Ein junger Mann spielt am 11.03.2015 an einem Spielautomaten. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Auswirkung des Spielhallengesetz - Nur noch jede fünfte Spielhalle in Berlin darf offen bleiben

Das Straßenbild einiger Berliner Kieze wird sich bald ändern: Im kommenden Jahr sollen nur noch 120 Spielhallen öffnen dürfen - als das Spielhallengesetz erlassen wurde, waren es noch knapp 600. Allein in Mitte werden von fast 150 Spielhallen nur noch 23 übrig bleiben.

Berlin reduziert die Zahl der Spielhallen im kommenden Jahr noch einmal deutlich. Im Vergleich zu 2011, als das Spielhallengesetz erlassen wurde, darf nur noch jede fünfte öffnen. Das ergibt sich aus Angaben der Berliner Bezirke. Zuerst berichtete die "Morgenpost" am Montag. Demnach seien die Berliner Bezirke gefragt worden, inwieweit sie das Berliner Spielhallengesetz, das 2011 erlassen wurde, umgesetzt haben.

Insgesamt noch 120 Spielhallen in Berlin

Am stärksten sinkt die Zahl demnach im Bezirk Mitte: Von einst 147 Spielhallen werden nur noch 23 übrig bleiben. In Reinickendorf sind es fünf, in Steglitz-Zehlendorf drei Spielhallen. Die meisten Spielhallen bleiben demnach in Mitte (23) in Charlottenburg-Wilmersdorf (16), Friedrichshain-Kreuzberg und Spandau bestehen (jeweils 13). In Tempelhof-Schöneberg sind es zehn, in Neukölln neun, schreibt die Zeitung.

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass es in Berlin künfitg insgesamt nur noch 120 Spielhallen geben soll - 2011 waren es noch knapp 600 Spielhallen.

Damals hatte das Abgeordnetenhaus das Berliner Spielhallengesetz verabschiedet – das strengste seiner Art in Deutschland. Das Gesetz schreibt unter anderem vor, dass Spielhallen mindestens 500 Meter voneinander entfernt sein müssen und nicht näher als 200 Meter an Schulen und Jugendeinrichtungen liegen dürfen. Außerdem soll es feste Öffnungszeiten von 11 bis 3 Uhr geben und pro Halle nicht mehr als acht Spielautomaten aufgestellt werden dürfen.

Zuletzt noch 305 Spielhallen

Die Besitzer von Spielhallen mussten zunächst einen Antrag stellen, um ihren Betrieb weiterzuführen, 2016 hatten das knapp 500 Betreiber getan. Kamen sich zwei oder mehr Bewerber bei der Einhaltung des Mindestabstands in die Quere, entschied das Los. Die Klage einer Frau gegen dieses Verfahren war beim Verwaltungsgericht gescheitert. Nach dem mehrstufigen Verfahren erhalten nun 120 Spielhallen eine Erlaubnis. Die übrigen müssen im Laufe des Jahres schließen. Ende 2019 hatte es nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung noch 305 Spielhallen gegeben.

Die Deutsche Automatenwirtschaft kritisiert laut Morgenpost das Vorgehen des Berliner Senates gegen die Spielhallen. Sie befürchtet, dass mit der Zurückdrängung der legalen Einrichtungen das illegale Glücksspiel unkontrolliert wächst.

Strengere Vorgaben auch für Wettbüros

Auch für Wettbüros gelten in Berlin ab dem 1. Oktober neue Vorgaben. So müssen Wettbüros unter anderem Abstandsregelungen zu Oberschulen, Sportstätten sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen einhalten. Es gelten dann, wie bei Spielhallen, 200 Meter Mindestabstand. Zu anderen Wettbüros soll ein Abstand von mindestens 500 Metern gelten, zwischen zwei Wettbüros des selbst Anbieters müssen mindestens 2.000 Meter liegen.

Sendung: Abendschau, 29.06.2020, 19:30 Uhr

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Antwort auf [henny behm] vom 29.06.2020 um 23:04
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19 Kommentare

  1. 18.

    Mensch wo lebt ihr eigentlich?!

    Zehlen-Dorf!!

    Denkt ihr alle wirklich, dass Berlin nur weil die BILD es schreibt, sich in Gotham City verwandelt hat!!

  2. 16.

