Black Lives Matter Demo am 06.06.2020 in Berlin (Quelle: dpa/Markus Schreiber)
Video: Abendschau | 06.06.2020 | Christian Titze | Bild: dpa/Markus Schreiber

Gedenken an George Floyd in Berlin - Mehr als 15.000 Teilnehmer bei "Silent Demo" gegen Rassismus

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd hat auch in Berlin am Samstag Zehntausende Menschen auf die Straßen gebracht. Überwiegend schweigend und in schwarz gekleidet protestierten sie gegen Rassismus. Teilweise kam es zu Ausschreitungen.

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA haben am Samstag auf dem Berliner Alexanderplatz Zehntausende Menschen gegen Rassismus demonstriert. Die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern, Schätzungen von rbb-Reportern und nachträglichen Auswertungen von Luftbildern zufolge muss die Zahl aber weit höher gelegen haben. Die Veranstalter nannten auf Anfrage keine eigene Schätzung. Die Veranstaltung verlief weitgehend friedlich, sagte die Polizeisprecherin Anja Dierschke am Nachmittag. Vereinzelt kam es danach zu Angriffen auf Polizeibeamte.

Damit waren weit mehr Menschen zu der Demo gekommen, als von den Veranstaltern erwartet, die 1.500 Teilnehmer angemeldet hatten. Die Polizei rief dazu auf, die Corona-Regeln einzuhalten und angrenzende Straßen zu nutzen.

Hintergrund ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Großstadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota. Daraufhin kam es zu Protesten und teilweise auch Ausschreitungen in mehreren Städten der USA. 

Viele der Demonstranten bei dem Protes in Berlin hatten sich dunkel gekleidet. Man wolle still und schweigend ("silent") an den Tod von Floyd erinnern, hieß es im Vorfeld. Auf Plakaten, die vielfach in Englisch verfasst waren, war neben dem Motto "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen) unter anderem zu lesen: "Rassismus tötet", "Zusammen gegen Rassismus", "Rassismus ist eine Pandemie" und "Wir können nicht schweigen".  

Künstler malen mit Kreide auf dem Alexanderplatz ein Potrait des Afroamerikaners George Floyd (Quelle: imago images/Jan Huebner)
Künstler malen mit Kreide auf dem Alexanderplatz ein Portrait des Afroamerikaners George Floyd. | Bild: imago images/Jan Huebner

8 Minuten und 46 Sekunden Schweigen

Bei einer Schweigeminute setzten sich die Demonstranten, darunter viele Jugendliche, auf den Boden. Sie dauerte genau 8 Minuten und 46 Sekunden. So lange drückte ein Polizist in Minneapolis Floyd sein Knie an den Hals, bis dieser sein Bewusstsein verlor und kurz darauf starb.

Menge skandierte: "Black Lives Matter"

Nach Gesängen und einigen Reden, in denen vor allem Rassismus und Polizeigewalt angeprangert und des Todes Floyds gedacht wurden, skandierte die Menge: "Black Lives Matter" und "No justice, no peace". Kurz nach 16 Uhr löste sich die Versammlung auf.

Am Rande der Versammlung verschafften sich laut Polizei Menschen Zugang zu mehreren nahe gelegen Dächern rund um den Alexanderplatz. Genannt wurden das früheren Haus der Statistik, ein Hotel und eine Baustelle. Sie wurden zum Verlassen aufgefordert. Einige leisteten Widerstand. Auch auf U-Bahn-Eingängen und Straßenbahnhäuschen saßen nach Augenzeugenberichten Menschen. In weiteren deutschen Städten kamen Tausende ebenfalls zu "silent demos" (stillen Demonstrationen) zusammen. 

Gegen 18 Uhr twitterte die Einsatzleitstelle der Berliner Polizei, dass Beamte vor dem Berolinahaus (zwischen dem Bahnhof und dem Brunnen der Völkerfreundschaft gelegen) von einer größeren Personengruppe mit Steinen und Flaschen beworfen wurden. Dabei wurden Einsatzkräfte verletzt, es gab diverse Festnahmen. Zudem wurde ein Pressefotograf durch eine geworfene Flasche am Kopf verletzt, teilte die Polizei mit.

Insgesamt 14 angemeldete Versammlungen in Berlin

Insgesamt waren für diesen Samstag in Berlin 32 verschiedene Versammlungen geplant, 14 davon innerstädtisch, wie die Polizeisprecherin sagte. Die Polizei kündigte an, 800 Beamte einzusetzen.

