II, der so genannte "Große", von seinen Mitmenschen lieber von hinten als von vorn gesehen wurde. Auch war der Spießrutenlauf, der Voltaire aus dem Lande trieb, ein Thema. Ein Thema ebenso wie die besagte Rechtsstaatlichkeit, die Uwe Wesel eingehend beleuchtet hat. Die Völkermorde, die im 19. Jh. und Anfang des 20. Jhs. stattfanden, waren da außen vor. Zu Recht übrigens. Sie werden wissen, warum. Es ging um Preußen des 18. Jhs.

    Sie verrechnen Geschichte, ich stelle die Facetten unverrechenbar nebeneinander. Den Ausstellungsmachern zu unterstellen, sie hätten später stattfindende Pogrome verniedlicht, ist recht gewagt.

  2. 24.

    Wenn Sie den Völkermord an den Nama und Herero in der ehemaligen Kolonie "Deutsch-Südwestafrika" meinen, scheint mir die Unterstellung, H Krüger hielte dies für rechtsstaatlich, ebenso kontraproduktiv. Selbstverständlich muss man diese Verbrechen kritisieren. Persönlich habe ich keine Sympathien für das Herrscherhaus Hohenzollern und würde sogar sagen, dass sie, wie alle Herrscherhäuser, durch ihre zahlreichen Kriege u.a. am "eigenen" Volk Völkermord begingen. Dennoch zählt zur von Ihnen geforderten "ehrlichen Betrachtung" Preussens eben auch ein Blick auf die Aspekte des preussischen Staatssystems.

  3. 23.

    Ehrliche Auseinandersetzung zu ernsthaften Themen erfordert vor allem Sachlichkeit und das Vermeiden von Unterstellungen und Schlagworten. Sie bringen die Shoah (ich nehme an, die meinen Sie mit Völkermord) in direkten Zusammenhang mit Preussen. Es mag einen indirekten Zusammenhang geben, einen direkten gibt es nicht. Ihre Unterstellung, H Krüger habe die Shoah zudem als rechtsstaatlich bezeichnet, ist ebenso absurd wie infam. Ich nehme an, das wissen Sie genau.

  4. 22.

    Treffend beschrieben. "Rabbiner Andreas Nachama sieht das Kreuz in einem Kommentar der Jüdischen Allgemeinen sehr viel kritischer. Dieses Kreuz sei ein Symbol der Berliner Intoleranz, ein Rückfall in die Gedankenwelt eines Preußenkönigs."
    Quelle RBB

  5. 21.

    Geschichtsumdeutungen aus Potsdam wieder. Der Völkermord war also auch rechtsstaatlich? Außerdem steht Potsdam eben auch für Antisemitismus. Das Glockenspiel " Üb immer Treu und Redlichkei " der Nazikirche ist sogar judenfeindlich. Keiner mit etwas Geschichtswissen wird dies bestreiten. Es geht nicht um Preußen-Hass, es geht um ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Da ist man sicher im Preußischen-Disneyland in Potsdam überfordert.

  6. 20.

    "All das hat er nicht verdient."

    Das sehe ich auch so.
    Dennoch ist die Angelegenheit vielschichtiger. Mein Bild auf die Hohenzollern ist mehrdeutig. Gefangen in ihrer Zeit, grob und ungeschlacht zuweilen, inspirierend auf der anderen Seite.

    Die Ausstellung 2001 in Potsdam gab da reichlich Aufschluss. Einer der Beiträge stammt(e) von Uwe Wesel, ein sich fortschrittlich verstehender Jurist, der unter anderem an der Verfassung des Bund Deutscher Länder (Verfassungsentwurf des Runden Tisches) beteiligt war und unumwunden die Rechtsstaatlichkeit in Preußen lobte. Der Mann ist alles andere als ein Preußen-Fan, steht jedoch abseits eines Preußen-Hasses.

  7. 19.

