Protest mit Schild Finger Weg vom Denkmal bei der Kundgebung von der VVN und Sinti- und RomaInitiativen am 13.06.2020 unter dem Motto Schützt Das Denkmal, Haende weg vom Mahnmal fuer die ermordeten Sinti und Roma. (Quelle: imago images/Stefan Boness)
Audio: Inforadio | 30.06.2020 | 12:00 Uhr | Thorsten Gabriel | Bild: imago images/Stefan Bones

S-Bahn-Ausbau - Bahn will S21-Trasse für Sinti-und-Roma-Denkmal verlegen

Um das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin dauerhaft zugänglich zu halten, könnte die Berliner S-Bahn-Linie S21 auf einer Trasse fahren. Die Bahn will nach Protesten gegen Einschränkungen eine verworfene Trassenvariante neu prüfen.

Die Deutsche Bahn will den geplanten Tunnel der S-Bahnstrecke S21 in Berlin möglicherweise verlegen, um das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma zu schützen. Ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung bestätigte am Dienstag dem rbb, dass Alternativen zu den bisherigen Routen geprüft werden. Das sei am Freitag bei Beratungen von Bund, Land, der Bahn und dem Zentralrat der Sinti und Roma vereinbart worden. Zuerst berichtet hatte die "Berliner Morgenpost" [Bezahlinhalt].

Im Gespräch ist nun wieder, beide Tunnelröhren östlich des Reichstagsgebäudes unter dem Friedrich-Ebert-Platz zwischen Reichstag und dem Jakob-Kaiser-Haus zu führen. Diese Trassenführung war zuvor verworfen worden. Nun sollen sich Bundestagsverwaltung und Deutsche Bahn auf eine intensive Prüfung dieser Route geeinigt haben.

Bildhauer Karavan kündigte harten Protest an

Hintergrund des Konflikts sind Bauarbeiten für die neue S-Bahn-Linie in Berlin-Mitte. Nach den bisherigen Plänen hätte das Denkmal wegen der Baustelle abgebaut oder gesperrt werden müssen. Am Wochenende hatte der maßgeblich an der Denkmalsgestaltung beteiligte 89-jährige Bildhauer Dani Karavan angekündigt, er werde sein Werk notfalls "mit seinem Körper schützen".

Das zentrale Mahnmal für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma wurde auf Beschluss des Bundestages zwischen dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor errichtet. Der Entwurf stammt von dem 1930 geborenen israelischen Künstler Dani Karavan. Es besteht aus einem kreisrunden See auf einer Granitplatte. Akustisch untermalt wird das Ensemble vom Geigenton eines Sinto-Musikers.

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Antwort auf [Kerstin Rocktäschel] vom 01.07.2020 um 16:45
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35 Kommentare

  1. 35.

    Martin Luther? Warum dessen Denkmäler nicht abgerissen werden, erschließt sich mir nicht. Schließlich war er ein glühende Antisemit, Judenhasser und Rassist. Oder eben die kommunistische Ikone Karl Marx?

  2. 34.

    Die Schonung des Denkmals ist in der Tat bedeutsam und richtig. Ich fuerchte allerdings, die Bahn wird dies als Vorwand nehmen, um das Planverfahren um weitere 5 Jahre zu verlaengern und die Inbetriebnahme auf nach 2040 zu verschieben.

  3. 33.

    Im günstigsten Fall weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut. Im ungünstigsten Fall ist es eine neue Variante, dass ein Gemeinwesen dadurch ein Gemeinwesen ist, "dass die Räder rollen". Das klingt zugespitzt, doch unabhängig von Regierungsformen gibt es so etwas wie eine technokratische Herrschaft, die spezifische Regierungsformen überdauert.

  4. 32.

    Bach, Beethoven, Wagner sind in aller Regel Statuen oder Büsten, die man problemlos vom Fundament lösen, anheben ubdxwoanders wieder hinsetzen gehen, was bei dem Sinti-und-Roma-Denkmal schon logistisch eine Herausforderung wäre, zumal unter dem dem Wasserbecken Technik verbaut ist, die das Wasserbecken speist und auch den Gedenkstein in der Mitte des Beckens bewegt.

    Und - wie gesagt - das Denkmal steht seit 2012. Und acht Jahre späterfällt es der DB ein, dass dort eine Bahntrasse verlaufen soll. Ist doch komisch. Oder?

  5. 31.

    Hat die Deutsche Bahn wirklich vergessen, in welcher Verantwortung sie steht?
    https://www.gfbv.de/de/informieren/zeitschrift-bedrohte-voelker-pogrom/301-sinti-und-roma-wir-sind-wie-ihr/wie-eine-identitaetsverwechslung-fast-ein-halbes-jahrhundert-unentdeckt-blieb/
    Und ist Frau Grütters mal so freundlich, hier Stellung zu beziehen?

  6. 30.

    Natürlich verstehen Menschen mit einer rechtsextremen Gesinnung das nicht. Die sprechen ja auch von einem "Denkmal der Schande" und ähnlichen. Da sind sie sich ihrem PG ähnlich, wenn nicht noch schlimmeres.

    Sie würden mit Sicherheit auch dieses Denkmal plattmachen oder gar eine S-Bahn mitten durch eine KZ Denkstätte bauen. Eine noch dümmere Ausrede wie "eine möglichst optimale Streckenführung" oder "seine Standortfrage darf die Entwicklung einer Stadt auch nicht verhindern." ist ihnen nicht eingefallen?

  7. 29.

    "Ich verstehe gar nicht, wie man das als inhaltliches Problem mit dem Gegenstand eines Denkmals sehen kann."