Die Proteste richteten sich unter anderen gegen die Corona-Maßnahmen, etwa auf der Straße des 17. Juni. Die Initiative "Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus" warnte vorab vor Aufrufen von Gruppen aus dem "verschwörungsideologischen Milieu". Ein rechtsgerichteter Aufmarsch einer Gruppe namens "Patriotic Opposition Europe" startete am Brandenburger Tor und wollte durch das Regierungsviertel ziehen. Eine Demonstration gegen Rechts in Form eines Fahrradkorsos war für die Gegend am Rosa-Luxemburg-Platz angekündigt. 

Sendung: Abendschau, 06.06.2020, 19:30 Uhr

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140 Kommentare

  1. 139.

    Hallo Luna,
    wenn Sie meinen Text richtig gelesen hätten, würden Sie mitbekommen haben, dass ich grundsätzlich Demos gegen Rassismus für richtig und wichtig halte. Aber hätte man nicht dafür Sorge tragen können dass die Coronaregel eingehalten werden. Und wenn Sie auf die niedrigen Infektionszahlen hinweisen, dann ist es wohl in Vergessenheit geraten dass Corona in Berlin mit einen einzigen Infizierten angefangen hat. Nur den niedrigen Infektionszahlen ist es zu verdanken, das unter anderen Lockerungen auch Demonstrationen wieder statt finden dürfen.

  2. 137.

    Leichtsinn ist das Privileg der Jugend,jedoch nicht automatisch ohne Konsequenzen.
    ....."die Demonstrationen müssen sichtbar sein, sie müssen unangenehm sein!"
    Demonstrationen bleiben aber auch sichtbar,wenn man in der aktuellen Zeit an die Coronaregeln einhält und Abstand hält. Und für wen bitteschön müssen Demos unangenehm sein? Wenn ich Menschen bei einem wichtigen Thema mitnehmen will,dann nicht ,indem ich sie verärgere. Schon mal was von positiver Verstärkung gehört? Für mich ist der Mensch wichtig und wie er mich behandelt und nicht wo er herkommt,wie er aussieht oder was er glaubt. Rassismus muss, wie alle Ausgrenzungen, im Alltag bekämpft werden. Unabhängig von Demos.
    Und im Übrigen finde ich, Toleranz und Respekt ist in jedem Alter wichtig,auch in den Kommentaren.
    Bleiben Sie gesund.

  3. 136.

    "Aber aus seiner Position als privilegierter älterer Mensch, kann man ja bequem auf die Jugend schimpfen (wie sie ja "eindrucksvoll" gezeigt haben in Ihrem Kommentar), warum sollte sich auch was ändern, ist doch schön so für Sie. "

    --Gegenthese: Aus der Position eines jungen gesunden Menschen ist es ja nicht von Interesse ob Menschen jenseits der 50 Jahre gesund bleiben, Hauptsache ich habe etwas geändert (auch wenns nur die Infektionsrate war die wieder nach oben geht). ----> Populismus kann ich auch wie sie sehen. Ist übrigens nicht meine Meinung und ich bin auch noch mehr als ein Jahrzehnt von den 50 Jahren entfernt, jedoch ist Naivität und Einseitigkeit keine Entschuldigung für solche Aussagen.
    Von daher mehr Halbmond, weniger Vollmond liebe Luna, alles wird gut :)

  4. 135.

    1. Die Demo ist und war ganz ganz wichtig, denn es ist gerade in diesen von Trump,Bolsonaro,Erdogan und anderen verseuchten Zeiten wichtig, dass Menschen für Menschenrechte auf die Straße gehen.

    2. Wieso aber sind Menschen so unsäglich dämlich in diesen Zeiten nicht Abstand zu halten und keine Masken anzuhaben?! Es geht nicht um die Gesundheit der Demonstranten (da waren die meißten jung und gesund), sondern eine Menge älterer Menschen die nun vermehrt wieder angesteckt werden. Die Menschen auf den Demos in den USA haben es doch vorgemacht,dass beides parallel wunderbar funktioniert. Wegen dieser "Gehirnakrobaten" haben wir in 1-2 Wochen wieder ansteigende Zahlen, diverse Massenversammlungen in der jüngeren Vergangenheit haben dies bereits zweifelsfrei belegt. Corona is back, wie stark werden wir sehen, aber geholfen hat die Aktion der eng aneinander gequetschten Menge nicht.... Dafür schonmal danke :(

  5. 134.