    Gab es bei der evangelischen Kirche keine sexuellen Übergriffe auf Schutzbefohlene oder "Zwangsarbeit" in deren Heimen?
    Das wäre mir neu. Dann sollten Sie den Beitrag aus der ZEIT vom 12.11.2019 lesen:
    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-11/kindesmissbrauch-evangelische-kirche-aufarbeitung-sexueller-missbrauch
    Mag sein, dass Frank Wedekind sich in der Konfession des Pfaffen vertan hat, im Wahrheitsgehalt seiner Aussagen ist nichts zu deuteln.

  8. 17.

    Bitte erklären Sie doch warum die Sprengung der Ruine des Schlosses des Völkermörders eine völkerrechtswidrige Sprengung gewesen sein soll.
    "Mit der Vollendung der Kuppel ist das Völkerrechtswidrige Sprengen der Ruinen des Stadtschlosses durch die Diktatur der DDR repariert"

  9. 16.

    Ihr Kommentar leidet stark unter der Unkenntnis, dass Herr Stäblein die evangelische Kirche repräsentiert. Bei einem katholischen Geistlichen hätte man evtl. etwas weniger Bereitschaft erwarten können, den "Exklusivitätsanspruch" des eigenen Glaubens zu negieren und sich nur auf "Augenhöhe" mit anderen Religionen sehen zu wollen (die hinsichtlich der "Augenhöhe" teilweise eine davon abweichende Auffassung haben).

  10. 15.

    Das Jesus v Nazareth zugeschriebene Zitat wird durchaus in dem Sinne verwendet, dass er allein seligmachend sei. Ein ziemlich hoher Anspruch an sich selbst, von dem ich nicht glaube, dass er das so meinte. Der Mann wird dennoch seitdem benutzt als Symbolfigur mächtiger Organisationen, die sich durch die Verwendung seines Bildes Zulauf versprachen und damit gold-richtig lagen. Neben offen religiösen Vereinigungen benutzten dann auch Familienunternehmen wie die Hohenzollern den Nazarener Alltagsphilosophen zu Konsolidierung ihrer Macht. All das hat er nicht verdient.

  11. 14.

    Wie kann so ein christlich-fundamentalistischer Spruch auf die Kuppel eines öffentlichen Geäudes gelangen, das immerhin der Humboltstiftung und damit der Bundesrepublik Deutschland gehört. Ist der Stadt beim Neubau von Museen nicht mehr zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet? Warum klagt niemand gegen diese aggressive Botschaft?

  12. 13.

    Es liegt ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Jesus zugeschriebenen Aussage gegenüber seinen Jüngern "Niemand kommt zum Vater im Himmel denn durch mich" und dem Anspruch der Allgemeingültigkeit gegenüber jedem und allem. M. a. W. : Er hat es nicht in die Welt hinaus gesprochen.

    Für sich selbst Gesprochenes - sozusagen als eigenes gefundenes Selbstverständnis - ist nur in einem fundamentalistischen und totalitären Sinne eine allgemeine Maßgabe. Gleich, ob das nun verheißen-christliche, verheißen-(staats-)sozialistische oder verheißen-sonstwelche Ursprünge hat.

    Hier in diesem Falle ist der von Friedrich Wilhelm IV aufgetragene Spruch historisches Zitat, keine aktuelle Aufforderung. Damit kann es sein Gegenüber finden. Dies hat Christian Stäblein benannt: in Form der Humboldt-Forum-Nutzung und des künftigen House of One am Petriplatz.

  13. 12.

    Der Pfaffe sollte sich eher um die Opfer, die durch seine Katholische Kirche, die er vertritt, kümmern, die an Missbrauch, Gewalt und Demütigung ein Lebenslang leiden.
    "Sein Gold strahlt für alle, die ausgegrenzt und erniedrigt werden."

  14. 11.

    Der Bischof leugnet Jesus wie Petrus in der Nacht.