    Ja, warum macht Berlin das? Und warum sind z.B. Shisha-Bars gegenüber von Kitas noch erlaubt, obwohl die die Luft in der ganzen Straße verpesten? Der Hinweis auf die Folgen von Spielsucht fehlt leider: www.verspiel-nicht-dein-leben.de/hilfe/auswegebehandlungen.html

  3. 15.

    Das Problem sind aber auch die Vermieter, die solche Läden überhaupt erst möglich machen.
    Ich wohne in einer 800 Meter langen Straße im Kern von Wilmersdorf. Bis zur Reform der Spielhallen hatten wir drei Spielhallen in unserer Straße. Nach der Reform nur noch eine, aber dafür jetzt zwei Wettbüros in den ehemaligen Spielhallen. Es hat sich also nichts geändert. Solange Vermieter nur nach dem zahlungskräftigsten Mieter Ausschau halten, wird sich nichts ändern. Ein normaler Laden kann die MIeten nicht bezahlen, die ein Wettbüro bezahlt. Damit werden Kieze einfach kaputt gemacht. Spielhallen, Wettbüros, Thai-Massagen, Nagelstudios, Dönerläden in denen nie ein Kunde ist usw.

  4. 14.

    Ich hoffe, die Drogis und Geldwäscher und Menschenhändler verschwinden auch damit. Aber allein der Glaube fehlt.

  5. 13.

    Spielhallen und organisierte Kriminalität gehen Hand in Hand, denn sie bieten der oK das Alibi zu hohen Bargeldeinzahlungen, Stichwort Geldwäsche. Hier ist insbesondere die Mafia aus dem Ostblock und Rußland seit Jahren in einem unfähigen Berlin tätig.
    So hat beispielsweise die Spielhallenkette "Vulkan" in der Stromstraße in Moabit vor einigen Jahren zwei Spielhallen mit einem Abstand von weniger als 200 Metern zueinander eröffnet. Und dies in der Hartz-4-Gegend Moabit!
    Die Kriminalitätsbekämpfung versagt in Berlin fast vollständig - oftmals unter dem Deckmantel von "Liberalität" und "Toleranz".

  6. 12.

    "Die Deutsche Automatenwirtschaft befürchtet illegales Glücksspiel" - klingt wie ein Geständnis, das sie selbst Glücksspiel betrieben haben, statt wie sonst behauptet nur Unterhaltungspielanbieter zu sein.

  7. 11.

    Lesen und Verstehen sind immer noch 2 Paar Schuhe.
    Da steht doch eindeutig: es war NICHT ALLES verkehrt im Osten.
    Das heisst wiederum nicht: das ALLES ok war

  8. 10.

    Softwareautomaten sind fairer für die Spieler als die altmodischen Dinger. Da gibt es strenge Vorgaben zu den Gewinnwahrscheinlichkeiten. Zur Langen Nacht der Wissenschaften kann man sich in der PTB ansehen wie die Automaten getestet werden, das ist ganz interessant.

  9. 9.

    "...es war eben auch in der DDR nicht alles falsch - Leute mit Tunnelblick können das nicht sehen."
    Warum wollten die Ostdeutschen dann unbedingt die deutsche Einheit - wenn doch alles so toll war wäre das ja nicht notwendig gewesen.

  10. 7.

    Gute Sache, jetzt müssen nur noch alle Shisha Bars verschwinden und damit der Clan-Kriminalität ein weiterer Riegel vorgeschoben werden!

  11. 6.

    Das wurde auch aller höchste Zeit! Jetzt noch in den Kneipen auf 1 Automat reduzieren, dann geht das so gerade eben. Wie mir berichtet wurde laufen alle Geldspielautomaten über Software. Mehr muss man darüber wohl nicht schreiben.

  12. 5.

    Mich stört die Werbung für Glücksspiele im TV viel mehr. Und es könnte Mitte 2021 noch mehr werden ab 21 Uhr, wenn online Glücksspiele in allen Bundesländern erlaubt sind.

  13. 4.

    Damit immernoch zuviele Spielsucht und andere Räume zum Treffen.

  14. 3.

    Wie erinnert mich das an Zeiten von E. Honecker! Da hat ja dann die rot-rot-grüne Regierung ganze Arbeit geleistet. Wie wären da aber die alten Genossen stolz gewesen, vorwärts immer, rückwärts nimmer.

  15. 2.

    ...genauso wird es auch dem Rotlichtmilieu ergehen.

  16. 1.

    Sehr, sehr gut! Spielsucht zerstört Menschenleben und verursacht volkswirtschaftliche Kosten in gigantischer Höhe.

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