    Gegen Rassismus und Diskriminierung aufstehen,
    aber im Forum sich gegenseitig beschimpfen und anpöbeln.

    So wird det aber nüscht mit Love and Peace.
    Just saying.

  6. 133.

    Nein Hannelore, die Demonstrationen müssen sichtbar sein, sie müssen unangenehm sein! Sonst ändert sich nichts! Irgendwelche Facebooklikes bringen überhaupt nichts. Schauen sie doch mal zur Abwechslung in ein Geschichtsbuch: Wie wurde das Frauenwahlrecht durchgesetzt? Wie die Abschaffung der Rassentrennung?

    Aber aus seiner Position als privilegierter älterer Mensch, kann man ja bequem auf die Jugend schimpfen (wie sie ja "eindrucksvoll" gezeigt haben in Ihrem Kommentar), warum sollte sich auch was ändern, ist doch schön so für Sie.

    Ich begrüße im Übrigen JEDEN Ü50jährigen der die Bewegung unterstützen möchte - gibt sogar einige die nicht bequem im Sessel hocken, sondern sich aktiv freiwillig beteiligen. Sowas aber auch!

  7. 132.

    Nicht Hajo sollte sich schämen, Luna. Sie sollten sich schämen für Ihre Menschenverachtenden Bemerkungen. Für Sie scheinen alle Menschen jenseits der 50 ein Übel zu sein.
    Solidarität kann anders aussehen. Dazu müssen Sie nicht mit tausenden Menschen auf die Straße gehen. Solidarität zeigt man jeden Tag an jedem Ort ohne sich und andere zu gefährden.

  8. 131.

    Was für ein menschenverachtender Vergleich! Die Demonstranten sind also potentielle Mörder, weil sie ohne Maske demonstrieren?! Aber sonst ist noch alles frisch bei Ihnen, Hajo?
    Haben Sie sich schon einmal informiert, wogegen hier demonstriert wird? Gegen TATSÄCHLICHE MÖRDER nämlich!!

    Hätte Ihre Generation schon etwas gegen den allgegenwärtigen Rassismus unternommen, dann müssten die Jungen die Älteren jetzt nicht in "Gefahr" bringen. (was im Übrigen lächerlich ist, angesichts der Infektionsraten)
    Aber sich im eigenen Wohlstand suhlen, und auf alle schimpfen die es wagen wollen die Welt zu einer besseren zu machen, ist so typisch Boomer - unglaublich! Sie sollten sich was schämen!

  9. 130.

    George Floyd ist brutal umgebracht worden. Das geht garnicht. Gegen Rassismus mit Demos zu protestieren ist sicherlich wichtig und richtig. Aber nicht wie Samstag auf dem Alexanderplatz. Mit 15000 Menschen die keinen Sicherheitsabstand halten oder halten konnten, teilweise sogar ohne Maske. Diese Menschen haben bei ihrer Demo billigend in Kauf genommen, dass sie ein Infektionsrisiko verursacht haben, welches unter Umständen im Laufe der Übertragungskette Todesopfer fordern kann. Sollte dies nachweislich eintreten, betrachte ich dies auch als Mord, weil jeder über Corona bescheid wusste und die Regeln trotzdem missachtet hat. Und wer geht dann auf die Straße bzw. auf den Alexanderplatz?

  10. 129.

    Wie viele Anzeigen wurden gestellt, oder wird nur bei Rentnern und Aluhutträgern gnadenlos angezeigt und abkassiert?

  11. 128.

    Angst ist nur eine natürliche Reaktion des Körpers. Er warnt uns, dass es in manchen Situationen wichtig ist, vorsichtig zu sein. Bei Ihnen war es wohl eher der Verstand, der Ihnen sagte, dass Risiko und Nutzen nicht im Verhältnis standen. Alles gut. Bei Demos kann niemand die Entwicklung vorhersagen, deswegen ist es auch schwierig, hier die Meinungsfreiheit mit dem Infektionsschutz in Einklang zu bringen. Das muss auch jeder Veranstalter bedenken. Ich hätte zB eher eine Menschenkette als eine Art Mahnwache für besser gefunden, als eine Versammlung auf einem Platz, selbst ein Marsch wäre besser zu organisieren gewesen.

  12. 127.