    Ich will jetzt nur auf diesen einen Satz Bezug nehmen:
    Berlin ist m. E. Meisterin darin, stadtbildprägende Lagen komplett umzumodeln und ggf. auch Denk- und Mahnmale nach Gutdünken der jeweils Tonangebenden umzusetzen. Die für mich etwas schillernde Siegessäule wurde zu NS-Zeiten vom Platz zwischen der Krolloper und dem Reichstag zum Großen Stern umgesetzt, die zuführenden Straßen dabei erheblich verbreitert. Das Charlottenburger "Knie" als Teil der Eosander-Achse zwischen dem Berliner und Charlottenburger Schloss mutierte zum Ernst-Reuter-Autoverkehrskreisel und das vorgesehene Demokratie-Forum zwischen Kanzleramt und Abgeordnetenhaus wurde nie zu dem, was es hätte sein sollen. Heute ist es billiges Abstandsgrün.

  8. 28.

    "Welcher Vollpfosten hat das Mahnmal in die Gleistrasse bauen lassen ?"
    Guter und wichtiger Beitrag.

    Und ganz generell u. aller Hypermoral zum Trotz: eine für die Allgemeinheit wichtig S-Bahn hat auf jeden Fall Vorrang vor einem Denkmal, erst recht, wenn es sich nur um temporäre Einschränkungen handelt u. auch eine dauerhafte Verlegung des - eventuell dann zu verändernden - keine Verbindungen zum Standort aufweisenden Denkmals, wäre völlig legitim.
    Gut, dass es das Denkmal gibt, aber seine Standortfrage darf die Entwicklung einer Stadt auch nicht verhindern.

  9. 25.

    Das Denkmal steht schon seit 2012 dort.

    Die Frage wäre andersrum richtig: Warum kommt man erst 8 Jahre nach der Einweihung des Denkmals damit um die Ecke, dass dort eine S-Bahn-Trasse verlaufen soll?

  10. 24.

    Danke für Ihr differenziertes Argumentieren! Nun ist es so, dass das betreffende Mahnmal unter dem See einen unterirdischen Raum hat, in dem sich die technischen Anlagen befinden. Es könnte also durchaus sein, dass durch Baumaßnahmen Schäden auftreten, die dann tatsächlich zu einer Umverlegung führten. Und die wäre extrem kompliziert, kostenintensiv und schlicht unwürdig.

  11. 23.

    Wenn die Bahn sich als Rechtsnachfolgerin und nicht als potenziell börsennotierte AG begriffe, ist das gewiss richtig. Schon der Zug der Erinnerung macht ja immer wieder das Problem der Bahn deutlich, zur Bahngeschichte zu stehen, mit ALLEN ihren Auswirkungen.

  12. 22.

    Einfach auf die S-Bahn verzichten und einen Fern-Radschnellweg bauen ! In großem Bogen um das Denkmal herum. Dann wäre auch der Umbau zur Straßenbahntrasse möglich. Das Denkmal wäre jederzeit für jeden Vorbeifahrenden zu sehen. - Wenn dann noch eine Mautgebühr erhoben werden würde, könnte man die S-Bahn durch das Erdgeschoss des Reichstagsgebäudes führen.- Müssten eben die Bundestagssitzungen alle 45 - 60 Sekunden kurz unterbrochen werden, wegen der fahrenden Züge. - Welcher Vollpfosten hat das Mahnmal in die Gleistrasse bauen lassen ?

  13. 21.

    "Das hat sich durch den Bau der Tiefgarage nicht im geringsten verändert."

    In meinen Augen schon. Es gibt auch so etwas wie ein "Wirkungsfeld". Das ist nichts Gespenstisches, auch nichts physisch Messbares, nur etwas Empfindsames, was der heutigen Zeit weitgehend abgeht. Ein einziges Beispiel: Geplante Hochhäuser auf dem Köln-Deutzer Ufer standen im Wirkungsfeld des Kölner Doms, die Stadt Köln hat auf Intervention der UNECSO-Welterbekommission eingelenkt und davon gelassen.

  14. 20.

    Ich habe vollstes Verständnis für Denkmäler, die an Verfolgte des Nazi-Regimes erinnern.
    Aber hier ging es um eine temporäre Nichtnutzung. Nach Ende der Bauarbeiten ist alles wieder wie vorher oder vielleicht sogar schöner.
    Nachdem nun dagegen gewettert wurde, nimmt die DB eine Änderung vor, ggf. höhere Kosten in Kauf.
    In Lichtenrade wird ein ganzer Stadtteil geteilt, eine der Verbindungsstraßen dies-und jenseits der S2-Trasse wird dichtgemacht, ein denkmalgeschützter Bahnhof wird abgerissen. Ach nein, das Namensschild wird eingelagert, ich gehe davon aus, dass es im Laufe der mehr als dreijährigen Baumaßnahmen irgendwie verloren gehen wird.
    Hier wird nix mehr wie früher.

  15. 19.

    Stimmt. Dann ginge es ja auch um Bach, Beethoven, Luther o.ä. Die wurden alt, haben ihr Leben zu Ende leben dürfen und wurden nicht gequält und ermordet. Ihr Vergleich ist kein Vergleich.

  16. 18.

    Nun sind Sie aber gar nicht das Zentrum des Berliner Kosmos' und seiner Erinnerungskultur. Wenn Sie bei diesem Sachverhalt nur an sich selbst denken, ist das schon etwas seltsam anmutend.

  17. 17.

    Ihnen kann geholfen werden: Wir lassen den Tunnel von einer ganz neuen Firma bauen, die in keinerlei Beziehung zur Reichsbahn steht. Dann sind Sie doch sicher zufrieden?

  18. 16.

    Ja.

    Und auch "gerade in der heutigen Zeit". Denn es gab nachweislich noch nie eine Zeit, in der nicht zu hören war: "Gerade in der heutigen Zeit".

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