Symbolbild: Junge SchülerInnen sitzen in einem Klassenraum und blicken auf eine Lehrerin, die an die Tafel schreibt. (Quelle: dpa/S. Gollnow)
Audio: Inforadio | 25.06.2020 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/S, Gollnow

Berlin hilft nach - Sommerschule statt Sommerferien

An einigen Berliner Schulen startet mit Beginn der Ferien die Sommerschule. Das Angebot richtet sich an jene, die wegen der Corona-Beschränkungen zu viel Unterrichtsstoff verpasst haben. Den sollen sie nun in den Ferien aufholen können. Von Kirsten Buchmann

Nicht für alle Kinder und Jugendlichen in Berlin stehen nun sechseinhalb Wochen Schulferien an. Denn mehr als 11.500 Schüler sind für die sogenannte Sommerschulen angemeldet. So sollen sie Lernstoff aufarbeiten können, den sie wegen des eingeschränkten Unterrichts aufgrund der Corona-Pandemie verpasst haben.

In der Heinz-Brandt-Schule in Weißensee gibt es nur für ein paar Tage Ferienstille. Wo sonst wochenlang gähnende Leere herrscht, wird diesmal gleich ab Montag wieder Leben einziehen. Die Rektorin, Miriam Pech, rechnet in der Sommerschule mit 70 Schülern.

Die angemeldeten Sekundarschüler können jeweils zwei Wochen dabei sein. Sie werden in Gruppen von maximal acht Jugendlichen unterrichtet, aufgeteilt nach Fächerschwerpunkten. Mit dabei ist an Pechs Schule in den Ferien auch ein Nachhilfeanbieter, mit dem sie bereits zusammenarbeitet, um Kinder beim Lernen zu fördern.

Externe Dienstleister helfen nach

Auf Seiten anderer Träger gibt es allerdings Fragezeichen: Der Inhaber der Nachhilfeeinrichtung "Kopfpiloten", Matthias Raudat, ist wegen der Bedingungen für die Sommerschulen ins Grübeln gekommen. Wegen der für ihn ungünstigen Konditionen will zumindest ein Berliner Anbieter sich nicht an der Sommerschule beteiligen.

Andere Hürden konnten in Gesprächen mit der Bildungsverwaltung aus Raudats Sicht dagegen inzwischen beiseite geräumt werden. So müssen die Beschäftigten nicht mehr sofort alle Nachweise vorlegen, wie etwa eine Masernschutzimpfung und einen Erste-Hilfe-Kurs. Daher wirkt Raudat inzwischen zuversichtlich.

Wenn die Hälfte der Kinder auftauche, sei das viel

Wenn die ersten Sommerschüler an der Heinz-Brandt-Schule am Montag starten, wird auch Schulleiterin Pech dabei sein, um sie zu unterstützen. Die Rektorin einer anderen Grundschule ist sich momentan noch unsicher, wer von ihren Erst- und Zweitklässlern, an die sich die Sommerschule auch richtet, bei womöglich schönstem Wetter wirklich an Bord sein wird. Wenn die Hälfte der Kinder auftauche, sei das viel, meint sie.

Wer auf der anderen Seite etwa wegen einer verspäteten Anmeldung jetzt noch keinen Platz bekommen hat, soll in Berlin während der Herbstferien zum Zuge kommen können.
Erst einmal sind die Schulen nun gespannt darauf, was der kompakte Unterricht in den Ferien an zusätzlichem Wissen bringen wird.

Sendung: Inforadio, 24.06.2020, 09:35 Uhr

Beitrag von Kirsten Buchmann

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5 Kommentare

  1. 5.

    Am Heinrich-Schliemann-Gymnasium standen wir heute vor verschlossenen Türen.
    Im Sekretariat wusste man nichts über die Sommerschule.
    Die Kontakt-Email-Adresse der Sommerschule beantwortet seit 14 Tagen keine Emails und bei den Telefonnummern geht niemand ran.
    Im Prenzlauer Berg hat Bildung wohl keinen Platz.
    Um uns Kinder und unsere Zukunft kümmert sich seit Monaten keiner.

  2. 4.

    Was können denn die Schulen und Schulleiter für das ungeordnete Chaos der Senatsverwaltung? Schulen stellen ausschließlich Räume und nicht das Personal.

  3. 3.

    Leider haben nicht alle Kinder einen Anspruch auf Sommerschule.
    Unsere Klasse ist zu klein und hat sowieso schon keinen Anspruch auf Förderunterricht.
    Und Sommerschule für die 2-3 Kinder, die sie gebrauchen könnten, gibt es nicht.
    Gute Idee, Umsetzung mangelhaft.

    Aber ich muss auch mal sagen, dass alle Entscheidungsträger im Moment derartig viele Entscheidungen treffen müssen, immer im Versuch, alle Interessen zu berücksichtigen... und das geht schlicht und einfach nicht.
    Trotzdem schade. Vielleicht gibt es ja eine Nachbesserung.

  4. 2.

    Die Wut auf die Berliner Schulen, deren Schulleitung und auf das Bildungsministerium kann ich sehr gut nachempfinden.
    Die Lehrer nicht, sie haben doch so viel Mühe gehabt, wöchentlich Unterrichtsmaterial auf den internen Server hochzuladen, dass sie jetzt echt eine Pause brauchen. Leider sind sie auch total unterbezahlt und zu wenig Urlaub haben sie auch - Sarkasmus lässt grüßen!!!
    Unser Sohn kommt in die 3te Klasse und bekommt schon die FÜNFTE Mathelehrerin!!! Weil plötzlich, ganz spontan unsere Schule fünfzügig wird, hopala - es ging halt organisatorisch nicht anders. Was es aber für die Kinder bedeutet, psychologisch und pädagogisch - das können sich die Herrschaften nicht vorstellen. Auf meine Mail, und ich bin in der GEV und vertrete da unsere Elternschaft, habe ich von der so überarbeiteten Schulleitung auch keine Antwort bekommen.
    Da hilft nur ein Wechsel auf die Privatschulen, schade, dass sich diese nicht alle Leisten können.

  5. 1.

    Gute Idee, katastrophale Umsetzung in unserem Fall .
    Ich habe meine zwei Kinder 7. & 8.Klasse angemeldet. Bis heute noch keine Rückmeldung erhalten. Auf telefonischer Rückfage kam die Anrwort, dass ich eine <email> erhalte. Mittlerweile habe ich, weil unser Sommerurlaub abgesagt wurde, verschiedene Projekte für meine Kinder gemanagt. Bestimmt bekomme ich Sonntag die Mail, dass meine Kinder am Montag in die Sommerschule dürfen. Mich überrascht nichts mehr. Halleluja.

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