    Werter Herr Manzke. Ich bin Jahrgang 51 und zähle auch zur Risikogruppe. Was Sie früher bei den von Ihnen genannten Demos geleistet haben, dafür zolle ich Ihnen mein Respekt. Doch wir leben nunmal im Internetzeitalter. Das sagt eigentlich schon alles. Der Veranstalter dieser Demonstration rechnete mit vielleicht 1500 Teilnehmern. Steht aber alles hier sehr ausführlicher geschrieben. MFG

  13. 126.

    Völlig richtig, was Sie hier anführen. Auch darüber habe ich mich schon sehr ausführlich zu Beginn der Pandemie deutlich geäußert. Denn ich gehöre der Risikogruppe an. Jetzt kann ich beim Einkaufen in den Supermärkten in meiner Umgebung feststellen, wie sich die Kunden zumindest was die Schutzmasken anbelangt auch daran halten. Draußen im Freien trage ich keine mehr. Halte mich an die Abstandsregel so gut es eben geht. Wäre sehr gerne mitgelaufen bei der Demonstration. Doch meine Angst war größer. MFG

  14. 125.

    Moin - zuerst: Ich bin ein alter Sack (62). Ich war in Wackersdorf, Brokdorf,Startbahn West, Bonn und sonst wo (ich hoffe unsere Jungaktivisten können da was mit anfangen) . Nun bin ich zufällig auch noch Corona-Risikogruppe und könnte (wenn es meinem Blutdruck nicht schaden würde) bei den Bildern aus Berlin platzen. NATÜRLICH ist der Kampf gegen Rassismus wichtig und notwendig, aber Corona ist etwas noch nie da gewesenes. Wir alle üben den Umgang mit der Seuche und da passen Deminstranten aus Eissenbahnbrücken, dicht an dicht, Mundschutzquote < 50% nicht in mein Weltbild.

    Beides gegeneinander auszuspielen bringt gar nichts. Ein ketzerischer Einwand: Warum muss erst in den USA ein Schwarzer (Farbig darf ich ja nicht mehr sagen, hat mir eine Junge Frau gestern gesagt) ermordet werden damit hier in Deutschland urplötzlich Massen auf die Straße gehen. Vorher? Nichts? Oder muss das erst über insta und Co. zum Ereignis - real - werden.

  15. 124.

    Das mit dem absolut Unschuldig beziehen sie jetzt genau worauf? Waren Sie dabei oder haben alle Videos gesehen?

    Das George Floyd getötet wurde ist weder mit seinen vielen Straftaten, noch das er unter Drogeneinfluss Auto gefahren, vermutlich mit Falschgeld bezahlt hat oder seiner Widersetzung bei der Festnahme zu rechtfertigen. Aber ist er wirklich aus rassistischen Gründen, von einem Weißen der mit einer asiatisch wirkenden Frau verheiratet ist, mit Vorsatz getötet worden?

  16. 123.

    Dennoch stimmt die Aussage. Problem ist, dass man infiziert sein kann, ohne Symptome zu zeigen und dennoch kann man jemanden anstecken. Die kritisierte Wahrscheinlichkeitsrechnung ist vlt okay, aber würde Sie es riskieren?

  17. 122.

    Dumm gelaufen;-( Damit haben Sie jetzt aber wahrlich die falsche Person auf die Füße getreten. Wenn Sie nur mal etwas weiter hier im Forum zurückblicken, werden Sie an den Kommentaren d.Userin Heike zum Thema Corona Pandemie nichts auszusetzen haben. Diese hat IMMER sehr betont, sachlich und auch differenziert ihre Meinung geäußert.

  18. 121.

    Zystem sweifler, Göttingen Sonntag, 07.06.2020 | 13:45 Uhr:
    "Also kann man sagen dass er es zum Teil auch selbst provoziert hat."

    ABSOLUTER UNSINN!

    Er hat seine Festnahme vielleicht provoziert, aber NIEMALS seine Tötung, denn er hat NIEMANDEN angegriffen! Die Polizisten haben weder aus Notwehr noch zur Festnahme gehandelt, denn er war schon festgenommen.

    Wenn Sie wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Polizei angehalten werden und ein Polizist Sie dann erwürgt, dann haben Sie zwar das Anhalten und ein Bußgeld provoziert, aber nicht, dass Sie - quasi in einem Akt der Selbstjustiz - erwürgt werden.

    Bezüglich der Tötung war Floyd absolut unschuldig. Schuldig war er höchstens wegen Geldfälscher, Betrug, Hehlerei. Darauf steht aber nicht die Todesstrafe, erst recht nicht ohne rechtsstaatliches Gerichtsverfahren von der Polizei standrechtlich exekutiert!

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