  15. 10.

    Ich glaube, dass es eine Diskrepanz, einen erheblichen Unterschied gibt zwischen der gängigen Vorstellung, dass nur (materiell gewordenen) Personen eine Hingabe gelten kann und den Vorstellungen der Kirche wie auch anderer weltanschaulicher Vereinigungen, dass die Hingabe einem Universellen gilt. Das ist dann nichts Materielles, es hat vielmehr mit sich selbst plus dem Äußeren zu tun.

    Sie können das in etwa "übersetzen" mit einer sehr weitreichenden Intuition. Alltägliche Intuition kennt jeder: Genau den richtigen, freilich unbekannten Menschen nach dem Weg gefragt zu haben und dann auch tatsächlich die Antwort bekommen zu haben, das spontane Anhalten per Rad oder Auto, wenn ein Fußball ranrollt. So schnell ist der Mensch in seinem Denken nicht, dass er dies von einer Sekunde auf die andere bewusst täte.

  16. 9.

    Dass Leute persönliche Interpretationen von Texten als göttlich verbreiten, das gab es vor, während und nach Jesus v Nazareths Erdenleben ja ungezählte Male. Ihre Auslegung des Beugens von Knien, H. Haas, aber ist doch gehoben originell: Nicht etwa als Unterwerfung aller (!) unter den "einzigen Gott" sei es gemeint (weil, Unterwerfung gab es ja auch nur in der DDR), sondern als "Hinwendung zum Tanzpartner". Tanzen auf Knien also - interessant. Wo genau befindet sich der Tanzpartner dabei?

  17. 8.

    Enric, Berlin, Samstag, 30.05.2020 | 21:13 Uhr:
    "…..bedeutet Hingabe. Wer gibt sich denn wem hin?"

    Ich denke, es ist gemeint, dass Leichtgläubige ihr Wissen hinweggeben sollen und stattdessen nur noch an diese Märchen und Sagen glauben sollen. Wer nicht wissen will, muss (alles) glauben.

    Letztendlich wurden die Religionen ja als Machtinstrument erfunden. Das sieh man gut bei den Katholen: Sie versuchen ihre Macht zur Förderung von Homophobie auszuüben. Ziel war es natürlich auch immer, den Religionsführern (Papst, Bischöfe, Priester) ein schönes Leben zu ermöglichen. Und so wollen auch die beiden christlichen Sekten, dass die Gläubigen ein Teil ihres Einkommens der Kirche "hingeben", um Macht und Reichtum auszubauen.

  18. 7.

    Der Spruch auf der Kuppel ist eine Kombination aus zwei Bibelversen. Der erste Teil ist aus Apostelgeschichte 4, der zitierte Teil stammt aus dem Christus-Hymnus im Brief an die Philipper (Phil 2,10) und gleichzeitig Zitat einer Prophetie in Jesaja 43, in dem es um die Demut Christi trotz seiner himmlischen Macht geht, die auch den Christen ein Vorbild sein soll.

    Es handelt sich um christliches Grundwissen, das vor 170 Jahren vermutlich ein Großteil der Bevölkerung besaß und entsprechend den Spruch an der Kuppel sowie den Grund seiner Inschrift richtig verstand. Wenn nun der Kontext nicht mehr bekannt ist, bewirkt die Verkürzung leicht ein grobes Missverständnis der Botschaft, wie es natürlich auch für zahlreiche zeitgenössische Werbetexte gilt, was uns nur nicht auffällt.

  19. 6.

    Vielleicht finden das alle so gut informierten Berliner kleinkariert. Aber es gab und gibt kein Berliner Stadtschloss.
    Die Hohenzollern erbauten in Berlin ein Schloss. Das hieß Das Berliner Schloss. Der Berliner Dom heißt auch nicht der Berliner Stadtdom. So wie der Platz der Schlossplatz heißt und nicht Stadtschlossplatz.

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